PFAS-Schadstoffe in vielen Lebensmittel- und Fast Food-Verpackungen
Studien zeigen: Viele Fast Food-Verpackungen und Einwegverpackungen für Lebensmittel enthalten Schadstoffe. Die Verbraucherzentralen erklären Ihnen, welche unbedenklichen Mehrweg-Alternativen es gibt.

Das Wichtigste in Kürze:
- Fast-Food-Verpackungen aus Papier, Pappe und Zuckerrohr haben zwar ein gutes Öko-Image, sind aber teilweise mit gesundheits- und umweltschädlichen Fluorchemikalien behandelt.
- Fluorchemikalien, kurz PFAS, machen Verpackungen wasser- und fettabweisend. Sie wurden daher häufig für fettabweisende Lebensmittelverpackungen genutzt.
- Ab dem 12. August 2026 dürfen Hersteller und Importeure keine Lebensmittelverpackungen mehr auf den Markt bringen, die die neuen Grenzwerte für PFAS nicht einhalten. Die Grenzwerte sind so niedrig, dass eine absichtliche Verwendung quasi ausgeschlossen ist.
- Mehrere Untersuchungen an Fast Food-Verpackungen, Einweggeschirr oder Strohhalmen aus Papier zeigten: Die Produkte enthielten häufig bedenkliche Fluorchemikalien.
Warum sind Fluorchemikalien in Lebensmittelverpackungen ein Problem?
Sogenannte Fluorchemikalien, kurz PFAS, können Materialien wie Papier oder Pappe wasser- und fettabweisend machen. Hinter der Abkürzung PFAS verbergen sich mehr als 10.000 verschiedene Substanzen. Sie werden in
- Outdoor-Kleidung,
- Imprägnier-Sprays,
- beschichteten Pfannen,
- Backtrennfolien, aber auch in
- Lebensmittelverpackungen
eingesetzt.
Dort werden vor allem Einweg-Verpackungen wie Fast Food-Verpackungen mit Fluorchemikalien behandelt. Beispielsweise Pommes- oder Donut-Tüten werden somit fettabweisend gemacht, damit sie nicht durchweichen.
Fluorchemikalien können jedoch nicht abgebaut werden, sondern bleiben als "ewige Gifte" dauerhaft in der Umwelt. Viele Fluorchemikalien sind außerdem gesundheitsschädlich und können sich im menschlichen Körper anreichern. Die Verbraucherzentralen fordern daher, gemeinsam mit weiteren zivilgesellschaftlichen Organisationen, ein Verbot von Fluorchemikalien in Lebensmittelkontaktmaterialien und vielen anderen Produkten.
Bis August 2026 gab es jedoch keinen EU-weiten Grenzwert für Fluorchemikalien in Lebensmittelverpackungen. Lediglich Dänemark hat einen Indikatorwert von 20 Milligramm an organisch gebundenem Fluor pro Kilo Verpackung festgelegt.
PFAS steht für per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen. Sie werden in diesem Text der Verständlichkeit halber vereinfacht als Fluorchemikalien bezeichnet, ganz korrekt wäre der Begriff Organofluorchemikalien.
Studien zeigten: bedenkliche Schadstoffe in Fast-Food-Verpackungen
2024 untersuchte das untersuchte das Institut für Bedarfsgegenstände in Lüneburg bisher etwa 40 Proben von Einwegverpackungen aus Papier, Pappe und Bagasse. Bagasse sind Reste der Zuckerrohrproduktion, die ähnlich wie Papier verarbeitet werden.
20 Proben enthielten Fluorchemikalien, darunter auch bereits verbotene Substanzen. Als besonders kritisch werden Hinweise zur Kompostierbarkeit auf diesen Einwegverpackungen angesehen, weil so die Fluorchemikalien direkt in Böden und von dort zum Beispiel ins Gemüse gelangen können.
In einer Studie von 2021 wurden europaweit 99 Einwegverpackungen für Lebensmittel und Geschirr von
- Fast Food-Läden,
- Supermärkten und
- Online-Shops
betrachtet. Davon wurden 42, überwiegend fettabweisende Verpackungen im Labor auf Fluorchemikalien untersucht. Alle bestanden aus nachwachsenden Rohstoffen wie Papier, Pappe, Zuckerrohr oder Weizen.
Das Ergebnis: 32 untersuchten Verpackungen waren die Ewigkeitschemikalien absichtlich zugesetzt worden, die restlichen 10 enthielten unbeabsichtigte Verunreinigungen.
Am stärksten belastet war als "kompostierbar" beworbenes Einweggeschirr wie Schüsseln, Teller oder Boxen aus Zuckerrohr. Wenn solche Produkte ins Altpapier, den Biomüll oder auf den Kompost gelangen, führt das zu einer Verbreitung von Fluorchemikalien in Recyclingpapier oder in der Umwelt.
In Verpackungen von Fast-Food-Ketten wie McDonald's, KFC, Subway, Dunkin' Donuts oder Nordsee wurden Fluorchemikalien in einer Menge nachgewiesen, die auf eine absichtliche Behandlung mit diesen Stoffen schließen lässt.
Sind "Ewigkeitschemikalien" weiterhin in Lebensmittelverpackungen erlaubt?
Die EU-Verpackungsverordnung verbietet seit dem 12. August 2026 Importeuren oder Herstellern den Verkauf von Lebensmittelverpackungen, die absichtlich mit PFAS behandelt wurden, in dem sie sehr niedrige Grenzwerte für PFAS festlegt.
Wie lange mit PFAS behandelte Verpackungen noch im Handel bleiben werden, ist unklar.
Warum sind Fluorchemikalien ein Problem?
- Viele Fluorchemikalien sind toxisch
Von vielen Fluorchemikalien ist bekannt, dass sie gesundheitsschädlich sind. So gibt es Hinweise aus Tierversuchen, dass Fluorchemikalien krebserzeugend wirken, die Schilddrüsenfunktion stören sowie das Immun- und das Hormonsystem schädigen können. Einige Fluorchemikalien können auch die Wirksamkeit von Impfungen verringern. Indem Fluorchemikalien von den Verpackungen in Lebensmittel übergehen, tragen sie somit zur Gesamtbelastung der Bevölkerung bei. - Fluorchemikalien sind nicht abbaubar
Fluorchemikalien sind chemisch sehr stabil, lösen sich sowohl in Wasser als auch Fett und verteilen sich daher leicht in der Umwelt. Von dort aus gelangen sie in die Nahrungskette und deshalb als "ewige Gifte" bekannt. Sie lassen sich selbst in der Antarktis oder in entlegenen Bergregionen nachweisen.
Wie kann ich erkennen, ob Fluorchemikalien eingesetzt wurden?
Es gibt keine Kennzeichnungspflicht für Fluorchemikalien in Bedarfsgegenständen wie Lebensmittelkontaktmaterialien oder Textilien. Ein einfacher "Perlen-Test" kann aber wertvolle Hinweise geben: Geben Sie einen Tropfen Speiseöl auf die Verpackung. Wenn das Material mit Fluorchemikalien behandelt ist, bildet das Öl auf der Oberfläche einen Tropfen oder eine Perle.
Wenn der Tropfen verläuft oder einzieht, ist unwahrscheinlich, dass PFAS eingesetzt wurde.
Dieser Test ersetzt jedoch keine chemische Analyse. Es könnten auch andere Verfahren verwendet worden sein, um Materialien fettabweisende Eigenschaften zu verleihen.
Wie kann ich Verpackungen mit Schadstoffen meiden?
Auf der sicheren Seite ist, wer unterwegs Mehrwegdosen, beispielsweise aus Edelstahl, dabei hat und sich Pommes Frites, Suppe, Burger oder fettiges Gebäck direkt darin einpacken lässt.
Verbraucher:innen haben seit Januar 2023 das Recht, Essen und Trinken zum Mitnehmen in Mehrwegbehältern zu erhalten. Größere Gastronomiebetriebe müssen Mehrweg vorhalten- kleinere Betriebe immerhin mitgebrachte Dosen akzeptieren.
Auch auf Partys oder Veranstaltungen ist Mehrweggeschirr die bessere Wahl.
Als Alternative zu Papierstrohhalmen empfehlen die Verbraucherzentralen Mehrweg-Strohhalme, beispielsweise aus Glas oder Edelstahl.
Was unternehmen die Verbraucherzentralen gegen Schadstoffe in Lebensmittelverpackungen?
Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) setzt sich für sichere Lebensmittelverpackungen ein: Zum Beispiel, indem er sich mit entsprechenden Forderungen an die Politik wendet. Der europäische Verbraucherverband (BEUC) war zudem an einer der beschriebenen Studien beteiligt und fordert ebenfalls Schadstoffverbote, strengere Gesetze und engmaschigere Kontrollen.
Dieser Inhalt wurde von der Gemeinschaftsredaktion in Zusammenarbeit mit den Verbraucherzentralen Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein für das Netzwerk der Verbraucherzentralen in Deutschland erstellt.















