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Heizkessel für Öl und Gas: Brennwertkessel können mehr

Stand:

Sparsamer heizen und Kosten senken - das geht auch mit Öl und Gas. Voraussetzung ist allerdings eine moderne Heiztechnik. Wer über hohe Energiepreise stöhnt, sollte prüfen, ob nicht ein alter Heizkessel im Keller Schuld daran ist.

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Luft-Abgassystem
Durch ein konzentrisches Luft- Abgassystem (LAS) wird die Verbrennungsluft für den Wärmeerzeuger mit den Abga­sen vorgewärmt.
Quelle: Hessisches Ministerium für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Es gibt Heizkessel, die holen mehr Wärme aus den Brennstoffen Öl und Gas, indem sie zusätzlich die Wärme des in dem im Abgas enthaltenen Wasserdampf nutzen. Kessel, die das können, nennt man Brennwertkessel. Sie haben sich inzwischen zum Standard entwickelt.

Funktionsweise

Wird in einem Heizkessel Gas oder Öl verbrannt, entsteht dabei auch heißer Wasserdampf. In Heizwertkesseln wird dieser Wasserdampf zusammen mit den Abgasen ungenutzt zum Schornstein hinausgeblasen.

Bei einem Brennwertkessel werden die Abgase jedoch so weit abgekühlt, dass der darin enthaltene Wasserdampf teilweise zu flüssigem Wasser kondensiert. Die Energie, die in dem Dampf enthalten ist, kann somit teilweise zur Raumheizung genutzt werden und den Wirkungsgrad der Heizungsanlage erhöhen. Eine witterungsgeführte Kesseltemperaturregelung sowie großzügig ausgelegte Heizkörper oder Flächenheizungen(Fußboden- oder Wandheizungen) verbessern die Kondensatbildung und erhöhen damit den Wirkungsgrad der Anlage.

Abgas- und Kondensatführung

Für Brennwertkessel ist für die Abgasführung eine feuchteunempfindliche, gasdichte und säurebeständige Abgasleitung zwingend erforderlich. Ohne diese zusätzliche Abgasleitung würde ein nicht umgerüsteter Schornstein durch die im Kondensat enthaltenen sauren Bestandteile zerstört. Brennwertkessel werden daher mit einem speziellen Abgassystem zugelassen, zum Beispiel aus Kunststoff oder Edelstahl. Im Sanierungsfall kann das Abgasrohr in der Regel in den bestehenden Schornstein eingezogen werden. Die Kosten liegen für kleinere Wohngebäude bei 75 - 100 € pro Meter Rohrlänge. Es besteht alternativ die Möglichkeit, das Abgasrohr außen vor der Fassade zu führen.

Vorteilhaft sind die unter Gerätetypen beschriebenen so genannten Luft-Abgas-Systeme (LAS). Mit dieser Technik lässt sich ein Teil der noch im Abgas enthaltenden Wärme zurückgewinnen sowie ein raumluftunabhängiger Betrieb realisieren.

Kondensatabführung

Die Menge an Kondensat, die im Kessel und der Abgasleitung anfällt, kann bis zu einem Liter je Liter verbranntem Öl bzw. 1,5 Liter je Kubikmeter Erdgas betragen. Für das leicht saure Kondensat ist bei Gas und schwefelarmem Heizöl eine Neutralisation bis zu einer Leistung von 200 kW nicht erforderlich. Einige Kommunen genehmigen auch größere Leistungen ohne Neutralisation des sauren Kondenswassers. Auskunft erteilt in der Regel das Bauamt oder die untere Wasserbehörde.

Gerätetypen

Je nach Art der Abgasführung und der Verbrennungsluftzufuhr unterscheidet man raumluftabhängige und raumluftunabhängige Geräte.

  • Raumluftabhängige Geräte
    Dies sind Geräte, die die Verbrennungsluft direkt aus dem Aufstellraum entnehmen. Um den Kessel mit genügend Verbrennungsluft zu versorgen, muss durch Türschlitze oder ein geöffnetes (Keller-) Fenster dafür gesorgt werden, dass genügend Frischluft in den Aufstellraum nachströmen kann. Wenn es in der Wohnung eine Dunstabzugshaube mit Abzug nach draußen gibt, besteht die Gefahr, dass Abgase aus der Heizung in die Wohnung gesaugt werden. Der Schornsteinfeger besteht dann darauf, dass die Geräte gegenseitig verriegelt werden: Die Dunstabzugshaube darf nur laufen, wenn die Heizungsanlage abgeschaltet wird und umgekehrt.
     
  • Raumluftunabhängige Geräte
    Bei diesen Geräten wird die Verbrennungsluft nicht aus dem Aufstellraum entnommen, sondern von außen durch ein Rohr dem Gerät zugeführt. Von dem Gerät geht ein doppelwandiges Rohr (Luft-Abgas-System = LAS) nach draußen; am besten direkt durch das Dach. Durch das innere Rohr ziehen die Abgase ab, und durch das äußere Rohr gelangt die Verbrennungsluft zum Kessel. Bei einem vorhandenen Kamin reicht es, das doppelwandige Rohr bis zum Schornstein zu führen. Im Schornstein wird dann ein einfaches Rohr verlegt. Der freie Raum zwischen Rohr und Schornsteinwandung reicht in der Regel aus, um den Kessel mit Verbrennungsluft zu versorgen. Dabei findet noch eine Wärmerückgewinnung statt: Das Abgas wird heruntergekühlt, die Verbrennungsluft vorgewärmt. Die raumluftunabhängige Betriebsweise hat große Vorteile:
     
    • Es gibt keinen Konflikt mehr mit der Dunstabzugshaube.
    • Der Wirkungsgrad des Gerätes steigt (Wärmerückgewinnung).
    • Das Kellerfenster kann geschlossen bleiben, und Überströmöffnungen zwischen verschiedenen Räumen sind überflüssig.
    • Der Kessel erhält saubere Verbrennungsluft direkt von außen.
Bei der Heizungsinstallation müssen eine Fülle technischer Regeln und Normen eingehalten werden. Da die Montagekosten gegenüber dem hohen Materialwert eher gering sind, ist von der Selbstmontage abzuraten, zumal Heimwerker damit in der Regel handwerklich überfordert sind. Wir können deshalb nur eindringlich davor warnen, sich beispielsweise auf Messen irgendwelche Schnäppchen andrehen zu lassen, die tatsächlich meist kaum billiger sind als die Komplettmontage durch einen ortsansässigen Handwerker. Wer es unbedingt selbst machen möchte, sollte zumindest ein Vergleichsangebot für die Montage durch einen Fachbetrieb einholen.

Zum Vergleich: Heizwertkessel

Bei den Heizwertkesseln gibt es zwei verschiedene Typen, die zwar noch zulässig, aber technisch veraltet sind:

  • Konstanttemperaturkessel oder Standardkessel
    Dieser Heizwertkessel wird ganzjährig, also auch bei mildem Wetter (!), mit konstant hoher Kesselwassertemperatur (über 60 °C) betrieben, um Wasserdampfkondensation im Kessel und Schornstein und die damit verbundene Korrosion zu vermeiden. Es ergeben sich hohe Wärmeverluste an der Kesselwand, in Rohrleitungen und im Schornstein. Solche Kessel sind preiswert in der Anschaffung, jedoch wegen des hohen Brennstoffverbrauchs teuer im Betrieb. Nach der Energieeinsparverordnung dürfen diese Kessel nicht mehr betrieben werden, wenn sie vor dem 1. Oktober 1978 eingebaut worden sind. Geräte, eingebaut vor dem 1. Januar 1985, müssen spätestens zum 1. Januar 2015 außer Betrieb genommen werden - jüngere Geräte nach Ablauf von 30 Jahren.
  • Niedertemperaturkessel
    Die Kesselwassertemperatur ist entweder konstant auf nicht mehr als 55 °C eingestellt oder sie gleitet entsprechend den Witterungsverhältnissen automatisch zwischen 30 und 70 °C. Die Abgase verlassen den Kessel trotzdem mit weit über 100 °C, so dass auch bei diesem Kesseltyp noch viel Energie verloren geht.

Seit dem 26.9.2015 erhalten neue Wärmeerzeuger ein Label. Brennwertkessel erhalten eine Einstafung in Klasse A, Gasetagenheizungen – üblicherweise Heizwertgeräte werden mit C gelabelt.

Heute werden im Markt überwiegend Brennwertgeräte verkauft. Heizwertgeräte werden immer mehr eine Ausnahme.