Menü

Hanfhaltige Lebensmittel

Stand:

Hanfsamen und daraus hergestellte Produkte liegen im Trend. Neben wertvollen Nährstoffen können sie allerdings auch messbare Mengen des psychoaktiven Stoffes THC enthalten.

On

Hanfsamen und daraus hergestellte Produkte liegen im Trend. Neben wertvollen Nährstoffen können sie aber auch messbare Mengen des psychoaktiven Stoffes THC (Tetrahydrocannabinol) enthalten.

 

Das Wichtigste in Kürze:
  • Hanfsamen enthalten reichlich Mikro-Nährstoffe, darüber hinaus hochwertiges Eiweiß, Fettsäuren und Ballaststoffe.
  • Für THC in hanfhaltigen Lebensmitteln gelten in Deutschland, Belgien und der Schweiz Richtwerte; in der Regel werden sie eingehalten - aber es kann auch Ausnahmen geben.
  • Vorsicht ist bei Produkten aus dem Ausland geboten.
  • Wer auf Nummer Sicher gehen möchte, kann auf ebenfalls wertvolle Nüsse sowie Lein- und Sesamsamen zurückgreifen – diese sind garantiert frei von THC.

 

 

Die Hanfpflanze

 

Die Hanfpflanze (Cannabis sativa L.) ist eine alte Kulturpflanze aus Asien. Sie kann einen Rausch erzeugen und die Psyche beeinflussen; deshalb durfte sie in Europa lange Zeit nicht angebaut werden. Seit den 90-er Jahren ist der Anbau von Faserhanf in Deutschland wieder möglich. Hanffasern dienen zum Beispiel dazu, Textilien oder Papier herzustellen; Samen und Blätter können als Lebensmittel genutzt werden.

Hanfhaltige Lebensmittel sind im Trend und erobern die Regale von Super- und Getränkemärkten, Bio-Läden und Internet-Shops. Angeboten werden Hanfblätter-Tee, Hanfsamen, Hanföl, Hanfmehl, Hanf-Protein-Pulver und Hanfgetränke wie Bier oder Limonade.

 


 

Hanfsamen

Abgesehen von Hanfblätter-Tee werden hanfhaltige Lebensmittel aus den Hanfsamen hergestellt. Die Samen enthalten ähnlich wie zum Beispiel Nüsse, Lein- und Sesamsamen hochwertiges Fett, Protein, Vitamine sowie Ballast- und Mineralstoffe. Der Proteinanteil liegt je nach Produkt zwischen 20 und 35 Prozent. Hanfsamenöl enthält einen hohen Anteil ungesättigter Fettsäuren und für die Ernährung wertvolle Anteile an essentiellen Fettsäuren (unter anderem Linolsäure und α-Linolensäure).

Hanfsamen werden in der Werbung und in Internetforen zahlreiche gesundheitliche Wirkungen zugesprochen. Unter anderem sollen sie dazu beitragen, dass sich die Muskeln nach einer Belastung erholen, und sowohl beim Abnehmen helfen als auch den Blutdruck den Cholesterinspiegel sowie den Blutzuckerwert senken. Dies ist aber wissenschaftlich nicht nachgewiesen. Daher hat die EU bislang keine Aussage zu einer etwaigen Gesundheitswirkung von Hanfsamen (Health-Claim) erlaubt.

Je nach der Zusammensetzung ihres Produktes dürfen Hersteller aber einzelne Eigenschaften hervorheben: etwa "hoher Ballaststoffgehalt", "reich an mehrfach ungesättigten Fettsäuren", "natürliche Proteinquelle" oder "reich an Omega 3-Fettsäuren".

 


 

THC in Hanfpflanzen

THC (Tetrahydrocannabinol) zählt zu den Cannabinoiden, die die Psyche beeinflussen; es ist der wesentliche Wirkstoff der Hanfpflanze. Heutige Faserhanfsorten (nicht zu verwechseln mit dem Hanf für die Drogen-Produktion) weisen mit weniger als 0,2 Prozent einen niedrigen THC-Gehalt gemäß der EU-Vorgaben auf. Hanfsamen enthalten natürlicherweise kein THC. Allerdings können sie bei der Ernte mit THC-reichen Pflanzenteilen in Berührung kommen. Dadurch kann sich THC durchaus in messbaren Mengen in kommerziell erhältlichen Hanfsamen und daraus hergestellten Lebensmitteln finden. Hanfblätter-Tees werden aus den Laubblättern der Hanfpflanze hergestellt, in denen THC natürlicherweise enthalten ist.

 


 

Richtwerte für rauscherzeugendes THC

Das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV) hat bereits im Jahr 2000 THC-Richtwerte für Lebensmittel abgeleitet. Sie sind zu Orientierung für die Hersteller und die Lebensmittelüberwachung gedacht:

  • 5 Mikrogramm (µg) je Kilogramm (kg) für nicht alkoholische und alkoholische Getränke
  • 5000 µg/kg für Speiseöle
  • 150 µg/kg für alle anderen Lebensmittel

Das Bundesinstitut für Risikobewertung erklärt dazu: Würden die Richtwerte eingehalten, sei nach jetzigem Wissensstand nicht damit zu rechnen, dass bedenkliche Wirkungen aufträten. Allerdings betont die Behörde, dass die Richtwerte nur vorläufig seien, da noch nicht endgültig geklärt sei, wie stark einzelne Wirkungen durch THC von der Dosis abhängig seien.

Einen europaweit vereinheitlichten Grenzwert für THC in Lebensmitteln gibt es noch nicht; daher kann der THC-Wert bei Produkten aus dem Ausland zum Teil höher sein.

 


 

Nachweis von THC in Lebensmitteln

Im Vergleich zu früheren Untersuchungen wurden in den letzten Jahren nur relativ geringe THC-Konzentrationen in Lebensmitteln ermittelt; danach ist nach gegenwärtigem Stand der Kenntnis nicht damit zu rechnen, dass bedenkliche Wirkungen auftreten.

In Einzelfällen wurde der THC-Richtwert jedoch überschritten. Im April 2016 beispielsweise musste ein Hanfprotein-Pulver aufgrund zu hoher THC-Werte zurückgerufen werden. Der Hersteller erklärte dazu, dass bei Kleinkindern die vom BgVV empfohlene maximale tägliche Aufnahmemenge von 1-2 Mikrogramm THC pro Kilogramm Körpergewicht überschritten werden könnte. Im Juli 2016 gab es sogar eine Warnung im europäischen Schnellwarnsystem, die immerhin 12 Länder betraf: Ein Hanfpulver aus Rumänien enthielt 5490 Mikrogramm THC pro Kilogramm, also das 36fache dessen, was hierzulande erlaubt ist.

Gerade auch in Hanfblätter-Tees wurden regelmäßig hohe THC-Gehalte oberhalb der Richtwerte vorgefunden. Vor allem bei hanfhaltigen Lebensmitteln, die im Ausland gekauft werden, ist durchweg Vorsicht geboten, da diese den hiesigen THC-Richtwert überschreiten können. Standardmäßige Kontrollen von importierten Produkten gibt es nicht, die Verantwortung trägt der Importeur.

 


 

THC in hanfhaltigen Lebensmitteln und Drogentest

Immer wieder wird diskutiert, ob es durch den Konsum von hanfhaltigen Lebensmitteln zu einem positiven Drogentest kommen kann. Antworten dazu finden sich in einer medizinischen Dissertation am Institut für Rechtsmedizin (ROSENSTOCK, Greifswald 2004). Danach können normale Mengen in Deutschland hergestellter bzw. verkaufter hanfhaltiger Lebensmittel verzehrt werden, ohne dass sich im Urin oder Blut positive Befunde zeigen.

 


 

THC in Lebensmitteln tierischen Ursprungs durch hanfhaltige Futtermittel

In der Tierernährung sind Hanf und daraus hergestellte Erzeugnisse vielfältig verwendbar.

In welchem Maße ein Übergang von THC in tierische Erzeugnisse stattfindet, kann laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) aufgrund fehlender Daten nicht abgeschätzt werden. Das BfR geht allerdings davon aus, dass Milchkühe - auch bei nur geringen Gehalten an THC im Futter - das Cannabinoid dauerhaft auch über die Milch ausscheiden: "Folglich könnten Milch und Milchprodukte von Tieren, die Futtermittel aus Hanf und Hanferzeugnissen erhalten, Spuren von THC enthalten." Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) sieht hier derzeit aber kein gesundheitliches Risiko, auch wenn die Studienlage insgesamt noch unzureichend ist.