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Internetanschluss zu langsam? Was Betroffene tun können

Stand:

Werbeversprechen und tatsächliche Geschwindigkeit liegen beim Internetanschluss oft weit auseinander. Die Bundesnetzagentur hat dazu Messergebnisse veröffentlicht.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Internetanbieter liefern oft nur einen Bruchteil der versprochenen Maximalgeschwindigkeit.
  • Wir erklären, wie Sie die Geschwindigkeit Ihres Internetanschlusses prüfen können.
  • Verbraucher können schon jetzt unter Umständen fristlos kündigen, wenn sie einen zu langsamen Anschluss bekommen haben.
Ein Mann hält ein Smartphone in der Hand und tippt mit dem Zeigefinger darauf.
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Wenn statt 150 Megabit pro Sekunde nur 5 ankommen: Internetanbieter werben für ihre Tarife gerne mit den schnellstmöglichen Verbindungen. "Bis zu" steht oft klein neben den beeindruckenden Zahlen. Doch gerade wer abseits der gut erschlossenen Gebiete wohnt, bekommt dann mitunter nur einen Bruchteil der Übertragungsgeschwindigkeit geliefert.

Internetqualität oft schlechter als vereinbart

Anbieter von Festnetz- und Mobilfunktarifen müssen vor Vertragsschluss in einem Produktinformationsblatt über die normalerweise zur Verfügung stehende Übertragungsrate informieren. Dazu führen viele Internetanbieter vor dem Vertragsabschluss eine Vorprüfung durch. Hier müssen Sie sich als Kunde aber darauf verlassen, dass realistische Ergebnisse erfasst und Ihnen diese auch so mitgeteilt werden. Vor dem Vertragsabschluss versprochene Internetgeschwindigkeiten vom Anbieter sind Vertragsbestandteil und müssen daher auch erreicht werden.

So prüfen Sie die Geschwindigkeit Ihres Internetanschlusses:

Haben Sie bereits einen Vertrag abgeschlossen, gibt es zwei verschiedene Möglichkeiten, um die Qualität Ihres Internetanschlusses zu überprüfen:

  • Ihr Anbieter bietet selbst einen so genannten Speedtest an. Die Tests der Anbieter erfolgen jedoch nach anbieterspezifischen Vorgaben und sind daher nicht einheitlich und objektiv berechnet.
  • Sie nutzen die Angebote der Bundesnetzagentur (BNetzA). Diese stellt verschiedene Messtools zur Verfügung. Mit diesen können Sie kostenfrei Ihre tatsächliche Datenübertragungsrate messen, kontrollieren, protokollieren und mit der im Vertrag festgelegten Rate vergleichen. Die Messtools finden Sie unter www.breitbandmessung.de.


Die Ergebnisse des Tests müssen aktuelle Werte für mindestens folgende Informationen enthalten:

  • Download-Rate (Geschwindigkeit beim Herunterladen von Daten aus dem Internet)
  • Upload-Rate (Geschwindigkeit beim Hochladen von Daten zum Beispiel in die Cloud)
  • Paketlaufzeit (Dauer für den Versand von Datenpaketen zu einem Ziel und zurück)

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Wie Sie aus Verträgen wieder herauskommen können

Wenn Störungen oder Probleme im Vertragsverhältnis auftreten, können Kunden ein außerordentliches Kündigungsrecht geltend machen. Ein langsames Internet oder dauerhafte Störungen können dazu führen, dass der Internetvertrag außerordentlich gekündigt werden kann. Die Störungen müssen detailliert nachgewiesen werden, insbesondere durch Aufzeichnungen eines Speedtests.

Ist Ihr Internetanschluss wesentlich langsamer als beworben, müssen Sie dem Anbieter zunächst die Möglichkeit geben, den Vertrag ordnungsgemäß zu erfüllen, sprich die versprochene Internetleistung herzustellen. Sie müssen daher dem Anbieter die Möglichkeit geben, innerhalb einer angemessenen Frist (in der Regel 14 Tage) die versprochene Internetleistung zu erbringen. Fordern Sie ihn daher schriftlich – per Einwurfeinschreiben – auf, innerhalb dieser Frist die vereinbarte Leistung herzustellen.

Ändert sich nach wiederholter Aufforderung nichts, können Sie fristlos kündigen und gegebenenfalls sogar Schadensersatz verlangen. Akzeptiert der Anbieter dies nicht, so müssen Sie gegen den Anbieter klagen. Auch wenn der Bundesgerichtshof bereits für den Ausfall des Internets einen Schadensersatzanspruch bejaht, so ziehen Leistungsstörungen oft langwierige juristische Auseinandersetzungen mit sich.

Gesetz muss nachgebessert werden

Die derzeitige rechtliche Lage ist für Betroffene derzeit noch sehr unbefriedigend, da sich aus dem Gesetz direkt keine Ansprüche ergeben und Kunden bei Leistungsstörungen zunächst gegen ihren Anbieteer klagen müssen. Aus diesem Grund fordern die Verbraucherzentralen seit langem, dass das Gesetz mehr Schutz für Verbraucher bietet und diese bei Leistungsstörungen ohne Hürden den Tarif anpassen oder den Vertrag kündigen können.

Umfrage: Störungen beim Internetanschlusses gehören zum Alltag

Eine repräsentative Umfrage des Marktwächter-Teams des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) zeigt: Jeder dritte Nutzer hat wiederholt Probleme mit seiner Internetverbindung. Die Befragten bemängeln, dass ihre Internetverbindung in den vergangenen zwei Jahren mehr als einmal unterbrochen oder langsam war. In über der Hälfte dieser Fälle traten die Probleme länger als vier Wochen auf.  Mehr Informationen zur Marktwächter-Umfrage finden Sie hier.

Dieser Inhalt wurde von der Gemeinschaftsredaktion in Zusammenarbeit mit der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg und unserem Bundesverband (vzbv)  für das Netzwerk der Verbraucherzentralen in Deutschland erstellt.