Das Wichtigste in Kürze:
- Waschen Sie Kostüme vor dem Tragen oder tragen Sie diese nicht auf bloßer Haut. Es können allergieauslösende Stoffe enthalten sein.
- Achten Sie auf Siegel zertifizierter Naturkosmetik, dann ist die Karnevalsschminke frei von Azofarbstoffen und Mineralöl.
- Verzichten Sie auf bunte Kontaktlinsen oder tragen Sie sie zumindest nur kurzzeitig, damit Ihre Sehfähigkeit keinen Schaden nimmt.
- In Masken und Kostümen aus weichem Plastik können Lösemittel, Weichmacher oder andere Schadstoffe enthalten sein – hier sollte Sie auf den Geruch achten.
Sich als Einhorn, Superman oder Eiskönigin in den Karneval zu stürzen, macht vielen Närrinnen und Narren Spaß. Wer es etwas individueller mag, näht oder bastelt selbst ein Kostüm. Wer selbst kreativ wird, kann zudem sicher sein, dass das Kostüm nicht von schlecht bezahlten Arbeiter:innen in Fernost genäht wurde.
Nachhaltig ist es auch, Kostüme auszuleihen oder zu tauschen, beispielsweise im Freundeskreis oder bei speziellen Kostüm-Tauschbörsen, die immer häufiger angeboten werden. Zudem können Sie Kostüme auch in Second-Hand oder Vintage-Läden kaufen – das funktioniert zur Not auch noch auf die letzte Minute.
Keine Maskerade ohne Schminke: Glitzernde Fabelwesen oder furchterregende Monster greifen gern zu vielen Farben, um ihr Outfit närrisch zu verändern. Doch Farb- und Konservierungsstoffe in der Schminke oder schädliche chemische Substanzen in Kostümen können die Haut empfindlich reizen.
Tipps für gefahrlose Kostümierung
- Finger weg von Billig-Karnevalskostümen
Shopping-Apps wie Temu oder Shein bieten derzeit massiv billige Kostüme an. Der Report "Schäm dich, Shein" von Greenpeace zeigt, dass Kleidung und Schuhe von Shein teilweise Schadstoffe enthalten, die in Europa verboten sind. Auch die Shopping-App Temu ist nicht zu empfehlen, unter anderem weil unklar ist, ob die in China hergestellten Produkte den europäischen Gesetzen entsprechen. - Internet-Shops vor dem Kauf prüfen
Bei billigen Kostümen aus dem Internet lohnt sich außerdem ein Blick in das Impressum des Online-Shops, um festzustellen, ob der Händler seinen Sitz innerhalb der EU hat. Bei zweifelhaft wirkenden Online-Shops lohnt sich eine Prüfung mit dem kostenlosen Fakeshop-Finder. - Unterkleidung als Schutz vor Giftstoffen
Karnevalskostüme können giftige Substanzen enthalten, die Haut und Schleimhäute reizen oder Allergien auslösen. So fand das Chemische Untersuchungsamt Stuttgart in allen 6 untersuchten Kinderkarnevalskostümen den Stoff PPA (Para-Phenylendiamin), der allergische Hautreaktionen auslösen kann. Auch 2022 wies die Behörde in 7 von insgesamt 19 Kostümen allergieauslösendes PPA nach.
Besonders betroffen waren schwarze Stoffe. Leggings und T-Shirts unter dem Kostüm halten nicht nur warm, sondern schützen die Haut auch vor Schadstoffen in der Verkleidung. - Brandgefahr bei Kostümen und Perücken
Kostüme, Masken, Bärte und Perücken aus Kunststoff - etwa aus Polyester und Nylon - können im Gegensatz zu solchen aus Baumwolle sehr schnell Feuer fangen. Ein Sicherheitsabstand zu Funken und Flammen ist beim Tragen von Kostümen aus Kunststoffmaterialien angebracht. Es sollte ein Vermerk "Schwer entflammbar" auf dem Etikett der Verpackung zu finden sein.
Natürliche Farbenpracht für die Haut
Wer Karnevalsschminke mit Mineralölen wie Paraffin oder Petrolatum auf die Lippen aufträgt, verschluckt oftmals schädliche Substanzen, die sich im Körper anreichern können oder gar unter Krebsverdacht stehen. Karnevalsschminke als zertifizierte Naturkosmetik ist dagegen frei von Mineralölen, Silikonen, Polyethylenglykolen (PEG), Azofarbstoffen und vielen anderen synthetischen Inhaltsstoffen, die Haut und Umwelt belasten können.
Zu erkennen ist Naturkosmetik beispielsweise am BDIH/COSMOS- oder dem NATRUE-Siegel, das ein Frauengesicht im Profil zeigt. Mittlerweile werden die bunten Farben auf natürlicher Basis nicht nur in Bioläden, sondern auch in einigen Drogeriemärkten angeboten.
Für Menschen mit Allergien ist die Lektüre der Inhaltsstoffe in der Schminke ein Muss. Diese sind meist auf der Verpackung eines Produkts unter "Ingredients" einzeln aufgelistet. Bei kleinen Tiegeln, Tuben und Stiften müssen die Händler die Information über die enthaltenen Inhaltsstoffe am Verkaufsregal bereitstellen. Wer diese Information nicht findet, sollte im Geschäft nachfragen. Oft ist es leichter, das Produkt online zu suchen und sich dort die Inhaltsstoffe durchzulesen, als in langen Listen am Regal das richtige Produkt herauszusuchen.
Wasserlösliche Schminke statt "Wachsstifte": Beim Kauf sollten Jecken Schminktöpfe mit Aquafarben – am besten aus dem Naturkosmetikregal – bevorzugen. Die Naturprodukte werden in vielen Farbtönen einzeln oder komplett als Malkasten angeboten und werden wie Wassermalfarben mit Pinsel oder Schwamm aufgetragen. Anders als Farben auf Paraffinbasis dichten Wasserfarben die Poren nicht ab und bieten daher Pickeln und Mitessern weniger Wachstumschancen. Das Abschminken geht ganz einfach mit Wasser und Seife.
Glitter ohne Plastik
Was bisher so glitzerte und glimmerte, waren in der Regel kleine Mikroplastikteilchen, die von der Haut ins Abwasser oder in die Umwelt gelangten. Loser Glitter aus nicht abbaubaren Kunststoffen ist seit dem Mikroplastikverbot von 2023 in der EU verboten.
Mittlerweile wird biologisch abbaubarer loser Glitter angeboten beispielsweise auf Zellulose-Basis. In dekorativer Kosmetik wie Lidschatten oder Lippenstift sind Mikroplastikteilchen und Kunststoffglitter trotz der Umweltbelastung noch bis 2035 erlaubt.
Getrübter Blickkontakt bei bunten Linsen
Von roten Vampiraugen bis zu katzenförmigen Pupillen lassen sich mit Spaß-Kontaktlinsen dramatische Effekte erzielen. Wie bei optischen Sehhilfen ist aber auch bei den Spaß-Linsen eine sorgfältige Hygiene notwendig, um Infektionen der Augen zu vermeiden. Außerdem sind die Linsen häufig luftdicht. Dadurch kan die Hornhaut des Auges durch den Sauerstoffmangel bei längerem Tragen aufquellen. Die Sehfähigkeit kann Schaden nehmen.
Wenn Sie trotzdem nicht auf bunte Kontakt-Linsen verzichten wollen, sollten Sie diese nur kurzzeitig tragen. Speziell geformte Pupillen, wie etwa schmale Katzenaugen, können zudem das Sichtfeld einschränken. Das ist beim Kamelle-Sammeln hinderlich, im Straßenverkehr sogar gefährlich. Damit der Gebrauch der Fun-Artikel nicht ins Auge geht, sollten Optiker oder Augenärzte vor dem Kauf um medizinischen Rat gefragt werden.
Karnevals-Utensilien im Geruchstest
In Plastik-Schwertern, Kunststoff-Flügeln oder Klebe-Tattoos befinden sich häufig Lösemittel, Weichmacher oder andere Schadstoffe. Einige lassen sich schon am Geruch erkennen.
Also erst mal schnüffeln: Wenn das Kostüm-Beiwerk oder Körper-Sticker stark nach Kunststoff oder Chemie riechen, sollten Sie Ihre Haut besser vor den bunten Accessoires schonen und kreativ zu Selbstgebasteltem oder Schminke greifen.
Dieser Inhalt wurde von der Gemeinschaftsredaktion in Zusammenarbeit mit den Verbraucherzentralen Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz für das Netzwerk der Verbraucherzentralen in Deutschland erstellt.