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Oft zu viel Jod in Meeresalgen

Stand:

Immer wieder gibt es Warnhinweise und Produktrückrufe aufgrund überhöhter Jod-Gehalte in Meeresalgenprodukten. Worauf Sie achten sollten.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Meeresalgenprodukte können gesundheitsschädliche Mengen Jod enthalten.Achtung, kann der Gesunheit schaden!
  • Kaufen Sie daher nur solche Meeresalgenprodukte, die eindeutige Angaben zum Jodgehalt und zur maximalen Verzehrmenge enthalten.
  • Als Höchstmenge zur Nahrungsergänzung werden 0,1 Milligramm Jod pro Tag empfohlen
  • Personen mit Schilddrüsenerkrankungen sollten auf diese Nahrungsergänzungsmittel besser verzichten. Auf jeden Fall Rücksprache mit dem Arzt halten.
Algen auf einem Teller
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Meeresalgen als Nahrungsergänzung

Die verschiedensten Algenprodukte werden als Nahrungsergänzungsmittel angeboten. Dazu gehören Süßwasseralgen wie Spirulina oder Chlorella, AFA-Algen und auch verschiedene Meeresalgen-Produkte.

Zu den Meeresalgen gehören Braunalgen wie der Blasentang (Fucus vesiculosus), die Sorten Kombu, Wakame und Hijiki. Oft kommen sie unter dem Sammelnamen "Seetang" in den Handel, Nahrungsergänzungsmittel werden auch oft als Kelp bezeichnet. Angeboten werden aber auch Rotalgen als Flocken oder Kapseln. Diese können besonders viel Jod anreichern, da sich Jod im Meerwasser anreichert und von manchen Algenarten gespeichert wird.

Hoher Jodgehalt kann Schilddrüsenfunktion stören

Deutschland gilt als Jodmangelgebiet. Da liegt es auf der Hand, dass Werbestrategen ein gutes Geschäft mit jodhaltigen Meeresalgen als Nahrungsergänzungsmittel wittern. Doch der Jodgehalt in getrockneten Algen schwankt enorm und liegt zwischen fünf und 11.000 Milligramm pro Kilo.

Als absolute Obergrenze für eine sichere tägliche Aufnahme aus allen Quellen (Tolerable Upper Intake Level) sieht die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA 0,6 Milligramm (= 600 µg) pro Tag an. Für Deutschland geht das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) aufgrund der unzureichenden Versorgungssituation  sogar von nur 0,5 Milligramm pro Tag aus. Ein plötzliches Jod-Überangebot kann zum Gesundheitsrisiko werden. Zur Nahrungsergänzung werden nicht mehr als 0,1 Milligramm pro Tag empfohlen.

Das BfR hat in den letzten Jahren mehrfach zum Risiko durch Algenprodukte Stellung genommen. In einer aktualisierten Stellungnahme aus dem Juni 2007 weist das BfR darauf hin, dass bei hohen Jodgehalten, beispielhaft wurde ein Produkt mit 506 Milligramm Jod pro Kilogramm getrockneter Algen genannt, bereits der Verzehr von 10 Gramm dieser Alge zu einer "exzessiven Jodaufnahme" führt.

Durch den Jodmangel bilden sich, gerade bei älteren Menschen, in der Schilddrüse häufig kleine autonome Zentren. Werden diese durch ein Überangebot an Jod aktiviert, kann dies zu einer lebensbedrohlichen Schilddrüsen­überfunktion und zu immunologisch bedingten Erkrankungen der Schilddrüse führen. Bei gesunden Menschen mit einer normalen Schilddrüsen­funktion kann ein Überangebot an Jod die Hormonbildung des Körpers hemmen, wodurch eine Schilddrüsen­unterfunktion mit Kropf-Bildung entstehen kann.

Angaben und Warnhinweise fehlen

Oft fehlen auf den Produkten Angaben zur verwendeten Algenmenge oder zum Jodgehalt. Eine solche Angabe ist nur dann Pflicht, wenn Lebensmittel einschließlich Nahrungsergänzungsmittel mit dem Hinweis "enthält Jod" oder "reich an Jod" angeboten werden.

Allerdings empfiehlt das BfR, dass jodreiche Algenerzeugnisse (mit 10 bis 20 Milligramm Jod pro Kilogramm) nur mit einem Warnhinweis "eine übermäßige Zufuhr von Jod kann zu Störungen der Schilddrüsenfunktion führen" verkauft werden sollten. Leider fehlt dieser Warnhinweis häufig auf den Produkten.

Immer wieder auffällige Produkte

Die Jodgehalte in getrockneten Algen- und Seetang-Produkten liegen laut BfR zwischen 5 und 11.000 mg pro Kilogramm Trockengewicht. Zuletzt hat das Chemische und Veterinär­untersuchungsamt Stuttgart getrocknete Algenprodukte hinsichtlich ihres Jodgehaltes und ggf. wegen fehlender Warnhinweise bemängelt bzw. Produktrückrufe veranlasst.

Auf dem Internetportal www.lebensmittelwarnung.de sowie im Europäischen Schnellwarnsystem RASFF wird regelmäßig vor Produkten mit erhöhtem Jodgehalt gewarnt.

  • Menschen mit Schilddrüsenerkrankungen sollten auf den Verzehr von Nahrungsergänzungsmitteln mit Meeresalgen verzichten.
  • Alle anderen sollten nur solche Meeresalgenprodukte kaufen, die eindeutige Angaben zum Jodgehalt und zur maximalen Verzehrmenge enthalten.
  • Seien Sie besonders vorsichtig bei Produkten, die aus dem außereuropäischen Ausland stammen.
  • Eine sichere Jodzufuhr ist mit jodiertem Speisesalz (in normalen Mengen) und Meeresfisch möglich. Milch, Eier und Fleisch sind heute durch die Jodierung des Tierfutters  ebenfalls Jodquellen.

 

Quellen:


EFSA (2014): Scientific Opinion on Dietary Reference Values for iodine. EFSA Journal 2014; 12(5): 3660

Weißenborn A. et al.: Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln. J Consum Prot Food Saf (2018). Online publiziert am 04.01.2018

Gesundheitliche Risiken durch zu hohen Jodgehalt in getrockneten Algen. Aktualisierte Stellungnahme Nr. 026/2007 des BfR vom 22. Juni 2004, aktualisiert am 12.06.2007

K. Zietemann, H. Bauer-Aymanns: Hoher Jodgehalt in Algenprodukten kann gefährlich werden. CVUA Stuttgart, Stand: 10.08.2015 (abgerufen am 13.07.2018)

www.lebensmittelwarnung.de (abgerufen am 13.07.2018)