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Pro & Contra: Wie Sie sich für oder gegen ein IGeL-Angebot entscheiden

Stand:

Ob eine IGeL sinnvoll ist, ob sie mehr nutzt als schadet, erfahren Sie nicht immer objektiv beim Arzt. Aber Sie können andere Informationsquellen nutzen.

Das Wichtigste in Kürze:

  • IGeL (Individuelle Gesundheitsleistungen) sind niemals dringend. Sie müssen sich also nicht sofort in der Arztpraxis entscheiden.
  • Fragen Sie Ihren Arzt nach Nutzen, Schaden und Alternativen.
  • Holen Sie sich bei Bedarf eine zweite Meinung.
  • Fragen Sie Ihre Krankenkasse – und zwar bevor Sie eine IGeL in Anspruch nehmen.
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  • Ihr Arzt ist gesetzlich verpflichtet, Sie rechtzeitig und umfassend über den Verlauf und die zu erwartenden Folgen einer Behandlung zu informieren.

  • Der IGeL-Monitor der Krankenkassen hat mehr als 50 Leistungen wissenschaftlich überprüft. Der überwiegende Teil hat keinen nachweisbaren Nutzen für den Patienten.

Der Nutzen vieler IGeL ist umstritten. Wenn es Ihnen als Patient schwer fällt zu beurteilen, ob die ärztlich vorgeschlagenen Leistungen notwendig und für Sie persönlich empfehlenswert sind, dann sind Sie nicht allein. Die Verbraucherzentralen raten deshalb: Informieren Sie sich frühzeitig, um eine wohlüberlegte Entscheidung zu treffen. Auch wenn es nur um 20 Euro geht.

Die Entscheidung für oder gegen eine bestimmte Selbstzahlerleistung ist immer eine individuelle Entscheidung. Bei medizinisch-kosmetischen Behandlungen sowie beim Ausstellen von Attesten fällt sie meist leichter als bei anderen Angeboten. Vor allem die Notwendigkeit zusätzlicher Vorsorge- oder Früherkennungsuntersuchungen ist für Patienten schwer einzuschätzen.

Grundsätzlich gilt: IGeL sind niemals dringend. Denn wenn es um eine akut notwendige Therapie geht, stehen dafür stets Leistungen zur Verfügung, die die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen. Sie können sich also Zeit lassen mit der Entscheidung für oder gegen ein IGeL-Angebot. Informieren Sie sich umfassend über die geplante IGeL. Dazu stehen Ihnen verschiedene Quellen zur Verfügung, die über Nutzen, Risiken und Alternativen einzelner IGeL informieren.

Das Gespräch mit dem Arzt

Keiner kennt Ihren Gesundheitszustand besser als Ihr behandelnder Arzt. Er ist gesetzlich verpflichtet, Sie verständlich und ausführlich aufklären. Lassen Sie sich die angebotene Leistung genau erklären:

  • Wo liegt der zusätzliche Nutzen gegenüber der Kassenleistung?
  • Gibt es mögliche Risiken, die mit Folgebehandlungen und weiteren Kosten verbunden sein können?
  • Entstehen gesundheitliche Nachteile, wenn ich die IGeL nicht durchführen lasse?
  • Fragen Sie Ihren Arzt, warum die Kasse die Leistung nicht übernimmt.
  • Fragen Sie, ob es vergleichbare Behandlungsmöglichkeiten gibt, die über die Kasse abgerechnet werden können.
  • Lassen Sie sich nicht drängen, sondern nehmen Sie sich Zeit für Ihre Entscheidung.

Informationen aus unabhängigen Quellen

Die Bedeutung und Wirkung der ärztlichen Extras ist für Patienten oftmals schwer nachvollziehbar. Im Internet können Sie gezielt nach verlässlichen Informationen suchen, die auch für medizinische Laien verständlich und ausführlich dargestellt sind. So liefert etwa der IGeL-Monitor wertvolle Hinweise zum Nutzen und Schaden ausgewählter IGeL. Der überwiegende Teil wurde mit „unklar“ oder „tendenziell negativ“ bewertet, hat also keinen nachweisbaren Nutzen für Patienten.

Die Bundesärztekammer und Kassenärztliche Bundesvereinigung haben zusammen mit dem Deutschen Netzwerk Evidenzbasierte Medizin hilfreiche Checklisten für Patienten und Ärzte erarbeitet. 
Weitere unabhängige Quellen finden Sie in unserer Linkliste wichtiger Gesundheitspartner.

Rat von der Krankenkasse

Fragen Sie Ihre Krankenkasse, warum die Kosten nicht übernommen werden – und zwar bevor Sie ein IGeL-Angebot in Anspruch nehmen. Denn möglicherweise bezahlt Ihre Kasse die IGeL als freiwillige Leistung , beispielsweise bei der Professionellen Zahnreinigung oder bei Osteopathie. Zudem zahlt Ihre Kasse bestimmte IGeL, wenn Sie als Patient zu einer bestimmten Risikogruppe gehören oder eine bestimmte Vorerkrankung haben. Falls nicht, sollten Sie fragen, ob es vergleichbare Leistungen gibt, die Ihre Kasse bezahlt. Hat die Kasse gute medizinische Gründe, die Kostenübernahme abzulehnen, kann auch dies hilfreich sein, um etwa guten Gewissens auf die angebotene IGeL zu verzichten.

Die zweite Meinung

Da Ärzte von IGeL-Angeboten auch wirtschaftlich profitieren, ist eine unabhängige Beratung in der Arztpraxis nicht immer gegeben. Manchmal kann es daher sinnvoll sein, bei einem anderen Arzt derselben Fachrichtung eine zweite Meinung einzuholen. Diese ist fast immer kostenlos.