Roter Reis – ganz natürlich den Cholesterinspiegel senken?

Stand:
Mit Rotschimmelreis ohne Nebenwirkungen den Cholesterinspiegel senken? Warum das nicht sinnvoll ist, verraten wir hier.
Roter Reis

Das Wichtigste in Kürze:Achtung, kann Gesundheit schaden!

  • Roter Reis ist ein mit einem roten Schimmelpilz fermentierter Reis.
  • Rotschimmelreis-Produkte (Nahrungsergänzungsmittel) werden häufig mit der Aussage beworben, den Cholesterinspiegel "rein natürlich" und ohne Nebenwirkungen zu senken.
  • Das in Rotschimmelreis enthaltene Monacolin K ist identisch mit dem verschreibungspflichtigen Arzneistoff Lovastatin. Sowohl Lovastatin als auch Monacolin K können erhebliche Nebenwirkungen auslösen.
  • Nahrungsergänzungsmittel müssen weniger als 3 mg Moncolin/Tagesdosis enthalten.
  • Wechselwirkungen mit einer Vielzahl von Medikamenten (u.a. mit Blutgerinnungshemmern) sind möglich. Auch der Blutzuckerspiegel kann erhöht werden.
  • Nicht geeignet für Schwangere, Stillende, Menschen unter 18 und über 70 Jahren.
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Was verspricht die Werbung?

Nahrungsergänzungsmittel mit Rotschimmelreis (Red Rice, Red Yeast Rice, roter Reis) sollen den Cholesterinspiegel durch das enthaltene Monakolin K (Monacolin K) auf "natürliche" Weise senken und dabei frei von Nebenwirkungen sein.

Zwar wurde für Rotschimmelreis in der Verordnung (EU) Nr. 432/2012 die gesundheitsbezogene Werbeaussage "Monakolin K aus Rotschimmelreis trägt zur Aufrechterhaltung eines normalen Cholesterinspiegels im Blut bei" für Lebensmittel zugelassen - sofern mit dem Produkt täglich 10 mg Monakolin K aufgenommen werden.

Da bereits ab einer Tagesdosis von 3 mg Monacolinen schwere Nebenwirkungen an Muskeln, Nervensystem und Darm auftreten können, wurde die Verwendung von rotschimmelreishaltigen Nahrungsergänzungsmitteln bzw. Monacolinen aus Rotschimmelreis im Juni 2022 von der EU eingeschränkt.

Demnach dürfen Nahrungsergänzungsmittel nur noch weniger als 3 mg Monacoline pro Tagesdosis enthalten bzw. darf nicht mehr als diese Menge Lebensmitteln zugesetzt werden. Der Monacolingehalt pro Portion muss angegeben werden. Auch müssen die Produkte mehrere Verwendungs- und Warnhinweise tragen. Ab einer Tagesdosis von 5 mg Monakolin K werden Red-Rice-Produkte in Deutschland als zulassungspflichtige Arzneimittel eingestuft.

Nahrungsergänzungsmittel mit rotem Reis / Monakolin K sind also nur niedrig dosiert erlaubt und haben dann nicht die erhoffte Wirkung. Eine Bewerbung dieser Produkte mit einer cholesterinsenkenden Wirkung ist daher nicht zulässig.

Es gibt allerdings eine Ausnahme: Für das Produkt Limicol®, eine genau definierte Kombination von standardisierten Extrakten aus Artischockenblättern, Monacolin K, Policosanolen, OPC aus Strandkiefernrinde, Knoblauch, Riboflavin (Vitamin B2) und Inosithexanicotinat (Vitamin B3) ist die Aussage "Limicol® senkt/reduziert nachweislich den Cholesteringehalt im Blut. Ein hoher Cholesterinwert ist ein Risikofaktor für die koronare Herzerkrankung." erlaubt worden, und zwar aufgrund von vom Hersteller vorgelegten und von der EFSA geprüften Daten zu Interventionsstudien am Menschen. Bis 2028 darf dieser Claim nur vom Hersteller verwendet werden. Zusätzlich ist vorgeschrieben, dass die Tagesdosis aufgeteilt auf die drei Hauptmahlzeiten einzunehmen ist.

Achtung: In Japan werden seit Anfang 2024 mindestens 4 Todesfälle und über 100 Krankenhauseinweisungen mit Red-Rice-Nahrungsergänzungsmitteln in Verbindung gebracht. Der Hersteller hat die "Rohware" in viele weitere Länder geliefert. Seien Sie besonders vorsichtig. Weitere Infos auf unserer Seite mit den Verbraucherwarnungen.

Kann die Einnahme von rotem Reis sinnvoll sein?

Cholesterinsenkende Arzneimittel (Statine) haben zahlreiche unerwünschte Wirkungen. Für viele Patienten, die diese Arzneimittel nicht vertragen, scheint dann die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln mit Rotschimmelreis eine nebenwirkungsarme, rein natürliche Alternative zu sein. Ein Trugschluss, da es sich bei Monakolin K und dem bekannten (verschreibungspflichtigen) Arzneistoff Lovastatin um dieselbe Substanz handelt.

Worauf sollte ich bei Rotschimmelreisprodukten achten?

  • Die Tagesdosis muss unterhalb von 3 mg liegen.
     
  • Nahrungsergänzungsmittel mit Rotschimmelreis/Monacolinen müssen mit klaren Angaben zur maximalen täglichen Einnahmemenge (in Portionen) und zum Gehalt an Monacolinen pro Portion gekennzeichnet sein.
     
  • Auch niedrig dosierte Nahrungsergänzungsmittel mit rotem Reis können die gleichen Risiken und Nebenwirkungen entfalten wie Arzneimittel mit Lovastatin: Muskelschmerzen und -krämpfe, Kopfschmerzen, Übelkeit, Durchfall, Schwäche, Hautausschläge sowie Störungen der Nieren- und Leberfunktion.
     
  • Wechselwirkungen mit einer Vielzahl von Medikamenten (u.a. mit Blutgerinnungshemmern) und gesundheitsschädliche Interaktionen mit Lebensmitteln (insbesondere mit Grapefruit) sind möglich.
     
  • Vorgeschriebener Warnhinweis: Wer cholesterinsenkende Mittel einnimmt, sollte unbedingt auf Rotschimmelreisprodukte verzichten, ebenso Schwangere, Stillende, Menschen unter 18 und über 70 Jahren.
     
  • Auch eine Erhöhung des Blutzuckerspiegels ist möglich.
     
  • Es gibt keine gesundheitlich unbedenkliche Menge. Am sichersten ist der Verzicht auf ein solches Produkt. Wer es ausprobieren möchte (und an einem erhöhten Cholesterinspiegel leidet), sollte unbedingt vorher ärztlichen Rat einholen und die Verwendung medizinisch begleiten lassen.
     
  • Vorgeschriebener Warnhinweis: Treten gesundheitliche Beschwerden bei der Einnahme auf, holen Sie sich unbedingt ärztlichen Rat.
     

Rotschimmelreis bietet gegenüber entsprechenden Arzneimitteln keine Vorteile:

  • Eine sichere Dosierung der Produkte ist nicht möglich. Die Gehalte von Monakolin K in Rotschimmelreisprodukten können herstellungsbedingt schwanken, auch entstehen bei der Fermentation weitere Monacoline, deren pharmakologische Wirkung gar nicht berücksichtigt wird. Der Gehalt an Monakolin K sagt also nicht unbedingt etwas über die cholesterinsenkende Wirkung des Produkts aus. Auch das Nebenwirkungspotenzial lässt sich nicht alleine anhand des Monakolin-K-Gehaltes abschätzen.
     
  • Ob durch Einnahme von niedrigeren Mengen an Monakolin K im Vergleich zur Dosierung eines Statins noch eine wirksame Cholesterinsenkung stattfindet, ist fraglich. Es besteht also zusätzlich das Risiko einer unzureichenden Cholesterinsenkung.
     
  • Insgesamt ist die Datenlage zur Sicherheit von Rotschimmelreis und seinen Inhaltsstoffen ungenügend. Darüber hinaus fehlen Standards bzw. Spezifikationen zur Sicherung von Reinheit und Identität der Präparate sowie Angaben zur Abwesenheit von toxischen Inhaltsstoffen.
     
  • Rotschimmelreisprodukte können zahlreiche weitere potenziell gefährliche Substanzen wie das nierenschädigende Mykotoxin Citrinin (genotoxisch und krebserregend) enthalten. Daher gilt seit dem 1. April 2020 ein Höchstgehalt von Citrinin von 100 μg/kg in Nahrungsergänzungsmitteln auf Basis von Rotschimmelreis.

Wenn Sie noch mehr wissen möchten:

Statine hemmen die Cholesterinbiosynthese auf der Stufe der Hydroxymethylglutaryl-Coenzym A (HMG-CoA) Reduktase. Insbesondere die gleichzeitige Einnahme von Rotschimmelreis und Statinen kann zu einer Steigerung dieser Hemmwirkung mit der Folge von gesundheitlich nachteiligen Effekten führen.

In Studien mit verschiedenen Red Rice-Produkten wurde bereits bei Dosierungen ab 5 mg Monakolin K pro Tag eine nennenswerte pharmakologische Wirkung nachgewiesen. Zudem wird die biologische Aktivität der anderen in Rotschimmelreis enthaltenen Monacoline, wie z.B. Compactin, bisher nicht berücksichtigt. Auch sie wirken cholesterinsenkend. Es bleibt bei Einnahme solcher Produkte also immer unklar, wie stark die Cholesterinsenkende Wirkung und wie hoch das Risiko für Nebenwirkungen ausfällt. Wenn Ihr Cholesterinspiegel medikamentös gesenkt werden muss, sollten Sie auf zugelassene Arzneimittel mit sicherer Dosierung zurückgreifen.


Was ist Rotschimmelreis?

Rotschimmelreis ist ein leuchtend rotes Fermentationsprodukt von gewöhnlichem gekochtem Reis mit bestimmten Schimmelpilzstämmen der Gattung Monascus. Häufig eingesetzt wird der Schimmelpilz Monascus purpureus. Durch die Fermentation entstehen neben roten, orange-roten und gelben Farbstoffen verschiedene potenziell wirksame Inhaltsstoffe wie z. B. die genannten Monacoline, aber auch eine Vielzahl weiterer Substanzen, deren Wirkung bzw. Gefährdungspotenzial nur unzureichend geklärt ist.

In Asien und besonders in China wird Rotschimmelreis seit Jahrhunderten zum Färben, Aromatisieren und Konservieren von Lebensmitteln eingesetzt, in der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) auch bei Magen- und Darmbeschwerden. Er ist nicht zu verwechseln mit Reissorten, deren Schale natürlicherweise rot ist, wie z.B. Carmargue-Reis. In der EU wird Rotschimmelreis als solcher und auch als Nahrungsergänzungsmittel zur Senkung des Cholesterinspiegels angeboten.

Bei der Herstellung des Roten Reis kann unter ungünstigen Bedingungen überwiegend von Schimmelpilzen der Gattung Penicillium, sowie von einigen Arten von Aspergillus, das Schimmelpilzgift Citrinin gebildet werden. Es gilt als mutagen und karzinogen, ist toxisch für Leber und Nieren sowie ein Zellgift. Daher wurde der Höchstgehalt der Kontaminante Citrinin in Nahrungsergänzungsmitteln auf Rotschimmelreis-Basis im April 2023 auf  100 µg/kg beschränkt.

 

Weitergehende Informationen zum Cholesterinspiegel

Gesundheitsportal des Bundesgesundheitsministeriums: Hypercholesterinämie, Stand: 13.04.2022

Gesundheitsinformation.de: Erhöhte Cholesterinwerte - Was kann ich selber tun, Stand: 22.09.2021

Gesundheitsinformation.de: Wann sind Statine sinnvoll zur Cholesterinsenkung? Stand: 22.09.2021


Quellen:


BfR (2020): Cholesterinsenkung mit Folgen: Nahrungsergänzungsmittel mit Rotschimmelreis nur nach ärztlicher Rücksprache einnehmen. Stellungnahme Nr. 003/2020 des BfR vom 15. Januar 2020 (abgerufen am 25.05.2023)

Verordnung (EU) Nr. 432/2012 zur Festlegung einer Liste zulässiger anderer gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel als Angaben über die Reduzierung eines Krankheitsrisikos sowie die Entwicklung und die Gesundheit von Kindern, Fassung vom 17.05.2021

EFSA (2018): Scientific opinion on the safety of monacolins in red yeast rice.

BfArM (2016): Pressemitteilung 3/16. BfArM warnt erneut vor Red Rice-Nahrungsergänzungsmitteln: Produkte ab einer Tagesdosis von 5 mg Monakolin K sind als Arzneimittel einzustufen. Nummer 3/16 vom 24.02.2016

Wechselwirkungen von Lovastatin, Stand: 05.03.2015 (abgerufen am 25.05.2023)

Stellungnahme der Gemeinsamen Expertenkommission BVL/BfArM: Einstufung von Rotschimmelreisprodukten, Stand: 08.02.2016 (abgerufen am 25.05.2023)

DFG-Senatskommission zur gesundheitlichen Bewertung von Lebensmitteln (SKLM) (2012): Toxikologische Bewertung von Rotschimmelreis: Aktualisierung. Endfassung vom 18.12.2012

Europäische Kommission: Food safety – restrictions on the use of monacolins from red yeast rice in foods / Verordnung (EU) 2022/860 der Kommission vom 01.06.2022 zur Änderung des Anhangs III der Verordnung (EG) Nr. 1925/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates in Bezug auf Monacoline aus Rotschimmelreis

Verordnung (EU) 2023/915 der Kommission vom 25.04.2023 über Höchstgehalte für bestimmte Kontaminanten in Lebensmitteln

Verordnung (EU) 2023/648 der Kommission vom 20.03.2023 zur Zulassung einer gesundheitsbezogenen Angabe über Lebensmittel betreffend die Verringerung eines Krankheitsrisikos

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