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Erste Strom-Kunden müssen den Einbau von Smart-Meter-Geräten zahlen

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Einige Haushalte müssen seit Jahresbeginn den Einbau sogenannter Smart Meter (offiziell: "intelligente Messsysteme") dulden. Die Geräte ermitteln den Stromverbrauch und versenden die erhobenen Daten. Mit einem Smart Meter kommen höhere Kosten auf Sie zu. Zur ersten tatsächlichen Installation kommt es voraussichtlich Ende 2017.

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Was ist ein Smart Meter?

Ein Smart Meter ist ein intelligentes Messsystem, das aus zwei Elementen besteht: Einem digitalen Stromzähler und einem sogenannten Gateway, das die Datenübertragung ermöglicht. Das intelligente Messsystem ermittelt den Stromverbrauch und speichert die Daten. Der Messstellenbetreiber als das Unternehmen, das den Smart Meter installiert, betreibt und wartet, bereitet die Daten auf und übermittelt sie unter anderem an den Stromversorger und den Netzbetreiber.

Das Gateway ermöglicht die Datenübertragung in beide Richtungen – das System kann also auch Signale empfangen. Auf diese Weise könnten in Zukunft zum Beispiel elektrische Geräte in einem Smart Home automatisch an- oder ausgeschaltet werden. Das kann für Sie etwa sinnvoll sein, wenn Strom zu manchen Tageszeiten günstiger angeboten wird als zu anderen. Entsprechende, finanziell attraktive Tarife sind bislang aber kaum auf dem Markt.

Das Messstellenbetriebsgesetz vom September 2016 sieht ab 2017 den Einbau von Smart-Meter-Geräten in privaten Haushalten vor. Messstellenbetreiber beginnen jedoch erst mit dem Einbau, wenn das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik den Startschuss dazu gibt. Dafür müssen mindestens drei voneinander unabhängige Unternehmen Smart Meter am Markt anbieten, die die sicherheitstechnischen Anforderungen des Gesetzes erfüllen.

Welche Nutzen und Risiken haben Smart Meter?

Digitale Zähler bilden nicht nur fortlaufend die Summe der bezogenen Kilowattstunden, sondern protokollieren zusätzlich den Stromverbrauch im Zeitverlauf. So können Sie innerhalb von 24 Monaten im Nachhinein sehen, wie viel Energie Sie beispielsweise an einem bestimmten Tag, einer Woche oder einem Monat bezogen haben. Diese Veranschaulichung soll zum Sparen motivieren.

Weil ein Smart Meter, im Gegensatz zum bloßen digitalen Zähler, ins intelligente Stromnetz eingebunden ist, ist theoretisch eine "Ablesung" aus der Ferne möglich. Häufige, exakte Abrechnungen ohne vorherige Abschlagszahlungen wären also als neuer, fairer Standard denkbar.

Wie jedes an das Internet angebundene Gerät, ist ein Smart Meter für Hacker grundsätzlich erreichbar. Aus den gespeicherten Messwerten könnten diese Erkenntnisse über Alltag, Gewohnheiten und Lebensstandard der Bewohner gewinnen. Solche Daten können von Interesse sein – für die werbetreibende Industrie ebenso wie für Kriminelle. Folglich dürfen sie nicht in die falschen Händen geraten. Deshalb stellt das Gesetz hohe Anforderungen an die Sicherheit der Geräte und die IT der Messstellenbetreiber, deren Einhaltung über Zertifizierungen durch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik nachgewiesen werden müssen.

Direkte finanzielle Vorteile sind für Sie als Verbraucher durch Smart Meter derzeit nicht zu erwarten. Die Geräte verursachen zusätzliche jährliche Kosten. Variable Tarife, bei denen der Strom etwa nachts günstiger ist und der Smart Meter die Spülmaschine deshalb erst am späten Abend aktiviert, gibt es bislang kaum. Damit dies funktioniert, müssen zudem auch entsprechende, Smart-Grid-fähige Elektrogeräte eingesetzt werden.

Es kann sein, dass sich entsprechende Angebote zunehmend entwickeln. Doch selbst wenn sie vorhanden sind, wird die Ersparnis voraussichtlich nicht in jedem Fall die Kosten für den Smart Meter aufwiegen.

Wer muss einen Smart Meter einbauen lassen?

Einen gesetzlichen Zwang zum Einbau von Smart Metern gibt es nur für drei Gruppen:

  • ab 2017 für Haushalte mit einem Stromverbrauch von mehr als 10.000 Kilowattstunden (kWh) pro Jahr. Ausschlaggebend ist der Durchschnitt der letzten drei Jahresverbrauchswerte. Liegen nicht genügend Werte vor, wird ein geringer Verbrauch von unter 2.000 kWh angesetzt.
  • ab 2020 gilt das Gleiche für Haushalte mit einem Jahresstromverbrauch von mehr als 6.000 kWh
  • ab 2017 für Betreiber von Strom erzeugenden Anlagen (zum Beispiel Photovoltaik) mit einer Nennleistung von mehr als sieben Kilowatt (kW).

Umgesetzt wird diese Regelung schrittweise durch die Messstellenbetreiber. Diese sind ihrerseits verpflichtet, den Einbau durchzusetzen. Sie kommen deshalb auf die Haushalte zu, so dass Sie nicht selbst tätig werden müssen. Haushalte, die einen Smart Meter bekommen, muss der grundzuständige Messstellenbetreiber mindestens drei Monate vor dem Einbau informieren und dabei auf die Wechselmöglichkeit zu einem anderen Betreiber hinweisen.

Ab 2018 aber müssen unter Umständen auch Neuanlagenbetreiber mit einer Nennleistung über einem und unter sieben Kilowatt unfreiwillig einen Smart Meter nutzen und bezahlen. Ab 2020 können auch Stromkunden mit Verbräuchen unter 6000 Kilowattstunden pro Jahr betroffen sein. Die Entscheidung in Fällen ohne Einbaupflicht liegt nämlich nicht bei den Hauseigentümern, sondern ebenfalls bei den Messstellenbetreibern.

Als Verbraucher können Sie sich gegen eine beschlossene Installation nicht wehren, obwohl teils erhebliche jährliche Kosten entstehen können (siehe Tabelle). Theoretisch möglich ist allein der Wechsel zu einem anderen Messstellenbetreiber, der entweder preisgünstiger ist oder auf den Smart-Meter-Einbau verzichtet.

Messstellenbetreiber müssen bei allen Neubauten oder umfangreichen Renovierungen bis zur Fertigstellung des Gebäudes zumindest digitale Stromzähler einbauen. Das Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende sieht vor, dass flächendeckend alle Haushalte bis 2032 mindestens mit digitalen Zählern ausgerüstet sind.

Was kostet ein Smart Meter?

Im Gesetz sind Obergrenzen für die jährlichen Kosten festgesetzt, die Ihnen für den Betrieb eines Smart Meters entstehen dürfen. Sie hängen ab von der Menge des verbrauchten Stroms beziehungsweise der Leistung der stromerzeugenden Anlage (siehe Tabelle). Ein Durchschnittshaushalt mit vier Personen und einem Verbrauch von 3.600 kWh pro Jahr kann zum Beispiel mit bis zu 40 Euro zur Kasse gebeten werden. Zum Vergleich: Im Durchschnitt liegen die jährlichen Kosten für den Messstellenbetrieb und die Messung in NRW derzeit bei rund 13 Euro brutto.

Für reine digitale Zähler ohne Gateway dürfen unabhängig vom Verbrauch nur maximal 20 Euro pro Jahr berechnet werden.

Weitere Kosten von mehreren hundert Euro können entstehen, wenn für die Installation des Smart Meters ein Umbau des Zählerschranks notwendig ist.

Wer hat Zugriff auf die Daten?

Der Energieversorger, von dem ein Haushalt seinen Strom bezieht, erhält die Verbrauchswerte. Auch die Netzbetreiber erhalten Daten. Von Haushalten mit einem Jahresverbrauch von weniger als 10.000 kWh bekommen aber alle Datenzugriffsberechtigten – wie bei herkömmlichen Zählern auch – ausschließlich die Summe des Stromverbrauchs für das ganze Jahr.

Nur wenn im Liefervertrag mit dem Versorger ausdrücklich etwas anderes vereinbart ist, etwa für variable Tarife, fließen detailliertere Daten. Liegt der Verbrauch höher, werden mehr Daten übertragen. Der Energieversorger und der Übertragungsnetzbetreiber erhalten jeden Tag ein Verbrauchsprotokoll in 15-Minuten-Intervallen vom jeweiligen Vortag. Von Anlagenbetreibern bekommen sie ein Protokoll der Einspeisevorgänge in 15-Minuten-Intervallen vom Vortag.