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Oft zu viel Jod in Meeresalgen

Stand:

Immer wieder gibt es Warnhinweise und Produktrückrufe aufgrund überhöhter Jod-Gehalte in Meeresalgenprodukten. So können Sie sich schützen.

Das Wichtigste in Kürze:

Achtung, kann der Gesunheit schaden!

  • Meeresalgenprodukte können gesundheitsschädliche Mengen Jod enthalten.
  • Kaufen Sie daher nur solche Meeresalgenprodukte, die eindeutige Angaben zum Jodgehalt und zur maximalen Verzehrmenge enthalten.
  • Als Höchstmenge werden in Nahrungsergänzungsmitteln 100 Mikrogramm Jod pro Tag empfohlen, insgesamt mit allen Lebensmitteln nicht mehr als 500 Mikrogramm.
  • Personen mit Schilddrüsenerkrankungen sollten auf diese Nahrungsergänzungsmittel besser verzichten. Auf jeden Fall Rücksprache mit dem Arzt halten.
Algen auf einem Teller
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Meeresalgen als Nahrungsergänzung

Die verschiedensten Algenprodukte werden als Nahrungsergänzungsmittel angeboten. Dazu gehören Süßwasseralgen wie Spirulina oder Chlorella, AFA-Algen und auch verschiedene Meeresalgen-Produkte.

Zu den Meeresalgen gehören Braunalgen wie der Blasentang (Fucus vesiculosus), die Sorten Kombu, Wakame und Hijiki. Oft kommen sie unter dem Sammelnamen "Seetang" in den Handel, Nahrungsergänzungsmittel werden auch oft als Kelp bezeichnet. Angeboten werden aber auch Rotalgen als Flocken oder Kapseln. Diese können besonders viel Jod anreichern, da sich Jod im Meerwasser anreichert und von manchen Algenarten gespeichert wird.

Worauf sollte ich achten?

Die Jodgehalte in getrockneten Algen- und Seetang-Produkten liegen zwischen 5 und 11.000 Mikrogramm pro Gramm Trockengewicht. Zum Vergleich: Die tägliche Aufnahmeempfehlung beträgt 200 Mikrogramm, könnte also im schlimmsten Fall schon mit 0,02 Gramm Algenprodukt überschritten werden. Wichtig: Ein plötzliches Jod-Überangebot kann zum Gesundheitsrisiko werden.

  • Menschen mit Schilddrüsenerkrankungen sollten auf den Verzehr von Nahrungsergänzungsmitteln mit Meeresalgen verzichten.
  • Alle anderen sollten nur solche Meeresalgenprodukte kaufen, die eindeutige Angaben zum Jodgehalt und zur maximalen Verzehrmenge enthalten.
  • Nahrungsergänzungsmittel mit Jod sollten nicht mehr als 100 µg/Tagesdosis enthalten, Produkte für Schwangere 150 µg/Tag.
  • Seien Sie besonders vorsichtig bei Produkten, die aus dem außereuropäischen Ausland stammen.
  • Eine sichere Jodzufuhr ist mit jodiertem Speisesalz (in normalen Mengen) und Meeresfisch möglich. Auch Milch und Eier können als Jodquelle dienen, da die Tiere zusätzliches Jod mit dem Futter bekommen.

Hoher Jodgehalt kann Schilddrüsenfunktion stören

Deutschland gilt als Jodmangelgebiet. Da liegt es auf der Hand, dass Werbestrategen ein gutes Geschäft mit jodhaltigen Meeresalgen als Nahrungsergänzungsmittel wittern. Doch der Jodgehalt in getrockneten Algen schwankt enorm und liegt zwischen fünf und 11.000 Milligramm pro Kilo.

Als Höchstmenge (Tolerable Upper Intake Level) werden vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) für Deutschland allerdings nur 0,5 Milligramm Jod (Link auf: ) pro Tag empfohlen! Ein plötzliches Jod-Überangebot kann zum Gesundheitsrisiko werden.

Das BfR hat in den letzten Jahren mehrfach zum Risiko durch Algenprodukte Stellung genommen. In einer aktualisierten Stellungnahme aus dem Juni 2007 weist das BfR darauf hin, dass bei hohen Jodgehalten, beispielhaft wurde ein Produkt mit 506 Milligramm Jod pro Kilogramm getrockneter Algen genannt, bereits der Verzehr von 10 Gramm dieser Alge zu einer "exzessiven Jodaufnahme" führt.

Durch den Jodmangel bilden sich, gerade bei älteren Menschen, in der Schilddrüse häufig kleine autonome Zentren. Werden diese durch ein Überangebot an Jod aktiviert, kann dies zu einer lebensbedrohlichen Schilddrüsen­überfunktion und zu immunologisch bedingten Erkrankungen der Schilddrüse führen. Bei gesunden Menschen mit einer normalen Schilddrüsen­funktion kann ein Überangebot an Jod die Hormonbildung des Körpers hemmen, wodurch eine Schilddrüsen­unterfunktion mit Kropf-Bildung entstehen kann.

 

Angaben und Warnhinweise fehlen

Oft fehlen auf den Produkten Angaben zur verwendeten Algenmenge oder zum Jodgehalt. Eine solche Angabe ist nur dann Pflicht, wenn Lebensmittel einschließlich Nahrungsergänzungsmittel mit dem Hinweis "enthält Jod" oder "reich an Jod" angeboten werden.

Allerdings empfiehlt das BfR, dass jodreiche Algenerzeugnisse (mit 10 bis 20 Milligramm Jod pro Kilogramm) nur mit einem Warnhinweis "eine übermäßige Zufuhr von Jod kann zu Störungen der Schilddrüsenfunktion führen" verkauft werden sollten. Leider fehlt dieser Warnhinweis häufig auf den Produkten.

Zuletzt hat das Chemische und Veterinär­untersuchungsamt Stuttgart getrocknete Algenprodukte hinsichtlich ihres Jodgehaltes und wegen fehlender Warnhinweise bemängelt bzw. Produktrückrufe veranlasst.

Auf dem Internetportal www.lebensmittelwarnung.de sowie im Europäischen Schnellwarnsystem RASFF wird regelmäßig vor Produkten mit erhöhtem Jodgehalt gewarnt.

 

Quellen:


Weißenborn A. et al.: Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln. J Consum Prot Food Saf (2018). Online publiziert am 04.01.2018 (Link: https://link.springer.com/article/10.1007/s00003-017-1140-y#/enumeration )

A. Domke, R. Großklaus, B. Niemann, H. Przyrembel, K. Richter, E. Schmidt, A. Weißenborn, B. Wörner, R. Ziegenhagen: Verwendung von Mineralstoffen in Lebensmitteln. Toxikologische und ernährungs­physiologische Aspekte Teil II. BfR, 2004, S. 209ff

Gesundheitliche Risiken durch zu hohen Jodgehalt in getrockneten Algen. Aktualisierte Stellungnahme Nr. 026/2007 des BfR vom 22. Juni 2004, aktualisiert am 12.06.2007

K. Zietemann, H. Bauer-Aymanns: Hoher Jodgehalt in Algenprodukten kann gefährlich werden. CVUA Stuttgart, Stand: 10.08.2015 (abgerufen am 02.07.18)

www.lebensmittelwarnung.de (abgerufen am 02.07.18)