Isoflavone – Hilfe in den Wechseljahren?

Stand:

Nahrungsergänzungsmittel mit Soja- und Rotklee-Isoflavonen sind umstritten. Wem nutzen sie, wem nicht?

Das Wichtigste in Kürze:
Wirkung nicht bewiesen!

  • Isoflavone sollen bei Wechseljahresbeschwerden helfen und vor Osteoporose schützen - die Aussagen sind allerdings nicht ausreichend gesichert.
  • Die Sicherheit isoflavonhaltiger Produkte für Frauen während der Menopause ist aufgrund mangelnder Datenlage nicht vollständig geklärt. Die empfohlene Dosis und die angegebene Einnahmedauer sollten daher keinesfalls überschritten werden.
  • Die Mehrheit der erhältlichen Produkte überschreitet die von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) empfohlene maximale Tagesdosis für Isoflavone.
  • Frauen, die an einem hormonabhängigen Brust-oder Gebärmutterkrebs erkrankt sind oder erkrankt waren, sollten ohne Rücksprache mit ihrem Arzt auf keinen Fall isoflavonhaltige Nahrungsergänzungsmittel verwenden.
Nahrungsergänzungsmittel mit Soja- und Rotklee-Isoflavonen sind umstritten.
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Was steckt hinter der Werbung zu Isoflavonen?

Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Schlafstörungen und vieles mehr können sehr lästig und unangenehm sein. Immerhin bis zu 85 % der Frauen in den Wechseljahren berichten von Hitzewallungen. Östrogene sollen da Abhilfe schaffen.

Die klassische Hormonersatztherapie in den Wechseljahren wird wegen schwerwiegender Nebenwirkungen heute eher selten angewendet. Seitdem ist das Interesse an alternativen Behandlungsmethoden gewachsen. In Drogerien, Reformhäusern, Apotheken oder Internet werden Nahrungsergänzungsmittel mit isolierten Isoflavonen aus Soja, Rotklee oder Kudzu-Wurzel angeboten. Sie werden als wirkungsvolle und nebenwirkungsfreie Naturprodukte angepriesen. Die Struktur der Isoflavone ähnelt der des menschlichen Hormons Östrogen, weshalb sie auch als pflanzliches Östrogen bezeichnet werden.

Von Asiatinnen, die sich traditionell ernähren und regelmäßig Sojaprodukte verzehren, wird berichtet, dass sie kaum unter Wechseljahresbeschwerden leiden. Ob und inwieweit diese Beobachtung tatsächlich auf eine sojareiche Ernährung zurückgeht, ist allerdings umstritten. Außerdem ist wichtig zu unterscheiden, ob Isoflavone aus komplexen Lebensmitteln, wie bei sojareicher Ernährung oder in isolierter, hochdosierter und angereicherter Form mit Nahrungsergänzungsmitteln aufgenommen werden.

Laut Europäischer Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) gibt es keine ausreichend gesicherten Hinweise, dass Soja-Isoflavone bei Wechseljahresbeschwerden helfen. Auch eine vorbeugende Wirkung bei Osteoporose durch Isoflavone ist nach derzeitigem Wissensstand nicht ausreichend erwiesen.

Obwohl Isoflavone deswegen nicht als Hilfe bei Wechseljahrs­beschwerden beworben werden dürfen, gibt es noch etliche Produkte auf dem Markt. Die Hersteller umgehen dieses Verbot nämlich in dem sie zu den Isoflavon-Zubereitungen bestimmte Vitamine wie B6 ("trägt zur Regulierung der Hormontätigkeit bei"), C und K ("zur Erhaltung gesunder Knochen") oder B1 und B12 ("wichtig für die Nervenfunktion") hinzugeben, für die die genannten Gesundheitsaussagen erlaubt sind. Der Tagesbedarf an diesen Vitaminen lässt sich aber in der Regel durch eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung decken. Eine zusätzliche Gabe ist selten sinnvoll.

Wegen der unklaren Sicherheitslage bei der Einnahme von Isoflavonen, hat die EFSA Tageshöchstmengen empfohlen.

Ein Marktcheck der Verbraucherzentralen im Oktober 2019 zeigt: 64 % der isoflavonhaltigen Produkte überschreiten diese empfohlenen Tagesmengen.

Auf was sollte ich bei der Verwendung isoflavonhaltiger Produkte achten?

  • Für gesunde Frauen nach den Wechseljahren gibt es von der EFSA empfohlene Orientierungswerte für die Dosierung und Einnahmedauer von Nahrungsergänzungsmitteln mit isolierten Isoflavonen.
    Das sind bei Präparaten auf Soja-Basis max. 100 mg Isoflavone pro Tag für höchstens zehn Monate. Für Präparate auf Rotklee-Basis werden max. 43,5 mg Isoflavone pro Tag für höchstens drei Monate.
    Der größere Teil der am Markt erhältlichen Produkte enthält höhere Mengen bzw. es fehlen die Empfehlungen zur maximalen Einnahmedauer.
     
  • Für Frauen in den Wechseljahren gibt es überhaupt keine Daten zur Sicherheit. Das BfR rät auch diesen Frauen diese Orientierungswerte vorbehaltlich neuer Erkenntnisse nicht zu überschreiten. Die Verbraucherzentralen raten dieser Personengruppe von der Einnahme Isoflavon-haltiger Nahrungsergänzungsmittel eher ab, empfehlen auf jeden Fall eine ärztliche Überwachung. Es besteht immer noch eine gewisse Unsicherheit darüber, ob das bei Frauen in den Wechseljahren ohnehin gesteigerte Brustkrebsrisiko durch die Verwendung solcher Produkte weiter erhöht werden könnte.
     
  • Frauen, die an einem östrogenabhängigen Brust- oder Gebärmutterkrebs erkrankt sind oder erkrankt waren, sollten ohne Rücksprache mit ihrem Arzt auf keinen Fall isoflavonhaltige Nahrungsergänzungsmittel konsumieren.
     
  • Nach Auffassung der Verbraucherzentralen sollten Frauen, in deren Familien bei nahen Verwandten bereits Brust- oder Gebärmutterkrebs aufgetreten ist, ebenfalls besondere Vorsicht walten lassen.
     
  • Wenn Sie das Schilddrüsenhormon Thyroxin einnehmen müssen, sollten Sie die Verwendung von Isoflavon-haltigen Nahrungsergänzungsmitteln ebenfalls mit Ihrem Arzt besprechen, da die Einstellung des Medikamentenspiegels erschwert sein kann.
     
  • Grundsätzlich ist es besser, wenn Sie isoflavonhaltige Nahrungsergänzungsmittel nicht ohne Rücksprache mit Ihrem Arzt verwenden.
     
  • Durch die Einnahme isoflavonhaltiger Nahrungsergänzungsmittel können kurzfristig akute Beschwerden wie Übelkeit, Verstopfung, Schwellungen oder Hautrötungen auftreten. Dabei handelt es sich möglicherweise um allergische Reaktionen auf das in den Produkten enthaltene Sojaeiweiß.
     
  • Lebensmittel, wie Sojamilch oder Tofu enthalten neben den in die natürliche Lebensmittelmatrix eingebetteten Isoflavonen noch wertvolle Proteine und Ballaststoffe. In normalen Mengen können solche Lebensmittel bedenkenlos gegessen werden.

 

Produkte, die Cimicifuga (Wurzelstock der Traubensilberkerze) enthalten, sind (traditionelle) pflanzliche Arzneimittel, keine Nahrungsergänzungsmittel. Die Expertenkommission Stofflisten aus Deutschland / Österreich / Schweiz empfiehlt, den Einsatz in Lebensmittel zu verbieten.

Auch für Cimicifuga gibt es zu wenig Daten hinsichtlich der Langzeitsicherheit, so dass diese Arzneimittel maximal sechs Monate eingenommen werden sollten. Hinzu kommt, dass einige Frauen während der Einnahme von Cimicifuga teils schwere Leberschäden entwickelten.

 

Was sind Isoflavone?

Isoflavone sind sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe, die insbesondere in Sojabohnen aber auch in Rotklee oder Kudzu vorkommen. Die Struktur der Isoflavone ähnelt der des menschlichen Hormons Östrogen, weshalb es auch als Phytoöstrogen bezeichnet wird.

 

Weitergehende Informationen:

Wechseljahre: Krebsrisiko durch Hormone? Hitzewallungen und Stimmungsschwankungen – was dagegen hilft und nicht schadet, Krebsinformationsdienst, Stand: 13.02.2020

Wechseljahrsbeschwerden selbst lindern, gesundheitsinformation.de, Stand: 17.06.2020

Wechseljahresbeschwerden / klimakterische Beschwerden. Frauenärzte im Netz, Stand: 18.05.2018

 

Quellen:


BfR: Isolierte Isoflavone sind nicht ohne Risiko Aktualisierte Stellungnahme Nr. 039/2007 des BfR vom 03.04.2007, aktualisiert am 29.10.2007(abgerufen am 16.10.2020)

BfR: Nahrungsergänzungsmittel mit isolierten Isoflavonen: Bei Einnahme in und nach den Wechseljahren Orientierungswerte für Dosierung und Anwendungsdauer einhalten. Mitteilung Nr. 043/2015 vom 16.11.2015

EFSA: Isoflavone in Nahrungsergänzungsmitteln für Frauen nach der Menopause: kein Hinweis auf schädliche Wirkung, Stand: 21.10.2015 (abgerufen am 16.10.2020)

BfArM: Cimicifuga-haltige Arzneimittel: Leberschäden, Stufenplan, Stufe II. Stand: 12.06.2009 (abgerufen am 16.10.2020)

Stofflisten des Bundes und der Bundesländer. Unter Mitwirkung von Experten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. 2. Auflage, Stand: 29.09.2020 (abgerufen am 16.10.2020)