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Lebensmittel mit speziellen Bakterienkulturen (früher: "Probiotika")

Stand:

Das Wichtigste in Kürze:

  • Es gibt keine Belege dafür, dass Lebensmittel mit speziellen Bakterienkulturen die Gesundheit positiv beeinflussen. Entsprechende Werbeaussagen sind wissenschaftlich nicht belegt und dürfen für Lebensmittel nicht verwendet werden.
  • Für die gesunde Allgemeinbevölkerung sind diese Lebensmittel unbedenklich, nicht aber für Immungeschwächte sowie Schwerkranke.
  • Eine therapeutische Anwendung von Probiotika sollte mit dem Arzt besprochen werden.
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Was steckt hinter der Werbung?

Probiotische Bakterien kommen unbeschadet durch den Magen und sollen laut Hersteller im Darm gesundheitsförderliche Wirkungen entfalten. Jahrelang hat die Werbung versprochen, dass probiotischer Joghurt, genauer Joghurt mit probiotischen Bakterien, die Abwehrkräfte aktiviert und die Darmtätigkeit reguliert. Doch die Hersteller konnten diese Aussagen zur gesundheitlichen Wirkung nicht beweisen.

Alle bislang von der EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) überprüften Aussagen zu Probiotika wurden negativ bewertet und sind nicht in der EU-Positivliste mit den erlaubten gesundheitsbezogenen Angaben enthalten. Rechtlich gilt sogar der Begriff "Probiotika" als nicht zugelassene gesundheitsbezogene Angabe und darf nach Ansicht des Bundesgerichtshofs auch nicht auf Babynahrung verwendet werden.

Das Wort "probiotisch" haben die Hersteller inzwischen aus ihrem Wortschatz und von ihren Verpackungen gestrichen. Es werden zwar auch weiterhin Angaben zu den verwendeten Bakterienstämmen gemacht - zum Beispiel "enthält 6,5 Milliarden einzigartiger Shirota Kulturen" oder "Kultur Lactobacillus casei" -, doch anstelle der probiotischen Bakterien werden jetzt Vitamine wie C, B6 oder D für die Wirkung verantwortlich gemacht und "tragen zur normalen Funktion des Immunsystems bei". Ein legaler Trick, denn für die genannten Vitamine sind gesundheitsbezogene Angaben durch die EU zugelassen.

Hersteller von probiotischen Lebensmitteln (dazu zählen auch Nahrungsergänzungsmittel), die ihren Produkten bestimmte Mengen Vitamin C zusetzen, dürfen daher weiterhin mit einer günstigen Wirkung auf das Immunsystem werben, müssen das aber in Zusammenhang mit dem Vitamin darstellen. Die Praxis zeigt, dass dieser Trick gerne genutzt wird.

Möglicherweise können bestimmte probiotische Bakterien im Rahmen einer Therapie sinnvoll sein. So gibt es zum Beispiel zugelassene probiotische Arzneimittel, die ihre Wirkbehauptungen in Studien belegen konnten. Ob und welcher Bakterienstamm sinnvoll ist hängt von der Krankheit ab und sollte mit den Arzt besprochen werden.

Worauf sollte ich bei der Verwendung achten?

Einige Säuglingsnahrungen werden mit Zusatz spezieller Bakterienkulturen vertrieben, denen gesundheitsfördernde Eigenschaften für Säuglinge zugeschrieben werden. Laut Experten der Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) ist ein Vorteil von mit Lactobazillen bzw. Bifidobakterien angereicherten Säuglingsnahrungen gegenüber nichtangereicherten Nahrungen aufgrund der derzeitigen Datenlage nicht sicher nachgewiesen.

Die Sicherheit probiotischer Lebensmittel (inklusive Nahrungsergänzungsmittel) bei gesundheitlich geschwächten Risikogruppen wird immer wieder diskutiert und ist nicht abschließend geklärt. Wir empfehlen, die Verwendung mit dem Arzt zu besprechen.

Sauermilchprodukte aus dem Kühlregal wie Joghurt, Kefir oder Dickmilch, aber auch milchsauer vergorene Bohnen, Möhren oder Sauerkraut haben einen günstigen Einfluss auf die Darmflora und damit möglicherweise auch auf das Immunsystem.

Zu einer darmfreundlichen Ernährung gehört allerdings noch mehr: eine ballaststoffreiche Kost mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten.

Wichtig ist außerdem sich ausreichend zu bewegen, am Besten im Freien.