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Krankmachende Bakterien in getrockneten Blatt- und Grasprodukten

Stand:
Bei Nahrungsergänzungsmitteln mit Weizengraspulver, Gerstengraspulver oder Blattpulvern, ist eine Belastung mit Krankheitserregern möglich.
 
Das Wichtigste in Kürze:
Achtung, kann Gesundheit schaden
  • In Deutschland werden zunehmend Blatt- und Grasprodukte wie Weizengras-Pulver oder getrocknete Blätter z.B. von Moringa, Matcha oder Olive auch in Form von Nahrungsergänzungsmitteln verzehrt. Diese können mit verschiedenen Krankheitserregern belastet sein.
  • Schwangere und Personen, deren Abwehrkräfte durch hohes Alter, Vorerkrankungen oder Medikamenteneinnahme geschwächt sind, sollten Nahrungsergänzungsmittel aus getrockneten Blatt- und Grasprodukten nur nach ärztlicher Rücksprache verzehren.
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Welche Krankheitserreger können enthalten sein?

Getrocknete Blatt- und Grasprodukte (Graspulver, Blattpulver) werden in verschiedenster Form angeboten, häufig als sogenanntes Superfood. Je nach Inhaltsstoff gibt es sie als Pulver oder in Kapseln. Pulver können normale Lebensmittel sein. Häufig sind es jedoch Nahrungsergänzungsmittel, da bestimmte Zutaten (z.B. getrocknete Olivenblätter) nur in Nahrungsergänzungsmitteln erlaubt sind, weil sie darin nicht als neuartig gelten. Sonst bräuchten sie eine Zulassung.

Typische Produkte sind Weizengras-Pulver oder Gerstengras-Pulver, getrocknete Moringa- oder Oliven-Blätter, aber auch die nicht zugelassenen getrockneten Graviola-Blätter (als neuartiges Lebensmittel eingestuft).

Solche Nahrungsergänzungsmittel können für den Menschen gefährliche Krankheitserreger enthalten, insbesondere wenn die Rohwaren nicht ausreichend behandelt wurden. Potentielle krankmachende Bakterien sind bei diesen Nahrungsergänzungsmitteln: Salmonellen, Shigatoxin bildende Escherichia coli-Bakterien, Listerien, Bacillus cereus oder Clostridium perfringens. Die Erkrankungssymptome sind abhängig von der Art der Bakterien bzw. der von ihnen gebildeten Giftstoffe. Bei den meisten dieser Infektionen kommt es zu Symptomen ähnlich einer Magen-Darm-Grippe, Fieber, Kopf-, Glieder- und Muskelschmerzen. Im schlimmsten Fall (z.B. EHEC oder Listeriose) kann die Erkrankung tödlich sein.

Was kann ich selber tun, um mich zu schützen?

  • Wenn Sie solche Superfood-Pulver für selber hergestellte Smoothies oder als Topping für Breie etc. verwenden, sollten Sie Smoothies und Breie bei maximal 7 °C lagern und noch am selben Tag verbrauchen. Zitrusfrüchte oder Zugabe von Zitronensaft helfen zusätzlich gegen die Vermehrung von Bakterien.
  • Manche Nahrungsergänzungsmittel werden auch als eine Art Tee angeboten. Produkte aus getrockneten Blättern oder Gräsern sollten Sie immer mit sprudelnd kochendem Wasser aufgegießen und mindestens 10 Minuten ziehen lassen.
  • Wenn Sie schwanger sind oder geschwächte Abwehrkräfte haben (durch hohes Alter, Vorerkrankungen oder Medikamenteneinnahme), verwenden Sie Nahrungsergänzungsmittel aus getrockneten Blatt- und Grasprodukten bitte nur nach vorheriger Rücksprache mit Ihrem Arzt.
  • Bei Durchfall, Übelkeit, Erbrechen und Fieber oder auch grippeähnlichen Symptomen nach dem Verzehr solcher Produkte sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Wovor wird am häufigsten gewarnt?

Laut Bundesinstitut für Risikobewertung zeigen die Meldungen im Portal des Europäischen Schnellwarnsystems für Lebensmittel und Futtermittel (RASFF), dass für Menschen gefährliche Bakterien, insbesondere Salmonellen, regelmäßig in Blattprodukten und vereinzelt in Grasprodukten nachgewiesen wurden. Salmonellen-Nachweise in Betelblättern und Produkten daraus wurden am häufigsten berichtet. Auch in Moringablattpulver wurden bereits Salmonellen nachgewiesen. Im September 2016 gab es mehrere Rückrufe für verschiedene (Bio-)Gerstengraspulver-Produkte wegen Belastung mit E. coli-Bakterien. Dieser Erreger kann Durchfall, Übelkeit, Erbrechen und Fieber verursachen.

In den ersten 10 Tagen im Juli 2017 wurde im RASFF insgesamt siebenmal vor möglicherweise mit Listerien kontaminierten Nahrungsergänzungsmitteln aus den USA gewarnt. Allerdings ist dort nicht näher beschrieben, um welche Art Nahrungsergänzungsmittel es sich handelt.

Wie gelangen die Krankheitserreger in die Pflanzen?

Blatt- und Grasprodukte können beim Anbau, z.B. durch die Düngung mit Fäkalien oder durch verunreinigtes Wasser, sowie bei der weiteren Behandlung und Verarbeitung mit für den Menschen krankheitserregenden Bakterien kontaminiert werden. Ursache dafür ist mangelnde Hygiene und unzureichendes Abtöten der Bakterien durch geeignete Verfahren (z.B. ausreichende Erhitzung). Diese Bakterien sind nicht nur auf die Pflanzenoberfläche beschränkt, einige können auch in das Pflanzeninnere eindringen. Unter bestimmten Lagerungsbedingungen können sich diese Erreger dann vermehren. Daher sollten solche Nahrungsergänzungsmittel trocken und kühl gelagert werden. Genau wie bei Gewürze sollten sie nicht über oder in der Nähe der Kochstelle (Wärme, Wasserdampf) aufbewahrt werden

Wie groß ist das Risiko?

Das Erkrankungsrisiko bei Nahrungsergänzungsmitteln aus getrockneten Blättern und/oder Gräsern ist laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) vermutlich höher als bei getrockneten Kräutern und Teeblättern, weil Nahrungsergänzungsmittel in der Regel ohne weitere Erhitzung verzehrt werden.

Eine genaue Abschätzung des Risikos an einer Salmonellose oder einer EHEC-Infektion zu erkranken, ist jedoch derzeit nicht möglich, weil Nahrungsergänzungsmittel – zumindest von öffentlichen Stellen - bisher nur selten auf für Menschen gefährliche Bakterien untersucht wurden und Verzehrdaten für diese Produktgruppe fehlen.

Das Risiko an Listeriose zu erkranken, wird für frische und getrocknete Blattprodukte als gering eingeschätzt. Für getrocknete Grasprodukte lässt sich das Erkrankungsrisiko aufgrund fehlender Daten nicht abschätzen.

Eine Erkrankung durch Campylobacter-Bakterien aus oder an getrockneten Blattprodukten gilt als unwahrscheinlich.

Es ist aber möglich, dass in getrockneten Blattprodukten vorhandene Sporen von Bacillus cereus oder Clostridium perfringens auskeimen, sich in unzureichend gekühlten oder unsachgemäß heiß gehaltenen Speisen (als Zutat in Smoothies, Breien) vermehren und durch Bildung von Giftstoffen (Toxinen) Magen-Darm-Erkrankungen verursachen.

Lebensmittelvergiftungen durch Staphylococcus aureus wären nur möglich, wenn kontaminierte Gras- oder Blattprodukte Lebensmitteln zugegeben werden würden, in denen sich der Erreger signifikant vermehren und Enterotoxine (Giftstoffe) bilden könnte.

Ein Risiko gesteht insbesondere für Schwangere und Personen, deren Abwehrkräfte durch hohes Alter, Vorerkrankungen oder Medikamenteneinnahme geschwächt sind.

 

Quellen:


Bundesinstitut für Risikobewertung (2017): Gras- und Blattprodukte zum Verzehr können mit krankmachenden Bakterien verunreinigt sein. Stellungnahme Nr. 013/2017 des BfR vom 10.07.17. (Zugriff 11.07.17)

Veldman K et al. (2014): Enterobacteriaceae resistant to third-generation cephalosporins and quinolones in fresh culinary herbs imported from Southeast Asia. Int J Food Microbiol 177: 72-7. doi: 10.1016/j.ijfoodmicro.2014.02.014

CVUA Stuttgart: Moringablattpulver - weiterhin mit Rückständen und unlauterer Bewerbung. Noch immer nicht super: das "Superfood" Moringa vom 16.02.2017. (Zugriff 11.07.17)

www.lebensmittelwarnung.de, Zugriff 11.07.17

Meldungen des RASFF im Juli 2017, Zugriff 11.07.17

 

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