Menü

Was kosten Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL)?

Stand:

Feste Preise gibt es nicht. IGeL werden nach Aufwand berechnet. Ein Preisvergleich lohnt sich, denn Selbstzahlerleistungen können auch richtig teuer werden.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Für Individuelle Gesundheitsleistungen gibt es keine festen Preise.
  • Die tatsächlichen Kosten hängen vom Aufwand und von der jeweiligen Ziffer der ärztlichen Gebührenordnung ab
  • Ein Kostenvoranschlag und eine Rechnung sind Pflicht.
  • Ein Preisvergleich in verschiedenen Arztpraxen lohnt immer.
Arzt nimmt Geldscheine entgegen
On

Was dürfen IGeL kosten?

Manche Selbstzahlerleistungen kosten 20, 30 oder 50 Euro, etwa eine Hautkrebsfrüherkennung oder ein PSA-Test. Manche kosten rund 100 Euro, etwa eine Stoßwellentherapie. Teilweise können IGeL-Angebote aber auch vier- oder fünfstellige Summen kosten, zum Beispiel im Bereich der Schönheitschirurgie.

Eine exakte, allgemeingültige Preisliste für IGeL gibt es nicht. Die tatsächlichen Kosten hängen vom Aufwand und von der jeweiligen Ziffer der ärztlichen Gebührenordnung ab. Pauschale Berechnungen sind nicht zulässig. Preislisten, die in einigen Arztpraxen oder bei Kassenärztlichen Vereinigungen zur Verfügung stehen, dienen lediglich zur Orientierung.

Wichtig: Ein Kostenvoranschlag und eine Rechnung sind Pflicht. Sie als Patient müssen also vor einer Individuellen Gesundheitsleistung schriftlich über die zu erwartenden Kosten informiert werden. Anders als bei einer Kassenleistung ist bei IGeL eine schriftliche Behandlungsvereinbarung vorgeschrieben. Auch wer privat versichert ist, sollte einen Kostenvoranschlag verlangen.Nur so können Sie sehen, was Sie finanziell erwartet.

Der IGeL-Monitor hat zu jeder IGeL Bewertung den voraussichtlichen Kostenrahmen angegeben. Dies hilft im ersten Schritt einzuschätzen, ob es sich um ein überteuertes Angebot handelt.

  • Fragen Sie vorab bei Ihrer Krankenkasse, ob sie die Kosten der IGeL übernimmt.

  • In der Regel darf eine Gebühr nur zwischen dem Einfachen und dem 2,3-fachen des Gebührensatzes berechnet werden. Eine höhere Gebühr ist möglich, muss aber begründet werden.

  • Vorsicht, wenn der Arzt Ihnen eine abweichende Honorarvereinbarung vorlegt: Abrechnungen über das 3,5-fache des Gebührensatzes hinaus können sehr teuer werden.

Warum sind die Preise so unterschiedlich?

Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) unterliegen nur einer beschränkten Preiskontrolle. Da es sich bei einer IGeL um ein privates Behandlungsverhältnis handelt, rechnen die Ärzte nach der privaten Gebührenordnung ab. Und sie können die Preise für IGeL-Leistungen innerhalb eines Gebührenrahmens selbst festlegen.

In der Regel darf eine Gebühr nur zwischen dem Einfachen und dem 2,3-fachen des Gebührensatzes berechnet werden. Standard ist der 2,3-fache Satz, das heißt, für eine normale durchschnittlich aufwendige Behandlung wird der einfache Gebührensatz mit 2,3 multipliziert. Ein Überschreiten des 2,3-fachen des Gebührensatzes ist laut Gebührenordnung nur zulässig, wenn Besonderheiten dies rechtfertigen und muss besonders begründet werden.

Beispiel: Eine Akupunktur zur Behandlung von Schmerzen kostet laut Ziffer 269 der Gebührenordnung 11,66 Euro beim einfachen Satz, beim 2,3-fachen Satz (Standard) sind es 26,81 Euro. Eine Ultraschalluntersuchung für Schwangere kostet laut Gebührenziffer 415 beim einfachen Satz 17,49 Euro. Multipliziert man den Einfachsatz mit dem Faktor 2,28705, ergibt dies 40,00 Euro. Der Faktor kann also so ausgewählt werden, dass eine glatte Summe entsteht.

So kann es passieren, dass Ihnen dieselbe IGeL-Leistung bei verschiedenen Ärzten zu unterschiedlichen Preisen angeboten wird. Der IGeL-Monitor hat zu den von ihm bewerteten IGeL den voraussichtlichen Kostenrahmen angegeben. Damit können Sie einschätzen, ob es sich um ein überteuertes Angebot handelt.

Allerdings stammt die aktuelle Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) aus dem Jahr 1982 und wurde seitdem nur in Teilbereichen geändert. Um eine Neufassung wird seit Jahren gerungen. Dementsprechend deckt sie nicht alle neuen Behandlungen ab. Ihr Arzt kann bei neuen Leistungen, die nicht in der GOÄ aufgeführt sind, entscheiden, welche vergleichbare Abrechnungsziffer er aus der GOÄ wählt (sogenannte Analog-Ziffer).

Gibt es eine Obergrenze?

Die Gebührenordnung erlaubt auch eine nach oben abweichende Berechnung, also über den Steigerungsfaktor 3,5 hinaus. Dafür ist eine besondere Vereinbarung nötig, das heißt: Der Arzt legt Ihnen vorab ein Formular vor, das Sie als Patient unterschreiben müssen. Hier sind GOÄ-Nr., Leistung, der abweichende Steigerungssatz und Betrag aufgeführt. Wenn Ihnen eine solche Vereinbarung vorgelegt wird, sollten Sie sich eine Bedenkzeit erbitten und einen Vergleich einholen. Bei einer Notfallbehandlung oder akuten Schmerzbehandlung ist eine solche abweichende Honorarvereinbarung nicht zulässig.

Lohnt sich ein Preisvergleich?

Gerade weil Ärzte IGeL sehr unterschiedlich abrechnen, lohnt sich immer ein Preisvergleich in verschiedenen Arztpraxen. Durch frühes Informieren können Sie als Patient bei vergleichbarer Leistung unter Umständen viel Geld sparen. Möglicherweise erfahren Sie auf diesem Wege auch, dass die Leistung gar nicht nötig ist. Wer unsicher ist, kann die Patientenberatungsstelle der zuständigen Landesärztekammer anrufen. Dort erfahren Sie, ob die Kosten für eine IGeL-Leistung angemessen sind, und Sie können eine bereits erhaltene Rechnung überprüfen lassen.

Ein Preisvergleich lohnt sich auch, weil der Leistungsumfang einer IGeL nicht verbindlich geregelt ist.

Beispiel Glaukomuntersuchung: Der eine Arzt bietet die Glaukomuntersuchung für 20 Euro an. Darin enthalten sind beispielsweise eine Augeninnendruckmessung und eine Untersuchung mit der Spaltlampe. Ein anderer Augenarzt bietet die vermeintlich gleiche Untersuchung für 60 Euro an, allerdings ist dort unter Umständen noch eine Gesichtsfeldbestimmung als weitere Leistung mit enthalten.

Unser Tipp:
Bevor Sie eine IGeL in Anspruch nehmen und diese privat bezahlen, rufen Sie Ihre Krankenkasse an. Fragen Sie, ob die Kasse die Kosten der IGeL wirklich nicht übernimmt. Haben Sie die Rechnung erst einmal bezahlt, erstattet die Kasse diese Kosten nicht mehr.