Elektroauto: Worauf Sie beim unterwegs Laden achten sollten

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Wer sein Elektroauto unterwegs lädt, sollte bei der Wahl des passenden Ladetarifs einiges beachten. Die Verbraucherzentralen geben Ihnen wichtige Tipps. Mit dem Ladekostenrechner können Sie die Kosten abschätzen, je nachdem, wie viel Sie öffentlich und privat laden.
Elektroautos an öffentlichen Ladesäulen

Das Wichtigste in Kürze:

  • Zusätzlich zur Strommenge erschwert manchmal die Ladezeit den Preisvergleich für Ladetarife.
  • Der Ladebedarfsrechner der Verbraucherzentralen hilft Ihnen beim Überschlagen der Jahreskosten.
  • Neben den Stromkosten sind auch Grundgebühren, Vertragslaufzeiten und die Zahl der verfügbaren Ladestationen wichtige Merkmale eines Ladestromtarifs.
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Elektroautos unterwegs laden: Wie ist die Situation in Deutschland?

Zwischen 20 und 40 Prozent aller Ladevorgänge von Elektroautos finden an öffentlichen Ladesäulen statt. Tarife dafür bieten viele Energieversorger an, also Stadtwerke oder überregionale Energieanbieter. Doch auch andere verkaufen Ladestrom, beispielsweise Autohersteller. Auch im Einzelhandel, etwa bei verschiedenen Supermarktketten, war das Laden während des Einkaufs lange Zeit kostenfrei möglich, zunehmend jedoch wird dieses Angebot kostenpflichtig. In Deutschland sind derzeit rund 180.000 öffentliche Ladepunkte in Betrieb.

Der Markt für Ladetarife ist sehr unübersichtlich, denn es wird noch immer nicht einheitlich abgerechnet. Neben der eigentlich vorgeschriebenen Abrechnung nach geladenen Kilowattstunden (kWh) erfolgt diese manchmal auch nach Ladezeit, pro Ladung oder über eine Flatrate. Hinzu kommt, dass individuelle Faktoren wie die Anzahl der zu ladenden Kilometer im Jahr oder die Ladeleistung des E-Autos wesentlich darüber entscheiden, ob ein Tarif teuer oder preiswert ist.

Mittlerweile gibt es Vergleichsportale für mobile Ladestromtarife. Achten Sie bei der Auswahl eines Anbieters nicht nur auf den günstigsten Preis, sondern auch auf die Anzahl und Verfügbarkeit von Ladesäulen. Versuchen Sie stets Ihr persönliches Mobilitätsverhalten bei der Auswahl eines Tarifmodells zu berücksichtigen.

Welche Ladesäule ist die Richtige?

Am weitesten verbreitet ist das Laden mit Wechselstrom, das sogenannte AC- oder auch Normalladen. Am häufigsten trifft man dabei auf eine Ladeleistung von 22 Kilowatt. DC- oder auch Schnellladensäulen arbeiten mit Gleichstrom und haben eine höhere Leistung, inzwischen bis zu 350 Kilowatt. Dadurch ermöglichen sie ein sehr schnelles Laden. Das Laden an Schnellladesäulen ist in der Regel teurer als an den AC-Säulen. Häufig findet man diese an Autobahnraststätten.

Wie lange es dauert, bis eine Batterie voll ist, hängt nicht nur von deren Größe und der Leistung der Ladesäule ab. Auch die maximale Ladeleistung des Ladegerätes im Auto spielt eine Rolle. So kann ein Auto mit einer maximalen AC-Ladeleistung von 7,2 Kilowatt gar nicht die volle Leistung einer 11 Kilowatt-Ladesäule aufnehmen – das "Betanken" dauert dementsprechend länger. 

Zudem können Sie nicht mit jedem Auto die schnellen DC-Ladesäulen nutzen. Und auch der Ladezustand der Batterie hat Einfluss auf die Ladezeit – sobald 80 Prozent der Batterie geladen sind, verringert sich die Ladegeschwindigkeit deutlich, weswegen Schnellladevorgänge oft bei 80 Prozent stoppen.

Welche Anschlüsse eine Ladesäule hat, lässt sich in vielen Übersichtskarten online herausfinden. Die Recherche ist allerdings nicht immer nötig, denn an jeder Wechselstromladesäule in Deutschland mit mehr als 3,7 Kilowatt Ladeleistung muss es möglich sein, mit dem in Europa am weitesten verbreiteten Stecker zu laden: Dem "Typ 2"-Stecker. Das ist vorgeschrieben. Das heißt, mit einem Fahrzeug mit "Typ 2"-Buchse sind Sie in den allermeisten Fällen auf der sicheren Seite. Sie müssen allerdings oft Ihr eigenes Kabel mitbringen.

Welche Arten von Ladesäulen gibt es?

Für Schnellladesäulen mit Gleichstrom ist als Mindeststandard der verbreitete "Combo 2"-Stecker vorgesehen, der auch als CCS (Combined Charging System)-Stecker bezeichnet wird. Der "Combo 2"-Stecker ist kompatibel mit allen Autos, die eine CCS-Ladedose verbaut haben. Das kombinierte Ladesystem CCS ermöglicht es Autofahrern, neben den CCS-Ladesäulen auch die normalen AC-Ladesäulen vom Typ 2 zu nutzen. Hat Ihr Auto hingegen nur eine Typ-2-Ladedose, können Sie damit nicht schnellladen.

  1. AC-Ladesäulen (Normalladen): AC steht für "Wechselstrom". Diese Ladesäulen liefern in der Regel 11 bis 22 Kilowatt (kW) Ladeleistung.

    Merkmale:
    ➔ Stecker: Typ-2 (EU-Standard)
    ➔ Ladezeit: mehrere Stunden
    ➔ Geeignet für: längere Standzeiten
    ➔ AC-Ladesäulen sind in Städten weit verbreitet und vergleichsweise günstig.
  2. DC-Ladesäulen (Schnellladen): DC steht für "Gleichstrom". Hier wird der Strom direkt ins Fahrzeug geladen – das verkürzt die Ladezeit deutlich. 

    Merkmale:
    ➔ Stecker: "Combo 2"-Stecker - CCS (Combined Charging System)
    ➔ Leistung: meist 50 kW oder mehr
    ➔ Ladezeit: rund 20 bis 60 Minuten, je nach Fahrzeug und tatsächlich verfügbarer Leistung der Ladesäule
    ➔ DC-Ladesäulen finden sich häufig an Autobahnen und Schnellstraßen.
  3. HPC-Ladesäulen (High Power Charging): HPC ist eine besonders leistungsstarke Form des DC-Ladens.

    Merkmale:
    ➔ Leistung: 150 bis 300 Kilowatt oder mehr
    ➔ Ladezeit: oft 15–30 Minuten für 80 Prozent
    ➔ Voraussetzung: Fahrzeug muss hohe Ladeleistung unterstützen
    ➔ Viele neue Elektroautos können HPC nutzen – ältere Modelle oft nicht.

Obwohl das CCS als Mindeststandard für neue Schnellladesäulen vorgesehen ist, gibt es Ausnahmen davon, und Bestandsschutz für ältere Schnellladestationen. Es gibt also auch Schellladestationen die CCS nicht unterstützen. Eine Recherche vorab empfiehlt sich also.

Wer mit dem vor allem in japanischen Modellen verbreiteten Schnelladestecker ChaDeMo unterwegs ist, sollte genauer prüfen, wo sich eine geeignete Ladesäule befindet. Sie sind in Europa seltener. 

Der Hersteller Tesla wiederum hat eigene Ladestationen aufgebaut, die sogenannten Supercharger. Waren diese früher nur für Tesla-Fahrer:innen nutzbar, geht das heute auch für andere Fahrzeuge, teilweise aber nur zu bestimmten Zeiten. Sie sollten vorher also recherchieren. Sie können Teslas aber auch an ganz normalen Säulen über den Typ-2-Stecker laden.

Möchten Sie wissen welches Elektroauto das richtige für Sie ist? Der Artikel Laden, Reichweite, Kosten: Worauf Sie beim Elektroauto achten sollten gibt Ihnen einen Überblick – auch über die unterschiedlichen Steckertypen.

Wie wird an der Ladesäule abgerechnet: nach Strommenge, Zeit oder Ladevorgang?

Das Laden selbst muss nach Kilowattstunden abgerechnet werden, also nach der abgegebenen Strommenge. Eine andere Variante, die eigentlich nicht mehr zulässig ist, aber teilweise noch geduldet wird, ist die alleinige Abrechnung nach Zeit, also der Dauer der Nutzung einer Ladesäule. Möglich ist auch eine Kombination. Die Ladesäulenbetreiber oder Ladestromanbieter müssen dies vorab aber kenntlich machen. 

Um zu verhindern, dass Ladesäulen zu lange durch ein Fahrzeug blockiert werden, erheben viele Anbieter ab einer bestimmten Zeit, häufig nach vier Stunden, eine Blockiergebühr pro Minute. Dabei ist es unerheblich, ob das Fahrzeug noch lädt oder bereits vollgeladen ist. Manche Anbieter setzen die Blockiergebühr in den Nachtstunden aus. Dies müssen Sie aber jeweils vor Ort prüfen, um keine bösen Überraschungen zu erleben.

Neben den Kosten für das eigentliche Laden berechnen manche Anbieter eine monatliche Grundgebühr für den Ladestromvertrag. Auch einmalige Kosten für eine Ladekarte können anfallen. Zudem wird in der Regel danach unterschieden, ob an einer Normalladesäule (AC) oder an einer Schnellladesäule (DC) geladen wurde.

Als weitere Möglichkeit gibt es, ähnlich wie im Mobilfunkbereich, auch Volumentarife und echte Flatrates. Damit erhalten Sie bei bestimmten Anbietern gegen einen Festpreis eine begrenzte oder bei der echten Flatrate eine beliebige Strommenge pro Monat oder Jahr.  

An allen Ladesäulen oder in der App des Ladestromanbieters muss beim Laden ein Preis in Cent pro Kilowattstunde angezeigt werden. Kommen weitere Kosten hinzu, zum Beispiel ein Minutenpreis, muss auch das deutlich gemacht werden.

Zudem darf nicht mehr ausschließlich pro Ladevorgang oder allein nach Zeit abgerechnet werden – übergangsweise werden solche Tarife aber noch geduldet, um den bereits eher langsam fortschreitenden Ausbau der öffentlichen Ladesäuleninfrastruktur nicht weiter zu behindern. Flatrates oder eine zusätzliche Abrechnung nach Zeit, zum Beispiel als Parkgebühr, die aber transparent ausgewiesen werden muss, sind weiterhin erlaubt, ebenso wie das kostenfreie Laden oder eine Grundgebühr.


Rechentool: So überschlagen Sie Ihre persönlichen Ladekosten 

Um herauszufinden, welche Ladekosten Ihnen jährlich entstehen, brauchen Sie folgende Angaben:

  • Ungefähre Kilometeranzahl, für die Sie in einem Jahr unterwegs Strom laden werden,
  • Abschätzung, wie viele Kilometer davon Sie normal und schnell laden,
  • Stromverbrauch Ihres Autos in Kilowattstunden pro 100 Kilometer.
  • Zusätzlich können Sie Preise für das Normalladen und Schnelladen eingeben sowie die Preise für den Tarif Ihrer Wallbox, sofern vorhanden.

Aus diesen Daten ermittelt der Ladekostenrechner,

  • welche Menge Strom Sie voraussichtlich pro Jahr beziehen werden und
  • welche Ladekosten Ihnen dafür entstehen.

E-Auto Laderechner

Wie nutze ich den gewählten Ladetarif für mein Elektroauto?

An ein und derselben Ladesäule kann die Nutzung ganz unterschiedlicher Tarife möglich sein.

Um die Konditionen eines bestimmten Ladetarifs zu nutzen, müssen Sie sich in der Regel vorab registrieren. Der Zugang zur Ladesäule wird dann zum Beispiel per App, SMS, Ladekarte oder Ladeschlüssel ermöglicht. Die Bezahlung und Abrechnung erfolgt je nach Vereinbarung zum Beispiel per Lastschrift, Paypal oder über die App.

Über die Bildung von Netzwerken ermöglichen die sogenannten E-Mobility-Provider, also die Tarifanbieter, das Laden an Ladensäulen verschiedener Betreiber – das sogenannte Roaming. Wenn Sie zum Beispiel einen Vertrag mit Firma A haben, ermöglicht die Ihnen, ohne weitere Registrierung auch an Säulen der Firma B zu laden. Die Abrechnung erhalten Sie trotzdem von Firma A.

Geht auch spontanes Laden ohne Vertrag?

An jeder Ladesäule, die seit 2018 in Betrieb genommen wurde, muss das spontane, sogenannte Ad-hoc-Laden ohne vorherige Registrierung möglich sein. Dafür benötigen Sie in der Regel ein Smartphone und eine Kreditkarte. Doch dieser Service ist meist teurer als die Tarife mit Registrierung und der Bezahlvorgang oftmals nicht einfach. Es ist deshalb keine empfehlenswerte Dauerlösung.

Nach aktuellem EU-Recht müssen nur noch neue Ladesäulen mit mehr als 50 Kilowatt Leistung eine Kartenzahlung anbieten. Für Ladesäulen mit weniger Kilowatt Leistung sind onlinebasierte Bezahlwege ausreichend.

Zudem ist es oft unmöglich, im Vorfeld zu erfahren, wie viel das Ad hoc-Laden an einer einzelnen Ladesäule kostet. Hier fehlt es noch an klaren Preisangaben. 

Checkliste: Was sollte ich bei der Wahl des Ladetarifs beachten?

  • Niedrige Preise suchen:
    • Durchschnittliche Preise kennen: Der durchschnittliche Preis für das Laden an AC-Ladesäulen liegt derzeit bei etwa 52 Cent pro Kilowattstunde, während für das Schnellladen an DC-Ladesäulen durchschnittlich rund 60 Cent pro Kilowattstunde berechnet werden. Deutliche Abweichungen sind allerdings nicht selten. Eine gute Übersicht über Stromtankstellen finden Sie auf der Website der Bundesnetzagentur.
    • Günstige Angebote finden: Haushaltsstromkund:innen können bei manchen Stromanbietern an bestimmten Ladesäulen vergünstigte Tarife nutzen.
    • Preise im Ladeverbund kennen: Sofern es sich um ein Ladenetzwerk handelt: Welcher Preis gilt bei den Partnern im Netzwerk? Wünschenswert ist möglichst ein einheitlicher Preis im gesamten Netzwerk.
    • Sie laden selten unterwegs? Dann sollten Sie einen Vertrag mit allenfalls niedriger regelmäßiger Grundgebühr abschließen. Zudem können Sie an den meisten Ladesäule das Ad-hoc Laden nutzen, gänzlich ohne Vertrag. Das ist in der Regel allerdings teurer – zum Teil sehr deutlich.
  • Verfügbarkeit von Ladesäulen prüfen:
    • An je mehr Ladepunkten Sie einen Tarif nutzen können, desto flexibler sind Sie. Die Ladepunkte der meisten Anbieter können Sie auf deren Internetseiten einsehen. Falls ein geeignet erscheinender Anbieter nur Ladesäulen in der Region betreibt, erkundigen Sie sich, ob eine Kooperation ("Roaming") mit anderen Anbietern besteht.
  • Vertragslaufzeit kurz halten:
    • Gesetzlich darf der Vertag maximal 24 Monate Erstlaufzeit haben. Setzen Sie aber nach Möglichkeit auf einen Vertrag ohne Mindestlaufzeit oder mit einer Bindung von zum Beispiel nur einem Monat.
  • Mehrgleisig fahren:
    • Es kann sich lohnen, bei mehreren Anbietern registriert zu sein. So erhöhen Sie die Anzahl nutzbarer, preiswerter Ladesäulen. Sinnvoll kann zum Beispiel ein günstiger Tarif in der Region sein, ein weiterer Tarif für überregionale Fahrten etc.

Dieser Inhalt wurde von der Gemeinschaftsredaktion in Zusammenarbeit mit unserem Bundesverband (vzbv) sowie der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen für das Netzwerk der Verbraucherzentralen in Deutschland erstellt.

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