Das Wichtigste in Kürze:
- Nahrungsmittel sind zwischen Dezember 2022 und Dezember 2023 um 4,6 Prozent teurer geworden. Die Preise steigen jedoch bereits seit Sommer 2021 besonders stark an.
- Etliche Faktoren spielen in den Preisanstieg hinein, darunter gestiegene Energiekosten, die schwierige internationale politische Lage und Arbeitskräftemangel, aber auch versteckte Preiserhöhungen sowie Mitnahmeeffekte.
- Die Verbraucherzentralen fordern deshalb Politik und Bundeskartellamt auf, die Preisentwicklung im Handel und bei Herstellern sowie versteckte Preissteigerungen zu untersuchen.
- Zwei Marktchecks im Jahr 2023 zeigen, dass sich die gleichen oder vergleichbaren Produkte in Supermärkten und Discountern preislich extrem unterscheiden können. Preise vergleichen lohnt sich also mehr denn je.
- Einige Tipps helfen Verbraucher:innen dabei, die Folgen des Preisanstiegs abzumildern.
Was ist eigentlich eine Inflation?
Das Wort "Inflation" bezeichnet einen anhaltenden Anstieg der Preise, wodurch Geld an Wert verliert. Die Inflationsrate wird mit einem Warenkorb bestimmt, der Produkte und Dienstleistungen enthält, die Privathaushalte typischerweise kaufen: Von Mehl und Honig, über Bankgebühren, bis hin zu Haftpflichtversicherungen und Teddybären.
Die persönliche Inflationsrate kann mehr oder weniger stark von der durchschnittlichen Inflationsrate abweichen. Verbraucher:innen nehmen Inflation hauptsächlich über die Preise für Leistungen und Konsumgüter wahr, die sie am meisten kaufen. Wer etwa jeden Tag viel Auto fährt, ist von höheren Benzinpreisen stärker betroffen als Fahrradfahrer.
Das Statistische Bundesamt hat einen Online-Rechner entwickelt, mit dem Sie Ihre persönliche Inflationsrate berechnen können.
Wie sehr sind die Preise wirklich gestiegen?
Die Verbraucherzentrale NRW beobachtet kontinuierlich die Marktlage aus Sicht der Verbraucher:innen. In Marktchecks und -analysen deckt sie regelmäßig erhebliche Preisschwankungen auf. Zuletzt untersuchte sie, wie die Kosten für Weihnachtsgerichte gestiegen sind.
Neben den gestiegenen Energiekosten spüren Verbraucher:innen die Inflation ganz klar bei Lebensmitteln. Im Dezember 2023 entsprach die Preissteigerung bei Lebensmitteln nach den Daten des Statistischen Bundesamtes im Vergleich zum Vorjahr 4,6 Prozent.

Quelle: Statistisches Bundesamt
Die Lebensmittelpreise steigen aber nicht erst seit einem Jahr, sondern bereits seit dem Sommer 2021. Wenn man die Preise im Dezember 2023 mit der Zeit vor den Preisschocks ab Juni 2021 vergleicht, ergibt sich sogar eine Steigerung um knapp 29 Prozent.
Die Lebensmittelpreise bleiben weiterhin auf einem hohen Niveau und sind seit März 2023 sogar die Haupttreiber der Inflation. Wie sehr die Lebensmittelpreise die Gesamtteuerungsrate beeinflussen, zeigt die Inflationsrate ohne Berücksichtigung von Energie und Nahrungsmitteln: Sie hätte im Dezember 2023 bei 3,5 Prozent gelegen.
In der nachfolgenden Grafik sehen Sie, wie sich die Preise einiger Beispielprodukte in den letzten Monaten verändert haben. Die Teuerung betrifft alle Lebensmittelgruppen einschließlich Grundnahrungsmittel – was den aktuellen Preisanstieg so problematisch macht.

Quelle: Statistisches Bundesamt
Was verursacht die aktuellen Preissteigerungen?
Viele Faktoren verändern die Situation in der Landwirtschaft und der Lebensmittelwirtschaft. Die Kosten für Energie, Düngemittel und Futtermittel bleiben höher als in der Vergangenheit, Arbeitskräftemangel und Mindestlohn verteuern die Personalkosten. Die Teuerung bei Nahrungsmitteln liegt seit April 2022 höher als die allgemeine Inflationsrate.
Doch schon längst sind nicht mehr alle Preissteigerungen nachvollziehbar und es ist unklar, inwiefern sie allein auf höheren Herstellungskosten basieren.
Manche Preissteigerungen bei Lebensmitteln erscheinen nicht gerechtfertigt. Besonders häufig beobachten die Verbraucherzentralen zudem versteckte Preiserhöhungen durch geringere Füllmengen und veränderte Rezepturen. Sie fordern deshalb einen kritischen Blick der Politik und des Kartellamtes auf Handel und Lebensmittelhersteller, um zu prüfen, ob Unternehmen die aktuelle Lage nutzen, um die eigenen Erträge zu verbessern.
Ein Blick in die Glaskugel: Wie geht es mit den Lebensmittelpreisen weiter?
Genaue Prognosen sind nicht einfach, aber aller Wahrscheinlichkeit nach werden die Lebensmittelpreise nur gering zurückgehen. Die niedrigen Preise der Jahre 2000 bis 2019 werden nicht mehr erreicht werden. Verbraucher:innen müssen daher damit rechnen, zukünftig einen höheren Anteil ihres zur Verfügung stehenden Einkommens für Lebensmittel auszugeben.
Menschen mit niedrigem Einkommen oder solche, die auf Grundsicherungsleistungen angewiesen sind, wie zum Beispiel Studierende, Rentner:innen und Arbeitslose sind von dem hohen Preisniveau besonders betroffen. Denn sie müssen ohnehin einen höheren Anteil ihres Einkommens für Grundbedürfnisse wie Ernährung, Wohnen und Mobilität ausgeben. Hier können sie nur bis zu einem gewissen Punkt sparen.
Die Teuerungen bei Lebensmitteln summieren sich zu denen in anderen Lebensbereichen. Durch die hohe Inflationsrate und weiter steigende Preise drohen Ernährungsarmut und generell Armut in immer größeren Teilen der Bevölkerung bis hinein in die Mittelschicht. Die Politik muss sich dieses Problems annehmen und mit wirksamen Maßnahmen gegensteuern.
Welche Tipps gibt es für den Einkauf bei steigenden Lebensmittelpreisen?
Preisfallen erkennen und umgehen
Bei allen Produkte vergleichen Sie immer die Kilopreise oder die Literpreise, also die kleingedruckten Grundpreise an den Regalen: Nur diese erlauben einen echten Vergleich! Bei Obst und Gemüse spielen zudem Herkunft und Jahreszeiten eine wichtige Rolle. Gemüse und Früchte, die Saison haben und in der Region heimisch sind, sind häufig günstiger, weil sie nicht weit transportiert und aufwändig gekühlt werden müssen.
Supermärkte und Discounter bieten Lebensmittel, die nur noch kurz haltbar sind, meist reduziert an. Ein Einkauf auf dem Wochenmarkt kann zudem günstiger sein als im Supermarkt, vor allem kurz vor Ende des Markttages. Und wer saisonales Freilandgemüse kauft statt aus dem Gewächshaus, hilft auch der Umwelt. Orientierung, wann welches Gemüse und Obst Saison hat, bietet der Saisonkalender der Verbraucherzentralen.
Fleisch öfters pflanzlich ersetzen
Auch die Preise bei Fleisch, insbesondere bei Rindfleisch und Hackfleisch, sind stark gestiegen. Die Verbraucherzentralen raten, Fleisch, Wurst und Fisch teilweise oder ganz durch pflanzliche Lebensmittel zu ersetzen.
Hülsenfrüchte wie Linsen, Erbsen, Bohnen, Kichererbsen, Sojabohnen und Lupinen sind gute Alternativen. Sie sind wertvolle Quellen für Eiweiß, Eisen, B-Vitamine und Ballaststoffe und zudem günstig. Fleisch-Ersatzprodukte enthalten dagegen oft viele Zusatzstoffe, sind höher verarbeitet und zusätzlich teurer.
Reis, Couscous, Bulgur oder auch Nudeln liefern Kohlenhydrate und somit Energie. Als Vollkornvariante sind sie besonders reich an Mineralstoffen, Vitaminen, Ballaststoffen und ungesättigten Fettsäuren.
Mit Einkaufsliste einkaufen gehen
Es lohnt sich, einen Essensplan für die Woche oder zumindest die nächsten Tage aufzustellen und damit geplant einzukaufen. Wie oft soll gekocht werden? Für wie viele Personen? Ein solcher Einkaufszettel reduziert die oft teuren Spontankäufe. Vorab sollte man die eigenen Vorräte und die Reste im Kühlschrank checken und von hinten nach vorne räumen. Es kann auch helfen, ein Maximalbudget für den Einkauf im Voraus festzulegen und nicht hungrig essen zu gehen.
Selber kochen
"Meal-Prep" ist gerade ein Trend: Denn Mahlzeiten selbst zuzubereiten, auch zum Mitnehmen, ist meist günstiger als Fertiggerichte, Lieferdienste oder To-go-Käufe. Und so hat man auch selbst in der Hand, was auf dem Teller ist. Auch kleine Snacks unterwegs gehen ins Geld: Wer sich eine Brotzeit schmiert und den Kaffee im eigenen Thermobecher mitnimmt, kann damit Geld und Verpackungsmüll sparen. Wenn es aber doch mal ein Fertiggericht sein soll, lohnt es sich auch hier, die Grundpreise pro Kilogramm zu vergleichen.
Weitere Spartipps von der Lagerung bis zur Getränkeauswahl
Vermeiden Sie übermäßige Lebensmittelabfälle! Speisereste können Sie mit cleveren Rezepten weiterverwenden. Und wenn Sie Lebensmittel zu Hause richtig lagern, bleiben sie länger frisch. Hier finden Sie ein kompaktes Lagerung-ABC.
Auch bei Getränken gibt es Sparpotenzial: Wasser, vor allem Leitungswasser, ist deutlich billiger als Mineralwasser und Softdrinks. Leitungswasser ist zudem umweltschonend, muss nicht geschleppt werden und kann geschmacklich mit einem Spritzer Zitrone oder ähnlichem aufgepeppt werden.
Wie wichtig ist Unterstützung für Menschen mit geringem Einkommen?
Für Menschen mit geringem Einkommen oder ohne eigenes Einkommen sind die Preissteigerungen ein großes Problem. Für eine erwachsene Person beträgt der aktuelle Bürgergeld-Satz für Lebensmittel pro Tag nach Angleichung zum Jahreswechsel etwa 6,42 Euro. Zuvor lag der Betrag bei 5,75 Euro, mit Hartz-IV waren es sogar nur 5,20 Euro. Das reicht nicht für eine gesunde Ernährung.
Daher sollte die Politik aus Sicht der Verbraucherzentralen dringend handeln. 17 Prozent der Menschen in Deutschland gelten laut Paritätischem Wohlfahrtsverband als arm. Immer mehr Menschen sind von Ernährungsarmut betroffen und können sich nicht mehr ausreichend ernähren.
Was kann die Politik tun, um Verbraucher:innen zu entlasten?
Die Verbraucherzentralen fordern:
- eine deutliche Anhebung der Regelbedarfe des Bürgergeldes, so dass auch bei hohen Lebensmittelpreisen eine gesunde Ernährung möglich ist,
- die Anpassung der Berechnungsgrundlage des Bürgergeldes, so dass realistische Kosten für eine Ernährung nach den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung zugrunde gelegt werden,
- Sonderzahlungen für Menschen mit niedrigem Einkommen, niedriger Rente und Bezieher:innen von Grundsicherung,
- eine Beitragsreduzierung oder -befreiung für die Gemeinschaftsverpflegung in Kitas, Schulen, Hochschulen bzw. für Geringverdiener in Unternehmen, öffentlichem Dienst und sozialen Einrichtungen,
- Null-Mehrwertsteuer bei Obst, Gemüse und Hülsenfrüchten,
- eine Unterstützung der Einrichtungen, die Mahlzeiten für Bedürftige anbieten.
Dieser Inhalt wurde von der Gemeinschaftsredaktion in Zusammenarbeit mit den Verbraucherzentralen Nordrhein-Westfalen und Berlin für das Netzwerk der Verbraucherzentralen in Deutschland erstellt.