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Isoflavone – Hilfe in den Wechseljahren?

Stand:

Nahrungsergänzungsmittel mit Soja- und Rotklee-Isoflavonen sind umstritten. Nutzen und Risiken solcher Produkte sind hier zusammengestellt.

Das Wichtigste in Kürze:
Wirkung nicht bewiesen!

  • Isoflavone sollen bei Wechseljahrsbeschwerden helfen und vor Osteoporose schützen - die Aussagen sind allerdings nicht ausreichend gesichert.
  • Bei der Verwendung von isoflavonhaltigen-Nahrungsergänzungsmitteln kann es zu unerwünschten Wirkungen wie Übelkeit, Verstopfung, Schwellung oder Hautrötung kommen.
  • Die Sicherheit isoflavonhaltiger Produkte für Frauen während der Menopause ist aufgrund mangelnder Datenlage nicht vollständig geklärt. Die empfohlene Dosis und Einnahmedauer sollte daher keinesfalls überschritten werden.
  • Frauen, die an einem östrogenabhängigen Brust-oder Gebärmutterkrebs erkrankt sind oder erkrankt waren, sollten ohne Rücksprache mit ihrem Arzt auf keinen Fall isoflavonhaltige Nahrungsergänzungsmittel verwenden.
Nahrungsergänzungsmittel mit Soja- und Rotklee-Isoflavonen sind umstritten.
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Was steckt hinter der Werbung zu Isoflavonen?

Die klassische Hormonersatztherapie in den Wechseljahren wird wegen schwerwiegender Nebenwirkungen heute nur noch in Ausnahmefällen angewendet. Seitdem ist das Interesse an alternativen Behandlungsmethoden gewachsen. In Drogerien, Reformhäusern, Apotheken oder Internet werden Nahrungsergänzungsmittel mit isolierten Isoflavonen aus Soja, Rotklee oder Kudzu-Wurzel angeboten. Sie werden als wirkungsvolle und nebenwirkungsfreie Naturprodukte angepriesen.

Die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) hat die Studienlage zu der Wirkung von Soja-Isoflavonen gegen Hitzewallungen während der Menopause untersucht und dabei keinen wissenschaftlichen Beweis feststellen können. Es existiert zwar die eine oder andere Studie, in der Frauen über eine Besserung der Hitzewallungen berichten - es gibt aber auch Studien, die keine Besserung durch Isoflavone aufzeigten. Auch eine vorbeugende Wirkung bei Osteoporose durch Isoflavone ist nach derzeitigem Wissensstand nicht ausreichend erwiesen.

Von Asiatinnen, die sich traditionell ernähren und regelmäßig Sojaprodukte verzehren, wird berichtet, dass sie kaum unter Wechseljahresbeschwerden leiden. Ob und inwieweit diese Beobachtung tatsächlich auf eine sojareiche Ernährung zurückgeht, ist allerdings umstritten. Außerdem ist wichtig zu unterscheiden, ob Isoflavone aus komplexen Lebensmitteln, wie bei sojareicher Ernährung oder in isolierter, hochdosierter und angereicherter Form mit Nahrungsergänzungsmitteln aufgenommen werden.

Obwohl Isoflavone nun nicht mehr bei Wechseljahrs­beschwerden beworben werden dürfen, gibt es noch etliche Produkte auf dem Markt. Die Hersteller umgehen dieses Verbot nämlich in dem sie zum Beispiel bestimmte Vitamine wie B6 ("trägt zur Regulierung der Hormontätigkeit bei"), C und K ("zur Erhaltung gesunder Knochen") oder B1 und B12 ("wichtig für die Nervenfunktion") hinzugeben, für die Gesundheitsaussagen erlaubt sind. Der Tagesbedarf an diesen Vitaminen lässt sich in der Regel aber durch eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung decken. Eine zusätzliche Gabe ist meist nicht sinnvoll.

Was sind Isoflavone?

Isoflavone sind sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe, die insbesondere in Sojabohnen aber auch in Rotklee oder Kudzu vorkommen. Die Struktur der Isoflavone ähnelt der des menschlichen Hormons Östrogen, weshalb es auch als Phytoöstrogen bezeichnet wird.

Auf was sollte ich bei der Verwendung isoflavonhaltiger Produkte achten?

Durch die Einnahme isoflavonhaltiger Nahrungsergänzungsmittel können kurzfristig akute Beschwerden wie Übelkeit, Verstopfung, Schwellungen oder Hautrötungen auftreten. Dabei handelt es sich möglicherweise um allergische Reaktionen auf das in den Produkten enthaltene Sojaeiweiß.

In den letzten Jahren wurde immer wieder die Sicherheit isoflavonhaltiger Nahrungsergänzungsmittel diskutiert. Es bestand Unsicherheit darüber, ob das bei Frauen in den Wechseljahren ohnehin gesteigerte Brustkrebsrisiko sich durch die Verwendung solcher Produkte weiter erhöhen könnte.

In einer neuen Sicherheitsbewertung hat die EFSA festgestellt, dass Isoflavon-Konzentrationen die üblicherweise in Nahrungs­ergänzungsmitteln vorkommen für Frauen nach der Menopause unproblematisch sind. Bei der Bewertung wurden die Auswirkungen auf Brustdrüse, Gebärmutter und Schilddrüse berücksichtigt. Die Sicherheit solcher Produkte für Frauen, die sich in den Wechseljahren befinden, konnte allerdings aufgrund unzureichender Datenlage nicht vollständig geklärt werden.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung schließt sich der Einschätzung der EFSA an und empfiehlt die Orientierungswerte für Dosierung und Einnahmedauer von Nahrungsergänzungsmitteln mit isolierten Isoflavonen nicht zu überschreiten:

  • Präparate auf Basis von Soja: max. 100 mg Isoflavone pro Tag, max. 10 Monate
  • Präparate auf Basis von Rotklee: max. 43,5 mg Isoflavone pro Tag, max. 3 Monate

Frauen, die an einem östrogenabhängigen Brust- oder Gebärmutterkrebs erkrankt sind oder erkrankt waren, sollten ohne Rücksprache mit ihrem Arzt auf keinen Fall isoflavonhaltige Nahrungsergänzungsmittel konsumieren.

Nach Auffassung der Verbraucherzentrale sollten Frauen, in deren Familien bei nahen Verwandten bereits Brust- oder Gebärmutterkrebs aufgetreten ist, ebenfalls besondere Vorsicht walten lassen.

Frauen, die bereits das Schilddrüsenhormon Thyroxin einnehmen, sollten die Verwendung solcher Produkte ebenfalls mit dem Arzt besprechen, da die Einstellung des Medikamentenspiegels erschwert sein kann.

Lebensmittel, wie Sojamilch oder Tofu enthalten neben den Isoflavonen noch wertvolle Proteine und Ballaststoffe. In normalen Mengen können diese bedenkenlos gegessen werden.

 

Weitere Informationen:

Stiftung Warentest hat im August 2015 pflanzliche Präparate, die Besserung bei Wechseljahresbeschwerden versprechen, getestet. Die Bilanz ist ernüchternd. Hier finden Sie die Ergebnisse: "Wechsel­jahre: Was Beschwerden wirk­lich lindert".

 

Quellen:


BfR: Isolierte Isoflavone sind nicht ohne Risiko Aktualisierte stellungnahme Nr. 039/2007 des BfR vom 3. April 2007 (abgerufen am 02.11.2016)

EFSA: Isoflavone in Nahrungsergänzungsmitteln für Frauen nach der Menopause: kein Hinweis auf schädliche Wirkung (abgerufen am 02.11.2016)

Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt: Hilfe in den Wechseljahren? Nahrungsergänzungsmittel mit Soja- und Rotklee-Isoflavonen umstritten (abgerufen am 2.11.2016)