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Was sind Individuelle Gesundheitsleistungen?

Stand:

Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) sind ärztliche, zahnärztliche und psychotherapeutische Leistungen, die Patienten grundsätzlich selbst bezahlen müssen, weil sie nicht zum festgeschriebenen Leistungsumfang der gesetzlichen Krankenversicherungen gehören. Im Dschungel der IGeL-Angebote findet man sich als Patient nur schwer zurecht.

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Immer häufiger bieten Mediziner in ihren Praxen zusätzliche Diagnose- und Behand­lungs­methoden an, die nicht zum fest­geschriebenen Leistungs­katalog der Gesetzlichen Kranken­versicherung (GKV) gehören. Ob Innendruckmessung der Augen, Extra-Ultraschalluntersuchungen während der Schwangerschaft oder die Anwendung eines PSA-Tests: Bevor Sie sich für eine solche Leistung entscheiden, informieren Sie sich, ob diese Leistung für Sie sinnvoll ist.

Welche IGeL gibt es in der Arztpraxis?

IGeL umfassen eine große Bandbreite an Leistungen, von Beratungen und Attesten über Früherkennungsuntersuchungen bis hin zu neu entwickelten medizinischen Diagnose-Techniken. Grob kann man zwei Arten von IGeL unterscheiden:

1. Im Einzelfall sinnvolle Leistungen, für die keine medizinische Notwendigkeit besteht.

Es gibt ärztliche Untersuchungen und Beratungen, die auf Wunsch des Patienten erfolgen, ohne dass sie medizinisch notwendig sind. Solche Leistungen dienen weder zur Krankenbehandlung noch zur Früherkennung von Krankheiten, sie gehören deshalb nicht zu den Aufgaben der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) und werden somit grundsätzlich nicht von den Krankenkassen bezahlt. Im Einzelfall kann es sich jedoch um medizinisch sinnvolle und empfehlenswerte Leistungen handeln. Hierzu zählen:

  • Ärztliche Atteste und Serviceleistungen für Freizeit, Sport und Urlaub
  • Beispiele: Sportmedizinische Untersuchungen, Beratung vor Fernreisen und Reiseimpfungen, Untersuchung und Bescheinigung bei Reiserücktritt
  • Medizinisch-kosmetische Leistungen
  • Hier erfolgt die Leistung zumeist allein auf Wunsch des Patienten, ohne dass eine medizinische Notwendigkeit besteht, z. B.: Schönheitsoperationen oder Entfernung von Tätowierungen
  • Psychotherapeutische Leistungen
  • (z. B. Paartherapien)

2. Arztleistungen, die ohne begründeten Krankheitsverdacht oder mit innovativen Behandlungsmethoden durchgeführt werden

Der größte Teil der heutzutage in der Praxis durchgeführten IGeL sind Früherkennungs- oder Vorsorgeuntersuchungen. Manche dieser Untersuchungen übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen nur in bestimmten Risikofällen (familiäre Vorbelastung) oder bei begründetem Krankheitsverdacht. In allen anderen Fällen, in denen die zusätzlichen Untersuchungen auf eigenen Wunsch der Patienten ohne medizinische Notwendigkeit erfolgen, müssen die Kosten selbst bezahlt werden.

  • Früherkennungsuntersuchungen: wie z. B. Ultraschall der Brust, Glaukom-Früherkennung, Ultraschall der Halsschlagader
  • Vorsorgeuntersuchungen/Behandlungen: z. B. professionelle Zahnreinigung

Immer wichtiger in der modernen Arztpraxis wird der Einsatz neuer Untersuchungs- und Behandlungsmethoden, für die allerdings bisher noch kein eindeutiger wissenschaftlicher Nutzen nachgewiesen werden konnte. Beispiele dafür sind die lasergestützten Augenuntersuchungen HRT (Heidelberg Retina Tomograph) und OCT (Optische Cohärenztomographie). Bevor diese Leistungen von den Krankenkassen bezahlt werden, müssen sie wissenschaftlich untersucht und medizinisch positiv bewertet werden. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA), der gleichberechtigt von Vertretern von Ärzten und Krankenkassen besetzt ist, entscheidet, welche medizinischen Leistungen nach intensiver Prüfung in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen aufgenommen werden.

  • Untersuchungs- und Behandlungsmethoden, die der Gemeinsame Bundesausschuss als negativ bewertet hat und die deshalb keine Kassenleistung werden dürfen, als IGeL aber erlaubt sind.

z.B. Ozon-, Bioresonanztherapie und Ultraviolettbestrahlung des Blutes (UVB). Für beide Therapien liegen keine ausreichenden wissenschaftlichen Studien vor, die ihre Wirksamkeit belegen.

Sachliche und verständliche Informationen zu den wichtigsten IGeL erhalten Sie beim IGeL-Monitor.

Gibt es eine gültige IGeL-Liste?

Hinter IGeL verbergen sich eine Vielzahl unterschiedlicher Untersuchungs- und Therapieverfahren sowie eine Reihe vermeintlich gesundheitsfördernder Offerten. Eine exakte Liste, die Aufschluss über das gesamte Spektrum gibt, existiert nicht. Jeder Arzt kann Zusatzleistungen anbieten, die er entweder selbst entwickelt oder von Firmen übernommen hat, die sich auf IGeL spezialisiert haben. Da die Palette breit gefächert ist und sich ständig erweitert, haben Patienten kaum eine Chance, den medizinischen Nutzen sowie Qualität und Preis der Angebote zu überprüfen und miteinander zu vergleichen.

Wichtig: Preislisten, die dem Patienten in den Arztpraxen oder bei den Kassenärztlichen Vereinigungen zur Verfügung stehen, dienen lediglich zur dienen lediglich zur Orientierung. Die tatsächlichen Kosten hängen vom Aufwand und von der jeweiligen Ziffer der Gebührenordnung ab. Pauschale Berechnungen sind nicht zulässig.

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