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Gesichtserkennung bei Facebook: Das sollten Nutzer wissen

Stand:

Das Wichtigste in Kürze:

  • Facebook hat auch in der EU wieder seine Gesichtserkennung gestartet. Sie war hier 2012 nach Protesten abgeschaltet worden.
  • Dieses Mal werden Nutzer gefragt, ob sie die Funktion verwenden möchten.
  • Wir erklären, welche Auswirkungen eine Zustimmung haben kann.
Das Facebook-Logo auf einem PC-Monitor spiegelt sich in einer Sonnenbrille wider.
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Facebook setzt auch in der EU wieder Gesichtserkennung ein. Damit sollen Nutzer auf Fotos und in Videos identifiziert werden können, ohne dass sie jemand markiert. Das soziale Netzwerk hat die Technik 2010 eingeführt und nach massiven Protesten von Datenschützern zwei Jahre später in der EU wieder gestoppt.

Jetzt gibt es einen neuen Anlauf. Allerdings anders als gewohnt: Die Nutzer wurden im Zuge des Starts der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) im Mai 2018 gefragt, ob sie auf Fotos und Videos erkannt werden möchten. Seit dem 21. April wurde deutschen Nutzern diese Frage gestellt, im Zusammenhang mit der Info über neu formulierte Nutzungsbedingungen und eine neu formulierte Datenschutzerklärung. Die Anwender konnten zustimmen oder ablehnen und ihre Entscheidung auch nachträglich verändern – in einem eigenen Menüpunkt "Gesichtserkennung" in den Einstellungen. Den gibt es aber erst, nachdem man eine Entscheidung getroffen hat. Wer die Info ohne Entscheidung immer wieder wegklickt, sollte sie nach einiger Zeit erneut von Facebook angezeigt bekommen.

Screenshots von der Frage an Nutzer, ob Facebook die Gesichtserkennung starten darf
Mit dieser Nachricht stellt Facebook seinen Nutzern die Frage, ob sie die automatische Gesichtserkennung verwenden möchten. Screenshots: Verbraucherzentrale NRW

 

Was bedeutet die Zustimmung?

Facebook erklärt das so: Die Gesichtserkennung analysiert einzelne Pixel (Bildpunkte) von Fotos und Videos, in denen Personen bereits markiert worden sind. Dadurch wird eine Zahlenkette erstellt, die Facebook "Template" nennt. Werden künftig Fotos und Videos hochgeladen, analysiert die Automatik die gezeigten Gesichter und gleicht sie mit vorhandenen Templates ab. Hat ein Nutzer der Erkennung nicht zugestimmt, soll es von ihm kein Template geben und er soll auf Bildern nicht zu identifizieren sein.

Laut Facebook sollen die Templates gelöscht werden, wenn Nutzer nach einer Zustimmung nicht mehr an der Gesichtserkennung teilnehmen wollen und sie abschalten. Eine Verknüpfung mit Werbung oder den Vorschlägen für neue Freunde soll es laut einer Sprecherin nicht geben. Darüber hinaus beteuert sie, dass es derzeit keine Pläne gäbe, die Daten an andere Facebook-Unternehmen wie etwa WhatsApp, Instagram oder Oculus weiterzugeben.

Unsere Bedenken gegen die Gesichtserkennung

Wir als Verbraucherzentrale sehen die Technik kritisch. Es werden alle hochgeladenen Fotos gescannt und Facebook prüft, ob für erkannte Gesichter bereits Verknüpfungen zu Profilen vorliegen. Auch wenn es offenbar aktuell keine Pläne gibt, die Daten mit anderen Unternehmen auszutauschen, kann sich das in Zukunft ändern. So war es beispielsweise bei WhatsApp nach der Übernahme durch Facebook.

Zwar erklärt Facebooks stellvertretender Datenschutzbeauftragter Rob Sherman, dass mit der Gesichtserkennung keine fremden Personen identifizierbar sein sollen. Allerdings betont Facebook in einer Pressemitteilung, dass das Verfahren in der Lage sein soll, zum Beispiel sehbehinderten Menschen vorzulesen, welche Personen auf einem Foto oder in einem Video zu sehen sind – auch wenn diese in den entsprechenden Dateien von niemand anderem markiert wurden. Dem System reicht es schon, wenn die Personen auf anderen Bildern markiert wurden und der Gesichtserkennung zugestimmt haben. Solange diese Zustimmung aktiv ist, können Sie also auf anderen Fotos und Videos erkannt werden. Und unklar ist, wie die Automatik Verwechslungen sich sehr ähnlich sehender Menschen vermeidet.

Vermeintliche Vorteile der Gesichtserkennung

Facebook betont einen Schutz der Nutzer: Wer der Erkennung zustimmt, werde automatisch benachrichtigt, sobald jemand ein Foto oder Video auf Facebook veröffentlicht, das die betroffene Person zeigt. Damit sollen zum Beispiel Profilkopien verhindert werden. Sie werden unter anderem für diese Betrugsmethode verwendet. Leider gibt es hier aber nur ganz oder gar nicht: Wer diesen Schutz haben möchte, muss auch die oben erwähnten Nachteile der Gesichtserkennung in Kauf nehmen.

Außerdem ist der Schutz nicht umfassend. Beispiel: Ein Nutzer veröffentlicht ein Bild, auf dem Sie zu sehen sind. Dabei schränkt er absichtlich die Sichtbarkeit so ein, dass Sie es gar nicht angezeigt bekommen. Das geht zum Beispiel dadurch, dass er es nur für seine Freunde oder für ganz bestimmte Freunde sichtbar macht. Sie bekommen dann keine Info darüber, dass jemand ein Bild von Ihnen veröffentlicht hat.

Tipps für mehr Datenschutz im Netz

Stellen Sie sich zunächst kritisch die Frage, ob bei der Gesichtserkennung auf Facebook die Vorteile oder Nachteile für Sie überwiegen. Bedenken Sie, dass Sie auf jedem Bild bei Facebook erkannt werden können, solange Sie die Gesichtserkennung eingeschaltet haben. Um nicht zu viel von sich im Netz preis zu geben, geben wir folgende Empfehlungen:

  • Zeigen Sie nicht jeden Schnappschuss von sich öffentlich in sozialen Netzwerken.
  • Wenn Sie Fotos von sich hochladen, überlegen Sie, ob sie wirklich jeder Fremde sehen soll oder doch lieber nur Freunde oder ein selbst definierter Empfängerkreis.
  • Nutzen Sie Profilfotos, auf denen Sie nicht komplett zu erkennen sind.
  • Sprechen Sie mit Facebook-Freunden darüber, dass sie erst fragen, bevor sie Fotos von Ihnen ins Internet stellen oder in soziale Netzwerke hochladen.
  • Geben Sie hin und wieder Ihren Namen in Suchmaschinen ein und kontrollieren Sie, was gefunden wird. Unliebsame Dinge können Sie löschen lassen.
  • Benutzen Sie auf unterschiedlichen Social-Media-Plattformen auch unterschiedliche Bilder. Denn was hilft ein Pseudonym auf einer Dating-Plattform, wenn man in einem öffentlichen sozialen Netzwerk mit dem selben Bild auftaucht, unter dem womöglich der echte Name steht?!
  • Bietet ein soziales Netzwerk die Möglichkeit, das Profil in Suchmaschinen auffindbar zu machen, sollte diese besser deaktiviert werden. Wie das in den Privatsphäre-Einstellungen bei Facebook geht, zeigt dieses Video: