Podcast: Onlineshopping - Kauf dich arm, bezahlen kannst du später!
In dieser Podcast-Episode erfahren Schüler:innen ab Klasse 10, welche Risiken der Internetkauf nach dem Prinzip buy now, pay later birgt. Zusätzlich bekommen Sie Tipps, um die Kontrolle über ihre Ausgaben zu behalte.
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Die gesamte Folge zum Nachlesen
[Intro 0:03]
Die Verbraucherzentrale NRW präsentiert „V macht schlau“, der Wissenspodcast für Schülerinnen und Schüler.
[Marie 0:12]
Hallo zusammen, schön, dass du wieder dabei bist. Hier ist Marie von der Verbraucherzentrale NRW. Die Aufgabe der Verbraucherzentrale ist es, Verbraucherinnen und Verbrauchern zu helfen, also auch dir. Du kannst mit ganz vielen Fragen zu uns in die Beratungsstelle kommen. Zum Beispiel helfen wir dir, wenn du nicht weißt, welches Essen wirklich gesund ist oder wenn du Fragen zu deinem Handy hast. Auch deine Eltern können zu uns in die Beratungsstelle kommen, wenn sie Fragen zur Versicherung oder ihrer Stromrechnung haben. Wir helfen euch da ganz einfach weiter.
[Marie 0:46]
Bei uns soll es heute um das Thema Online-Shopping gehen. Unter dem Hashtag „Klarnaschulden“ teilen viele Leute auf TikTok ihre offenen Klarnarechnungen. Ein prominentes Beispiel ist die Influencerin Lea Marie. Sie hat schon sehr, sehr viel Geld für Klamotten ausgegeben. Häufig auf Ratenkauf und deshalb hat sie aktuell 1.115 Euro Schulden bei Klarna. Meine Kollegin Isabell hat sich mal informiert, warum die Bezahlung über solche Anbieter wie Klarna so gefährlich sein kann. Hallo Isa!
[Isa 1:17]
Hi Marie.
[Marie 1:18]
Isabell, wie kann man überhaupt mehr Geld ausgeben, als man hat?
[Isa 1:22]
Ja, das ist eine gute Frage und gleichzeitig ist das auch schon die Wurzel des Problems. Aber fangen wir mal vorne an. Also Banken bieten ja zum Beispiel oft den Service an, dass man Geld quasi geliehen bekommt, wenn das eigene Konto mal leer ist. Und dann muss man zum Beispiel mehr zurückzahlen, das sind dann die Zinsen. Beim Online-Shopping gibt es da eine Praxis, die nennt man „Buy Now, Pay Later“ oder kurz auch BNPL. Im Deutschen würde man da zum Beispiel auch Kauf auf Pump zu sagen oder Rechnung auf Raten. Das heißt also, man kann Dinge bestellen, ohne das Geld direkt ausgeben zu müssen. Und manche Leute kaufen dann also Dinge, obwohl sie das Geld gar nicht auf dem Konto haben.
[Marie 2:05]
Was macht denn das Online-Shopping so verlockend und gleichzeitig halt auch so gefährlich?
[Isa 2:10]
Na ja, also zum Beispiel kann es schnell passieren, wenn du auf Pump kaufst, dass du dann die Zahlungsfrist aus dem Blick verlierst. Und dann kommen Mahnungen ins Haus und man bekommt womöglich einen negativen Eintrag in die Schufa. Aber darum soll es jetzt gar nicht gehen, das führt zu weit. Das Gute am Online-Shopping ist natürlich, wie bequem und schnell man alles bekommen kann, was man sucht. Man muss das Haus nicht verlassen, man muss nichts tragen und so weiter. Und gerade für Kinder und junge Erwachsene ist es aber auch super schwierig, die Marketing-Tricks zu durchschauen, die im Online-Handel genutzt werden.
Das sind so Sachen wie große Sale-Notizen oder ein so ein ablaufender Countdown, dass man schneller bestellen muss, kostenloser Versand. Das sind alles diese Tricks. Und wirklich negativ auswirken kann sich BNPL, also einer dieser Tricks, vor allem, wenn man den Überblick verliert, weil man vielleicht mehrere Rechnungen gleichzeitig offen hat.
[Marie 3:04]
BNPL kann also ein Weg in die Schuldenfalle sein. Wie viele junge Erwachsene in Deutschland sind denn überhaupt verschuldet? Hast du da Zahlen für uns?
[Isa 3:13]
Die Zahlen, die man so finden kann, variieren da ziemlich. Aber in etwa liegt die Überschuldungsquote bei jungen Erwachsenen zwischen 18 und 30 Jahren im Jahr 2022 irgendwo zwischen 6,6 und circa 12 Prozent. Bei uns, also bei der Verbraucherzentrale NRW, gibt es ja auch die Schuldnerberatung. Und da waren zum Beispiel im Jahr 2021 16 Prozent der Klienten unter 30.
[Marie 3:38]
Das sind jetzt ja die Daten für junge Erwachsene, also für Leute über 18 Jahren. Was ist denn mit Jugendlichen? Können Jugendliche überhaupt Schulden machen?
[Isa 3:48]
Also bei Jugendlichen sieht das ein bisschen anders aus, denn Minderjährige haften nicht im zivilrechtlichen Sinne, sondern nur im Rahmen des sogenannten Taschengeldparagrafen. Das heißt, Jugendliche können keine Käufe tätigen, die mit ihrem Taschengeld nicht zu stemmen sind. Meistens sind das bei Jugendlichen also eher private Schulden bei Freunden oder Familie. Zwar wäre eine Vollstreckung grundsätzlich möglich, praktisch ist das aber nicht durchsetzbar. Wenn man als Kind aber schon nicht richtig lernt, mit Geld umzugehen, dann kann sich der Trend natürlich auch im späteren Leben leicht fortsetzen.
[Marie 4:24]
Du hast jetzt von Überschuldung gesprochen, was bedeutet das eigentlich?
[Isa 4:29]
Genau zwischen Verschuldung und Überschuldung gibt es nämlich einen kleinen Unterschied. Wenn man verschuldet ist, dann kann man seinen regelmäßigen Verpflichtungen noch nachkommen. Also kann Miete bezahlen und Strom und so weiter. Wenn man überschuldet ist, dann reicht das Einkommen nicht mehr aus, um die monatlichen Ausgaben und auch Rechnungen zu bezahlen.
[Marie 4:49]
Um welche Beiträge geht es denn in der Regel?
[Isa 4:52]
So ganz allgemeingültig lässt sich das natürlich nicht sagen, aber gehen wir mal vom Durchschnitt aus. Grundlegend steigt die Schuldenlast, die durchschnittliche, natürlich mit steigendem Alter. Bei jungen Erwachsenen ist die Schuldenlast in der Regel noch überschaubar. Aber auch hier schwanken die Zahlen je nach Studie. Durchschnittlich ist die Schuldenlast bei jungen Erwachsenen zwischen 20 und 25 Jahren ungefähr in einer Höhe von 9000 Euro. Und die erhöht sich dann auf circa 20.000 Euro in den darauffolgenden 10 bis 15 Jahren. Das hängt natürlich aber total vom eigenen Verhalten ab. Immer wenn ich von Zahlen spreche, findet ihr auch die Quellen dazu in den Shownotes.
[Marie 5:32]
Wie kommt es denn eigentlich dazu, dass junge Erwachsene Schulden machen? Also welche Gründe gibt es neben dem BNPL noch?
[Isa 5:39]
Die Top-Gründe für Schulden bei jungen Erwachsenen sind statistisch erfasst. Und der wichtigste Grund ist bei jungen Erwachsenen, oder vielmehr der häufigste, ist die unwirtschaftliche Haushaltsführung. Da kann es zum Beispiel daran liegen, dass man noch leichtgläubiger ist oder unerfahren im Geschäftsleben und die schnelle Wunscherfüllung zum Beispiel auch noch mehr im Fokus steht. Es kann auch sein, dass man das Studium abgebrochen hat oder die Ausbildung. Und wie erwähnt, dass man die Kompetenz mit Geld umzugehen im Kindesalter vielleicht noch nicht so gelernt hat.
Als zweithäufigsten Grund mit circa 21 Prozent gibt es dann Arbeitslosigkeit. Danach kommen Gründe wie Erkrankung, Sucht und Unfall mit circa 11 Prozent.
Und dann sind es noch Gründe wie langfristiges Niedrigeinkommen, wenn man zum Beispiel nur einen Minijob hatte eine lange Zeit. Und seltener ist es so, dass da zum Beispiel eine Trennung oder eine Scheidung oder ähnliches der Grund für Schulden bei Erwachsenen, bei jungen Erwachsenen ist.
Man sollte sie jetzt allerdings auch nicht verteufeln, dass sie nur aufgrund von schlechter Haushaltsführung Schulden ansammeln. Denn die Situationen sind ganz unterschiedlich und es gibt verschiedenste Gründe, warum Jugendliche und junge Erwachsene Schulden ansammeln.
[Marie 6:52]
Was kann ich denn machen, wenn ich doch mal den Überblick verloren habe? Also zum Beispiel mal vergessen habe eine Rechnung zu bezahlen oder mir schon irgendwie so ein Inkasso- Brief ins Haus flattert?
[Isa 7:02]
Also am allerwichtigsten ist es, alle Briefe zu öffnen. Und ich weiß, es sagt sich sehr leicht. Aber ihr solltet sie wirklich nicht wegwerfen oder ungeöffnet vor euch herschieben. Die Briefe sollten alle gelesen werden und auch verstanden werden. Und wenn sich dann mal Schulden anhäufen sollten, solltet ihr euch so früh wie möglich Hilfe holen. Das geht zum Beispiel bei einer Schuldnerberatungsstelle wie bei uns bei der Verbraucherzentrale. Und wichtig ist da aber auf jeden Fall, dass seriöse Schuldnerberatung immer kostenlos ist. Wenn ihr jetzt generell noch mal Informationen dazu haben wollt, zu Inkasso-Briefen, Mahnungen und Ähnlichem, dann kann ich euch dann noch unsere Internetseite ans Herz legen. Da findet ihr ganz viele Informationen dazu.
[Marie 7:43]
Die Internetseiten verlinken wir euch auf jeden Fall in den Shownotes, sodass ihr da auch noch mal nachschauen könnt. Hast du vielleicht zum Abschluss noch ein paar gute Regeln oder so, wie man sein Geld am besten im Griff halten kann?
[Isa 7:57]
Ich habe mal fünf beispielhafte Tipps mitgebracht. Als erstes sollte man immer noch mal darüber nachdenken, braucht man dieses Produkt wirklich? Also seine eigene Kaufentscheidung sollte man immer überdenken. Braucht man es jetzt? Hat man genug Geld und kauft man nur aufgrund irgendeiner Marketingstrategie oder wirklich, weil man es will?
Zweiter Tipp ist es, sich Regeln zu setzen. Wenn man weiß, man läuft Gefahr, wenn einem langweilig ist, zum Beispiel in Shopping-Apps zu schauen, dann dass man sich selbst die Regel setzt, zum Beispiel in der Bahn oder unterwegs nicht in Shopping-Apps zu gucken.
Ein dritter Tipp kann dann sein, dass man zum Beispiel antizyklisch verkauft. Das heißt, man ist sich seiner Wünsche bewusst und plant sie dann entgegen der Jahreszeiten zum Beispiel ein. Dann schaut man im Frühjahr nach Winterjacken und vielleicht schon früher als ein paar Tage vor Weihnachten nach Geschenken zum Beispiel.
Vierter Tipp ist natürlich, wenn man da Gefahr läuft, Online-Apps einfach zu löschen, Shopping-Apps und Co. Und als fünften Tipp ist es auch essentiell, dass man aufschreibt, wohin das Geld geht, dass man eine Übersicht bekommt. Da gibt es Budget-Apps, man kann ein Haushaltsbuch führen, das kann man handschriftlich machen oder als Excel-Tabelle. Und so hat man dann immer die Möglichkeit rauszufinden, wofür das eigene Geld draufgeht.
[Marie 9:16]
Danke Isabel für die ganzen Informationen. Wenn ihr jetzt noch weitere Hilfe braucht, dann könnt ihr euch auch noch unsere beiden anderen Podcast-Episoden zum Thema Umgang mit Geld anhören. Und ganz viele nützliche Links verlinken wir euch auch noch in den Show Notes. Wir freuen uns, wenn ihr nächstes Mal wieder dabei seid. Bis dann! Ciao!