Dark Patterns: So wollen Websites und Apps Sie manipulieren

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Manipulative Designs, Dark Patterns genannt, sollen Nutzer:innen zu einer bestimmten Aktion bewegen. Die Verbraucherzentralen zeigen, auf welche Maschen Sie achten sollten, um nicht mehr preiszugeben oder zu kaufen als gewollt.
Mensch in einem Labyrinth

Das Wichtigste in Kürze:

  • Dark Patterns sind manipulative Designs oder Prozesse, die Nutzer:innen einer Website oder App zu einer Handlung überreden sollen.
  • Sie werden häufig verwendet, um an Ihre persönlichen Daten zu kommen oder Ihnen Abonnements und andere Verträge unterzujubeln.
  • Die Verbraucherzentralen geben 5 Tipps, wie Sie sich vor Dark Patterns schützen können.
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Testen Sie Ihr Wissen zu Dark Patterns!

Lassen Sie sich nicht von manipulativen Designs täuschen. Spielen Sie jetzt das Dark Patterns-Spiel der Verbraucherzentrale. Wer zustimmt, verliert!

Was sind Dark Patterns?

Websites, Apps oder Online Shops sind so gestaltet, dass sie leicht, intuitiv und komfortabel genutzt werden können. Doch nicht immer steht der Komfort für Nutzer:innen im Vordergrund.

Häufig setzen Anbieter Designs ein, um Nutzer:innen zu einer Handlung zu verleiten, die sie vielleicht gar nicht wollen, wie zum Beispiel:

  • Der Kauf eines teuren oder zusätzlichen Produkts,
  • der Abschluss oder die Verlängerung eines Abonnements oder
  • die Weitergabe persönlicher Daten.

Diese manipulativen Gestaltungselemente nennt man "Dark Patterns".

Sie werden also nicht eingesetzt, um die Bedienungsfreundlichkeit zu erhöhen, sondern nur zu Marketing- und Verkaufszwecken. Denn Anbieter möchten ihre Webseiten und Produkte so optimieren, dass sie

  • möglichst viele Kund:innen und Daten gewinnen,
  • ihre Umsätze steigern oder
  • die Verweildauer auf ihren Seiten optimieren.

Wie funktionieren Dark Patterns? 

Dark Patterns können ganz unterschiedlich aussehen: ein Button, der absichtlich verwirrend beschriftet ist, ein kaum sichtbarer "Ablehnen"-Link im Cookie Banner oder ein komplizierter Abmeldeprozess. Gemein ist diesen Gestaltungselementen, dass

  • die Informationen nicht neutral dargestellt werden,
  • die Informationen schwer auffindbar platziert werden oder
  • optische und psychologische Tricks eingesetzt werden. 

Das Ziel ist immer dasselbe: Ihre Aufmerksamkeit auszunutzen und Ihr Verhalten in eine bestimmte Richtung zu lenken.

Video: Dark Patterns - So wollen Websites und Apps uns manipulieren

Video "Dark Patterns – So wollen Websites und Apps uns manipulieren"

Erst wenn Sie auf "Inhalte anzeigen" klicken, wird eine Verbindung zu Vimeo hergestellt und Daten werden dorthin übermittelt.

Was sind Beispiele für manipulative Designs, also Dark Patterns?

Dark Patterns gibt es in verschiedenen Varianten. Die Stiftung Neue Verantwortung listet in einem Bericht viele davon auf und erklärt sie. Das Verbundprojekt Dark Pattern Detection Project kategorisiert sie ebenfalls. Folgende Gestaltungselemente begegnen Verbraucher:innen im Netz immer wieder:

Ein Element wird in den Fokus gerückt

Dark Pattern Ein Element im Fokus

Seit der Einführung der DSGVO werden bei fast jedem Website-Besuch Ihre Privatsphäre-Einstellungen über Banner und Pop-Ups abgefragt. Häufig gibt es nur eine offensichtliche und optisch hervorgehobene Antwortmöglichkeit: Alle Cookies akzeptieren und der Preisgabe persönlicher Daten zustimmen.

Die Verlinkung, um alle Cookies abzulehnen, wird hingegen so versteckt dargestellt, dass sie sich nicht vom Fließtext unterscheiden lässt.

(Erfundene) Knappheit eines Produkts

Dark Pattern Erfundene Knappheit eines Produktes

In vielen Onlineshops finden Sie Angaben darüber, wie viele Produkte noch auf Lager sind. Das soll vor allem den Kaufprozess beschleunigen. Einige Anbieter setzen diese Hinweise obwohl eigentlich noch ausreichend Produkte vorrätig sind.

Ein ähnlicher Effekt wird durch Countdown-Zähler oder Angaben über die Aktivität anderer Nutzer erzielt.

Die Formulierung oder Gestaltung ist bewusst undeutlich oder verwirrend

Dark Pattern Undeutliche Formulierung oder Gestaltung

Besonders in Formularen werden teilweise Formulierungen verwendet, in denen die eigentliche Aussage verneint oder missverständlich ausgedrückt wird. Befindet sich am Ende eines Anmeldeformulars beispielsweise eine angehakte Checkbox zur Newsletter-Anmeldung mit dem Erklärungssatz "Ich möchte mich nicht zum Newsletter anmelden", ist es wahrscheinlicher, dass Sie das "nicht" überlesen und hier dennoch wie gewohnt das Häkchen abwählen, weil Sie sich eigentlich nicht für den Newsletter anmelden wollten.

"Confirmshaming"

Dark Pattern Confirmshaming

Auch mittels "Confirmshaming" wird Druck aufgebaut. Man bietet man Ihnen zwar eine Auswahlmöglichkeit an, legt Ihnen aber mit der Formulierung nahe, dass Sie sich schämen müssten, diese zu wählen. Können Sie also eine Aufforderung zur Newsletter-Anmeldung für Sonderangebote nur mit einem Klick auf "Ich mag keine Angebote" ablehnen, betreibt der Anbieter Confirmshaming. Auch Formulierungen wie "Ich möchte nicht informiert sein" oder "Ich möchte keinen guten Zweck unterstützen" fallen in diese Kategorie.

Zusätzliche Produkte im Warenkorb

Dark Pattern Weiteres Produkt im Warenkorb

Manche Anbieter platzieren zusätzliche Produkte – meistens Zusatzleistungen wie Versicherungen oder Premium-Abonnements – im Warenkorb. Diese müssen deutlich gekennzeichnet werden. Ein zusätzliches Produkt können Sie aber schnell übersehen, wenn Sie einen Einkaufsprozess in Eile abschließen.

Versteckte, wechselnde oder nicht vorhandene Menüpunkte

Dark Pattern Versteckte Menüoptionen

Wollten Sie schon mal einen Vertrag kündigen oder ein Konto löschen und konnten die Option dafür nicht finden? Einige App- und Websitebetreiber verstecken solche Optionen absichtlich oder erschweren eine Kündigung, indem sie einen Rückruf oder zusätzliche Bestätigungen verlangen. Auch eine wechselnde Formulierung innerhalb eines Kündigungsprozesses hat denselben Effekt: Ist eine Menüoption zunächst mit "Mitgliedschaft kündigen" beschriftet, im nächsten Schritt hat die Schaltfläche zur Kündigung aber eine andere Bezeichnung, ist dies absichtlich verwirrend.

Versteckte Werbung

Werbung wird nicht immer eindeutig als Werbung markiert oder ist nur sehr schwer zu erkennen, zum Beispiel bei Produkt- oder Reiseempfehlungen von Influencer:innen auf Social-Media-Kanälen wie Instagram, TikTok, Facebook oder X.

Mehr Informationen finden Sie auch auf der Website des Dark Pattern Detection Project und im Bericht der Stiftung Neue Verantwortung. Die Website deceptive.design zeigt auch weitere Typen von Dark Patterns.

Wann sind Dark Patterns rechtswidrig?

Dark Patterns bewegen sich oftmals in einer rechtlichen Grauzone. Nicht alle manipulativen Designs sind unzulässig. 

Mit dem Digital Services Act (DSA) wird Betreibern von Online-Plattformen der Einsatz von Dark Patterns verboten. Nutzer:innen dürfen über die Webseiten-Gestaltung nicht getäuscht, manipuliert oder an freien Entscheidungen behindert werden. Welche konkreten Praktiken künftig als verbotene Manipulation nach dem DSA einzustufen sind, wird sich in der Praxis zeigen.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband untersuchte drei Monate nach dem Start des Digital Services Act im August 2023, ob Online-Plattformen die neuen Regelungen auch umsetzen. Das Ergebnis war ernüchternd: Alle untersuchten Anbieter verwendeten auch weiterhin Dark Patterns.

Auch die Europäische Kommission hat geprüft, ob das europäische Verbraucherrecht für Fairness im digitalen Raum sorgt und festgestellt, noch Schwächen und Lücken im Umgang mit Dark Patterns und anderen manipulativen digitalen Praktiken bestehen. Diese sollen mit dem geplanten Digital Fairness Act behoben werden. 

Weitere Gesetze, die dem Einsatz von Dark Patterns bereits Grenzen setzen, sind zum Beispiel die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) oder das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG). 

So legt die DSGVO beispielsweise fest, dass eine Einwilligung von Verbraucher:innen in die Datenverarbeitung nur gültig ist, wenn sie freiwillig und ohne Zwang abgegeben wurde. Auch das UWG verbietet unlautere Handlungen, die verhindern, dass Verbraucher:innen eine informierte und selbstbestimmte Entscheidung treffen können.

Wie kann ich mich vor Dark Patterns schützen?

Rechtlich sind Dark Patterns noch nicht immer gut fassbar und bewegen sich in einer Grauzone. Daher sollten Sie zunächst folgende fünf Vorsichtsmaßnahmen einhalten, um Dark Patterns zu vermeiden:

  1. Nicht zu schnell auf Buttons klicken: Schauen Sie sich bei jedem Pop-Up genau an, welche Optionen Sie haben.
  2. Checkboxen überprüfen: Achten Sie bei Formularen genau auf die Formulierungen von Texten.
  3. Warenkorb überprüfen: Sehen Sie sich alle Produkte in Ihrem Warenkorb vor Abschluss der Bestellung noch einmal an.
  4. Übereilen Sie die Kaufentscheidung nicht: Auch wenn angeblich nur noch wenige Artikel vorhanden sind oder anscheinend gerade viele Nutzer sich den gleichen Artikel anschauen, sollten Sie sich nicht zu einem Kauf drängen lassen.
  5. Lassen Sie sich kein schlechtes Gewissen machen.

Wenn Sie schlechte Erfahrungen mit Dark-Pattern-Designs gemacht haben, können Sie das mit anderen teilen. Wenn Sie sich "reingewilligt" fühlen, melden Sie das den Verbraucherzentralen. Über diesen Kanal können wir Sie nicht beraten, versprechen aber, dass wir uns Ihre Geschichte ansehen und sie bei unserer Arbeit aufnehmen.

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Dieser Inhalt wurde von der Gemeinschaftsredaktion in Zusammenarbeit mit den Verbraucherzentralen Bayern und Bremen für das Netzwerk der Verbraucherzentralen in Deutschland erstellt.

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