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Zeolith – am besten geeignet als Katzenstreu

Stand:

Das Mineral hilft nicht gegen Krebs und wirkt auch nicht entgiftend.

Das Wichtigste in Kürze:
Hat keine Wirkung!

  • Als Zeolithe werden verschiedene silikathaltige Mineralien wie beispielsweise das Klinoptilolith bezeichnet.
  • Zeolithe wirken wie eine Art Schwamm und binden Stoffe – egal ob „gut“ oder „böse“.
  • Als Nahrungsergänzungsmittel darf Klinoptilolith in Deutschland nicht verkauft werden.
  • Produkte sind häufig stark mit Aluminium und Blei belastet.
Zeolith Pulver
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Was steckt hinter der Werbung?

Klinoptilolith-Produkte werden häufig mit irreführenden Werbeaussagen beworben. Doch tatsächlich sind die Produkte weder als Unterstützung bei einer Krebstherapie noch als Detox-Mittel wirksam. Auch wenn auf Internetseiten oft Wunderwirkungen versprochen werden: Zeolithe oder Klinoptilolith-Produkte

  • sind keine Radikalfänger,
  • unterstützen nicht das Immunsystem,
  • sind nicht in der Lage, ganz gezielt bestimmte Giftstoffe (Toxine) wie Pestizide usw. aus dem Körper zu entfernen,
  • können keine „Schwermetalle ausleiten“,
  • reinigen weder den Verdauungsapparat, noch entlasten sie die Leber,
  • sind keine ideale Quelle für Silicium oder Kieselsäure,
  • schützen nicht vor Elektrosmog,
  • verzögern nicht den Alterungsprozess,
  • unterstützen nicht die Chemotherapie und
  • steigern auch nicht die Leistung.

Alle diese und auch weitere gesundheits- bzw. krankheitsbezogene Behauptungen sind wissenschaftlich nicht belegt.

Selbst ob Zeolith tatsächlich relevante Mengen von Schadstoffen und Umweltgiften aus dem menschlichen Körper entfernt, wurde bisher nicht in verlässlichen wissenschaftlichen Studien untersucht.

Tatsächlich werden mit diesem angeblichen Heilmittel gute Geschäfte gemacht: Während der Kilopreis für den Zeolith-Zusatz bei Futtermitteln (als Ballaststoff), Katzenstreu (für die Geruchsbindung), Geschirrspüler (als Ionenaustauscher) oder zur Verwendung im Straßenbau vergleichsweise niedrig ist (ca. 0,40 € /100 g für Katzenstreu), wird Zeolith bzw. Klinoptilolith in Form von Medizinprodukt-Kapseln mit ca. 25 € pro 100 g teuer vermarktet.

Als Nahrungsergänzungsmittel darf Klinoptilolith nicht verkauft werden.

Worauf sollte ich achten?

  • Zeolith verfügt über eine Struktur mit Hohlräumen, sozusagen eine Art mineralischer Schwamm, und kann - ähnlich wie Aktivkohle - zwar Substanzen binden, ist aber nicht in der Lage, „schädliche“ von „unschädlichen“ Stoffen im Magen-Darm-Trakt zu unterscheiden. Und so können auch nützliche Substanzen wie Vitamine oder Mineralstoffe dem Körper entzogen werden.
  • Vorsicht: Zeolith-Produkte fallen laut Schnellwarnsystem immer wieder durch problematisch hohe Aluminium- und Bleigehalte auf. Daher gilt Zeolith bzw. Klinoptilolith in Lebensmitteln als „nicht sicher“. Sicherheitshalber sollten Sie beim Hersteller immer nach einer aktuellen Analyse der Produkte mit Blick auf Aluminium, Blei und Quecksilber fragen.
  • Klinoptilolith darf in Deutschland nicht als Nahrungsergänzungsmittel verkauft werden.
  • Die Verwendung sollte sicherheitshalber vorher mit dem Arzt besprochen werden. Das gilt ganz besonders für die „vorbeugende“ Verwendung bei Klein- und Schulkindern, von der wir abraten.
  • Achtung: Es gibt keinen Eintrag im Deutschen oder Europäischen Arzneibuch für Klinoptilolith, so dass auch nicht mit „geprüfter Arzneibuchqualität“ geworben werden kann.

Was sind Zeolithe?

Als Zeolithe oder auch Vulkanmineralien werden verschiedene silikathaltige Mineralien wie beispielsweise das Klinoptilolith bezeichnet. Sie können auch synthetisch hergestellt werden.

Klinoptilolith ist natürlicher Herkunft (Naturzeolith). Als Nahrungsergänzungsmittel darf Klinoptilolith in Europa nicht verkauft werden. Es wird als „nicht zugelassene neuartige Lebensmittelzutat“ entsprechend der Novel-Food-Verordnung bewertet und taucht daher immer wieder als Warnung im Europäischen Schnellwarnsystem für Lebensmittel (RASFF) auf. Zeolithe sind jedoch als Medizinprodukte (s. Kasten) erhältlich.

Zeolith bzw. Klinoptilolith ist als sogenanntes „Medizinprodukt“ auf dem Markt, in Form von Pulver oder mit Pulver gefüllten Kapseln. Als solches darf es allerdings keine pharmakologische, immunologische oder metabolische Wirkung im Sinne eines Medikaments haben.

Vor dem Inverkehrbringen ist keine staatliche Zulassung nötig, der Hersteller ist für Qualität, Wirksamkeit und Sicherheit verantwortlich (Konformitätsbewertung). Der Hersteller muss die behaupteten Wirkungen auch nicht mit aufwändigen klinischen Studien wie beim Arzneimittelzulassungsverfahren belegen. Grundsätzlich ist eine krankheitsbezogene Werbung erlaubt, sofern sie wissenschaftlich korrekt ist. Sie wird vor der Vermarktung aber nicht behördlicherseits kontrolliert.

 

Quellen:


Grochowski V (2016): Abgrenzung zu Arzneimitteln. BfArM im Dialog. 19.09.16

Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz des Freistaats Sachsen: Amtliche Lebensmittel- und Futtermittelüberwachung 2017, Mai 2018, S. 21-22

Lang U (2012): Klinoptilolith - Heilmittel oder Humbug? Pharmazeutische Zeitung online, Ausgabe 26

Medizin-Transparent: Zeolith: Wirkung zur Entgiftung fragwürdig. Stand 31.03.17

Medizin-Transparent: Detox: Der Mythos vom Entgiften. Stand 31.03.17

Europäisches Schnellwarnsystem RASFF (abgerufen am 26.02.19)

Europäisches Arzneibuch (eingesehen am 26.02.19)

Europäisches Arzneibuch: Qualitätsstandards für Arzneimittel.