Menü

Beratung. Information. Interessenvertretung. Wir sind unabhängig und immer auf Ihrer Seite.

Zusatzbeitrag der Krankenkasse: Sonderkündigung und Wechsel möglich

Stand:

Kommt eine gesetzliche Krankenkasse mit ihrem Geld nicht aus und muss deshalb über den Zusatzbeitrag mehr verlangen, haben Versicherte ein Sonderkündigungsrecht.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Das Sonderkündigungsrecht ist für Versicherte bedeutsam, die noch keine 18 Monate bei ihrer Krankenkasse versichert sind.
  • Die Krankenkassen müssen den Versicherten die Erhöhung des Beitragserhöhung und das Recht zum Wechsel rechtzeitig ankündigen.
  • Bis zum endgültigen Wechsel müssen Versicherte allerdings den erhöhten Beitrag zahlen.
On

    Sonderkündigungsrecht

    Erhebt eine Krankenkasse erstmals einen Zusatzbeitrag oder erhöht diesen, haben deren Mitglieder ein Sonderkündigungsrecht. Sie können dann zu einer günstigeren Kasse wechseln. Wer wechseln möchte, kann dabei unseren Musterbrief verwenden.

    Das Sonderkündigungsrecht gilt unabhängig von der Dauer der bisherigen Mitgliedschaft. Die übliche achtzehnmonatige Mindestbindung an die Krankenkasse gilt in diesem Falle nicht.

    Versicherte, die bereits 18 Monate einer Kasse angehören, können mit der üblichen Kündigungsfrist zum übernächsten Monat auch ohne Berufung auf ihr Recht zur Sonderkündigung die Kasse wechseln.

    Achtung: Das Sonderkündigungsrecht gilt nicht für freiwillige gesetzlich Versicherte, die einen speziellen Wahltarif zur Absicherung ihres Krankengeldes abgeschlossen haben. Sie können frühestens nach Ablauf der dreijährigen Bindungsfrist kündigen.

    Informationspflicht der Krankenkassen

    Jede Kasse muss ihre Versicherten spätestens im Monat vor der erstmaligen Fälligkeit auf den erhöhten Beitrag und das Sonderkündigungsrecht aufmerksam machen. Erhalten Sie eine schriftliche Ankündigung eines Zusatzbeitrags, können Sie bis zu dem Ende des Monats kündigen, in dem der Zusatzbeitrag erstmals erhoben oder erhöht wird.

    Beispiel: Die Krankenkasse erhebt ab 01. Januar einen Zusatzbeitrag. Bis Ende Dezember muss sie darüber informieren. Wer dann bis Ende Januar kündigt, ist ab April bei einer anderen Krankenkasse versichert.

    Außerdem muss die Krankenkasse in ihrem Anschreiben auf eine Übersicht aller Zusatzbeiträge beim GKV-Spitzenverband hinweisen. Übersteigt der Zusatzbeitragssatz den durchschnittlichen Zusatzbeitragssatz von 1,1 Prozent, muss sie ihre Versicherten auch erläutern, dass es die Möglichkeit gibt, in eine günstigere Krankenkasse zu wechseln.

    Kommt die Krankenkasse ihrer Hinweispflicht verspätet nach, haben Versicherte dadurch keinen Nachteil. Die Kündigung wird dann so behandelt, als wäre sie rechtzeitig erfolgt.

    Zusatzbeitrag bis zum Wechsel

    Versicherte, die wegen der Einführung bzw. Erhöhung des Zusatzbeitrags kündigen, müssen den Zusatzbeitrag trotzdem so lange entrichten, bis die Kündigung wirksam wird.

    Beispiel: Die Krankenkasse erhebt ab 1. Januar einen Zusatzbeitrag. Wer bis Ende Januar kündigt, ist ab April bei einer anderen Krankenkasse versichert. Für die Monate Januar bis März muss der Versicherte den höheren Zusatzbeitrag an seine bisherige Krankenkasse entrichten.

    Zusammensetzung des Beitragssatzes

    Der allgemeine Beitragssatz in der gesetzlichen Krankenversicherung ist festgelegt und beträgt zurzeit 14,6 Prozent. Davon tragen Arbeitgeber und Arbeitnehmer jeweils die Hälfte. Kommen die Krankenkassen mit diesem Geld nicht aus, können sie einen kassenindividuellen Zusatzbeitrag einfordern. Den Zusatzbeitrag müssen die Versicherten alleine tragen. Er wird prozentual erhoben und zum allgemeinen Beitragssatz von 14,6 Prozent addiert. Das Bundesgesundheitsministerium gibt jedes Jahr bekannt, wie hoch der Zusatzbeitrag aller Krankenkassen im Durchschnitt sein wird. 2017 beläuft sich dieser auf 1,1 Prozent. Der komplette Krankenkassenbeitrag beträgt damit durchschnittlich 15,7 Prozent (einheitlicher Beitragssatz 14,6 Prozent + Zusatzbeitragssatz 1,1 Prozent).

    Der Zusatzbeitrag wird bei Pflichtversicherten direkt vom Lohn abgeführt. Für Versicherte, die Arbeitslosengeld I oder II, Sozialhilfe oder Grundsicherung beziehen, übernimmt der jeweilige Träger den Zusatzbeitrag. Familienmitglieder, die über Eltern oder Ehepartner mitversichert sind, zahlen keinen Zusatzbeitrag.

    Unterschiedliches Leistungsspektrum

    In einigen Punkten bieten die gesetzlichen Kassen weiterhin unterschiedliche Leistungen an. Wer in eine andere Kasse wechseln möchte, sollte deshalb nicht nur die Kosten zum Maßstab nehmen, sondern unbedingt auch auf das Leistungsspektrum achten. Beispiele wie Kostenübernahmen von Impfungen, Angebote von alternativen Heilmethoden und Unterschiede beim Kundenservice – wie etwa eine Geschäftsstelle vor Ort oder eine gut erreichbare Hotline – können für viele Patienten entscheidende Faktoren sein, die eine Kassenwahl mit bestimmen sollten.