Mit Zeaxanthin scharf sehen?

Stand:
Sehkraft erhalten, Makuladegeneration heilen – hilft Zeaxanthin dabei?
Zeaxanthin Auge

Das Wichtigste in Kürze:
Erst den Arzt fragen

  • Die Datenlage erlaubt bisher keine Empfehlungen zur Aufnahme Zeaxanthin-haltiger Nahrungsergänzungsmittel, um die  Sehkraft zu erhalten.
  • Entsprechende Werbeaussagen dürfen aufgrund unzureichender wissenschaftlicher Belege für Nahrungsergänzungsmittel nicht verwendet werden.
  • Es gibt keinerlei Belege dafür, dass Nahrungsergänzungsmittel eine AMD verhindern können.
  • Eine therapeutische Anwendung von Zeaxanthin bei altersbedingter Makuladegeneration (AMD) sollte vorab augenärztlich abgesichert werden.
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Was steckt hinter der Werbung zu Zeaxanthin?

Mit zunehmendem Alter lässt die Sehkraft langsam nach. Eine häufige Ursache der zunehmenden Sehschwäche ist die altersbedingte Makuladegeneration (AMD). Die Sehfähigkeit geht im Bereich des schärfsten Sehens verloren und macht sich unter anderem beim Lesen oder Autofahren bemerkbar. Wer raucht, erkrankt häufiger an einer AMD und im Durchschnitt früher. Den meisten Ergänzungsmitteln wird u.a. Zeaxanthin zugesetzt. Eine Verbesserung der Sehkraft durch die Aufnahme dieser Produkte, ist jedoch nicht ausreichend wissenschaftlich belegt. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) lehnte deshalb Werbeaussagen in Zusammenhang mit Zeaxanthin ab.

Für Substanzen wie Vitamin A, B2 und Zink sind bestimmte - auf die Augengesundheit bezogene - Werbeaussagen erlaubt, zum Beispiel: „…trägt zur Erhaltung normaler Sehkraft bei“. Diese erlaubten Werbeslogans beziehen sich jedoch nicht auf Zeaxanthin, auch wenn das auf den Produkten oft so scheint.

Auch Produktnamen wie "Adlerauge", "Sichtschutz" oder "Durchblick" versprechen meist zu viel.

Worauf sollte ich bei der Verwendung Zeaxanthin-haltiger Nahrungsergänzungsmittel achten?

Es gibt bisher keinerlei Empfehlungen für die (isolierte) Aufnahme von Zeaxanthin. Da sowohl Lutein als auch Zeaxanthin in allen Obst- und Gemüsesorten vorhanden sind, kann durch eine Kost, die entsprechend den Empfehlungen der DGE reich an Gemüse und Obst ist, der Bedarf an Lutein und Zeaxanthin gedeckt werden.

Laut Europäischer Behörde für Lebensmittelsicherheit bestehen bei einer Aufnahmemenge bis zu 2 mg (isoliertem) Zeaxanthin pro Tag keine gesundheitlichen Bedenken.

Für Nahrungsergänzungsmittel wird Zeaxanthin (meist) synthetisch hergestellt oder aus Extrakten der Blütenblätter von Tagetes (Studentenblume) gewonnen. Die Bezeichnung lautet immer nur Zeaxanthin.

Wofür braucht der Körper Zeaxanthin?

Zeaxanthin wird neben Lutein im Gelben Fleck, lateinisch: Makula, der Augennetzhaut angereicht. Sie bilden das Makulapigment, welches vor schädlichen Wellenlängen des Lichtes sowie vor freien Radikalen schützt. Lutein und Zeaxanthin filtern blaues Licht und erscheinen deshalb gelb. So geben Sie dem Gelben Fleck seine Farbe.

Lutein und Zeaxanthin gehören zu den Carotinoiden und spielen wahrscheinlich eine Rolle bei der Entstehung der Altersbedingten Makuladegeneration (AMD). Anerkannte Risikofaktoren für AMD sind neben dem Alter eine erbliche Veranlagung sowie Rauchen oder Bluthochdruck. Frauen scheinen häufiger von einer AMD betroffen als Männer. Ungünstig wirkt auch eine übermäßige Lichtexposition (vor allem blaues Licht), wodurch vermehrt freie Radikale gebildet werden. Neben all diesen Faktoren steht eine Unterversorgung mit Nährstoffen, die eine antioxidative Wirkung haben, im Verdacht, Einfluss auf die AMD zu nehmen.

Die Augenklinik des Universitätsklinikums Bonn weist darauf hin, dass eine ausgewogene gesunde Ernährung vorbeugend bezüglich verschiedener Augenerkrankungen, wie AMD, Glaukom oder Grauen Star sein. Wichtige Augenvitamin-Spender sind Paprika, Karotten, Rote Rüben, Brokkoli, Rucola, Feldsalat, Johannisbeeren und Zitrusfrüchte. Grünes Gemüse wie Spinat, Erbsen, die dunkelgrünen Teile des Lauch oder Grünkohl sind nicht nur Vitaminbomben, sondern enthalten insbesondere auch Lutein, einen Stoff mit einer gewissen Schutzwirkung für die Netzhaut. Als besonders positiv hat sich eine sogenannte mediterrane Ernährung herauskristallisiert. Diese besteht aus viel Gemüse, (Meeres-)Fisch (mit einem hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren) und Olivenöl, wenig Fleisch und Milchprodukten.


Bei der Diskussion um Zeaxanthin und Lutein und ihre Bedeutung für das Auge wird auf wissenschaftliche Studien verwiesen. So machten zwei US-amerikanischen Studien aus dem Jahr 2001 und 2013 (AREDS I und II) vielen Patienten mit Augenproblemen Hoffnung. In den Studien wurde untersucht, ob ein hochdosierter Nährstoff-Mix vorwiegend aus Vitamin C, E, Zink, Kupfer sowie Lutein und Zeaxanthin die altersbedingte Makuladegeneration (AMD) beeinflussen kann. Bei einem Teil der Studienteilnehmer konnte ein Fortschreiten der AMD verlangsamt werden.

Achtung

Die Ergebnisse der AREDS-Studien sind nur auf Präparate derselben Zusammenset­zung und Dosierung über­trag­bar. Ob und welche Mittel infrage kommen, sollten Betroffene mit ihren Augenärzt:innen besprechen.

Was ist Zeaxanthin?

Zeaxanthin wird abgeleitet von „zea mays“ = Mais und „xanthós“ = sandgelb. Zeaxanthin gehört zu den orangegelben Carotinoiden, die verschiedenen Pflanzen ihre gelbe, orange oder rötliche Farbe verleihen. Sie gelten als sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe beziehungsweise Pflanzenfarbstoffe. In der Natur kommt Zeaxanthin zusammen mit Lutein vor. Zeaxanthin wird wie andere Carotinoide ausschließlich über die Nahrung aufgenommen. Der Körper kann sie weder selbst synthetisieren, noch kann er andere Carotinoide umwandeln.

Es ist in roter Paprika, Kürbis, Mais und Eigelb enthalten, aber auch in dunkelgrünem Blattgemüse wie Spinat, Grünkohl, Lauch und Wirsing, Salat, Dill und Petersilie.

Beim langsamen Garen mit niedrigen Temperaturen ist Zeaxanthin relativ hitzestabil. Aus gegartem Gemüse ist es grundsätzlich besser für den Körper verfügbar als aus rohem Gemüse. Zeaxanthin ist fettlöslich. Werden gleichzeitig mit Zeaxanthin auch Fette gegessen, verbessert sich die Aufnahme im Darm und insgesamt die Verfügbarkeit.

Unser Tipp:
Nehmen Sie Zeaxanthin nicht isoliert als Nahrungsergänzungsmittel, sondern mit natürlichen Lebensmitteln auf. In 150 Gramm Spinat können bereits 0,525 mg Zeaxanthin enthalten sein, in 100 Gramm roter Paprika 2,2 mg. Dies ist vergleichbar mit der empfohlenen Tagesdosis der meisten Zeaxanthin-haltigen Nahrungsergänzungsmittel. Zubereitet werden können die Gemüsemahlzeiten dann mit Oliven- und Rapsöl oder Butter.

 

Quellen


DURCHFÜHRUNGSVERORDNUNG (EU) 2018/1132 DER KOMMISSION vom 13. August 2018 (abgerufen am: 01.12.2023)

EFSA: Statement on the safety of synthetic zeaxanthin as an ingredient in food supplements, EFSA Journal 2012; 10 (10): 2891 (abgerufen am: 01.12.2023)

EFSA: Scientific Opinion on the substantiation of health claims related to zeaxanthin and maintenance of normal vision (ID 1684, 2169, 2888) pursuant to Article 13(1) of Regulation (EC) No 1924/2006; EFSA Journal 2010: 8 (10):1724 (abgerufen am: 01.12.2023)

Bachmann, C (2015): Nährstoffe zur Prävention altersbedingter Augenerkrankungen: Wirksamkeit von Lutein, Zeaxanthin und Astaxanthin; Schweiz Z Ganzheitsmed 2015;27:329-330 (abgerufen am: 01.12.2023)

Deutsche Ophtalmologische Gesellschaft, Retinologische Gesellschaft, Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (2014): Aktuelle Stellungnahme zu Nahrungsergänzungsmitteln bei altersabhängiger Makuladegeneration (AMD). (abgerufen am 01.12.2023)

Stiftung Warentest (2016): Augen: Sehkraft erhalten, Makuladegeneration bekämpfen – was hilft? (abgerufen am: 01.12.2023)

Elmadfa,I. u.w.: Die große GU Nährwert Kalorien Tabelle; Neuausgabe 2018/19, München 2017

Universitätsklinikum Bonn: Maßnahmen zum Erhalt der Sehkraft im Alter. Pressemeldung 11/2021 vom 14.01.2021 (abgerufen am 01.12.2023)

IQWIG/gesundheitsinformation.de (2020): Schützen Nahrungsergänzungsmittel vor einer AMD? Stand: 29.10.2020 (abgerufen am 01.12.2023)

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