Menü

Dämmung des Gebäudes

Stand:

Das Angebot an Dämmstoffen ist groß und deren Unterschiede erheblich. Wir erklären die wichtigsten Eigenschaften auf und worauf Sie achten sollten.

On

Auch wenn Dämmstoffe aus unterschiedlichen Materialien bestehen können, eines haben sie gemeinsam: große Volumina bei geringem Gewicht aufgrund vieler kleiner Hohlräume. Die ruhende bzw. eingeschlossene Luft ist im Vergleich zu einem festen Körper ein sehr schlechter Wärmeleiter. Sie bewirkt vornehmlich die wärmedämmende Eigenschaft dieser Baustoffe.

Wie die Grafik zeigt, haben zwei Zentimeter eines gebräuchlichen Dämmstoffs die gleiche Dämmwirkung wie eine 120 Zentimeter starke Betonwand. Doch Dämmstoff ist nicht gleich Dämmstoff: Zwischen den verschiedenen Dämmmaterialien und auch den Produktformen (Platten, Matten, Schüttungen) gibt es erhebliche Unterschiede in den physikalischen Eigenschaften und den Anwendungsbereichen. Die Entscheidung über den geeigneten Dämmstoff richtet sich nach den bauphysikalischen und konstruktiven Anforderungen im jeweiligen Anwendungsfall.

Wärmeleitfähigkeit

Das wichtigste Kriterium für die wärmedämmende Wirkung eines Dämmstoffs ist seine Wärmeleitfähigkeit. Sie wird als "Lambda-Wert" (λ-Wert) bezeichnet und beschreibt, wie gut der Dämmstoff Wärme transportiert. Dabei gilt: je niedriger die Wärmeleitfähigkeit des Dämmstoffs, umso besser ist seine Wärmedämmwirkung. Als Wärmedämmstoffe werden Materialien bezeichnet, deren Lambda-Wert kleiner 0,1 W/(mK) ist. Gebräuchliche Dämmstoffe haben 0,025 bis 0,045 W/(mK). Spezielle Materialien erreichen auch geringere Werte, sie sind allerdings meist recht teuer und eignen sich daher vor allem für Spezialanwendungen

Dämmstoffe sind mit Einführung der Bauproduktenverordnung nach europäischer Norm mit dem CE-Zeichen zu deklarieren. Die Hersteller müssen den "Nennwert" der Wärmeleitfähigkeit λD neben dem CE-Zeichen angeben.
Für wärmeschutztechnische Berechnungen in Deutschland, wie etwa den EnEV-Nachweis ist allerdings der sogenannte "Bemessungswert" der Wärmeleitfähigkeit λ entscheidend. Dieser "etwas schlechtere" Bemessungswert ist beim Hersteller zu erfragen oder der DIN 4108-4 zu entnehmen.

Wärmedurchgang

Der Wärmedurchgangskoeffizient, kurz U-Wert (früher: k-Wert), gilt als Maßstab für die Wärmedurchlässigkeit des gesamten Bauteils. Er gibt an, wie viel Wärmeenergie pro Zeit bei einem Kelvin Temperaturunterschied zwischen innen und außen durch einen Quadratmeter der Gebäudehülle fließt, und hängt hauptsächlich von der Dicke und der Wärmeleitfähigkeit des Bauteils ab. Dabei werden alle Baustoffe zusammen betrachtet, bei der Außenwand beispielsweise neben der Dämmung auch das Mauerwerk und die Putzschichten. Je kleiner der U-Wert, desto geringer ist der Wärmedurchgang und desto geringer ist der Verlust von Heizenergie.

Beispiel
Eine 24 Zentimeter dicke Außenwand aus Hochlochziegeln hat einen U-Wert von etwa 1,4 W/(m2K), der sich durch eine 14 Zentimeter starke Dämmung auf etwa 0,24 W/(m2K) verringert.

Wer die Einspareffekte einer Fassadendämmung überschlägig einschätzen möchte, findet dazu hier ein Rechenbeispiel. Auch bei Eingangstüren wird der Wert als Ud-Wert bezeichnet. Er sollte maximal 1,8 W/(m2K) betragen.

Wärmespeicherfähigkeit

Ein weiterer Faktor für die Qualität eines Dämmstoffs ist seine Wärmespeicherfähigkeit. Je mehr Wärme ein Dämmstoff speichern kann, umso träger reagiert er bei Aufheizung und Abkühlung. Diese Eigenschaft ist beispielsweise hilfreich, um im Sommer eine Überhitzung der Innenräume, insbesondere im Dachgeschoss, zu vermeiden. Optimal ist eine Phasenverschiebung von circa zwölf Stunden: Der Dämmstoff wirkt dann als Puffer, der tagsüber das Eindringen der Hitze in die Innenräume so lange verzögert, bis sie bei kühleren Temperaturen in der Nacht wieder abgegeben werden kann.

In der Regel haben Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen wie beispielsweise Holzfaserplatten, Zelluloseflocken oder Hanffasermatten eine bessere Wärmespeicherfähigkeit als Produkte auf Erdölbasis wie Polystyrol oder Polyurethan.

Brandverhalten

Dämmstoffe werden wie alle Baustoffe nach ihrem Brandverhalten in die Baustoffklassen A1 oder A2 (nichtbrennbar), B1 (schwerentflammbar) und B2 (normalentflammbar) eingeteilt. Materialien der Baustoffklasse B3 (leichtentflammbar) dürfen im Bauwesen nicht verwendet werden. Das Material selbst wird im Brandverhalten auch von eventuell zugesetzten Stoffen wie etwa Klebern, Flammschutzmitteln undF Beschichtungen beeinflusst. Bei der Auswahl des Dämmstoffes sind für das entsprechende Bauteil immer die in der Landesbauordnung oder anderen Verordnungen genannten Anforderungen zu erfüllen.

Baustoffklasse Bauaufsichtliche Benennung Dämmstoff (Beispiel)
A - Nichtbrennbare Baustoffe
A1, A2 Nicht brennbare Baustoffe Mineralfaser, Schaumglas, Perlite
B - Brennbare Baustoffe
B1 Schwerentflammbare Baustoffe Holzwolleleichtbauplatten, Polyurethan-Hartschaum
B2 Normalentflammbare Baustoffe Holzfaserdämmplatten, Hanf, Zellulose
B3 Leichtentflammbare Baustoffe  

Anwendungsmöglichkeiten für Dämmstoffe

In den Normen werden für die unterschiedlichen Anwendungsmöglichkeiten bestimmte Dämmstoffe vorgeschrieben. Die Anwendung muss in Kurzform auf dem Produktetikett vermerkt sein. Nachfolgend sind die wichtigsten Anwendungsgebiete mit Beispielen aufgeführt:

Anwendungsgebiet Kurzeichen Anwendungsbeispiele
Decke/Dach DAD Außendämmung von Dach oder Decke, vor Bewitterung geschützt, Dämmung unter Deckungen
DAA Außendämmung von Dach oder Decke, vor Bewitterung geschützt, Dämmung unter Abdichtungen
DUK Außendämmung des Daches, der Bewitterung ausgesetzt (Umkehrdach) 1
DZ Zwischensparrendämmung, zweischaliges Dach, nicht begehbare, aber zugängliche oberste Geschossdecken
DI Innendämmung der Decke (unterseitig) oder des Daches, Dämmung unter den Sparren/Tragkonstruktion, abgehängte Decke usw.
DEO Innendämmung der Decke oder Bodenplatte (oberseitig) unter Estrich ohne Schallschutzanforderungen
DES Innendämmung der Decke oder Bodenplatte (oberseitig unter Estrich mit Schallschutzanforderungen
Wand WAB Außendämmung der Wand hinter Bekleidung
WAA Außendämmung der Wand hinter Abdichtung
WAP Außendämmung der Wand unter Putz
WZ Dämmung von zweischaligen Wänden, Kerndämmung
WH Dämmung von Holzrahmen- und Holztafelbauweise
WI Innendämmung der Wand
WTH Dämmung zwischen Haustrennwänden mit Schallschutzanforderungen
WTR Dämmung von Raumtrennwänden
Perimeter PW Außen liegende Wärmedämmung von Wänden gegen Erdreich (außerhalb der Abdichtung) 1
PB Außen liegende Wärmedämmung unter der Bodenplatte gegen Erdreich (außerhalb der Abdichtungen) 1

1 Es gelten die Festlegungen nach DIN 4108-2.

Energieaufwand für die Herstellung

Oft unberücksichtigt bleibt der Primärenenergieaufwand, der für die Herstellung des Dämmstoffs aufgewendet wird. Er kann sehr unterschiedlich ausfallen. Es lohnt sich, den Energieaufwand für die Herstellung mit der erwarteten Energieeinsparung nach Einbau des Dämmstoffs zu vergleichen. Spätestens nach zwei Jahren hat sich die zur Herstellung benötigte Energie bei allen Dämmstoffen durch die erzielte Energieeinsparung amortisiert. Bei Polyurethandämmstoffen liegt die energetische Amortisationszeit zwischen 9 und 23 Monaten, bei Mineralfaserdämmstoffen zwischen 1,5 und 13 Monaten und bei Zellulosedämmstoffen unter einem Monat.


Kellerdecke

Die Wärmedämmung von Kellerdecken wird vielfach vernachlässigt, obwohl auch hier die Möglichkeit besteht, mit einem geringen finanziellen Aufwand Energie zu sparen und durch Anhebung der Oberflächentemperatur des Erdgeschoss-Fußbodens die Behaglichkeit zu steigern.

Eine unkomplizierte Methode, ebene Massivdecken nachträglich zu dämmen, ist das Ankleben oder -dübeln von Dämmstoff an die Unterseite der Decke. Nach der Energieeinsparverordnung (EnEV) muss der Wärmedurchgangskoeffizient der gedämmten Kellerdecke bei unbeheiztem Keller sowie der Bodenplatte gegen das Erdreich kleiner als 0,30 W/(m²K) sein. Installationsleitungen für die Wasser-, Heizungs- oder Elektroversorgung lassen sich zumeist unkompliziert "verpacken". Deckenleuchten müssen eventuell neu befestigt und die Anschlüsse verlängert werden. Die Stärke des Dämmstoffs kann durch die erforderliche Stehhöhe im Keller oder durch Kellerfenster, die direkt unterhalb der Kellerdecke eingebaut sind, begrenzt sein.

Kellerdecken, deren Unterseite ungerade ist, benötigen eventuell eine Unter- oder Tragkonstruktion, auf der das Dämmmaterial angebracht wird. Fugen und Randanschlüsse werden so ausgeführt, dass eine unkontrollierte Hinterströmung des Dämmstoffes mit Raumluft und damit eine Verringerung der Dämmwirkung verhindert wird.

In diesem Zuge ist es sinnvoll, auch die Wände des Kellerabgangs auf der kalten Seite sowie die Treppe selbst abzudichten und zu dämmen. Als Dämmstoffe eignen sich etwa Polystyrolplatten oder naturnahe Holzweichfaserplatten.

All diese Arbeiten lassen sich mit etwas Geschick kostengünstig in Eigenleistung ausführen.

Quelle: Gesellschaft für rationelle Energieverwendung e.V., Energieeinsparung im Gebäudebestand, 1997.
Quelle: Gesellschaft für rationelle Energieverwendung e.V., Energieeinsparung im Gebäudebestand, 1997.

Außenwand

Über die Außenwände verliert ein Haus viel Wärme und somit Heizenergie. Durch eine fachgerechte Dämmung können Sie Energie sparen und Heizkosten senken.

Zugleich wird durch die wärmeren Wände die Behaglichkeit im Gebäudeinnern erhöht. Wenn am Haus ohnehin Fassadenarbeiten wie Neuanstrich, Putzerneuerung oder Sanierung von Rissen anstehen, können diese Arbeiten optimal mit der Dämmung der Außenwände verbunden werden.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Außenwand eines Hauses zu dämmen:

Wärmedämmverbundsystem

Wärmedämmverbundsysteme (WDVS) werden am häufigsten eingesetzt, um den Wärmeschutz der Außenwand zu verbessern. Die "Thermohaut" ist seit über 50 Jahren auf dem Markt und wird im Neubau, vor allem aber bei der Gebäudesanierung eingesetzt. Dabei werden Dämmstoffplatten von außen auf das bestehende Mauerwerk bzw. den Putz geklebt oder gedübelt und anschließend mit einer Armierungsschicht und einem Sichtputz versehen.

Die Armierungsschicht wiederum besteht aus einem Glasfasergewebe, das in eine Mörtelschicht eingebettet ist, und verhindert spätere Rissbildungen zum Beispiel durch Temperaturunterschiede oder Erschütterungen. Für ein Wärmedämmverbundsystem eignen sich typischerweise Dämmstoffplatten aus Hartschaum (zum Beispiel Polystyrol, gemeinhin Styropor genannt), Mineralwolle oder nachwachsenden Rohstoffen wie Holzweichfasern oder Kork.

Da Wärmedämmverbundsysteme starken Witterungsbelastungen ausgesetzt sind, müssen die einzelnen Systemkomponenten aufeinander abgestimmt und bauaufsichtlich zugelassen sein. Die Zulassung gilt dabei immer für das gesamte System, keinesfalls dürfen einzelne Bestandteile verschiedener Systeme oder Hersteller miteinander kombiniert werden.

Eine sorgfältige Verarbeitung der Wärmedämmung ist wichtig: Die Dämmplatten müssen nahtlos aneinander stoßen und alle Anschlüsse und Durchdringungen mit Dichtungsbändern abgeklebt werden. Werden brennbare Dämmstoffplatten verwendet, sind bei Mehrfamilienhäusern zudem bestimmte Sicherheitsvorkehrungen wie Brandriegel notwendig, um einer Brandausbreitung entgegenzuwirken. Wer das Risiko eines Fassadenbrandes ganz ausschließen möchte, setzt auf nicht brennbare Dämmstoffe wie Mineralfaser.

In den Medien wird immer wieder über die angeblichen Gefahren und hohen Kosten von WDVS berichtet. Wir gehen auf weit verbreitete Irrtümer und Vorurteile ein.

Hinterlüftete Fassade

Eine weitere Möglichkeit bei der Außendämmung ist die vorgehängte hinterlüftete Fassade oder auch umgangssprachlich Vorhangfassade genannt. Sie ist eine bauphysikalisch besonders sichere Maßnahme zum Wetterschutz. Feuchtigkeit wird von ihr abtransportiert, und Beschädigungen können leicht repariert werden.

Sie setzt sich aus vier Komponenten zusammen: der Dämmschicht, sowie der Unterkonstruktion, dem Hinterlüftungsraum und der Außenbekleidung. Bei der Außenbekleidung kann man – abhängig von optischen, statischen und finanziellen Gesichtspunkten – unter einer Vielzahl von Materialien wählen: Holz, Schiefer, Kunststoff oder auch Faserzementplatten.

Voraussetzung für eine Wärmedämmung an der Außenwand ist, dass der Dachüberstand groß genug für die zusätzliche Dämmschicht ist. In der Regel reicht ein Überstand von 30 Zentimetern aus. Ist eine Erweiterung erforderlich, muss das Dach in der Regel nicht komplett neu eingedeckt werden. Den Überstand erreicht man auch, indem die Dachlatten verlängert werden oder ein neuer Dachrand aus Blech angebracht wird.

Kerndämmung

Bei der Kerndämmung wird der Zwischenraum zwischen zwei Mauerschalen mit einem Dämmstoff ausgefüllt. Bei einer nachträglichen Kerndämmung wird der Dämmstoff als Granulat oder Schüttgut durch Öffnungen in der Außenwand in den Hohlraum eingeblasen. Dabei wird das Dämmmaterial so verdichtet, dass es lückenlos und setzungssicher die Hohlschicht ausfüllt.

Als Dämmstoffe sind nur hydrophobe, also wasserabweisende Dämmstoffe geeignet, beispielsweise Mineralfaserflocken, Perlitegranulat oder EPS-Perlen. Eine Alternative ist das Ausschäumen des Hohlraums.

Vorsicht bei Schaumdämmung mit sogenannten Iso-Schäumen: Sie können gesundheitsschädliches Formaldehyd enthalten, das in die Wohnräume gelangen kann, wenn die innere Mauerwerksschale nicht absolut intakt ist.

Die Kerndämmung bietet sich als preiswerter nachträglicher Wärmeschutz bei zweischaligen Außenwänden an, bei der die äußere Erscheinung des Hauses nicht verändert wird. Wegen der geringen Stärke ist die Dämmwirkung allerdings nur mittelmäßig. Dieser Nachteil kann durch Maximierung der Dämmung an anderen Bauteilen wie dem Dach ausgeglichen werden.

Innendämmung

Wenn das äußere Erscheinungsbild des Gebäudes nicht verändert werden soll, beispielsweise bei denkmalgeschützten Fassaden, empfiehlt sich eine Innendämmung. Auch für zeitlich begrenzt genutzte Räume oder im Kellerbereich kann die Innendämmung aufgrund der geringeren Kosten eine Alternative sein. Vorteile dieser Dämmung sind ein schnelles Aufheizen der Räume und ein vergleichsweise einfaches Anbringen des Dämmstoffs, da kein Gerüst erforderlich ist.

Da sich die Außenwand hinter der Dämmung im kalten Bereich befindet, kann dort Tauwasser und Schimmel entstehen. Um dieses Problem zu entschärfen, müssen die Dämmplatten vollflächig auf die Wand aufgebracht werden. Empfehlenswert sind kapillaraktive Dämmstoffe (zum Beispiel Calciumsilikatplatten oder Porenbeton), die die Raumfeuchte aufnehmen und wieder an den Raum abgeben. Alternativ kann raumseitig eine Dampfsperre angebracht werden, die das Eindringen der Feuchtigkeit verhindert. Bei einer Innendämmung ist es besonders wichtig, dass sie sachgemäß ausgeführt wird, da sonst erhebliche Bauschäden drohen.


So entstehen Wärmebrücken

Als Wärmebrücken bezeichnet man die Bereiche eines Außenbauteils, die einen höheren Wärmeabfluss aus dem Gebäude zulassen als ihre unmittelbare Umgebung.

Sie sind Schwachstellen in der Gebäudehülle, die nicht nur zu hohen Energieverlusten und damit höheren Heizkosten führen, sondern oft auch für Feuchte- und Schimmelschäden verantwortlich sind, da sich an den kalten Oberflächen im Bereich der Wärmebrücken Tauwasser niederschlägt.

Zwei Arten von Wärmebrücken

Man unterscheidet zwischen geometrischen und konstruktiven Wärmebrücken.

Geometrische Wärmebrücken entstehen zum Beispiel dort, wo in der Gebäudehülle die Wärme aufnehmende Innenoberfläche kleiner ist als die Wärme abgebende Außenoberfläche. Das ist an Gebäudekanten und – ausgeprägter noch – an Gebäudeecken der Fall.

Konstruktive Wärmebrücken liegen vor, wenn sich in einem Bauteil, zum Beispiel einer Außenwand, Baustoffe mit einer unterschiedlich hohen Wärmeleitfähigkeit abwechseln. Ist dies durch das Material bedingt, spricht man auch von einer materialbedingten Wärmebrücke. Beispiele für häufige derartige Wärmebrücken sind:

  • eine das Außenmauerwerk unterbrechende Stahlbetonstütze oder Ringanker
  • ein unzureichend gedämmter Fenstersturz
  • eine auskragende Stahlbetonplatte bei Balkonen
  • ein Stahlbetondeckenauflager ohne ausreichende Wärmedämmung
  • ungedämmte Heizkörpernischen.

Ursache: unsachgemäß durchgeführte Dämmung

Darüber hinaus können Wärmebrücken auch durch unsachgemäß durchgeführte Dämmmaßnahmen entstehen. Eine sorgfältige Planung und fachgerechte Ausführung einer energetischen Gebäudesanierung ist deshalb wichtig, um u.a. folgende Mängel zu vermeiden:

  • Dachdämmung, die nicht das gesamte Gefach füllt
  • Lücken in der Dämmung
  • Mangelhafte Anschlüsse, z.B. zwischen Außenwand und Fenstern.

Fenster lütten
Foto: Kara / Fotolia.com

Dach und oberste Geschossdecke

Wer Energie sparen möchten, sollte die Dämmung des Daches oder der obersten Geschossdecke ganz oben auf die Prioritätenliste setzen, da sich hier oft mit einem vergleichsweise geringen Aufwand ein hoher Energiestandard erreichen lässt. Zudem schützt die Dämmung des Daches in den Sommermonaten vor einer Überhitzung der Dachgeschossräume.

Dämmung des Daches

Unbehaglich kalte Dachwohnungen mit hohen Wärmeverlusten im Winter und sommerlicher Überhitzung sind die Auswirkungen einer unzureichenden Wärmedämmung im Dach. Das liegt häufig an nur gering gedämmten Dachschrägen. Im Winter lassen sich diese Wärmeverluste oft daran erkennen, dass der Schnee auf dem Dach nicht liegen bleibt, sondern schnell abschmilzt. Dazu kommt in vielen Fällen noch eine Undichtheit der inneren Dachverkleidung, die verantwortlich für kalte Zugluft oder gar Feuchteschäden und Schimmelbefall ist.

Eine fachgerechte Dämmung und Luftdichtung im Dachgeschoss erhöht die Behaglichkeit, senkt die Heizkosten und vermeidet Bauschäden. Dachflächenfenster sollten zum Schutz vor sommerlicher Hitze möglichst mit einem außen angebrachten Sonnenschutz (etwa Markise, Jalousie, Rollladen) aus- bzw. nachgerüstet werden.

Bei einer Dachsanierung fordert die Energieeinsparverordnung (EnEV) für Dachschrägen und Drempelwände ausgebauter Dächer einen maximalen Wärmedurchgangswert (U-Wert, früher: k-Wert) von 0,24 W/(m2 K) sowie eine luftundurchlässige Abdichtung von Fugen entsprechend dem Stand der Technik.

Der Dämmwert wird – bei Verwendung eines üblichen Dämmstoffs und unter Berücksichtigung des Sparrenanteils des Daches – mit einer Dämmschicht von rund 20 Zentimetern erreicht. Um einen optimalen Wärmeschutz zu erreichen oder die Anforderungen für KfW-Fördermittel zu erfüllen, sind jedoch größere Dämmschichtstärken erforderlich. Für Flachdächer verlangt die EnEV einen U-Wert von 0,20 W/(m2 K). Die EnEV-Anforderungen gelten jedoch nur für Schräg- oder Flachdächer, die vor 1984 errichtet wurden. Doch auch bei einer Erneuerung von Dächern, die noch keine 30 Jahre alt sind, ist eine energetische Verbesserung fast immer ratsam.

Dämmung der obersten Geschossdecke

Wird das Dachgeschoss nicht als beheizter Raum genutzt, ist es meist wirtschaftlicher, an Stelle der Dachschrägen die oberste Geschossdecke zu dämmen. Das lässt sich relativ kostengünstig ausführen, und bei handwerklichem Geschick kann man es auch selbst machen. Dabei werden Dämmplatten oder -matten auf die vorhandene Decke gelegt, wobei – insbesondere an den Deckenrändern – eine fachgerechte Ausführung wichtig ist.

Wenn die oberste Geschossdecke nicht betreten werden muss, kann auch ein loser Dämmstoff aufgebracht werden. Diese Maßnahme, die von einem geschulten Fachbetrieb ausgeführt werden sollte, hat sich oft schon nach wenigen Heizperioden amortisiert. Bei Holzbalkendecken ist auch das Ausblasen der Balkenzwischenräume möglich.

Eigentümer von Häusern, deren Obergeschossdecken noch nicht gedämmt sind, sind nach der Energieeinsparverordnung sogar zur Dämmung verpflichtet, sofern die Dachräume unbeheizt sind und auch das darüber liegende Dach keine Dämmschicht besitzt. Wer bisher noch nicht gedämmt hat, muss dies bis spätestens Ende 2015 nachholen. Die Dämmpflicht gilt sowohl für begehbare oberste Geschossdecken (zum Beispiel nicht ausgebaute Aufenthalts- oder Trockenräume), als auch für nicht begehbare Dachgeschossdecken (etwa nicht ausgebaute Spitzböden).

Der Wärmedämmwert der Decke darf den U-Wert von 0,24 W/(m2 K) nicht übersteigen, was einer Dämmschicht von circa 14 bis 18 Zentimetern entspricht. Alternativ dazu kann auch das darüber liegende Dach gedämmt werden. Dies empfiehlt sich, wenn in absehbarer Zeit ein Dachausbau geplant ist oder das Dach neu gedeckt werden soll.

Ausnahmen

Die Dämmpflicht der Obergeschossdecke entfällt bei Ein- oder Zweifamilienhäusern, wenn der Eigentümer schon seit Januar 2002 oder länger selbst im Gebäude wohnt. Bei einem Eigentümerwechsel nach dem genannten Termin muss der neue Hausbesitzer innerhalb von zwei Jahren dämmen.

Ebenfalls nicht nachgerüstet werden müssen oberste Geschossdecken, die bereits einen sogenannten "Mindestwärmeschutz" haben. Dies trifft auf die meisten Holzbalkendecken zu, aber auch auf viele massive Deckenkonstruktionen (etwa Betondecken), die nach 1969 errichtet oder in der Vergangenheit schon einmal mit mindestens etwa 4 Zentimetern gedämmt wurden, auch wenn der nunmehr vorgeschriebene Dämmwert damit nicht erreicht wird. Wenn Sie unsicher sind, ob Ihr Gebäude unter die Dämmpflicht fällt, fragen Sie einen Energieberater.