Ungesunde Lebensmittel: Verbraucherzentralen fordern Verbot von Influencer-Werbung

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Influencer:innen bewerben auf Social Media immer wieder ungesunde Lebensmittel. Eine repräsentative Befragung im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbands zeigt: Die Mehrheit der Verbraucher:innen will strengere Regeln. Die Verbraucherzentralen wollen daher Influencer-Werbung für Ungesundes stoppen.
Ein Influencerin filmt sich, wie sie ein Croissant isst

Das Wichtigste in Kürze:

  • 72 Prozent der Verbraucher:innen sind für strengere gesetzliche Regeln für Influencer-Werbung und Ernährungstipps.
  • 26 Prozent nutzen Social Media gezielt, um sich über Ernährung zu informieren.
  • Davon haben 36 Prozent mindestens einmal Ernährungsprodukte gekauft, weil sie von Influencer:innen beworben wurden.
  • Die Verbraucherzentralen fordern ein Influencer-Werbeverbot für ungesunde Lebensmittel.
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Wie stark beeinflussen Influencer:innen das Essverhalten? 

Ob fettige Snacks, überzuckerte Getränke oder fragwürdige Nahrungsergänzungsmittel: Influencer-Werbung für ungesunde Lebensmittel ist auf Social Media weit verbreitet. Influencer:innen erreichen dort Millionen Menschen und können Ess- und Kaufverhalten maßgeblich beeinflussen. 

Eine repräsentative forsa-Befragung im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbands zeigt: 72 Prozent der Verbraucher:innen wünschen sich strengere gesetzliche Vorgaben für Influencer:innen, wenn sie Produkte bewerben oder Ernährungsempfehlungen geben. Die Verbraucherzentralen fordern deshalb ein Verbot von Influencer-Werbung für ungesunde Lebensmittel. 

Welche Rolle spielt Social Media bei Informationen rund um Ernährung? 

Soziale Netzwerke dienen mitunter auch als Quelle, wenn es um Informationen rund um Ernährung geht. Laut Befragung informieren sich 26 Prozent der Erwachsenen dort gezielt zu Ernährungsthemen. 

Innerhalb dieser Gruppe hat mehr als jede dritte Person, nämlich 36 Prozent, mindestens einmal ein Produkt gekauft, das von Influencer:innen beworben wurde. 23 Prozent griffen sogar wiederholt zu. 

Nach Einschätzung der Verbraucherzentralen zeigt das deutlich, wie sehr Werbebotschaften auf Social Media ihre Wirkung entfalten, vor allem, wenn sie als persönliche Empfehlung dargestellt werden. Auf den ersten Blick sind solche Empfehlungen nicht unbedingt als Werbung erkennbar.

Warum fordern die Verbraucherzentralen ein Verbot von Influencer-Werbung? 

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) sieht dringenden politischen Handlungsbedarf. Nach seiner Auffassung sollen Influencer:innen keine Produkte mehr bewerben dürfen, die nicht den Nährwertkriterien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) entsprechen. Dazu zählen Lebensmittel mit zu viel Zucker, Fett oder Salz. 

Die Vorständin des vzbv, Ramona Pop, macht deutlich, dass soziale Medien voller unseriöser Ernährungsempfehlungen und Werbung für ungesunde Produkte seien. Influencer:innen stellten etwa Nahrungsergänzungsmittel als Wundermittel dar oder machten Werbung für stark gezuckerte Energydrinks. Das könne das Essverhalten beeinflussen – insbesondere bei jungen Menschen

Vor allem Werbung für Kinder-Nahrungsergänzungsmittel sei besonders problematisch. Diese Produkte sind immer noch zu hoch dosiert und können gesundheitliche Risiken bergen. Im Sinne des Kinderschutzes fordert der Verbraucherzentralen Bundesverband deshalb auch hier ein Werbeverbot auf Social Media.

Warum ist Influencer-Werbung rechtlich problematisch? 

Für Aussagen mit Gesundheitsbezug gelten bei Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln in der EU klare rechtliche Regeln. Die Health-Claims-Verordnung bestimmt, welche Werbeaussagen zulässig sind. Auf Social Media werden diese Grenzen jedoch nicht immer konsequent beachtet.

So fehlt mitunter die Kennzeichnung als Werbung. Influencer:innen machen weitreichende Gesundheitsversprechen oder sprechen Produktempfehlungen aufgrund vermeintlich persönlicher Erfahrungen aus. Wenn sie zum Beispiel schildern, ein bestimmtes Getränk oder ein Shake habe ihr Wohlbefinden verbessert, lässt sich das nach Einschätzung der Verbraucherzentralen nicht belegen und ist deshalb kritisch zu sehen. Was bei Gesundheitsversprechen erlaubt ist und was nicht, lesen Sie im verlinkten Beitrag. 

Wer kontrolliert Influencer-Werbung – und was muss sich ändern? 

In Deutschland ist die Lebensmittelüberwachung für die Kontrolle der Health-Claims-Verordnung zuständig. Nach Einschätzung des Verbraucherzentrale Bundesverbands nimmt sie soziale Medien bislang nicht ausreichend in den Blick. 

Er fordert deshalb, die Lebensmittelüberwachung finanziell und personell zu stärken. Nur so lasse sich Influencer-Werbung auf Social Media wirksam kontrollieren und Verbraucher:innen besser schützen.

Dieser Inhalt wurde von der Gemeinschaftsredaktion in Zusammenarbeit mit unserem Bundesverband (vzbv) für das Netzwerk der Verbraucherzentralen in Deutschland erstellt.