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Trendbeere Aronia

Stand:

Aroniabeeren werden als Saft, Kapseln oder Pulver angeboten. Ist bei diesen Produkten etwas zu beachten?

Das Wichtigste in Kürze:
Wirkung nicht bewiesen

  • Aronia-haltige Nahrungsergänzungsmittel werden als Schönheitsmittel oder zur Stärkung des Immunsystems beworben. Aussagekräftige klinische Studien zu diesen Aussagen fehlen allerdings.
  • Die Zusammensetzung der in Nahrungsergänzungsmittel eingesetzten Aronia-Extrakte ist meist nicht bekannt und die ausgelobten Vitamine sind oft künstlich zugesetzt.
  • In den Kernen der Aroniabeere sind geringe Mengen an Amygdalin enthalten, welches im Körper giftige Blausäure freisetzen kann.
  • Der Verzehr kleiner Mengen frischer, getrockneter oder zu Saft oder Marmelade verarbeiteter Aroniabeeren ist gesundheitlich unbedenklich und kann zu einer ausgewogenen und gesunden Ernährung beitragen.
Aroniabeeren werden wegen ihrer wertvollen Inhaltsstoffe derzeit gerne als Super­beeren angepriesen.
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Was steckt hinter der Werbung zu Aroniabeeren?

Angepriesen wird die Aroniabeere als heimische Superbeere / Superfood, mit einem außergewöhnlich hohen Gehalt an sekundären Pflanzeninhaltsstoffen. Angebaut wird sie hauptsächlich in Brandenburg und Sachsen, die Ernte startet meist im August. Tatsächlich sind Aroniabeeren reich an Flavonoiden und phenolischen Säuren, die mit einer Reihe von gesundheitsfördernden Eigenschaften in Verbindung gebracht werden. Diese sekundären Pflanzeninhaltsstoffe sind allerdings auch in anderen Beeren, wie zum Beispiel Heidelbeeren oder Preiselbeeren enthalten.

Aronia-haltige Nahrungsergänzungsmittel werden als Schönheitsmittel oder zur Stärkung des Immunsystems beworben. Sie sollen antioxidativ, antithrombotisch und blutdrucksenkend wirken. Aussagekräftige klinische Studien zu diesen Produkten fehlen meist und Werbeaussagen, die sich auf die Vorbeugung, Heilung oder Linderung von Krankheiten beziehen, sind für alle Lebensmittel und somit auch für Aronia-haltige Nahrungsergänzungsmittel verboten. Wer regelmäßig und abwechslungsreich Obst und Gemüse verzehrt, ist in der Regel ausreichend mit sekundären Pflanzenstoffen / Antioxidanzien versorgt.

Auf was sollte ich bei der Verwendung von Aroniabeeren achten?

Aroniabeeren enthalten geringe Mengen an Amygdalin, welches im Körper Blausäure freisetzen kann. Laut Max-Rubner-Institut ist ein regelmäßiger Verzehr von Produkten aus Aroniabeeren (Saft, Konfitüre, Gelee oder getrocknete Früchte) hinsichtlich des Blausäuregehaltes allerdings unproblematisch. Auch der Genuss einer kleinen Portion frischer Beeren wird als unbedenklich angesehen.

Wer Aronia-haltige Nahrungs­ergänzungsmittel verwenden möchte, sollte auf die Verzehrempfehlung des Herstellers achten.

Was sind Aroniabeeren?

Die Aroniabeere auch (Schwarze) Apfelbeere genannt, ist eine erbsengroße violett-schwarze Scheinbeere, die zu der Familie der Rosengewächse gehört. Ursprünglich stammt sie aus Nordamerika, wird aber mittlerweile auch in Europa angebaut. Die Beere hat einen herb-süß-säuerlichen Geschmack und eignet sich daher eher für die Verarbeitung als für den Frischeverzehr.

Aroniabeeren werden vor allem zu Marmelade, Saft und Püree / Pasten verarbeitet, aber auch als Trockenfrüchte (100 g enthalten 22 g Zucker) angeboten. Neben der Herstellung von Lebensmitteln wird sie auch als natürliches Färbemittel zum Beispiel in Süßwaren eingesetzt. Aber auch Aronia-haltige Nahrungsergänzungsmittel mit vielversprechenden Gesundheitsauslobungen sind auf dem Markt.

Welche Inhaltsstoffe sind in Aroniabeeren enthalten?

Aroniabeeren sind reich an sekundären Pflanzenstoffen, wie den Flavonoiden und phenolischen Säuren. Vor allem die Anthocyane und Proanthocyane sind hierbei zu nennen. Diese Stoffe sind für die rote bis schwarze Färbung der Früchte verantwortlich. Zudem enthalten sie viel Vitamin C und weisen hohe Gehalte an Eisen, Folsäure und Jod auf. Anthocyane sind jedoch unter anderem auch in der Heidelbeere oder Brombeere enthalten.

In Nahrungsergänzungsmitteln finden vor allem Aroniabeeren-Extrakte Verwendung. Diese Extrakte können sich von Produkt zu Produkt unterscheiden. Meist ist die genaue Zusammensetzung nicht bekannt und die Wirkung nicht untersucht. Die in Aronia-haltigen Nahrungsergänzungsmitteln ausgelobten Vitamine, sind oft künstlich zugesetzt und stammen nicht ausschließlich aus der Beere. Daher sollten die natürlichen Beeren bevorzugt werden.

Können Aroniabeeren mit Schadstoffen belastet sein?

Uns liegen keine aktuellen Untersuchungen der Schadstoffbelastung von Aroniabeeren vor. Im Allgemeinen können Beeren je nach Herkunftsort mit Pestizidrückständen und Schwermetallen belastet sein. Bio-Produkte schneiden in der Regel besser ab.

Unser Tipp: Die Aroniabeere kann auch gut im eigenen Garten angebaut werden. Aus den Beeren selbst gemachter Saft oder Marmelade schmeckt doppelt gut.

Was ist Amygdalin?

Amygdalin, auch Amigdalina, Laetrile (Lätril) oder Mandelonitril genannt, ist ein toxischer sekundärer Pflanzeninhaltsstoff. Das Blausäure abspaltende-Glykosid wird in Gegenwart von Wasser in das typische Bittermandelaroma (Benzaldehyd), Glukose und Mandelsäurenitrilglukosid gespalten. Letzteres zerfällt durch den Einfluss weiterer Enzyme letztlich in Cyanid/Blausäure.

Amygdalin ist auch Bestandteil bitterer Aprikosenkerne. Diese gelten als Lebensmittel; Amygdalin selbst ist in Deutschland nicht verkehrsfähig. Einige Hersteller bewerben Aprikosenkerne als Wundermittel gegen Krebs - dafür gibt es keinen wissenschaftlichen Nachweis. Im Gegenteil: Laut Bundesinstitut für Risikobewertung kann es bereits bei mehr als zwei bitteren Aprikosenkernen pro Tag (für Erwachsene) zu Vergiftungserscheinungen kommen. Kinder sollten ganz darauf verzichten.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hält den Konsum von mehr als drei kleinen Kernen oder einem halben großen Kern für bedenklich. Lebensmittelhändler haben die Pflicht, Verbraucher beim Kauf von bitteren Aprikosenkernen auf das Risiko beim Verzehr hinzuweisen. Es gibt keine Zulassung von Amygdalin als Arzneimittel.

Was ist Blausäure?

Einige Pflanzen und daraus gewonnene Lebensmittel (vor allem Bittermandeln, Aprikosen- und Pfirsichkerne) enthalten von Natur aus hohe Konzentrationen an Blausäure-abspaltenden Verbindungen. Bei der Verdauung kann aus diesen ungiftigen Stoffen die giftige Blausäure freigesetzt werden. Dies führt unter anderem zu Vergiftungserscheinungen wie Atemnot, Pupillenerweiterung und Krämpfen, im schlimmsten Fall durch die Blockade eines Enzyms der Atmungskette (Cytochromoxidase) sogar zum Tod. Bei Verdacht einer Vergiftung deshalb sofort ärztlichen Rat einholen oder mit der Giftnotruf-Zentrale Kontakt aufnehmen.

Bittermandeln sind allein als Gewürz zu verwenden - und dies auch nur in geringer Menge. Sie müssen immer unzugänglich für Kinder aufbewahrt werden.

 

Quellen:


Kokotkiewicz. Aronia plants: a review of traditional use, biological activities, and perspectives for modern medicine. J Med Food. 2010 Apr;13(2):255-69.

AID: Trendbeeren und -früchte: Was ist dran an den "Superfrüchten" aus Übersee? (abgerufen am 12.12.16)

Max Rubner Institut. Aroniabeeren und Aroniasaft. (abgerufen am 12.12.16)