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Telefonieren und surfen auf Schiffen

Stand:

Auch auf den immer beliebteren Kreuzfahrten möchten die Urlauber nicht auf ihr Mobiltelefon oder Tablet verzichten. Wir beantworten häufige Fragen zu Netzen und Kosten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Auf hoher See gelten weder die EU-Roaming-Verordnung noch die speziellen Reisepakete der Mobilfunkanbieter.

  • Häufig kann an Bord von Schiffen über ein Mobilfunknetz via Satellit telefoniert werden. Achtung: Es können enorme Kosten entstehen.

  • Informieren Sie sich vor einer Schiffsreise beim Reiseanbieter und in den Reiseunterlagen über die Nutzung von Mobilfunk und WLAN an Bord sowie die dafür geltenden Preise.

  • Deaktivieren Sie vor einer Schiffsreise und vor einem Aufenthalt in Hafennähe die automatische Netzwahl in den Einstellungen Ihres Mobilfunkgeräts.
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Funktionieren die inländischen landbasierten Mobilfunknetze auch auf hoher See?

Die an Land genutzten Mobilfunknetze decken die Meeresgebiete nicht ab. Ihre Reichweite ist landgestützt. Auf hoher See können die Telekommunikationsverbindungen daher nicht über die gewohnten terrestrischen (= landgestützten) Mobilfunknetze hergestellt werden.

Kann an Bord ein Mobilfunknetz genutzt werden?

Meistens ist an Bord von Schiffen (etwa Kreuzfahrtschiffen und Fähren) ein Mobilfunknetz verfügbar. Dieses Netz wird über Satellitentechnik ermöglicht. Die Schiffe werden mit GSM-Basisstationen ausgestattet (Global System for Mobile Communications: Standard für volldigitale Mobilfunknetze) Per Satellit sind diese mit der terrestrischen Basisstation eines Mobilfunkanbieters verbunden. Dadurch ist es möglich, auch auf hoher See über Handy oder Smartphone zu telefonieren, SMS-Nachrichten zu senden und zu empfangen oder im Internet zu surfen.

Damit die Reisenden ihre mobilen Endgeräte überhaupt einsetzen können, muss ‒ wegen der späteren Abrechnung ‒ der Netzbetreiber zu Hause ein Roaming-Abkommen mit dem jeweiligen Satellitennetzbetreiber fürs Schiffsnetz abgeschlossen haben. Nach diesem Abkommen richten sich die speziellen Preise für die sogenannten maritimen Services.

Vor Antritt einer Seereise sollte man sich beim Reiseanbieter oder der Reederei erkundigen, welcher Satellitennetzbetreiber das jeweilige Schiff versorgt. Außerdem ist es ratsam, sich die detaillierten Preise für Satellitenverbindungen des eigenen Mobilfunkanbieters zu notieren.

Ist die Bandbreite des Internets auf dem Schiff mit dem landbasierten vergleichbar?

Das Internet auf hoher See ist langsamer und nicht immer störungsfrei. Je nach Reiseziel und -strecke kann die maximal zu erzielende Bandbreite schwanken. Bei Störungen kann es helfen, die Verbindung abzubrechen und sich erneut einzuwählen. Den besten Empfang hat man auf Deck, auf der dem Festland näheren Seite des Schiffs, im Schiffsinneren eher am Fenster als im Schiffsbauch.

Gelten die Bestimmungen der EU-Roaming-Verordnung und die Roaming-Angebote der Mobilfunkprovider auch an Bord?

Sowohl die EU-Roaming-Verordnung als auch die speziellen Roaming-Reisepakete der Telekommunikationsunternehmen gelten ausschließlich an Land. Sie erstrecken sich nur auf terrestrische Verbindungen. Daher greift auch der an Land weltweit geltende Kostenairbag für mobile Datenverbindungen nicht, der bei Kosten in Höhe von 59,50 Euro automatisch zu einer Trennung der Mobilfunk-Verbindung führen soll.

Die für die Satellitenverbindung anfallenden Roamingkosten sind im Vergleich zu den gewohnten Roamingpreisen an Land deutlich höher.

Bestehen Informationspflichten für den Mobilfunkanbieter, wenn plötzlich unerwartet hohe Roamingkosten angefallen sind?

Die EU-Verordnung gilt nur für terrestrische Verbindungen. Ob jedoch trotzdem Informations- und Fürsorgepflichten aus dem Vertragsverhältnis bestehen, ist rechtlich nicht eindeutig bestimmt.

Die Mobilfunkbetreiber erhalten die Verbindungsdaten bzw. das Nutzerverhalten ihrer Kunden von den Betreibern des Satellitennetzes häufig nur zeitversetzt. Das bedeutet für den Kunden, dass er von seinem Anbieter ebenfalls nur mit zeitlicher Verzögerung informiert werden kann, falls hohe Kosten durch Satelliten-Roamingverbindungen angefallen sind.

Welche Preise gelten für Mobilfunkverbindungen via Satellit?

Je nach Roaming-Abkommen des eigenen Netzbetreibers mit dem jeweiligen Schiffsnetz-Satellitennetzbetreiber gelten ganz unterschiedliche Preise. Ein Megabyte (MB) kann bis zu 30 Euro kosten. Ein MB reicht beispielsweise um 20 E-Mails ohne Fotos zu versenden oder zu empfangen oder fünf Webseiten zu öffnen. Für Telefonate nach Deutschland werden ‒ je nach Anbieter ‒ Beträge zwischen 3 und 7 Euro pro Gesprächsminute verlangt. Teilweise kann zusätzlich auch noch eine Einwahlgebühr anfallen. Auch eingehende Anrufe verringern das Urlaubsgeld: Die Gesprächsminute kann zwischen 1,50 und 7,00 Euro kosten. Da ist der Versand einer SMS mit Kosten zwischen 40 Cent bis 1,50 Euro noch vergleichsweise günstig.

Ist an Bord auch die Nutzung von WLAN möglich?

Ob den Gästen an Bord ein schiffseigenes WLAN (Wireless Local Area Network) zur Verfügung steht, hängt vom jeweiligen Schiff ab. Je nach Ausstattung wird den Gästen in den öffentlichen Bereichen, manchmal sogar in den Kabinen, die Internet-Nutzung über WLAN ermöglicht. Über die genauen Konditionen der Internetnutzung an Bord können sich Interessierte an der Rezeption informieren.

Teilweise bieten Kreuzfahrtunternehmen eigene Internetpaket-Angebote an ‒ auch zur Einwahl ins Schiffs-WLAN mit dem eigenen Gerät. Häufig können diese Internetpakete bereits vor der Reise online über die Internetseite des Schiffs-Unternehmens gebucht werden. Solche Internetpakete gibt es beispielweise zu einem Preis von 25 Euro mit einem Inklusiv-Datenvolumen von 250 MB oder zu einem Betrag von 39 Euro mit 500 MB Datenvolumen inklusive.

Teilweise werden auch spezielle Tages-/ Wochen-Pakete für die Nutzung Sozialer Netzwerke angeboten; oder es gibt einen Tarif eigens nur zum Abrufen (Schnell-Check) der E-Mails. Diese Pakete sind in der Regel mit Preisen zwischen 4 und 19 Euro oder einer genauen Abrechnung auf die Minute günstiger. Zudem kann der Passagier damit einen wesentlich besseren Überblick über seine Verbindungskosten behalten.

Um aber auch hier böse Überraschungen zu vermeiden, sollten sich Interessenten vor dem Kauf eines solchen Pakets nach den genauen Modalitäten erkundigen ‒ zum Beispiel ob die Verbindung bei aufgebrauchtem Guthaben automatisch getrennt wird und ob es möglich ist, im Anschluss weitere Pakete zu buchen.

Abgerechnet wird für die WLAN-Nutzung per Kredit oder Bankkarte, nicht per Mobilfunkrechnung.

Was sollte bei der Nutzung von WLAN an Bord beachtet werden?

Grundsätzlich gilt bei öffentlichen WLAN-Netzen (natürlich auch bei der Nutzung von öffentlichen Internet-Terminals), dass die persönlichen Daten bei ungesicherten Verbindungen nicht sicher sind. Kreditkarten- und Bankzahlungen sollten vermieden werden. Auch ist es ratsam, den Verlauf zu löschen und Zugangspasswörter nicht zu speichern.

Kann es zu Kollisionen zwischen den schiffseigenen und landbasierten Mobilfunknetzen kommen?

Die Satelliten-Systeme an Bord müssen abgeschaltet werden, wenn das Schiff in die 12-Meilen-Zone fährt. Ob sich die auf See Verantwortlichen an die Bestimmungen halten und die Mobilfunkdienste in den entsprechenden Zonen nach Vorschrift deaktivieren (insbesondere auch im Hafen) und inwieweit die zuständigen Stellen dies überprüfen, kann nicht beurteilt werden.

Was ist im Hafen und beim Betreten des Schiffes zu beachten?

Mobile Endgeräte in der Reichweite des Schiffsnetzes, werden sich automatisch dort einwählen, wenn das Schiffsnetz in der Umgebung das sendestärkste ist. Diese Gefahr besteht bereits bei einem Hafenspaziergang. Auf dem Gerätedisplay erscheint dann das Netz des Schiffes.

Daher sollte sowohl im Hafen als auch beim Betreten des Schiffes das Datenroaming für mobile Endgeräte abgeschaltet werden. Wer telefonieren will, sollte immer sein Display mit der Netzanzeige im Blick behalten, denn sonst telefoniert er womöglich über das teure Schiffs-Mobilfunknetz.

Befindet sich das Schiff in Küstennähe sollte man per manueller Netzwahl prüfen, ob das preiswertere terrestrische Netz schon bis zum Schiff reicht. In Europa gelten bei Nutzung der terrestrischen Netze die gesetzlich geregelten Preise des EU-Roaming-Tarifs oder, falls vorher gebucht, die spezifischen Reisepakete des heimischen Mobilfunkanbieters.

Was sollte vor Antritt einer Seefahrt beachtet werden?

  • Für Telefonate sowie den SMS-Versand und -Empfang und die Nutzung mobiler Internetservices gilt: Der Telefonanschluss des mobilen Endgerätes muss International-Roaming-fähig sein.

  • Reisewillige sollten sich vor einer Schiffsreise (Fähre/ Kreuzfahrtschiff) beim Reiseanbieter, der jeweiligen Schiffsgesellschaft oder in ihren Reiseunterlagen über die Nutzung von Mobilfunk und WLAN an Bord sowie die dafür geltenden Preise informieren.

  • Möglicherweise können bereits vor Antritt der Reise spezielle Internet-Packs der Reedereien gebucht werden.

  • Beim Betreten des Schiffes sollte auf mögliche Kurzmitteilungen via SMS mit Preishinweisen des Mobilfunkanbieters geachtet werden.

  • Die speziellen Reisepakete des eigenen Mobilfunkanbieters gelten genauso wie der geregelte EU-Roaming Tarif nicht auf hoher See.

  • Damit das Mobilgerät nicht mehr Daten als notwendig verbraucht, sollten die Einstellungen geändert werden: Automatische Updates des Betriebssystems, von Apps (Android Play Store, Apple App Store) sowie auch die automatische Synchronisation mit Netzwerkdiensten oder E-Mail-Servern (IMAP) sollten deaktiviert werden. Anderenfalls kann es schnell zum automatischen Abruf großer Datenmengen kommen. Auch der Abruf von E-Mails lässt sich so einrichten, dass diese nicht automatisch komplett heruntergeladen werden (zum Beispiel nur Betreffzeile ohne Bilder). Es ist empfehlenswert sowohl mobiles Datenroaming als auch die automatische Verbindung mit einem WLAN-Netz nur bei Bedarf zu aktivieren und ansonsten permanent auszuschalten.

Gibt es kostengünstige/kostenlose Alternativen zur Nutzung des schiffseigenen Mobilfunk- oder WLAN-Netzes?

  • Zum schnellen E-Mail-Abruf bieten sich bei einem Landgang der Besuch von Internet-Cafés und freie WLAN-Hotspots beispielsweise in Schnellrestaurants, Cafés, Hotels an. Frei zugängliche WLAN-Hotspots entlang der Reiseroute können auch bereits vor dem Start über entsprechende Internet-Seiten und Apps herausgesucht werden. Kostenlose Hotspots bzw. offene WLANs sind jedoch eine latente Gefahr in Sachen Datensicherheit. Nutzer sollten beispielsweise auf die Eingabe sensibler Daten wie beim Online Banking verzichten.
  • Hält sich der Urlauber während einer Rundreise längere Zeit in einem Land auf, kann sich der Kauf von lokalen Prepaid-Karten lohnen. Werden jedoch verschiedene Länder besucht, müsste für jedes Land eine eigene Karte gekauft werden. Ob sich dies lohnt, sollte vor der Reise recherchiert werden.
  • Da für Mobilfunkverbindungen auf hoher See als sogenannte spezielle maritime Services auch besondere Preise gelten, sollte sich die Kommunikation von Bord nach Deutschland auf SMS beschränken.
  • Wenn sich das Schiff in der Nähe der Küste befindet, kann es sein, dass sich eine Verbindung zu einem Mobilfunkanbieter an Land herstellen lässt. Vor dem Einloggen in ein Bordnetz sollten Reisende deshalb mit einem Blick aufs Display prüfen, in welchem Netz sie sich tatsächlich befinden.

Müssen Mobilfunkrechnungen mit hohen Roamingkosten durch Satellitenverbindungen bezahlt werden?

Grundsätzlich können Kunden ihre Mobilfunkrechnung, wenn sie mit bestimmten Forderungen nicht einverstanden sind, innerhalb von acht Wochen nach Zugang beanstanden (gemäß § 45 i des Gesetzes über die Telekommunikation - TKG). Der Widerspruch ist gegen die geforderten Roamingkosten zu richten.

Darüber hinaus kann, soweit noch nicht vorhanden, ein Einzelverbindungsnachweis sowie ein technisches Prüfprotokoll angefordert werden. Sind die Verbindungen auf dem Nachweis bzw. auf der nachträglichen Verbindungsübersicht nachvollziehbar mit genauer Uhrzeit, Ziel bzw. Datenmenge aufgeführt, gelten sie rechtlich als Anscheinsbeweis. Der Kunde muss dann das Gegenteil beweisen.

Der Widerspruch sollte eine Begründung enthalten, so dass deutlich wird, warum er erklärt wurde. Einwendungen können auch erhoben werden, wenn der Mobilfunkanbieter gegen seine Informations- bzw. Fürsorgepflicht verstoßen hat. Deshalb ist es wichtig, vom Anbieter erhaltene Informations-SMS zum Roaming zu Beweiszwecken aufzuheben.

Da in diesem Problembereich jeder Fall sehr unterschiedlich sein kann, empfehlen wir eine Beratung bei den Verbraucherzentralen.