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Knoblauch ist nicht gleich Knoblauch

Stand:
Gegen Vampire mag Knoblauch helfen, einen Herzinfarkt verhindern können zumindest Nahrungsergänzungsmittel nicht.
 

Das Wichtigste in Kürze:

  • Knoblauch-Produkte werden sowohl als Nahrungsergänzungsmittel als auch als traditionelle Arzneimittel angeboten.
  • Im Gegensatz zu Arzneimitteln sind die Knoblauch-Bestandteile bei Nahrungsergänzungsmitteln nicht standardisiert. Sie dürfen auch keine pharmakologische Wirkung haben, da Lebensmittel nicht der Behandlung, Linderung oder Heilung von Krankheiten (wie z.B. Arteriosklerose) dienen.
  • Die Werbung bezieht sich daher sehr häufig auf extra zugesetzte Vitamine wie B1 oder C, selten bis gar nicht auf den Knoblauch.
  • Größere Mengen Knoblauch in Form von Nahrungsergänzungsmitteln können zu Magen-Darm-Beschwerden führen. Vor allem bei Pollenallergikern sind allergische Reaktionen auf Knoblauch-Produkte möglich.
  • Wichtig: Es sind Wechselwirkungen mit Medikamenten (z.B. blutdrucksenkende Mittel) möglich. Vorher den Arzt befragen.

 

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Was steckt hinter der Werbung zu Knoblauch-Produkten?

Knoblauch wird sowohl als Nahrungsergänzungsmittel als auch als traditionelles Arzneimittel "traditionell angewendet zur Vorbeugung allgemeiner Arterienverkalkung (allgemeine Arteriosklerose)" angeboten. Traditionelle Arzneimittel werden, anders als normale Arzneimittel, nicht auf ihre Wirkung geprüft und zugelassen, sondern ausschließlich auf Grund langjähriger Anwendung für das Anwendungsgebiet (hier: Arteriosklerose) registriert. Allerdings sind diese Arzneimittel bzw. die eingesetzten arzneilich wirkenden Extrakte genau definiert.

Bei Nahrungsergänzungsmitteln mit Knoblauch ist das nicht der Fall. Sie werden ebenfalls in Form von Tabletten, Kapseln oder Saft meist in Kombination mit anderen Zutaten, z.B. Aronia, gepressten Zitrusfrüchten, Mistel, Weißdorn oder Olive sowie Vitaminen (B1, C) angeboten und sind scheinbar ebenso gut wie die traditionellen Arzneimittel. Vor allem im Internet findet man Werbeaussagen wie "Knoblauch wirkt positiv auf den Cholesterinspiegel und verbessert die Fließfähigkeit des Blutes", "Knoblauch verbessert die Durchblutung", "Knoblauch trägt zum Erhalt eines gesunden Herzens und normalen Cholesterinspiegels sowie zur normalen Funktion des Immunsystems bei" oder "Zur Vorbeugung altersbedingter Gefäßveränderungen".

Grundsätzlich sind Lebensmittel, und damit auch Nahrungsergänzungsmittel, nicht zur Behandlung, Linderung oder Heilung von Krankheiten da; krankheitsbezogene Werbeaussagen sind verboten. Gesundheitsbezogene Werbeaussagen (Health Claims) bei Lebensmitteln wie "trägt zu einem normalen Cholesterinspiegel bei" müssen normalerweise von einer europäischen Behörde (EFSA) geprüft und anschließend von der EU zugelassen werden. Für viele Pflanzenzubereitungen - darunter Knoblauch - gibt es allerdings bisher weder zugelassene noch abgelehnte Claims. Trotzdem müssen getätigte Aussagen wissenschaftlich korrekt und beweisbar sein - und zwar auf das konkrete Produkt bzw. die verwendete Knoblauchzubereitung bezogen. Sonst handelt es sich um irreführende Werbung.

Um dem aus dem Wege zu gehen, enthalten manche Produkte zusätzlich Vitamin C oder B1, für die es bereits entsprechende zugelassene Aussagen gibt. Das ist für Vitamin B1 beispielsweise "für eine normale Herzfunktion" oder für Vitamin C "normale Funktion der Blutgefäße", "schützt die Zellen vor oxidativem Stress" oder "verringert Müdigkeits- sowie Erschöpfungserscheinungen".

Dass das Lebensmittel Knoblauch viele gesundheitsfördernde sekundäre Pflanzenstoffe enthält, ist unbestritten. Daraus kann jedoch nicht direkt abgeleitet werden, dass Knoblauch auch in Form von Pulvern oder Extrakten diese Wirkungen auf die menschliche Gesundheit besitzt, zumal die Wirkungen überwiegend an Zellkulturen und in Tierversuchen ermittelt wurden. Inwieweit sich die Studien auf den Menschen übertragen lassen und welche Mengen welcher Substanzen dafür notwendig sind, ist noch nicht ausreichend untersucht. So ist nicht klar, ob und inwieweit sich die Wirkung von frischem Knoblauch auf die unterschiedlichen Produkte übertragen lässt. Und selbst wenn eine Einzelwirkung nachgewiesen würde, hieße das noch nicht, dass diese ausreicht, das gesamte Fortschreiten der Erkrankung Arteriosklerose mit ihren vielen Einflussfaktoren zu bremsen.

Worauf sollte ich bei der Verwendung von Knoblauch-haltigen Nahrungsergänzungsmitteln achten?

  • Ein besonderes Augenmerk muss auf Wechselwirkungen von Knoblauchprodukten mit Medikamenten gelegt werden. So kann Knoblauch gerinnungshemmende Medikamente und auch Blutdruck senkende Arzneimittel in ihrer Wirkung verstärken, andere Medikamente dagegen blockieren. Kritisch im Hinblick auf die Blutgerinnung kann auch der gleichzeitige Verzehr von Produkten mit hoch dosiertem Vitamin E, Ginkgo oder Fischöl sein. Insbesondere eine Woche vor und nach Zahnextraktionen oder Operationen sollte auf Knoblauchprodukte verzichtet werden.
  • Wenn Sie regelmäßig Medikamente einnehmen, sollten Sie eine Verwendung von Knoblauchprodukten (egal, ob Nahrungsergänzungsmittel oder traditionelles Arzneimittel) daher grundsätzlich vorher mit Ihrem Arzt besprechen.
  • Knoblauch kann allergische Reaktionen hervorrufen. Beobachtet wurden sowohl allergisches Asthma als auch Hautreaktionen nach Knoblauchverzehr. Eine Allergie scheint verstärkt bei Menschen aufzutreten, die gleichzeitig unter einer Pollenallergie leiden.
  • Da Kinder auf Knoblauchinhaltsstoffe besonders empfindlich reagieren, sind Nahrungsergänzungsmittel mit Knoblauch für sie ungeeignet.
  • Selten führen Knoblauch-haltige Nahrungsergänzungsmittel zu Magen-Darm-Beschwerden wie Erbrechen, Übelkeit, Koliken, Durchfall und Blähungen. Diese treten hauptsächlich bei hohen Dosierungen auf.
  • Die Verwendung von Knoblauchprodukten führt wie auch der Frischverzehr dazu, dass der Atem nach Knoblauch riecht. Bei regelmäßiger Aufnahme kann auch die Haut den typischen Geruch abgeben. Dies ist für betroffene Personen ggf. unangenehm, gesundheitlich jedoch unbedenklich und ein Zeichen dafür, dass das Knoblauchmittel den Hauptwirkstoff Allicin enthält.

Was sind Knoblauch-Produkte?

Die charakteristischen sekundären Pflanzenstoffe in Knoblauch sind bestimmte schwefelhaltige Verbindungen, so genannte Sulfide. Dazu zählen das Allicin – der Hauptwirkstoff in Knoblauch - und dessen Abbauprodukte. Allicin ist auch für den typischen Geruch des Knoblauchs verantwortlich. In Knoblauch kommt es nur in Form der Vorgängersubstanz Alliin vor, das in einer Konzentration bis zu 4 g/kg Frischgewicht enthalten ist. Bei Verletzung der Zellen, z. B. durch Schneiden oder Zerdrücken der Zehen, bauen zelleigene Enzyme Alliin zum wirksamen Allicin ab. In Arzneimitteln wird der Gehalt an Allicin zur Qualitätsbestimmung herangezogen.

Für Nahrungsergänzungsmittel gibt es keine solchen Vorschriften. Manche Produkte enthalten einfach nur Knoblauchpulver, andere Knoblauchextrakte, manche geben den Allicingehalt an. Schon in frischem Knoblauch schwanken die Inhaltsstoffe, abhängig von Sorte, Herkunft und Wachstumsbedingungen, beträchtlich. Zusätzlich hat das Verarbeitungsverfahren Einfluss auf die Zusammensetzung. Während bei der Herstellung von Trockenpulver flüchtige Substanzen verloren gehen können, werden bei einem öligen Auszug nur die fettlöslichen Bestandteile extrahiert. Ein Mindestgehalt beispielsweise an Allicin ist für Nahrungsergänzungsmittel nicht vorgeschrieben. Zum Teil werden geruchsfreie Mittel beworben. Da jedoch in erster Linie Allicin für den Knoblauchgeruch verantwortlich ist, fehlt in tatsächlich geruchsfreien Produkten der Hauptwirkstoff des Knoblauchs.

Vermutlich ist aber nicht das Allicin alleine für die gesundheitsfördernde Wirkung von frischem Knoblauch verantwortlich, sondern das Zusammenspiel mit der Vielzahl enthaltener weiterer Pflanzen- und Nährstoffe.

Tipp:
Es spricht nichts dagegen, regelmäßig frischen Knoblauch in normalen Mengen zu essen – solange Sie bzw. Ihre Mitmenschen keine Probleme mit dem Geruch haben und den Knoblauch gut vertragen.

Quellen:


Stoffliste Pflanzen und Pflanzenteile des BVL, 2014

Scientific Opinion on the substantiation of Health claims related to [...] and pro-tection of cells […]. EFSA Journal 2010; 8(2): 1489

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Stabler SN et al (2012): Garlic for the prevention of cardiovascular morbidity and mortality in hypertensive patients. Cochrane Database Syst Rev. 2012 (8):CD007653. doi: 10.1002/14651858.CD007653.pub2.

Jepson RG et al. (2013): Garlic for peripheral arterial occlusive disease. Cochrane Database Syst Rev. 2013. doi: 10.1002/14651858.CD000095.pub2

Knoblauchextrakt gegen hohen Blutdruck. Medizin transparent, Cochrane Österreich, Stand: 26.07.2016 [abgerufen am 03.11.17]

CVUA Karlsruhe (2007): Knoblauchextrakt in Kapselform – Arzneimittel oder Lebensmittel?

Knoblauch kann allergische Reaktionen auslösen. Stellungnahme Nr. 006/2007 des BfR vom 05.01.2007

Watzl B (2002): Sulfide. Ernährungs-Umschau 49 (12)

Bioaktive Substanzen in Lebensmitteln. B. Watzl, C. Leitzmann, 2. Aufl. 1999

Knoblauch – eine unendliche Geschichte. Arzneimittelverordnung in der Praxis. Band 34 (4), 2007