Höhere Gaspreise: Das könnte ein Grund sein

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Seit Januar 2021 sind Ihre Gaskosten gestiegen? Grund dafür könnte die so genannte CO₂-Bepreisung sein. Ob die CO₂-Kosten in laufenden Verträgen von den Energieversorgern an Sie weitergegeben werden können, ist bislang rechtlich nicht in allen Fällen geklärt. Der Verbraucherzentrale Bundesverband möchte das in zwei Konstellationen prüfen.

 

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Gaspreise steigen derzeit besonders aufgrund des erhöhten Großhandelspreises. Außerdem erhebt die Regierung auch einen „CO₂-Preis“, den die Energieversorger teilweise bereits an Sie weitergeben.
  • In den kommenden Jahren werden die Kosten pro Tonne CO₂ schrittweise weiter steigen.
  • Grundsätzlich unterstützt der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) die CO2-Bepreisung. Allerdings müssen die Einnahmen aus der CO2-Bepreisung vollständig an die Verbraucher:innen zurückerstattet werden.
  • Der vzbv prüft, ob die CO₂-Kosten in allen Fällen rechtmäßig an Verbraucher:innen weitergegeben werden. 
  • Unterstützen Sie die Verbraucherzentralen, indem Sie uns Informationen zu Ihrem Gasvertrag schicken.
Ein Topf auf einem Gasherd
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Bis 2030 möchte die EU ihren CO₂-Ausstoß um 55 Prozent senken, 2050 soll dann die Klimaneutralität folgen. In Deutschland wurde deshalb das so genannte Klimapaket beschlossen, das unter anderem die Bepreisung von CO₂ vorsieht.

Sie bemerken die Änderung wahrscheinlich erst einmal nur auf Ihren Energieabrechnungen. Denn seit die CO₂-Bepreisung im Januar 2021 eingeführt wurde, gehen bei den Verbraucherzentralen immer wieder Meldungen über stark gestiegene Gasrechnungen ein. 

 

Wichtig: Besonders in den letzten Monaten tragen auch andere Aspekte – beispielsweise der gestiegene Großhandelspreis – zu erhöhten Gasrechnungen bei. Preiserhöhungen aufgrund dieser Entwicklungen sind unabhängig von der eingeführten CO₂-Bepreisung. Die Auswirkungen des CO₂-Preises sollten Sie schon seit Anfang des Jahres auf Ihrer Rechnung erkennen können.  

 

CO₂-Bepreisung – Was ist das?

Um die Klimaziele zu erreichen, muss der Ausstoß von schädlichen Treibhausgasen wie CO₂ in den kommenden Jahren minimiert werden. Eine Möglichkeit die Nutzung zu verringern, ist es die Kosten für das Treibhausgas zu erhöhen. Damit möchte die Regierung Anreize dafür schaffen, auf klimafreundlichere Energiequellen umzustellen. Den CO₂-Preis zahlen Sie also nicht direkt für Ihr Gas, sondern vielmehr dafür, dass bei der Gasverbrennung CO₂ entsteht. Das geschieht im großen Umfang in Produktionsstätten, aber eben auch durch die Verwendung einer Gasheizung oder eines Gasherds.

Bei einem älteren Einfamilienhaus mit Gasheizung entstehen beispielsweise rund 4 Tonnen CO₂ pro Jahr. Bei dem derzeitigen Preis von 25 Euro pro Tonne, fallen dafür CO₂-Kosten in Höhe von 100 Euro an.

 

Wie setzt sich der Gaspreis zusammen?

Wie viel Sie am Ende pro kWh bezahlen müssen, legt Ihr Gasanbieter fest. In der Regel kalkuliert der Energieversorger folgende Aspekte ein:

  • Gasbeschaffung: Das Gas muss gewonnen und vertrieben werden. Hier zeigen sich Schwankungen des Großhandelspreises für Gas.
  • Netznutzung: Damit das Gas bei Ihnen ankommt, muss es über bestehende Leitungen transportiert werden. Dafür sind Abgaben fällig.
  • Steuern: Auch auf Gas werden Steuern erhoben – beispielsweise die Umsatzsteuer.
  • Gewinnmarge: Natürlich behält der Gasversorger auch einen Teil des Geldes für sich.
  • CO₂-Preis: Sie werden wahrscheinlich an den CO₂-Kosten beteiligt.

 

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Gestiegene Großhandelspreise für Gas nach der Corona-Krise

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) erklärt in seinem Kurzpapier, dass nicht nur der CO₂-Preis Auswirkungen auf den stark gestiegenen Gaspreis hat. Denn jetzt wo sich die globale Wirtschaft von der Corona-Krise erholt und die Produktion in vielen Industrien wieder aufgenommen wurde, ist auch der Gasbedarf gestiegen. Auch deshalb ist der Großhandelspreis für Gas derzeit sehr hoch.

Da es sich dabei nicht um den Gaspreis für Endverbraucher:innen handelt, spüren Sie davon bisher vielleicht noch nicht so viel. Wenn der Großhandelspreis aber dauerhaft auf dieser Höhe bleibt, ist es wahrscheinlich, dass die Energieversorger auch Ihre Endpreise entsprechend anheben. Der vzbv fordert daher, dass Maßnahmen ergriffen werden, um Endverbraucher:innen zu schützen.

 

Wird der Gaspreis jetzt immer teurer?

Die Entwicklungen des Großhandelspreises für Gas lassen sich nur schwer abschätzen und schon gar nicht beeinflussen. Für die CO₂-Kosten plant die Regierung allerdings eine Staffelung: Der Preis pro Tonne CO₂ soll jährlich um fünf bis zehn Euro angehoben werden. 2025 sollen dann 55 Euro pro Tonne fällig sein. In unserem interaktiven Rechner erfahren Sie, wie hoch die Zusatzkosten für die Gasnutzung ausfallen könnten. Da die Energieversorger aber nicht verpflichtet sind, die CO₂-Kosten in voller Höhe an Verbraucher:innen weiterzugeben, ist nicht klar, ob sich diese Preiserhöhung auch in gleichem Maße auf Ihren Gastarif auswirkt. Klar ist: Die CO₂-Preiserhöhung betrifft zunächst einmal Ihr Gasunternehmen. Wie das die Kosten verrechnet, bleibt abzusehen.

Es ist davon auszugehen, dass Energieversorger die Kosten zumindest anteilig an ihre Kund:innen weitergeben. Dem vzbv liegen hierzu Verbraucherbeschwerden vor. Bevor ein Unternehmen den Preis Ihres Tarifs erhöhen darf, muss es Ihnen dies in der Regel aber mit mindestens sechs Wochen Vorlauf mitteilen. Soll also beispielsweise zum Jahresanfang eine Preiserhöhung stattfinden, müssten Sie spätestens Mitte November darüber informiert werden. Sie haben dann auch noch die Möglichkeit, Ihren Gasliefervertrag zu kündigen und zu einem anderen Lieferanten  zu wechseln.

 

Wer muss für die CO₂-Bepreisung aufkommen?

Ob die CO₂-Kosten in laufenden Verträgen auch bei einer Preisgarantie an Verbraucher:innen weitergegeben werden können, ist rechtlich noch nicht geklärt. Außerdem müssten Verbraucher bei einer Preiserhöhung wegen der CO2-Kosten in der Regel auf ihr Sonderkündigungsrecht hingewiesen werden. Aufgrund der Beschwerden zu  Gaspreiserhöhungen im Zuge der CO2-Bepreisung, die bei den Verbraucherzentralen eingegangen sind, erwägt der vzbv die offene Rechtsfrage durch eine Musterfeststellungsklage klären zu lassen.

Um das Thema näher zu untersuchen, sammelt der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) Ihre Erfahrungen mit Preiserhöhungen bei Gastarifen. Unterstützen Sie uns, indem Sie uns Ihre Unterlagen zur Prüfung einsenden. Nach der Auswertung aller eingesandten Informationen, wird der Verbraucherzentrale Bundesverband womöglich in Form einer Musterfeststellungsklage weitere rechtliche Schritte einleiten.

Dieser Inhalt wurde von der Gemeinschaftsredaktion in Zusammenarbeit mit unserem Bundesverband (vzbv) sowie der Verbraucherzentrale Thüringen für das Netzwerk der Verbraucherzentralen in Deutschland erstellt.