Neobroker: Kosten und Risiken des schnellen Wertpapier-Handels per App

Stand:
Neobroker werben mit kostenlosem Wertpapierhandel per App. Der Artikel der Verbraucherzentralen zeigt, wie Neobroker tatsächlich Geld verdienen, welche Kosten und Risiken entstehen und worauf Verbraucher:innen achten sollten.
Junger Mann am Schreibtisch schaut auf Laptop-Bildschirm

Das Wichtigste in Kürze:

  • Neobroker sind nicht wirklich kostenlos: Kosten entstehen meist indirekt über Provisionen und Ausführungskurse.
  • Sie können eine günstige Alternative zu Direktbanken sein, besonders bei ETF-Sparplänen.
  • Das eingeschränkte Angebot an Handelsplätzen kann sich auf die Kurse auswirken.
  • Häufiges Handeln erhöht Risiken und senkt langfristig die Rendite.
  • Einige Broker verwahren Guthaben automatisch in Geldmarktfonds, diese unterliegen nicht der Einlagensicherung.
     
On

Was sind Neobroker?

Neobroker sind Online-Broker, die den Handel mit Wertpapieren besonders einfach machen wollen. Sie werben mit Slogans wie „ab 0 Euro pro Order“ oder „provisionsfrei investieren“ und setzen vor allem auf Apps für Smartphone, Tablet oder PC. Bekannte Anbieter sind etwa Trade Republic, Scalable Free Broker, Smartbroker oder finanzen.net zero.

Der Handel soll jederzeit und überall möglich sein – angeblich kostenlos. Doch ganz ohne Kosten funktioniert auch dieses Geschäftsmodell nicht.

Sind Neobroker wirklich kostenlos?

Nein, Neobroker sind nicht kostenlos. Allerdings sind die Kosten nicht direkt ersichtlich.

Versteckte Kosten statt Ordergebühren: Auch wenn Neobroker mit niedrigen oder null Euro Ordergebühren werben: Jede Transaktion kostet Geld. Die Broker erhalten Provisionen (auch Rückvergütungen genannt) von Handelsplätzen oder Dienstleistern, die Kauf- und Verkaufsaufträge ausführen. Diese Provisionen liegen meist bei rund 3 Euro pro Kundenorder und sind in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) zu finden. Die Handelsplätze können diese Provisionen bezahlen, weil sie Wertpapiere etwas teurer verkaufen als sie sie ankaufen (siehe Infobox Geld-Brief-Spanne).

Eingeschränkte Handelsplätze: Viele Neobroker arbeiten nur mit wenigen ausgewählten Handelsplätzen zusammen.

  • Trade Republic weist in der Kundenvereinbarung darauf hin, dass nur eine eingeschränkte Auswahl an Wertpapieren und Ausführungsplätzen angeboten wird.
  • Scalable nennt in seinen Kundendokumenten drei Handelsplätze: European Investor Exchange (Börse Hannover), gettex (Börse München) und Xetra (Frankfurter Wertpapierbörse).

Welche Börsen tatsächlich nutzbar sind, steht im Kleingedruckten der AGB, oft unter „Kundendokumente“ oder „Sonderbedingungen für Wertpapiergeschäfte“.

Geld-Brief-Spanne (Bid-Ask-Spread)

  • Als Briefkurs (Ask Price) wird der Preis bezeichnet, zu dem Sie Wertpapiere kaufen können.
  • Der Geldkurs (Bid Price) ist der Preis, zu dem Sie Wertpapiere verkaufen können.

Der Briefkurs liegt über dem Geldkurs. Die Differenz ist ein versteckter Kostenfaktor. Je größer diese Spanne (Bid-Ask-Spread), desto teurer ist der Handel für Sie.

Wann handeln – und wann lieber nicht?

Die Ausführungskurse bei Neobrokern sind nicht grundsätzlich schlechter als bei anderen Banken. Entscheidend ist jedoch der Zeitpunkt des Handels.

Reguläre Börsenzeiten:

  • Xetra: 9:00–22:00 Uhr
  • New York: 15:30–22:00 Uhr

Die Börsenzeiten in den USA sind nur relevant, wenn Sie Wertpapiere handeln, die in den USA gelistet sind. Dies ist bei allen ETFs der Fall, in denen unter anderem auch Aktien aus den USA enthalten sind. 

Tipp: Aktien-ETF auf weltweite Indizes am besten ab 15:30 Uhr handeln. Dann beträgt die Geld-Brief Spanne oft nur 0,02 bis 0,05 Prozent. Außerhalb dieser Zeiten können die Geld-Brief-Spannen höher sein.

Wer früh morgens oder spät abends handelt, bekommt zwar aktuelle Kurse, zahlt aber im Durchschnitt schlechtere Preise. Das gilt für alle Broker – nicht nur für Neobroker.

Müssen Neobroker Provisionen offenlegen?

Ja, Neobroker müssen die erhaltenen Provisionen offenlegen. Diese Informationen finden sich in den AGB. 

Sind Neobroker nach dem 30. Juni 2026 nicht mehr kostenlos?

Ab dem 30.06.2026 dürfen Handelsplätze nach EU-Beschluss keine Provisionen mehr für exklusive Orderweitergabe („Payment for Order Flow“, PFOF) zahlen. Ziel ist es, Interessenkonflikte zu vermeiden, bei denen Aufträge nicht zum besten Kurs, sondern zum höchsten Provisionszahler gehen.

Zu einem generellen Preisanstieg für das Brokerage muss es aber nicht kommen. Denn transparent auszuweisende Preise unterliegen dem Wettbewerb, während versteckte Provisionen sich dem Wettbewerb tendenziell entziehen. An welcher Stelle die bislang bereits existierenden Kosten letztlich auf die Verbraucher:innen umgelegt werden, bleibt abzuwarten.

Achtung: Einlagensicherung bei Neobrokern

Einige Neobroker legen Guthaben auf dem Verrechnungskonto teilweise automatisch in Geldmarktfonds an. Diese gelten als vergleichsweise risikoarm, unterliegen aber nicht der Einlagensicherung. Bei größeren Beträgen ist das Risiko daher höher als bei einem klassischen Tagesgeldkonto.

Wie bewerten die Verbraucherzentralen Trading-Apps?

Die heute verfügbaren Trading-Apps sind ein täglicher Begleiter auf dem Smartphone. Sind dann auch noch die Push-Nachrichten eingeschaltet, ist die Verführung groß, Wertpapiere umso häufiger zu handeln. Das ist eine Gefahr für Ihren Anlageerfolg, denn:

  • Häufiges Kaufen und Verkaufen erhöht Ihre Kosten, und sei es auch nur aufgrund der Geld-Brief-Spannen.
  • Bei der Realisierung von Gewinnen fallen ggf. Steuern an. Der dann neu investierte Betrag ist geringer, was den Zinseszinseffekt schmälert.
  • Studien zum Anlageverhalten von Privatanlegern belegen: Je öfter Sie handeln, desto geringer ist meist die Rendite.

Fazit: „Hin und Her macht Taschen leer“ gilt besonders beim Wertpapierhandel. Für eine langfristige, solide Anlagestrategie ist es besser, die Depotentwicklung nicht täglich zu verfolgen. Lesen Sie in diesem Artikel, wie eine solche Strategie aussehen könnte.

Tipps für Ihre Geldanlage

  • Kein Angebot ist wirklich kostenlos – Provisionen müssen offengelegt werden.
  • Einen unabhängigen Vergleich von Direktbanken, Brokern und Neobrokern bietet die Stiftung Warentest (kostenpflichtig).
  • Handeln Sie möglichst nur zu regulären Börsenzeiten und vergleichen Sie Kurse.
  • Vermeiden Sie Klumpenrisiken und streuen Sie Ihre Geldanlage. Welche Renditen und Risiken am Aktienmarkt typisch sind, sagt Ihnen auch der kostenlose Rendite-Rechner der Verbraucherzentralen.

Vorsicht vor unseriösen Handelsplattformen

Neben seriösen Neobrokern gibt es betrügerische Trading-Plattformen. Wie Sie diese erkennen, lesen Sie in diesem Artikel.

Den Verbraucherzentralen sind viele Fälle bekannt, in denen Menschen über dubiose Plattformen Geld verloren haben. 

Achtung: Es sind auch Fälle bekannt, in denen sich Kriminelle am Telefon als Mitarbeiter:innen der Verbraucherzentrale ausgegeben haben und behaupteten, verlorenes Geld aus einem "Kontingent" zurückzahlen zu können. Für diesen "Service" verlangen sie eine Gebühr vorab. Solche Anrufe kommen niemals von einer echten Verbraucherzentrale! Die Mitarbeiter:innen der Verbraucherzentralen rufen weder jemanden ohne Termin oder Rückrufbitte an, noch

FAQ: Neobroker – kurz erklärt

Was ist ein Neobroker?

Ein Neobroker ist ein Online-Broker, der Wertpapierhandel vor allem per App anbietet und mit niedrigen oder keinen Ordergebühren wirbt.

Sind Neobroker kostenlos?

Nein. Die Kosten sind meist in der Geld-Brief-Spanne versteckt. Einen unabhängigen Anbietervergleich von Direktbanken, Brokern und Neo-Brokern bietet die Stiftung Warentest an (kostenpflichtig).

Für wen sind Neobroker geeignet?

Sie können eine günstige Option sein, etwa für ETF-Sparpläne. Häufiges Trading erhöht Kosten, Steuerabzüge und senkt die Rendite.

Welche Risiken gibt es?

Eingeschränkte Handelsplätze, schlechtere Kurse außerhalb der Börsenzeiten, fehlende Einlagensicherung bei Geldmarktfonds und die Gefahr von übermäßigem Handeln.

Was ändert sich ab 2026?

Provisionen für exklusive Orderweitergabe werden verboten. Wie sich das auf Preise auswirkt, ist noch offen.

Dieser Inhalt wurde von der Gemeinschaftsredaktion in Zusammenarbeit mit den Verbraucherzentralen Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg für das Netzwerk der Verbraucherzentralen in Deutschland erstellt.

Ratgeber-Tipps

Das Vorsorge-Handbuch
Wer sich wünscht, selbstbestimmt zu leben und Entscheidungen zu treffen, und sich wünscht, das auch am Lebensabend zu…
Fit und gesund - für Frauen ab 50
Menopause, Knochenhaushalt, Nährstoffbedarf, Ernährung, knackende Knochen - der Körper von Frauen ab 50 ist vielen…