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Datenmissbrauch: Selbsthilfe bei unzureichendem Schutz

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Millionen Kunden- und Kontodaten geraten immer wieder in unbefugte Hände. Wir geben Ihnen Tipps, wie Sie sich gegen den Missbrauch Ihrer Daten wehren können.

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Wie gelangen Unternehmen an Adressen?

Auf der einen Seite nutzen Unternehmen ihre eigenen Kundendatenbestände für Werbemaßnahmen gegenüber bestehenden Kunden. Auf der anderen Seite beschaffen sie sich, um neue Kunden zu gewinnen, Daten von so genannten Adressenhändlern. Diese vermieten oder verkaufen auf spezielle Zielgruppen zugeschnittene Datenbestände. Dafür werten sie öffentlich zugängliche Quellen systematisch aus. Dabei erheben sie nicht nur Adressen, sondern werten auch Informationen über Lebensstil und Kaufverhalten aus. Herangezogen werden zum Beispiel: Adress- und Telefonbücher, E-Mail-Verzeichnisse und -Listen, Handels- und Vereinsregister, Branchenverzeichnisse, Internetseiten und private Anzeigen in Zeitungen. Außerdem wenden sie sich an die Meldebehörden der Städte und Gemeinden, die kostenpflichtig Daten aus den amtlichen Registern zu Familienname, Vorname, Doktorgrad, aktueller Anschrift herausgeben.

Einige Unternehmen führen Wohngebietsbegehungen und gezielt Haushaltsumfragen, Preisausschreiben, Verlosungen oder Informationsveranstaltungen durch, um an Anschriften und werberelevante Informationen zu kommen. Dem gleichen Zweck dienen häufig Kundenbindungsprogramme und Rabattsysteme. Viele Werbende greifen darüber hinaus auf Adressbestände anderer Unternehmen und Organisationen zurück.

Ebenso vermieten oder verkaufen Unternehmen ihre Kundenadressen oft auch untereinander. Versandhandelsunternehmen beispielsweise können aufgrund langfristiger Geschäftsbeziehungen zahlreiche Kundenadressen anbieten – geordnet nach werberelevanten Informationen über Kauf- und Zahlungsverhalten.

Dürfen Unternehmen Daten von Verbrauchern zu Werbezwecken nutzen oder weitergeben?

Beabsichtigt ein Unternehmen oder eine Organisation, Kundendaten nicht nur für den vereinbarten Zweck (zum Beispiel zur Vertragsabwicklung) zu nutzen, sondern beispielsweise auch für Werbung, so muss es gemäß Bundesdatenschutzgesetz bereits bei Erhebung der Daten darauf hinweisen und den Verbraucher über mögliche Empfänger der Daten unterrichten. Das gilt auch, wenn Unternehmen gezielt durch Verlosungen, Preisausschreiben, Haushaltsbefragungen oder bei Informationsveranstaltungen Daten erheben, um sie anschließend für Werbezwecke zu verwenden oder zu veräußern.

Aber: keine Regel ohne Ausnahme. So darf zum Beispiel ein Unternehmen bereits vorhandene Kundendaten für seine eigene Werbung nutzen. Bei einer Verwendung von Daten aus öffentlichen Verzeichnissen sind die gesetzlichen Anforderungen ebenfalls nicht so streng. Eine weitere große Ausnahme gibt es hinsichtlich des Listenprivilegs. Sind die Daten listenmäßig zusammengefasst, dürfen diese dann auch ohne Einwilligung verwendet werden.

Eine Nutzung der Daten ist allerdings immer nur dann zulässig, solange der Kunde nicht widersprochen hat oder kein schutzwürdiges Interesse am Ausschluss der Übermittlung und Nutzung besteht.

Gilt dies gleichermaßen für alle meine Daten?

Nein, es gibt Unterscheide zwischen den verschieden Angaben. Besonders sensible personenbezogene Daten sind z. B. Angaben zu Krankheiten, Religionszugehörigkeit, Parteizugehörigkeit. Solche Daten dürfen nur für Werbezwecke weitergegeben oder genutzt werden, wenn der Betroffene vorher ausdrücklich zu diesen Daten seine Einwilligung gegeben hat. Höher Anforderungen bestehen auch für Daten, die auf besondere Lebensumstände eines Bürgers, zum Beispiel Schulden, schließen lassen.

Was gilt im Internet?

Die Digitalisierung macht es für Anbieter zunehmend einfacher Daten zu verarbeiten und zu analysieren. Verbraucher geben häufig eine Vielzahl von Daten im Internet von sich preis. So muss man sich zum Beispiel für den jeweiligen Onlinedienst registrieren und auch während des Internet-Shoppings gibt man persönliche Daten an.

Die Besonderheiten dabei erklären wir unter "So funktioniert der Internet-Einkauf – Datenschutz" erklärt.

Gibt das Einwohnermeldeamt meine Adressdaten weiter?

Einwohnermeldeämter dürfen Adresshändlern und anderen Firmen Daten zum Zweck der Werbung und des Adresshandels (Familiennamen, Vornamen, Titel und aktuelle Anschrift) nur herausgeben, wenn Sie in die Übermittlung für genau diese Zwecke ausdrücklich eingewilligt haben. Eine solche Erklärung können Sie gegenüber der Meldebehörde abgeben und auch widerrufen. Haben Sie sich nicht generell damit einverstanden erklärt, dass die Meldebehörde Ihre Daten weitergeben darf, dann bedarf es der Einwilligung gegenüber dem jeweiligen Unternehmen, an das die Daten weitergeben werden sollen. Diese Einwilligung muss gesondert erklärt werden und sich ausdrücklich auf die Einholung einer Melderegisterauskunft zum Zweck der Werbung und/oder des Adresshandels beziehen. Auf Verlangen muss das Unternehmen der Meldebehörde Nachweise über die Einwilligung vorlegen. Die Meldebehörde ist verpflichtet, stichprobeartig zu überprüfen, ob Einwilligungserklärungen vorliegen.

Die Weitergabe Ihrer Daten zum Zweck der Wahlwerbung und im Zusammenhang mit Abstimmungen oder zur Veröffentlichung von Alters- und Ehejubiläen, an Religionsgemeinschaften sowie auch per Internet können Sie verhindern, indem Sie mit unserem Musterbrief widersprechen.

Was können Sie gegen Datenweitergabe tun?

Gegen kriminelle Energie ist niemand gewappnet. Dennoch können Sie als Verbraucher einiges unternehmen, um zumindest die Gefahr von Datenmissbrauch zu reduzieren. Folgende Tipps können Ihnen dabei helfen:

  • Oberstes Gebot: Üben Sie Zurückhaltung bei der Weitergabe von Daten.
  • Einige Unternehmen führen gezielt Gewinnspiele oder Verlosungen durch, um an relevante Daten zu kommen. Wollen Sie daran teilnehmen, streichen Sie die den Hinweis, dass Ihre Daten für Werbezwecke genutzt werden können oder deaktivieren Sie vorgesetzte Häkchen.
  • Widersprechen Sie auch bei den Meldebehörden der Weitergabe Ihrer Daten zu Werbe- und Marketingzwecken.
  • Punkte sammeln mit Rabatt- oder Kundenkarten? Beantworten Sie Haushaltsumfragen am Telefon? Das sind in erster Linie Methoden, um an Ihre persönlichen Daten zu kommen.
  • Sehen Vertragsformulare Angaben vor, die zur Abwicklung des Vertrages nicht unbedingt erforderlich sind, füllen Sie diese nicht aus.
  • Sie können sich bei Unternehmen danach erkundigen, welche Daten sie über Sie gespeichert haben, woher sie die Daten haben und an welches Unternehmen sie die Daten weitergeleitet haben. Unser Musterbrief hilft Ihnen dabei.
  • Sind Ihre Daten bereits im Umlauf, widersprechen Sie der Nutzung bei der verantwortlichen Stelle. Dazu bieten wir ebenfalls einen Musterbrief.
  • Tragen Sie sich in die vom Deutschen Dialogmarketing Verband (DDV) erstellte Robinson-Liste ein. Die dem DDV angeschlossenen Unternehmen erhalten dann die Nachricht, dass Sie keine Werbung per Post wünschen. Adresse: DDV, "Robinson-Liste", Postfach 1454, 33244 Gütersloh, Telefon: 05244/ 903723. Außerdem können Sie sich auf der Internetseite des DDV schnell und unkompliziert online anmelden.
    An diese Listen halten sich aber nur die dort angeschlossenen Unternehmen! Das heißt, die Werbeflut wird nur bedingt eingedämmt.
  • Unerwünschter Werbeanruf: Trauen Sie sich, unhöflich zu sein und legen Sie einfach auf. Werbeanrufe ohne Einwilligung sind unzulässig. Lassen Sie sich nicht in Gespräche verwickeln. Können Sie das werbende Unternehmen identifizieren, wenden Sie sich mit der Information an die Verbraucherzentrale.
  • Prüfen Sie regelmäßig Ihre Kontoauszüge. Sollten Sie Unregelmäßigkeiten feststellen, wenden Sie sich an Ihr Kreditinstitut. Widersprechen Sie einer unrechtmäßigen Abbuchung so schnell wie möglich. Verwenden Sie dazu unseren Musterbrief.
  • Stellen Sie Strafanzeige, wenn ohne Ihre Einwilligung eine Kontoabbuchung erfolgt ist.