Astaxanthin für den guten Durchblick?

Stand:
Astaxanthin ist ein Carotinoid, dem zahlreiche gesundheitsfördernde Eingenschaften zugesprochen werden. Schützt der Grünalgenextrakt auch vor Augenerkrankungen?
Eine Frau schaut lustig

Das Wichtigste in Kürze:
Wirkung nicht bewiesen!

  • Das Carotinoid Astaxanthin wird von sogenannten Grünalgen (Haematococcus pluvialis) produziert und verleiht Krebstieren, die diese Algen fressen, ihre rote Färbung.
  • Carotinoiden werden zahlreiche gesundheitsfördernde Wirkungen zugeschrieben, aber eine besondere Wirkung auf die Augen ist nur für Beta-Carotin belegt.
  • Für Astaxanthin als Nahrungsergänzungsmittel fehlen entsprechende Wirkungsnachweise.
  • Bei bestehenden Augenerkrankungen fragen Sie vor der Verwendung in Ihrer Augenarztpraxis, ob die Einnahme eines solchen Nahrungsergänzungsmittels sinnvoll ist.
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Was steckt hinter der Werbung zu Astaxanthin?

"Das stärkste Antioxidans der Welt", "Gibt Lachsen die Kraft, tagelang gegen das Tosen des Wassers stromaufwärts zu schwimmen", "einzigartiges Vollspektrum-Astaxanthin": die Begeisterung mancher Anbieter für ihr eigenes Produkt kennt keine Grenzen.

Auffällig ist: Ein Effekt auf die Gesunderhaltung der Augen oder eine Wirkung auf Haut, Herz oder Gelenke wird oft nur indirekt versprochen. Die Produkte werden zwar für diese Zwecke angeboten, aber die gesundheitsbezogenen Werbeaussagen beziehen sich auf andere zugesetzte Stoffe, z. B. Vitamin E oder Omega-3-Fettsäuren.

Gesundheitsversprechen, die sogenannten Health Claims werden von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bewertet und von der EU zugelassen. Für den Stoff Astaxanthin wurden bis jetzt 15 bei der EFSA beantragte Claims abgelehnt, wie z. B. "unterstützt die Augen, unterstützt die Sehschärfe, bietet der Netzhaut antioxidative Unterstützung für normale Sehkraft", "für das Immunsystem" oder "für normale Muskelfunktion". Einige Hersteller verweisen sogar darauf und erwecken aber gleichzeitig den Eindruck, dass die Produkte selbstverständlich trotzdem wirken.

Einige Studien weisen darauf hin, dass Astaxanthin unter bestimmten, aber noch unklaren Bedingungen eine potentiell schützende Wirkung vor oxidativem Stress haben kann. Ebenfalls noch unklar ist, ob Lebensmittel, die reich an Antioxidantien sind, weniger wirkungsvoll sind.

Häufig werden Kapseln mit Astaxanthin zur Vorbeugung und Behandlung der altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) beworben. Die medizinischen Fachgesellschaften für Augenerkrankungen können aber die vorbeugende Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln nicht empfehlen. Es bestehen Hinweise, dass eine hohe Zufuhr von Zink und Kupferdioxid sowie allgemein Antioxidantien über Lebensmittel sinnvoll sein kann, um das Fortschreiten einer bestehenden AMD zu verringern. Es gibt auch Berichte über eine schützende Wirkung von Astaxanthin auf die diabetische Retinopathie. Bislang wurden auch diese Versprechen als wissenschaftlich nicht gesichert bewertet.

Der Stoff Astaxanthin wird bislang in keiner Patienteninformation der Augenarztverbände genannt. Die meisten Untersuchungen, z. B. in den amerikanischen ARED-Studien (Age-Related Eye Disease Study) wurden mit isolierten antioxidativen Vitaminen durchgeführt: Vitaminen C und E sowie mit der Vorstufe des Vitamin A, dem Beta-Carotin. Die Zufuhr isolierter Vitamine und Zink birgt aber auch Risiken. Besonders für Menschen, die rauchen oder geraucht haben, ist die Aufnahme von isoliertem Beta-Carotin nicht zu empfehlen.

Zur Vorbeugung, aber auch für AMD-Patienten, empfehlen die Fachgesellschaften vor allem, das Rauchen zu unterlassen. In vielen Studien wurde es als Hochrisikofaktor für eine AMD identifiziert. Darüber hinaus soll eine ausgewogene Ernährung reich an Gemüse und Obst eine schützende Wirkung auf die Netzhaut haben.

Auf was sollte ich bei der Verwendung von Astaxanthin-Produkten achten?

  • Astaxanthin ist in Nahrungsergänzungsmitteln meist in Form eines Algenextrakts (aus Haematococcus pluvialis) oder direkt als Zutat enthalten. In beiden Fällen handelt es sich um sogenannte neuartige Zutaten, die vor der Zulassung eine Sicherheitsbewertung durch die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde erhalten haben.
  • Für Astaxanthin in Nahrungsergänzungsmitteln haben internationale Expertengremien eine sichere Tageshöchstmenge von 8 mg ermittelt. Dieser Wert wird bei vielen Produkten schon mit 1-2 Kapseln erreicht. Wird Ihnen empfohlen, mehr als 8 mg pro Tag zu verzehren, ist ganz besondere Vorsicht angezeigt. Suchen Sie sicherheitshalber vor der Verwendung das ärztliche Gespräch.
  • Bislang wurden keine Nebenwirkungen des Verzehrs von Astaxanthin in Nahrungsergänzungsmitteln beobachtet. Allerdings liegen auch nur wenige Studien dazu vor, insbesondere hinsichtlich der Wirkungen auf den Stoffwechsel sowie des Einfluss auf die Entstehung von Krebs. Deshalb der Expertenrat diese Nahrungsergänzungsmittel nicht Kindern zu geben und sie auch nicht in Schwangerschaft und Stillzeit zu verwenden.
  • Auch Wechselwirkungen mit Medikamenten sind bislang nur ungenügend untersucht worden.
  • Wenn Sie an einer Krustentierallergie leiden, sollten Sie dringend darauf achten, aus welcher Quelle das Astaxanthin stammt. Wird es aus Krebstieren wie Krill gewonnen, können Spuren davon im Produkt enthalten sein und zu allergischen Reaktionen führen.

Was ist Astaxanthin?

Astaxanthin ist ein natürlicherweise in Pflanzen und bestimmten Hefen enthaltener Farbstoff, der wie Carotin (in gelb-orangem Obst) zur Klasse der Carotinoide gehört. Den Carotinoiden wird eine große gesundheitliche Bedeutung zugesprochen. Die meisten von ihnen haben eine Schutzfunktion. Diese positive Wirkung ist allerdings meist für den Verzehr von carotinoid­reichen Lebensmitteln wie Obst und Gemüse belegt. Eine Überdosierung von carotinoid­haltigen Nahrungs­ergänzungsmitteln kann dagegen mit Risiken verbunden sein.

Astaxanthin wird in Mikroalgen gebildet, z.B. in der Blutregenalge (Haematococcus pluvialis). Der Stoff wird über die Mikroalgen von Krebstieren oder Vögeln aufgenommen und färbt deren Panzer bzw. Gefieder rötlich-orange. Astaxanthin und astaxanthinreiche Hefe ist als Futtermittel­zusatzstoff  bei der Erzeugung von Speisefischen zugelassen. Es wird z. B. verwendet, um den eigentlich weißfleischigen Regenbogenforellen aus Aquakulturen lachsrotes Fleisch anzufüttern. Sie werden dann, wie die Meeresforelle, als Lachsforelle vermarktet. Als Zusatzstoff für Lebensmittel ist Astaxanthin, im Gegensatz zu anderen Carotinoiden, nicht zugelassen.

Lachse und Lachsforellen enthalten deutlich weniger als ein Milligramm Astaxanthin pro 100 Gramm Fisch. In Nahrungsergänzungsmitteln sind deutlich höhere Mengen enthalten, häufig schon 4-8 Milligramm in einer Kapsel, in manchen Produkten auch bis 18 Milligramm pro Tagesdosis.

Welche Inhaltsstoffe sind in Produkten mit Astaxanthin noch enthalten?

Astaxanthin kann aus Mikroalgen, aber ebenso aus Krebstieren, wie Krill, oder Fischen gewonnen werden. Es sind Produkte auf dem Markt, die ausschließlich Astaxanthin enthalten, meist aus der Mikroalge Haematococcus pluvialis. Andere Hersteller kombinieren den Stoff mit den Omega-3-Fettsäuren Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) aus Krill-, Fisch-, Perilla- oder Mikroalgenöl. Das ermöglicht ihnen die Verwendung von Health Claims: Für diese Fettsäuren ist ab bestimmter Mengen - im Gegensatz zum Astaxanthin - die Aussage zugelassen, dass sie zu einer normalen Herzfunktion bzw. einem normalen Immunsystem beitragen. Auch andere Carotinoide wie Lutein, das in den meisten handelsüblichen Produkten das Beta-Carotin ersetzt hat, sowie Vitamin E können enthalten sein.

Carotinoide wie Astaxanthin können über Lebensmittel einfach und ohne Risiko verzehrt werden. Neben Lachs und Lachsforelle können vor allem pflanzliche Lebensmittel mit reichlich gesundheitsfördernden Carotinoiden punkten: Gemüse und Obst in einer bunten Farbpalette von Gelb-, Orange- und Rottönen. Reichlich grünblättriges Gemüse liefert zusätzliches Lutein und Zeaxanthin.

Quellen:


EFSA (2020): Safety of astaxanthin for its use as a novel food in food supplements. EFSA Journal 18 (2), 5993ff. Stand 05.02.2020, abgerufen am 09.11.2022

Register of Questions, EFSA, Suchwort Astaxanthin, abgerufen am 09.11.2022

Call for data relevant to the safety assessment of Astaxanthin in the framework of Regulation 2283/2015, published in the EFSA Journal, 25.07.2018, abgerufen am 09.11.2022

Scientific Opinion on the substantiation of health claims related to astaxanthin, First published in the EFSA Journal, 30.06.2011, abgerufen am 09.11.2022

Scientific Opinion on the substantiation of health claims related to astaxanthin, First published in the EFSA Journal, 01.10.2009, abgerufen am 09.11.2022

Di Wu et al. (2020): Effects of Astaxanthin Supplementation on Oxidative Stress. Int J Vitam Nutr Res 90(1-2): 179-194, abgerufen am 09.11.2022

Aktuelle Stellungnahme der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft, der Retinologischen Gesellschaft und des Berufsverbandes der Augenärzte Deutschlands zu Nahrungsergänzungsmitteln bei altersabhängiger Makuladegeneration (AMD), Oktober 2014, abgerufen am 09.11.2022

Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft und Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (2018): Die altersabhängige Makuladegeneration [AMD], Stand: März 2018, abgerufen am 09.11.2022

National Eye Institute (2020): AREDS/AREDS2 clinical Trials: major findings. Stand: 19.11.2020, abgerufen am 09.11.2022

Augenärzte warnen vor Selbstmedikation bei Makuladegeneration, Ärzteblatt online, 12.03.2015, abgerufen am 09.11.2022

Landon R et al. (2020): Impact of Astaxanthin on Diabetes Pathogenesis and Chronic Complications. Mar Drugs 18(7): 357, abgerufen am 09.11.2022

Bundesinstitut für Risikobewertung: Höchstmengenvorschläge für Beta-Carotin in Lebensmitteln inklusive Nahrungsergänzungsmitteln. Stand: 01.03.2021, abgerufen am 07.11.2022

 

Weiterführende Informationen:

gesundheitsinformation.de: Altersabhängige Makuladegeneration (AMD). Stand: 20.11.2020

gesundheitsinformation.de: Schützen Nahrungsergänzungsmittel vor einer AMD? Stand: 29.10.2020

Stiftung Warentest: Erkrankungen der Makula, Stand: 01.10.2022

Patientenbroschüre der Augenärzte: Die altersabhängige Makuladegeneration [AMD] (März 2018)