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Rückkehr in die Krankenversicherung: Was beim Wiedereinstieg zu beachten ist

Stand:

In Deutschland besteht die Pflicht, sich gegen Krankheit zu versichern. Trotzdem gibt es viele Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen keine Krankenversicherung haben.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Wer zeitweise nicht versichert war bzw. ist, kann und muss seinen Versicherungsschutz unbedingt wieder aufleben lassen.
  • Ausstehende Beiträge müssen nachgezahlt werden.
  • Damit Versicherte die Rückstände stemmen können, gibt es besondere Regelungen.
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Gesetzlich oder privat?

Wer keine Krankenversicherung hat, wird dem System zugeordnet, bei dem er zuletzt krankenversichert war. Wer also vor seiner versicherungslosen Zeit gesetzlich krankenversichert war, wird wieder Mitglied in der gesetzlichen Krankenversicherung. War man zuletzt privat krankenversichert, muss man wieder einen Vertrag bei einem privaten Krankenversicherungsunternehmen abschließen.

Wer bisher weder gesetzlich noch privat krankenversichert war, wird in dem System versichert, dem er aufgrund der ausgeübten Tätigkeit zuzuordnen ist. So werden etwa Selbständige, die nie krankenversichert waren, der privaten Krankenversicherung zugeordnet.

Keine Krankenversicherung trotz Versicherungspflicht?

Wenn jemand trotz Versicherungspflicht nicht krankenversichert ist, schuldet er bei Wiedereintritt in eine Krankenversicherung alle bis dahin angefallenen Beiträge bzw. Prämien. 2013 sind die Zahlungsbedingungen jedoch etwas gelockert worden.

  • Das gilt für die gesetzlichen Krankenkassen:
    Den Personen, die nicht krankenversichert sind, aber zuletzt gesetzlich krankenversichert waren, werden die Beitragsschulden ermäßigt. Ihnen wird ein bestimmtes Einkommen unterstellt, auf das sie Beiträge entrichten müssen. 2017 belaufen sich die Beitragsrückzahlungen damit auf monatlich 43,4 Euro für jeden versicherungslosen Monat. Wer von dieser Regelung Gebrauch macht, muss zusichern, in der Zeit ohne Versicherung keine Leistungen auf Kosten der Krankenkasse in Anspruch genommen zu haben. Außerdem darf die versicherungslose Zeit nicht weniger als drei Monate angedauert haben.

  • Das gilt für private Krankenversicherungen:
    Personen, die der privaten Krankenversicherung zuzuordnen sind, müssen für die ersten sechs Monaten ohne Versicherung die volle Prämie, danach noch jeweils ein Sechstel davon nachzahlen. Die Nachzügler können jedoch mit der privaten Versicherung eine Ratenzahlung vereinbaren.

    Die privaten Krankenversicherungen müssen Personen, die bisher keinen Krankenversicherungsschutz hatten und sich nicht gesetzlich versichern können, den so genannten Basistarif anbieten. Der Basistarif entspricht dem Leistungsumfang der gesetzlichen Krankenversicherung und darf auch nur maximal so teuer sein, wie der dortige Höchstbeitrag. 2017 sind das etwa 683 Euro. Hinzu kommt noch der Beitrag zur Pflegeversicherung. Risikoausschlüsse und -zuschläge wegen Vorerkrankungen sind im Basistarif nicht gestattet.

    Wenn Versicherte durch die Beitragshöhe hilfebedürftig im sozialrechtlichen Sinne werden, können die Beiträge halbiert werden. Ist auch das für einen Versicherten nachweislich zu teuer, kann er einen Zuschuss vom zuständigen Grundsicherungs- oder Sozialversicherungsträger bekommen. Die Zahlung muss beim zuständigen Träger beantragt und bewilligt werden.

Wenn Beiträge nicht mehr gezahlt werden

Anders verhält es sich, wenn jemand gesetzlich oder privat versichert ist, jedoch die Beiträge nicht bezahlt. Die Versicherungspflicht führt dazu, dass Krankenversicherungen säumigen Zahlern nicht mehr einfach kündigen können. Mit jedem weiteren Monat steigen damit die Schulden. Sowohl gesetzliche Krankenkassen als auch die privaten Krankenversicherungen können sämtliche rückständige Beiträge einfordern, vollstrecken und Säumniszuschläge erheben. Der Zuschlag beträgt ein Prozent der Beitragsschulden.

Gleichzeitig erhalten Versicherte weniger Leistungen. Wenn Versicherte mit zwei Monatsbeiträgen im Rückstand sind und trotz Mahnung nicht zahlen, werden die Leistungen ruhend gestellt. Sie bekommen dann nur noch Behandlungen bei akuten Erkrankungen und Schmerzzuständen sowie bei Schwangerschaft und Mutterschaft bezahlt. Auch Vorsorgeuntersuchungen werden noch übernommen. Den vollen Leistungsumfang erhalten Versicherte erst wieder, wenn alle ausstehenden Schulden beglichen worden sind oder wenn eine Hilfebedürftigkeit nach Sozialgesetzbuch (SGB) II oder XII besteht. Entsprechende Leistungen müssen Versicherte beim zuständigen Sozialhilfeträger beantragen.

  • Das gilt für die gesetzlichen Krankenkassen:
    Gesetzlich Versicherte, die die angehäuften Schulden nicht auf einmal zurückzahlen können, können mit der Krankenkasse eine Stundung vereinbaren. Ist die Ratenzahlung wirksam vereinbart, hat das Mitglied wieder Anspruch auf alle Leistungen, sobald und solange die Raten und die regelmäßigen Beiträge wieder pünktlich entrichtet werden. Voraussetzung für den Zahlungsaufschub ist, dass eine sofortige Zahlung aller ausstehenden Beitrage mit erheblichen Härten für den Versicherten verbunden wäre und die Krankenkasse damit rechnen kann, die Beiträge auch zu bekommen.

  • Das gilt für die privaten Krankenversicherungen:
    Ruhend gestellte Verträge werden automatisch in den Notlagentarif überführt. Der Notlagentarif ist wesentlich günstiger als der normale Tarif und soll Versicherten über einen finanziellen Engpass hinweg helfen. Die Krankenversicherung informiert den Versicherten über die Umstellung und den neuen Monatsbeitrag. Von Vorteil ist der Notlagentarif auf Dauer dennoch nicht: Es werden keine Alterungsrückstellungen aufgebaut, und bereits Angespartes für das Alter wird zum Teil aufgezehrt. Nach Begleichung aller Schulden kehren Versicherte wieder in ihren alten Vertrag zurück.

Aus dem Ausland zurück

Wer aus dem Ausland nach Deutschland zurückkehrt, kann sich ebenfalls unter den oben genannten Voraussetzungen gesetzlich oder privat krankenversichern. Wer vorher gesetzlich versichert war, kann selbst dann in die gesetzliche Krankenversicherung zurückkehren, wenn er nur einer geringfügigen, nicht versicherungspflichtigen Beschäftigung nachgeht. Auch vorher freiwillig Versicherte werden wieder aufgenommen, wenn sie auch im Ausland gesetzlich abgesichert waren.

Bei Personen, die noch nie in Deutschland krankenversichert waren, richtet sich die Zuordnung nach der zuletzt im Ausland ausgeübten Berufstätigkeit. Arbeitnehmer sollen unabhängig von der Höhe des im Ausland erzielten Lohn oder Gehalts der gesetzlichen Krankenversicherung zugeordnet werden, um ein aufwendiges Verwaltungsverfahren zu vermeiden.