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Gelée Royale – königliches Anti-Aging?

Stand:
Das, was den Unterschied zwischen einer kurzlebigen Arbeitsbiene und der langlebigen Königin ausmacht, könnte doch auch Menschen Vitalität und Anti-Aging bescheren.
 

Das Wichtigste in Kürze:

Wirkung nicht bewiesen!
  • Gelée Royale ist die Hauptnahrung der Bienenkönigin und wird als Sekret in den Drüsen der Arbeiterbienen gebildet.
  • Gelée Royale hat ein bedeutsames allergisches Potential. Besonders gefährdet sind Atopiker und Asthmatiker. Wer auf Bienen- oder Wespenstiche allergisch reagiert, sollte ebenfalls auf die Produkte verzichten. Ebenso Schwangere und Stillende.
  • In Gelée Royale-Produkten werden immer wieder Kontaminationen mit lebergiftigen und krebserregenden Pyrrolizidinalkaloiden festgestellt. Hier sollten Sie auf Kontrollen durch die Hersteller achten.
  • Es gibt keine einzige zugelassene gesundheitsbezogene Werbeaussage für Gelée Royale.

 

Gelée Royale
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Was steckt hinter der Werbung zu Gelée Royale?

Gelée Royale, auch Bienenköniginnen-Futtersaft bezeichnet, wird heute praktisch nur noch als Nahrungsergänzungsmittel (NEM) angeboten, vereinzelt auch in Honigprodukte gemischt. Gelée Royale wird frisch in Trinkampullen und gefriergetrocknet in Kapseln verkauft, teilweise gemischt mit Propolis oder Blütenpollen, aber auch mit Extra-Vitaminen (z.B. Vitamin C) angereichert.

Gelée Royale wird gerne als "einer der wertvollsten Schätze der Natur" bezeichnet, denn "die Bienenkönigin wird nicht als Königin geboren, sondern zur Königin gefüttert". Da Bienenköniginnen etwa 40-mal länger leben als gewöhnliche Arbeitsbienen und pro Tag bis zu 3000 Eier legen, werden diese Eigenschaften auch auf den Menschen übertragen. So soll der Verzehr von Gelée Royale die Lebenserwartung, Libido und Fruchtbarkeit erhöhen, das Immunsystem stärken, die Vitalität steigern und bei Wechseljahrsbeschwerden helfen. Doch für derartige Behauptungen fehlt die wissenschaftliche Grundlage.

Tatsächlich hat die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA von Herstellern eingereichte Werbeaussagen (Claims) geprüft und festgestellt, dass kein ursächlicher Zusammenhang zwischen diesen und dem Verzehr von Gelée Royale besteht. Aussagen, wonach Gelée Royale die Immunabwehr unterstützt oder bestimmte Wirkungen auf den Stoffwechsel, Blutgefäße, Drüsenfunktionen, Hautgesundheit, Vitalität sowie Herzgesundheit und normale Cholesterin- bzw. Blutfett-Spiegel habe, sind somit irreführend und damit unzulässig.

Wird auf der Verpackung oder in der Werbung auf Vitamine und Mineralstoffe hingewiesen, müssen diese Mikronährstoffe eindeutig benannt und die genauen Mengen pro Tagesdosis und in Prozent des Referenzwertes angegeben werden. In der Regel handelt es sich dabei um zugesetzte Vitamine, z.B. Vitamin C. Dadurch ist eine Werbung mit dem Begriff "Immunsystem" möglich. Diese Aussage bezieht sich dann jedoch nicht auf das Gelée Royale, sondern lediglich auf das zugesetzte Vitamin C.

Worauf sollte ich bei der Verwendung von Gelée Royale-Produkten achten?

  • Gelée Royale wird heute vor allem in China und Südostasien (90 %) sowie in Osteuropa produziert. Bio-Produkte gibt es fast gar nicht.
     
  • Für Gelée Royale gibt es eine internationale ISO-Norm (ISO 12824:2016) mit zwei unterschiedlichen Qualitäten. Diese unterscheiden sich in der Art der Fütterung. In der hochwertigen bekommt das Bienenvolk nur die natürliche Nahrung. Für das geringer wertige Gelée Royale erhalten die Bienen zusätzlich Futterlösungen (üblich u. a. in China). Diesbezügliche Angaben findet man bei den angebotenen Produkten leider nicht. Die Iso-Norm für Gelée Royale hat übrigens nichts zu tun mit den manchmal genannten ISO-Normen 9001 und 9002 für Qualitätsmanagement.
     
  • Suchen Sie nach Packungshinweisen oder fragen Sie beim Hersteller/Importeur nach, ob das Gelée Royale auf Pyrrolizidinalkaloide und Tierarzneimittelrückstände untersucht wurde.
     
  • Gelée Royale kann bei empfindlichen Personen zu teilweise schweren, lebensbedrohlichen allergischen Reaktionen führen können. Das gilt insbesondere für Personen, die an Atopie oder Asthma bronchiale leiden. Arzneimittel müssen einen diesbezüglichen Warnhinweis tragen, Nahrungsergänzungsmittel nicht, dürfen es aber. Auch wer auf Bienen- oder Wespenstiche allergisch reagiert, sollte besser auf die Produkte verzichten.
     
  • Frisches Gelée Royale kann gekühlt bei 0-5 °C bis zu einem halben Jahr aufbewahrt werden, tiefgefroren ohne Nährstoffverlust 2 bis 3 Jahre.

Was ist Gelée Royale?

Gelée Royale wird in den Futtersaft- und vor allem den Oberkiefer-(Mandibel-)drüsen der Ammenbiene produziert. Als Rohstoffe dienen Pollen und Honig. Gelée Royale enthält alle für die Entwicklung der Bienen wichtigen Nährstoffe sowie Enzyme und Bienenhormone. Gelée Royale ist eine weißgelbliche, dickliche Masse und schmeckt leicht säuerlich. Neben 60-70 % Wasser sind 11-25 % Zucker (Fruktose, Glukose, Saccharose), 9-18 % Proteine und Aminosäuren sowie 2-8 % Fette enthalten. Der Gehalt an 10-Hydroxy-2-decensäure, einer Fettsäure, ist ein Merkmal für die Produktqualität (1-6 %). Darüber hinaus sind vor allem B-Vitamine enthalten.

Gelée Royale wird in spezialisierten Imkereien gewonnen. Um das Bienenvolk zur übermäßigen Produktion dieses Saftes zu animieren, wird die Königin entfernt. Die Bienen beginnen wieder, neue Königinnen in den Waben großzuziehen. Der Imker bringt dafür Kunststoff-Näpfchen in die Waben ein und bestückt diese mit einer winzigen Larve. Nach drei Tagen wird die Larve entfernt und der Vorrat an Gelée Royale (pro Zelle ca. 0,3 Gramm) abgesaugt. Die Gewinnung ist sehr arbeitsintensiv und lohnt sich in gemäßigteren Klimazonen kaum. In wärmeren Regionen mit einer längeren Bienensaison kann der Gesamtertrag eines Volkes bis zu 500 Gramm betragen. Entsprechend hoch sind die Preise. Naturnah wirtschaftende Imker lehnen die Produktion von Gelée Royale ab, da das Entfernen der Königin für das Bienenvolk eine extreme Stresssituation und einen massiven Eingriff in das Gleichgewicht des Volkes bedeutet.

Die Verwendung von Gelée Royale stammt nicht, wie oft behauptet, aus der traditionellen Naturheilkunde, sondern kam erst in den 1950er Jahren aus Frankreich. Damals vermutete man eine hormonelle Wirkung, da der Futtersaft aus unfruchtbaren Arbeiterinnenlarven fruchtbare Königinnen macht. Tatsächlich sind weder die enthaltenen Hormonmengen, noch die geringen Mengen an Nährstoffen wie Proteine und Aminosäuren, für den Menschen relevant.

Mit welchen Schadstoffen muss ich möglicherweise rechnen?

Bienenprodukte aus osteuropäischen und asiatischen Ländern sind in früheren Jahren immer wieder durch Rückstände von Arzneimittel- oder Pflanzenschutzmitteln aufgefallen, z.B. Antibiotika. Hier wurden nötige Wartezeiten oft nicht eingehalten bzw. ungenügend kontrolliert. Aus den letzten 2 Jahren sind keine Fälle bekannt, was aber auch an der geringen Zahl von Untersuchungen liegen kann.

Gelée Royale kann Pyrrolizidinalkaloide (PA) enthalten. PA sind natürliche Inhaltsstoffe verschiedener Pflanzen und können beim Menschen das Erbgut schädigen und Krebs hervorrufen. Ihre Abbauprodukte sind giftig für die Leber. Sie werden über die Blütenpollen in die Bienenprodukte eingetragen. Pyrrolizidinalkaloide können auch in kleinen Mengen ein Risiko für die Gesundheit darstellen. Im Gegensatz zu (pflanzlichen) Arzneimitteln gibt es für Nahrungsergänzungsmittel keine gesetzlichen Grenzwerte für Pyrrolizidinalkaloide.

 

Quellen:


EFSA Journal 2010, 8(10), 1799ff, DOI: 10.2903/j.efsa.2010.1799 Scientific Opinion on the substantiation of Health claims related to various food(s)/food constituent(s) claiming effects on the immune system

EFSA Journal 2011, 9(4), 2083ff, DOI: 10.2903/j.efsa.2011.2083 Scientific Opinion on the substantiation of Health claims related to: anthocyanidins and proanthocyanidins […] royal jelly (ID 1225, 1226, 1227, 1228, 1230, 1231, 1326, 1328, 1329, 1982, 4696, 4697) […]

Bundesinstitut für Risikobewertung: Einschätzung von Propolis und Gelée Royale. Aktualisierte Stellungnahme Nr. 002/2009 vom 20.11.2008

ISO 12824:2016(en) Royal jelly — Specifications

Von der Ohe W (2016): Steckbrief Gelée Royale, LAVES-Institut für Bienenkunde Celle

Von der Ohe W (2017): Pyrrolizidin-Alkaloide: Honig, Pollen, Bienen. LAVES-Institut für Bienenkunde Celle, August 2017

Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA: Pyrrolizidinalkaloide in Tee, Kräutertees und Nahrungsergänzungsmitteln, Stand: 27.07.17

Gelée Royale. Gute Pillen – schlechte Pillen (4), 2013, S. 4

FAQs des Bundesinstituts für Risikobewertung zu Pyrrolizidinalkaloiden