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Superfood: Hype um Früchte und Samen

Stand:

Sie heißen Açaí, Chia, Goji, Maqui oder Moringa und es gibt einen regelrechten Hype um diese Früchte und Samen. Was steckt genau dahinter?

Das Wichtigste in Kürze:

  • Superfoods zeichnen sich meist durch einen hohen Gehalt an wertvollen Inhaltsstoffen aus. Ein gesundheitlicher Mehrwert im Vergleich mit der Vielzahl heimischer Gemüse und Früchte ist nicht gegeben.
  • Häufig sind Superfoods mit Schadstoffen belastet und im Vergleich zu heimischen Gemüse und Früchten sehr teuer.
  • "Exotische" Lebensmittel bergen immer ein gewisses Risiko Überempfindlichkeitsreaktionen bzw. Allergien auszulösen, auch Wechselwirkungen mit Medikamenten sind möglich.
  • Bei "Superfoods" in Kapselform ist Vorsicht geboten. Durch die Aufkonzentrierung bestimmter reizender oder toxischer Stoffe kann es zu gesundheitlichen Problemen kommen.
Verschiedene Superfoodsin in den Schälchen
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Was steckt hinter der Werbung zu Superfoods?

Superfoods werden allerlei gesundheitsfördernde Eigenschaften zugeschrieben. Meist sollen sie verschiedenen Krankheiten vorbeugen und zudem satt und schlank machen. Besonders herausgestellt wird ihr antioxidatives Potential.

Für diese gesundheitsfördernden Eigenschaften fehlen weitgehend wissenschaftliche Nachweise. Die meisten Aussagen zu Superfoods stammen von gewerblichen Anbietern, einzelnen Beratern oder Interessengruppen. Dabei überwiegen Anekdoten und Erfahrungsberichte. Scharlatanerie ist weit verbreitet. Gesicherte Daten zu Enzym-Gehalten oder den Mengen einzelner sekundärer Pflanzenstoffe fehlen in der Regel.

Auch bei Superfood-haltigen Nahrungs­ergänzungsmitteln ist der ausgelobte Gesundheits­nutzen meist nicht wissenschaftlich nachgewiesen und die genaue Zusammensetzung oft nicht bekannt. Die in den Produkten hervorgehobenen Vitamine und Mineralstoffe sind oft künstlich hinzugefügt.

Superfoods können ‒ sofern sie nicht gerade in Kapselform verzehrt werden ‒ den Speiseplan durchaus bereichern und ganz neue Geschmacks­erlebnisse vermitteln. Ein gesundheitlicher Mehrwert im Vergleich mit der Vielzahl heimischer Gemüse und Früchte ist aber nicht zu erwarten.

Was sind Superfoods?

Superfoods sind schon seit einiger Zeit auf dem Markt. Dennoch gibt es bisher keine offizielle Definition oder gesetzliche Regelung. Als "Superfoods" angeboten werden meist natürliche und exotische Lebensmittel mit größeren Mengen an Vitaminen und/oder Mineralstoffen sowie sekundären Pflanzenstoffen. Sie werden selten frisch, sondern meist getrocknet, als Püree oder Extrakt angeboten. Auch als Anreicherung in funktionellen Lebensmitteln (etwa Brötchen mit Chiasamen) oder in Kapsel- und Pulverform als Nahrungsergänzungsmittel sind sie auf dem Markt. Superfoods finden des weiteren Einsatz als Zutat für besonders "gesunde" Rezepte (zum Beispiel Müslis, Smoothies, Smoothie-Riegel).

Wer Superfoods ausprobieren möchte, sollte sich vorab vergewissern, ob es beim angepriesenen Produkt um die "echten" Früchte bzw. Samen geht, oder ob es sich lediglich um eine (meist nur in Kleinstmengen vorhandene) Zutat in einem Lebensmittel handelt. Oft waren zahlreiche Verarbeitungsschritte nötig, um das Superfood genießbar zu machen, etwa Extraktion, Trocknung, Zugabe von reichlich Zucker oder Aromen.

Welche Inhaltsstoffe sind in Superfoods enthalten?

Meist sind Superfoods pflanzliche Lebensmittel, die von Natur aus hohe Gehalte an einzelnen Mikronährstoffen, Enzymen und sekundären Pflanzenstoffen aufweisen. Die frischen Super-Beeren, -Körner oder -Blätter sind anfänglich meist reich an wertvollen Inhaltsstoffen, doch der Transportweg von den Anbaugebieten in exotischen Ländern bis in den deutschen Supermarkt ist lang. Die Produkte werden oft zu früh geerntet, teilweise stark verarbeitet oder liegen wochenlang in Schiffscontainern. Es ist daher fraglich, wie viel von den beworbenen Inhaltsstoffen tatsächlich noch beim Verbraucher ankommt.

Eine ausgewogene Nährstoffaufnahme lässt sich durch eine pflanzenbetonte vielfältige Ernährung sicherstellen. Es reicht nicht aus, sich in der Ernährung auf einige wenige Superfoods zu konzentrieren.

Auf was sollte ich bei der Verwendung von Superfoods achten?

Gegen Superfoods in Form von Früchten und Samen frisch, getrocknet oder als Püree ist ernährungsphysiologisch gesehen nichts einzuwenden. Allerdings bergen exotische Lebensmittel (egal ob pur oder als Extrakt) immer ein gewisses Risiko Überempfindlichkeits­reaktionen bzw. Allergien auszulösen.

Zudem sind Wechselwirkungen von Superfood mit Arzneimitteln möglich. So sollte, ähnlich wie bei der Grapefruit, auch zwischen dem Verzehr von Granatapfelprodukten und der Einnahme von Arzneien ein zeitlicher Mindestabstand eingehalten werden, um veränderte Wirkungen auszuschließen. Gojibeeren sind selbst in Form von Konfitüre gefährlich für Personen, die bestimmte die Gerinnung hemmende Arzneimittel einnehmen.

Vor allem bei Anreicherungen ist Vorsicht geboten. Für Extrakte und Zubereitungen im Lebensmittelbereich gibt es keine Standardisierungen wie bei Arzneimitteln. Mangostane-Extrakt A und Mangostane-Extrakt B sind also nicht mit einander vergleichbar. Und was als Lebensmittel in normalen Mengen kein Problem ist (etwa Zimt), kann durch die Aufkonzentrierung bestimmter reizender oder toxischer Stoffe (Zimtaldehyd, Cumarin) gesundheitlich problematisch werden.

Dazu hat das Bundesinstitut für Risikobewertung schon vereinzelt Untersuchungen und Einschätzungen des Risikos vorgelegt. Superfoods in Kapselform sind daher nicht zu empfehlen.

Bei der Entscheidung für ein Superfood sollte man neben Aspekten der Gesundheit unbedingt auch den Einfluss von Superfood auf die Umwelt und Gesellschaft in den Anbauregionen bedenken.

Können Superfoods mit Schadstoffen belastet sein?

Es kommt immer wieder vor, dass als Superfood verkaufte Beeren, Samen, Algen oder getrocknete Pflanzen mit Pestiziden, Schwermetallen (z.B. Arsen, Cadmium), mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) oder Mineralöl belastet sind.

Bei Untersuchungen des Chemischen und Veterinär­untersuchungsamts Stuttgart wurden Pestizidrückstände vor allem in konventionell angebauten Goji-Beeren gefunden. Aber auch bei Produkten mit Moringablattpulver wurden Rückstände (Pestizide, Nikotin, Salmonellen) und irreführende Bewerbung bemängelt. Angaben wie "Wildwuchs" bedeuten nicht zwangsläufig, dass es keine Schadstoff­belastung gibt – können die Früchte doch direkt neben einer stark befahrenen Autobahn, einer Eisenbahnstrecke oder im Einzugsbereich einer Chemiefabrik geerntet worden sein.

Anstelle der Açaí-Beere können heimische dunkle Beeren (Brom-, Holunder- Heidel- und Apfelbeere (Aronia) sowie Kirsche, rote Weintraube und Rotkohl gegessen werden, die ebenfalls mit hohen Gehalten an antioxidativ wirkenden Stoffen punkten. Leinsamen anstelle von Chia enthalten ebenfalls Omega-3-Fettsäuren und Ballaststoffe.

Besonders reich an sekundären Pflanzenstoffen sind auch Zwiebelgewächse (Zwiebel, Porree, Schnittlauch, Knoblauch), alle Kohlarten, Rettiche, Hülsenfrüchte und Zitrusfrüchte, native Pflanzenöle, Kerne und Nüsse, aber auch Kartoffeln und (Vollkorn-)Getreide. Das meiste davon gibt es aus heimischem Anbau.

 

Quellen:


Untersuchungsämter für Lebensmittelüberwachung und Tiergesundheit Baden Württemberg. Moringablattpulver – weiterhin mit Rückständen und unlauterer Bewerbung. Noch immer nicht super: das "Superfood" Moringa. abgerufen am 23.03.2017

Gesundheitliches Risiko von Shiitake-Pilzen. Stellungnahme des BfR vom 23.06.14

García Jiménez S, Pastor Vargas C, de las Heras M, et al. (2015) Allergen Characterization of Chia Seeds (Salvia hispanica), a New Allergenic Food. J Investig Allergol Clin Immunol 25(1): 55-82

Larramendi CH, García-Abujeta JL, Vicario S, García-Endrino A, et al. (2012) Goji berries (Lycium barbarum): risk of allergic reactions in individuals with food allergy. J Investig Allergol Clin Immunol. 22(5):345-50

Smollich M, Podlogar J. Wechselwirkungen zwischen Arzneimitteln und Lebensmitteln. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart. 1. Auflage, 2016

Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (2000). Gehalte an Cumarin, Safrol, Methyleugenol und Estragol in Lebensmitteln. Zugriff 22.07.2016

Ökotest (2016) Test Superfoods – Supertox. Ökotest 4, 29-36

Greenpeace (2013) Giftige Pestizidcocktails in traditionellen chinesischen Kräutern. Zugriff 22.07.2016

CVUA Stuttgart: Nachgefasst: Pestizide in Gojibeeren.

 

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