Wie regelt Schweden die private Altersvorsorge?
In Schweden sorgt ein derartiges staatlich organisiertes Standardprodukt, der „AP7-Fonds“, seit Jahren dafür, dass Vorsorgesparende breit gestreut investieren und an den Erträgen der Kapitalmärkte teilhaben. Trotz mehrerer Börsenkrisen zwischen 2008 und 2024 erzielten die Sparerinnen und Sparer mit „AP7“ im Durchschnitt 11,5 Prozent Rendite pro Jahr.
Der Grund: Die Kosten sind sehr niedrig, sodass rund 99 Prozent der Kapitalmarkterträge tatsächlich bei den Sparenden ankommen. Zum Vergleich: Bei einem Kostensatz von 1,5 Prozent bleiben nur noch etwa 53 Prozent der Erträge übrig. Damit wird deutlich, dass das zentrale Ziel des Gesetzgebers, nämlich die Chancen des Kapitalmarkts stärker für die Altersvorsorge zu nutzen, nur mit einem solchen Vorsorgefonds erreichbar ist.
Warum die Riester-Rente nicht rentabler und günstiger wird
Die Bundesregierung plant eine Kostenobergrenze von 1,5 Prozent pro Jahr einzuführen. Das klingt zunächst niedrig, doch der Schein trügt. Derartige Kosten gehen massiv zu Lasten der Altersrenten.
Ein Kostensatz von 1,5 Prozent des Kapitals pro Jahr bedeutet bei einer Laufzeit von 40 Jahren und 5 Prozent Bruttorendite (vor Kosten) pro Jahr, dass nur rund die Hälfte der Kapitalmarkterträge bei den Sparer:innen ankommen. Denn: Ähnlich wie einen Zinses-Zinseffekt gibt es auch einen Kosten-Kosten-Effekt, der mit der Zeit immer größer wird.
Der Wegfall der Garantie-Pflicht könnte zwar höhere Renditen ermöglichen. Davon kommt aber wegen der hohen Kosten nur ein Teil bei den Sparenden an. Die Probleme sehen wir seit Jahren beim Vertrieb von ungeförderten, viel zu teuren und unrentablen fondsgebundenen Rentenversicherungen.
Ob Neobroker günstige Alternativen in Form eines Altersvorsorgedepots auf den Markt bringen werden, bleibt abzuwarten. Und selbst wenn: Verbraucher:innen, die auf Beratung angewiesen sind, werden preiswerte ETF-Sparpläne schon heute nicht angeboten. Daran ändert die Reform nichts.
Wie soll sich die Förderung der Altersvorsorge ändern?
Die Förderung in Form von Zulagen soll sich für Neuverträge ab 2027 nach der Höhe Ihrer eigenen Einzahlungen richten.
| Leistung | Betrag / Regelung |
|---|---|
| Grundzulage | 30 Prozent auf bis zu 1.200 Euro Einzahlung jährlich (35 Prozent ab 2029). Beispiel: Bei 1.800 Euro Eigenbeitrag ergibt sich für 2027 und 2028 eine Grundzulage von 360 + 120 = 480 Euro |
| Kinderzulage | 25 Prozent auf bis zu 1.200 Euro Einzahlung (maximal 300 Euro pro Kind). |
| Berufseinsteiger-Bonus | Einmalig 200 Euro (für Sparer:innen unter 25 Jahren). |
| Mindestbeitrag | 120 Euro pro Jahr (10 Euro pro Monat), dann allerdings nur Anspruch auf anteilige Zulage. |
Altersvorsorge mit Riester Förderung wird noch komplexer
Es ist geplant, dass die Anbieter jeweils eigene sogenannte Standardprodukte anbieten und zusätzlich reguläre Riester-Verträge. Weiterhin werden Produkte mit Kapitalgarantie angeboten, daneben auch solche mit Garantie in Höhe von 80 Prozent der Beiträge sowie Produkte ohne Garantie.
Angesichts dieser neuen Produktwelt sind viele Verbraucher:innen weiterhin auf Unterstützung bei der Planung ihrer Altersvorsorge angewiesen. Die Sorge der Verbraucherzentralen: Statt von Verkaufsinteressen unabhängiger Information erhalten sie aber nur Verkaufsgespräche, bei denen die Provision des Vermittlers im Vordergrund steht, nicht das beste Produkt für den Kunden. Es droht eine weitere Verkaufswelle, bei der teure Produkte mit hohen Provisionen im Mittelpunkt stehen.
Auszahlungsplan statt lebenslanger Rente
Eine wichtige Neuerung betrifft die Auszahlphase. Bisher war bei Riester-Verträgen eine lebenslange Leibrente Pflicht.
Künftig ist ein Auszahlplan bis zum 85. Lebensjahr möglich. Das bedeutet, dass die Rentenzahlung zum vereinbarten Termin endet. Es ist auch möglich, einen Auszahlplan zu vereinbaren, der länger läuft, zum Beispiel bis zum 95. Lebensjahr. Bei einem Auszahlplan ist eine höhere monatliche Rente möglich als bei klassischen Versicherungen, die sich oft erst ab dem 95. Lebensjahr wirklich rechnen.