Menü

Werbung per Post: So wehren Sie sich gegen unerwünschte Werbebriefe

Stand:

Werbung per Post: So wehren Sie sich gegen unerwünschte Werbebriefe
Anzeigenblätter, Flyer, Pizzareklame: Werbung per Post müssen Sie nicht hinnehmen. Der Hinweis „Keine Werbung“ reicht jedoch nicht immer aus.

Das Wichtigste in Kürze:
• Wer keine Werbung im Briefkasten will, kann dagegen vorgehen und sein Widerspruchsrecht nutzen.
• Je nach Art der Werbesendung reicht der Hinweis „Keine Werbung“, der deutlich sichtbar am Briefkasten oder der Haustür angebracht ist, jedoch nicht aus.
• Bekommen Sie trotz Widerspruch weiterhin unerwünschte Werbung per Post, informieren Sie die Verbraucherzentrale.
• Sie können die betroffene Firma auch selbst abmahnen und ggf. verklagen. Bedenken Sie jedoch das Kostenrisiko beim Gang vor Gericht.

Briefkastenwerbung
On

Werbebriefe, Prospekte, Anzeigenblätter – Werbung landet häufig im Briefkasten. Doch viele Verbraucher sind genervt von der Werbeflut und vollen Briefkästen. Wollen Sie keine Werbung per Post mehr bekommen, haben Sie verschiedene Möglichkeiten, dagegen vorzugehen.

Werbeformen: Welche Werbung landet im Briefkasten?

Welche konkreten Schritte Sie gegen unerwünschte Werbung per Post unternehmen können, hängt von der jeweiligen Werbeform ab. Bei Briefkastenwerbung wird zwischen folgenden Werbeformen unterschieden:

  1. Persönlich adressierte Werbesendung: Die Werbung richtet sich eindeutig an Sie, mit Name und Anschrift.
  2. Nicht adressierte Werbesendung: Ein identischer Stoß Werbung wird für alle eingeworfen. Beispiel: ein Werbeflyer vom neuen Pizzabäcker um die Ecke.
  3. Teiladressierte Werbesendung: Die Werbesendung richtet sich an alle Personen im Haus oder einer Straße (so genannte "Postwurfsendungen" oder "teiladressierte Werbesendungen") Beispiel: "an alle Heimwerker im Haus Hüttenstraße 224".
  4. Kostenlose Werbeblätter und Werbebeilagen in Tageszeitungen: Die Werbung steckt in anderen Produkten mit einem redaktionellen Teil. Beispiel: kostenlose Wochenzeitung oder Programmzeitschrift.
  5. Werbung politischer Parteien

So wehren Sie sich gegen Werbung im Briefkasten

Grundsätzlich ist es immer ratsam, beim Kontakt mit Firmen so wenig persönliche Informationen preiszugeben wie möglich. Nur so können Sie Werbung im Briefkasten effektiv vorbeugen.

Bekommen Sie jedoch bereits Werbung per Post, können Sie von Ihrem Widerspruchsrecht Gebrauch machen. Beachten Sie dabei jedoch: Abhängig von der Werbeform, reicht der Hinweis „Keine Werbung“ nicht für alle Werbeformen aus.

Persönlich adressierte Werbesendungen

Bekommen Sie persönlich adressierte Werbesendungen, ist das erst einmal in Ordnung. Unternehmen dürfen Ihre Adresse zum Beispiel aus öffentlichen Adressverzeichnissen nehmen. 

Die Post ist zudem dazu verpflichtet, adressierte Briefe – und hierunter fallen auch Werbebriefe - zuzustellen. Wollen Sie diese personalisierte Werbung per Post jedoch nicht mehr erhalten, haben Sie folgende Möglichkeiten:

  • Lassen Sie sich auf die sogenannte "Robinson-Liste" setzen. Sie werden dann von den derzeit existierenden Adressenlisten aller Werbeunternehmen gestrichen, die Mitglied im Deutschen Dialogmarketing Verband e.V. (DDV) sind. Das können Sie entweder hier online erledigen oder alternativ den Formularantrag für die Aufnahme in die Robinson-Liste hier herunterladen und per Post zusenden.
  • Bei Firmen, die nicht Mitglied des Deutschen Dialogmarketingverbandes e.V. sind, bleibt Ihnen nur ein Weg: die Firma schriftlich, am besten per Einschreiben mit Rückschein, auffordern, zukünftig die Zusendung von Werbematerial zu unterlassen.
    Nach Art. 21 Absatz 2 Datenschutz-Grundverordnung muss sich jede Firma an dieses Nutzungsverbot halten, will sie nicht ein Bußgeld riskieren. Die kann die Datenschutzbehörde des Bundeslandes verhängen, in dem die Firma sitzt.
  • Grundsätzlich können Sie persönlich adressierte Werbesendungen auch dadurch verhindern, dass Sie der Verarbeitung Ihrer personenbezogener Daten zum Zweck von Direktwerbung widersprechen. Das können Sie bei einem Geschäftspartner gleich dann tun, wenn Sie Waren bestellen oder Verträge abschließen. Sie können den Widerspruch aber auch jederzeit nachholen.Für den Widerspruch gegen personalisierte Werbebriefe empfehlen die Verbraucherzentralen folgende Formulierung: 

Ich widerspreche der Verarbeitung meiner personenbezogenen Daten zum Zweck der Direktwerbung (Artikel 21 Absatz 2 Datenschutz-Grundverordnung).

Diese Formulierung können Sie etwa auf jedes Bestellformular schreiben oder auch gegenüber öffentlichen Stellen wie Ihrem Einwohnermeldeamt oder dem Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg verwenden.

Nicht adressierte Reklamesendungen, Handzettel und Wurfsendungen

Um nicht adressierte Reklamesendungen, Handzettel und Wurfsendungen fernzuhalten, genügt der einfache Aufkleber "Keine Werbung". Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass werbende Unternehmen diesen oder einen Aufkleber mit gleicher Aussage beachten müssen (Az. VI ZR 182/88).

Kostenlose Wochenblätter und Werbebeilagen in Tageszeitungen

Wenn kostenlose Anzeigenblätter auch einen redaktionellen Teil enthalten, reicht der Aufkleber "Keine Werbung einwerfen" auf dem Briefkasten nicht aus. So hat der Bundesgerichtshof mit Beschluss vom vom 16. Mai 2012 (Az.: I ZR 158/11) entschieden. Diese Blätter dürfen dann trotzdem eingeworfen werden. 

Wollen Sie keine kostenlosen Wochenblätter oder werbebeilagen in Tageszeitungen, sollten Sie am Briefkasten einen besonderen Hinweis anbringen. Zum, Beispiel:

KEINE Werbung - keine Handzettel, keine Wurfsendungen, keine kostenlosen Zeitungen und Wochenblätter.

Außerdem können Sie die Redaktion des Anzeigenblattes in einem Schreiben über Ihren Wunsch informieren.
Der Aufkleber "Keine Werbung einwerfen" gilt zudem auch nicht für Werbezettel, die in Tageszeitungen oder Wochenblättern eingelegt sind.

Hintergrund: Sie sind Bestandteil dieser Zeitungen und können nicht separat zurückgewiesen werden. Die einzige Möglichkeit ist dann, die Zeitung abzubestellen.

Werbung politischer Parteien

Werbung politischer Parteien darf nicht in Ihren Briefkasten gelegt werden, wenn Sie ihn entsprechend mit einem Hinweis auf Werbeverbot gekennzeichnet haben. Sollten Sie trotz eines Aufklebers "Keine Werbung einwerfen" Flugblätter oder Postwurfsendungen von politischen Parteien erhalten, empfehlen wir, den jeweiligen Bezirks- oder Landesverband dieser Partei anzuschreiben und unmissverständlich aufzufordern, zukünftig weitere Werbeeinwürfe zu unterlassen.

Werbung trotz Widerspruch: Was Sie tun können, wenn Ihr Hinweis missachtet wird

Wenn Sie Werbung erhalten, die Ihr Aufkleber eindeutig als unerwünscht ausweist, haben Sie verschiedene Möglichkeiten, dagegen vorzugehen:

  • Fordern Sie die betreffenden Firmen zunächst auf, zukünftig weitere Werbeeinwürfe zu unterlassen. Dies machen Sie am besten per Fax (mit sogenanntem qualifizierten Sendebericht) oder per Einwurfeinschreiben.
     
  • Falls sich auch dann nichts ändert, sollten Sie sich an Ihre Verbraucherzentrale wenden, bei der diese Fälle gesammelt werden. Wenn eine erhebliche Anzahl von Fällen bekannt wird, kann die Verbraucherzentrale ein Abmahnverfahren gegen den betroffenen Anbieter einleiten.
     
  • Theoretisch können Sie die betroffene Firma auch selbst abmahnen und ggf. verklagen, das in Zukunft sein zu lassen. Sie sollten jedoch das mit jeder Klage verbundene Kostenrisiko bedenken. Deshalb ist es insbesondere dann sinnvoll, Klage zu erheben, wenn Sie rechtsschutzversichert sind - und die Gesellschaft Ihnen für das Verfahren eine Deckungszusage erteilt hat.
     
  • Einige dubiose Unternehmen sitzen im außereuropäischen Ausland - und sind dort oft weder für Bußgelder noch für Abmahnungen greifbar. In diesem Fall können Sie Ihr Recht leider nur schwer durchsetzen.

Dieser Inhalt wurde von der Gemeinschaftsredaktion in Zusammenarbeit mit den Verbraucherzentralen Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz für das Netzwerk der Verbraucherzentralen in Deutschland erstellt.