Chrom als Chrompicolinat
Ein Nahrungsergänzungsmittel enthält Chrompicolinat mit einer Tagesdosis von 200 Mikrogramm Chrom. Die Verbraucherzentralen geben Tipps, worauf zu achten ist.
Frage:
Was können Sie über ein Nahrungsergänzungsmittel sagen, das Chrom als Chrompicolinat enthält? In einer täglichen Dosierung von 200 Mikrogramm Chrom. Sollte man das vorbeugend nehmen?
Antwort:
Chrom zählt zu den Spurenelementen. Seine Bedeutung im menschlichen Stoffwechsel ist bis heute nicht vollständig geklärt.
Die Chromverbindung Chrompicolinat – aus der Chrom besonders effektiv aufgenommen wird - darf seit 2011 als sogenannte neuartige Lebensmittelzutat verwendet werden. Darunter versteht man Lebensmittel oder Lebensmittelzutaten, die vor dem 15. Mai 1997 in der Europäischen Gemeinschaft noch nicht in nennenswertem Umfang verzehrt wurden. Für diese muss bei der EU eine Zulassung mit einer Sicherheitsprüfung durch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) beantragt werden. Bezüglich der Sicherheit von Chrompicolinat stellte die EFSA fest, dass es keine Bedenken gibt, solange über Nahrungsergänzungsmittel und angereicherte Lebensmittel nicht mehr als 250 Mikrogramm Chrom pro Tag zusätzlich aufgenommen werden. Um eine unbedenkliche tägliche Gesamtmenge aus allen Quellen (Tolerable Upper Intake Levels) ableiten zu können, gibt es nicht genügend Daten.
Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt, dass Nahrungsergänzungsmittel nicht mehr als 60 Mikrogramm Chrom pro Tag liefern sollten, da auch andere Lebensmittel mit Chrom angereichert sein können. Diese Höchstmengenempfehlung wird bei dem von Ihnen beschriebenen Produkt um mehr als das Dreifache überschritten, wenn eine Tagesdosis 200 Mikrogramm Chrom liefert.
Grundsätzlich stellt sich die Frage, was Sie sich von der (vorbeugenden) Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln mit Chrom versprechen. Die EFSA hat 2014 festgestellt, dass Chrom keinen nachweisbaren Nutzen für Gesunde aufweist. Nahrungsergänzungsmittel mit Chrom werden vor allem damit beworben, dass sie beim Abnehmen helfen und dem Muskelaufbau dienen sollen. Für diese Aussagen gibt es keine ausreichenden wissenschaftlichen Belege.
Zulässig sind für Chrom laut der europäischen Health-Claims-Verordnung lediglich die beiden Aussagen "Chrom trägt zu einem normalen Stoffwechsel von Makronährstoffen bei" und "Chrom trägt zur Aufrechterhaltung eines normalen Blutzuckerspiegels bei", da Chrom Bestandteil des Glukosetoleranzfaktors ist. Daher ist Chrom häufig Bestandteil von Nahrungsergänzungsmitteln, deren Werbung sich an Menschen richtet, die an Diabetes erkrankt sind. Dieser erlaubte Claim bedeutet aber nicht, dass Chrom ein sinnvolles Nahrungsergänzungsmittel für Diabetiker:innen ist. Fachgesellschaften wie die American Diabetes Association (ADA) empfehlen Chrompräparate nicht als Standardtherapie oder Ersatz für Diabetes-Medikamente, da der klinische Nutzen insgesamt umstritten und oft gering ist.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) schätzt, dass für Erwachsene eine Zufuhr von 30-100 Mikrogramm Chrom pro Tag ausreichend ist. Chrom kommt sowohl in pflanzlichen als auch tierischen Lebensmitteln vor. Grundnahrungsmittel wie Brot, Kartoffeln, Milch und Fleisch enthalten zwischen ein und zehn Mikrogramm Chrom je 100 Gramm. Im oberen Bereich bewegen sich z.B. Obst, Blattgemüse, Nüsse und Pilze. Gute Quelln sind laut DGE Fleisch, Eier, Haferflocken und Tomaten. Für Deutschland gibt es keine Hinweise auf einen unzureichenden Chrom-Versorgungszustand in der Bevölkerung.
Quellen
DGE-Referenzwerte Kupfer, Mangan, Chrom, Molybdän. Stand der wissenschaftlichen Ableitung 2000 (zuletzt abgerufen am 28.10.2026)
EFSA (2014): Scientific Opinion on Dietary Reference Values for chromium
Verordnung (EU) Nr. 432/2012 der Kommission vom 16. Mai 2012 (Fassung vom 20.08.2025)
BfR (2024): Aktualisierte Höchstmengenvorschläge für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln und angereicherten Lebensmitteln. Stellungnahme Nr. 006/2024 vom 22.02.2024
BfR (2024): Höchstmengenvorschläge für Chrom in Lebensmitteln inklusive Nahrungsergänzungsmitteln
Kleefstra N et al. (2007): Chromium Treatment Has No Effect in Patients With Type 2 Diabetes in a Western Population: A randomized, double-blind, placebo-controlled trial. Diabetes Care 30 (5): 1092–1096









