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Ginkgo ist nicht gleich Ginkgo

Stand:

Arzneimittel enthalten klar definierte Ginkgo-Extrakte. Bei Nahrungsergänzungsmitteln ist Ginkgo oft nur eine werbewirksame "Schmuckzutat".

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Werbeaussagen zum Arzneimittel Ginkgo lassen sich nicht einfach auf ginkgohaltige Nahrungs­ergänzungs­mittel übertragen.
  • Die Extrakte in Nahrungs­ergänzungs­mitteln sind nicht standardisiert und können sich zum Teil erheblich voneinander unterscheiden.
  • Positive Wirkungen auf Konzentration und Gedächtnis­leistung sind für Nahrungs­ergänzungs­mittel nicht nachgewiesen.
  • Nebenwirkungen sind möglich.
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Was steckt hinter der Werbung zu Ginkgo?

Ginkgohaltige Produkte werden meist mit Aussagen über eine positive Wirkung auf Konzentration und Gedächtnisleistung beworben. Allerdings unterscheiden sich die Inhaltsstoffe von einem standardisierten Arzneimittel zum Teil erheblich von denen eines ginkgohaltigen Nahrungs­ergänzungs­mittels. Die Werbe­aussagen zum Arzneimittel Ginkgo können also nicht einfach auf Nahrungs­ergänzungs­mittel übertragen werden.

Da es für Nahrungs­ergänzungs­mittel keine definierten Ginkgo-Extrakte gibt, sind entsprechende Aussagen über eine positive Wirkung auf Konzentration und Gedächtnis­leistung - oder Anti-Aging ganz allgemein - vermutlich irreführend oder beziehen sich nicht auf den enthaltenen Ginkgo-Extrakt. Nahrungsergänzungsmittel enthalten Ginkgo-Extrakte oft nur als werbewirksame "Schmuckzutat". So wird in Anzeigen der im Produkt enthaltene Ginkgo hervorgehoben, obwohl dessen Menge für eine pharmakologische Wirkung nicht ausreicht. Die eigentliche Wirkung auf das Gehirn beruht auf den ebenfalls enthaltenen B-Vitaminen.

Was ist Ginkgo?

Ginkgo (Ginkgo biloba) ist eine aus China stammende und heute weltweit angepflanzte Baumart. In Ostasien wird der Baum wegen seines essbaren Samens und als Tempelbaum kultiviert. Ginkgo biloba gehört zu den am intensivsten untersuchten Heilpflanzen. Seit etwa 50 Jahren gibt es entsprechende Arzneimittel, die gegen Demenz, Schwindel, Gedächtnis­störungen und Ohren­geräusche (Tinnitus) angewendet werden.

Welche Inhaltsstoffe sind in Ginkgo enthalten?

Die wichtigsten Wirkstoffe in den Blattextrakten sind sekundäre Pflanzenstoffe wie Flavonoide (zum Beispiel Quercetin), Terpenoide, Sitosterine und Anthocyane.

Für die Herstellung eines Arznei-Extraktes aus Gingko-Blättern gibt es im Europäischen Arzneibuch genaue Vorschriften. Es wird vorgegeben, wie viel Prozent der wirksamen Inhaltsstoffe, z.B. Flavon­glykoside, enthalten sein müssen. Für die unerwünschte Ginkgol-Säure gibt es eine Obergrenze. Für Lebensmittel und Nahrungs­ergänzungs­mittel mit Ginkgo gibt es dagegen keine standardisierte Zusammen­setzung. Die einzelnen Produkte sind daher nicht miteinander vergleichbar.

Untersuchungen des Zentral­laboratorium der Deutschen Apotheker (ZL) zeigen außerdem, dass die Mehrzahl der untersuchten Nahrungs­ergänzungs­mittel Ginkgo-Extrakte enthält, bei denen ein begründeter Verdacht auf die Zugabe von sekundären Pflanzen­stoffen aus anderen pflanzlichen Quellen besteht, z.B. Quercetin und Rutin aus Buchweizen oder aus Extrakten des Japanischen Schnurbaums.

Auf was sollte ich bei der Verwendung von Ginkgo-Produkten achten?

Ginkgo kann Nebenwirkungen, wie Magen-Darm-Beschwerden oder Kopfschmerzen sowie allergische Reaktionen hervorrufen. Bei den in Ginkgo­blättern enthaltenen Ginkgol­säuren besteht laut Bundesinstitut für Risikobewertung der Verdacht, dass hohe Gehalte an Ginkgol­säuren gesundheits­schädlich wirken können. Der zulässige Gehalt an Ginkgol­säuren ist in ginkgohaltigen Arzneimitteln beschränkt. Bei Nahrungsergänzungsmitteln gibt es diese Vorgaben nicht. Hier haften die Hersteller nur allgemein für die Sicherheit des Produktes.

Ginkgo-Extrakte sind in höheren Konzentrationen in der Lage, bestimmte Stoffwechsel­enzyme und Proteine zu hemmen oder zu aktivieren. Dies kann die Wirkung von Medikamenten stören. Wer blut­verdünnende Medikamente (z.B. Acetyl­salicyl­säure, Marcumar, Clopidogrel, Pentoxifyllin) einnimmt, sollte Ginkgo nur in Absprache mit dem Arzt anwenden. Wer operiert werden muss, sollte Ginkgo rechtzeitig absetzen.

Auf einigen ginkgohaltigen Produkten steht, dass die Anwendung für Kinder unter 18 Jahren, Schwangere und Stillende nicht vorgesehen ist.

Bewegung an der frischen Luft, ein paar Runden Gehirnjogging – zum Beispiel durch Lösen von Kreuzworträtseln - und ausreichend Flüssigkeit können die Konzentrations- und Gedächtnis­leistung verbessern.

 

Quellen:


Melzer: Heilpflanzenlexikon Ginkgo, Apothekenumschau 12/2016

Tawab et al.: Nahrungsergänzungsmittel mit Ginkgo unter der Lupe, Pharmazeutische Zeitung online Ausgabe 20/2010

BfR: Die Sicherheit von Ginkgoblätter-haltigen Tees kann wegen mangelnder Daten nicht beurteilt werden, Gesundheitliche Bewertung Nr. 021/2010 des BfR vom 9. Dezember 2009

ALS: Nahrungsergänzungsmittel mit sonstigen Stoffen im Regelungsbereich von NemV, HCV und LMIV, Stellungnahme Nr. 2015/31

Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit: Stoffliste des Bundes und der Bundesländer Kategorie "Pflanzen und Pflanzenteile"

NIH: Ginkgo Factsheet

Ökotest: Mittel gegen Gedächtnisstörungen/Stärkungsmittel ÖKO-TEST Jahrbuch für 2014