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Terror und Unruhen im Reiseland: Was tun?

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Terroranschläge und politische Unruhen wie Putschversuche verunsichern Reisende und ihre Angehörigen. Bei der Auswahl des Urlaubsziels spielt die Sicherheit deswegen eine immer größere Rolle. Was Sie bei Katastrophen im Urlaub tun sollten und wann Reisen gegebenenfalls storniert werden können.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Reisen können bei Katastrophen durch höhere Gewalt im Reiseland unentgeltlich storniert werden. Allerdings: Terroranschläge und Unruhen gelten normalerweise nicht als höhere Gewalt.
  • Reiserücktrittskostenversicherungen decken Risiken wie Terroranschläge und höhere Gewalt nicht ab.
  • Reisende sollten die Sicherheitshinweise und Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes beachten.
  • Die Erfahrung zeigt: Nicht alle Ereignisse in Urlaubsländern rechtfertigen eine kostenfreie Stornierung oder Umbuchung. Wir beantworten wichtige Fragen zu Problemen im Reiseland.
Reisesicherheit: Eine rote Flagge warnt Urlauber am Meer.
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Sicherheit im Reiseland wird immer wichtiger

Endlich Urlaub! Aber wohin soll die Reise gehen? Neben Sonne, Strand und Meer rückt bei der Wahl des Urlaubsziels für viele auch der Sicherheitsaspekt immer stärker in den Mittelpunkt. Das bekommt vor allem die Türkei zu spüren – eine Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) von 2017 zeigt, dass sich gerade einmal fünf Prozent der Deutschen in der Türkei sicher fühlen. Und mehr als die Hälfte der Deutschen hält nicht einmal mehr ihr beliebtestes Reiseziel Spanien für sicher. Am geringsten wird das Risiko hingegen bei einem Urlaub im eigenen Land, in Österreich oder in der Schweiz eingeschätzt.

Wie kann ich erfahren, ob meine Freunde und Angehörigen in Sicherheit sind?

Nach größeren Anschlägen und bei Unruhen sind die Mobilfunknetze oft überlastet, eine Kommunikation kann zeitweise nicht möglich sein. Eine Alternative in solchen Situationen bieten internet-basierte Dienste wie Messenger, da diese auch über WLAN und Festnetzleitungen funktionieren.

Für alle, die sich um das Wohlergehen von Freunden, Kollegen oder Angehörigen sorgen, werden in Notsituationen immer häufiger Instrumente bereitgestellt, mit denen  Personen, die sich in einem Krisengebiet aufhalten, melden können, dass sie in Sicherheit sind. Ein internationales Tool ist zum Beispiel „Safe & Well“ vom Roten Kreuz. Über eine Suchfunktion können Angehörige und Freunde dort nach Namen suchen und so feststellen, ob es den gesuchten Personen gut geht. 

Zu "Safe & Well" des Roten Kreuzes

Ich habe eine Reise gebucht. Kann ich die kostenfrei stornieren?

Kostenfreie Kündigung des Reisevertrages kommt in Betracht bei Pauschalreisen, wenn höhere Gewalt vorliegt. Juristen verstehen darunter ein von außen kommendes, unabwendbares und nicht voraussehbares Ereignis, das die Reise erheblich erschwert, gefährdet oder vereitelt. Das sind etwa Epidemien wie SARS oder die Maul- und Klauenseuche oder Waldbrände, Erd- und Seebeben und andere Naturkatastrophen im Reisegebiet. Terroranschläge und politische Unruhen gelten nur dann als höhere Gewalt, wenn das konkrete Reiseziel betroffen ist – wenn also etwa der geplante Besuch von bestimmten Sehenswürdigkeiten im geplanten Reisezeitraum nicht möglich ist und es zu massiven und gewalttätigen Ausschreitungen kommt. Die Anschläge vom 11. September 2001 in den USA wurden nur im Einzelfall als höhere Gewalt gewertet.

Noch schlechter sieht die Situation für Individualreisende aus: Im Gegensatz zu Pauschalreisenden haben sie kein Kündigungsrecht wegen höherer Gewalt. Wer nur einen Flug gebucht hat, trägt das Katastrophenrisiko allein und ist auf Kulanz der Fluggesellschaft angewiesen. Nur wenn der Flug ersatzlos gestrichen wird, gibt es den Flugpreis zurück. Kosten für die Umbuchung auf eine andere Maschine müssen Individualreisende selbst tragen. Bei der separat gebuchten Unterkunft sieht es ähnlich aus: Solange die zugänglich und ohne Gesundheitsgefahr bewohnbar ist, kommen Urlauber in der Regel nur mit Stornoentgelt aus dem Mietvertrag heraus.

Mehr zu Reisekündigungen

Was gilt bei politischen Unruhen?

Bei politischen Unruhen – wie zum Beispiel einem Putschversuch – unterscheiden die Gerichte nach Intensität und Vorhersehbarkeit. Die Massendemonstrationen in Ägypten und anderen Ländern des arabischen Frühlings im Frühjahr 2011 überstiegen in ihrer Dauer und Intensität das Maß einer jederzeit möglichen Krise und berechtigten zur (kostenlosen) Kündigung wegen höherer Gewalt für alle Reisen nach Ägypten, einschließlich Besichtigungs- oder Badereisen (hierzu gibt es zwei Entscheidungen des Amtsgerichts Hamburg).

Allgemeine politische Unruhen, die seit längerem bestehen, aber die Durchführung von Reisen nicht beeinträchtigt haben, sind keine unvorhersehbaren plötzlichen Ereignisse und berechtigten nicht zur kostenlosen Stornierung. Dies galt in der Vergangenheit beispielsweise für Unruhen auf Sri Lanka (Entscheidungen des Oberlandesgerichtes Düsseldorf sowie des Landgerichts Frankfurt am Main) sowie der politischen Unruhen in China im Sommer 1989 (Entscheidung des Landgerichts Frankfurt am Main).

Generell ist eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes, so es denn eine ausspricht, auch bei politischen Unruhen ein wichtiges Indiz. Für die Türkei gab es nach dem Putschversuch von 2016 keine.

Umbuchung möglich?
Wenn Sie wegen der Terrorgefahr eine gebuchte Reise nicht antreten möchten, erkundigen Sie sich beim Reiseveranstalter nach Umbuchungsmöglichkeiten und Kulanzregelungen. Kommen Umbuchungsvorschläge vom Anbieter selbst, müssen Sie diese nicht zwangsläufig akzeptieren.

Zahlt denn nicht meine Reiserücktrittskostenversicherung?

Eine Reiserücktritt- oder -abbruchversicherung nützt bei höherer Gewalt nichts, da sie hierfür in der Regel nicht einspringt. Sie sichert hauptsächlich das Risiko des Reisenden ab, vor bzw. während der Reise zu erkranken, oder zahlt, wenn ein naher Angehöriger stirbt. Auch die Angst vor weiteren Terroranschlägen wird nicht abgedeckt.

Komme ich aus dem Land vorzeitig wieder raus?

Wird es Ihnen nach eigenem Empfinden am Ferienort zu gefährlich, haben Sie grundsätzlich immer die Möglichkeit wegzukommen, indem Sie einfach Ihren Urlaub abbrechen, einen neuen Flug versuchen zu buchen und auf eigene Kosten zurückfliegen. Etwas anderes gilt nur, wenn höhere Gewalt vorliegt und der Vertrag gekündigt wurde. Dann sind die Veranstalter verpflichtet, die Reisenden ohne Mehrkosten zurückzubefördern. Daher sollten Sie sich in derartigen Situationen immer an den Reiseveranstalter wenden.

Spielen die Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes eine Rolle?

Wenn das Auswärtige Amt vor Reisen in ein bestimmtes Zielgebiet warnt, ist das ein wichtiges Indiz, aber keine Voraussetzung für ein Kündigungsrecht wegen höherer Gewalt. Fehlt eine Einreisewarnung, kann also dennoch höhere Gewalt vorliegen. Wer dagegen trotz Reisewarnung des Auswärtigen Amtes seinen Urlaub bucht oder zum Beispiel eine Warnung des Reiseveranstalters ignoriert, geht bewusst ein höheres Risiko ein und kann den Reisevertrag nicht wegen höherer Gewalt kündigen. Rät das Auswärtige Amt ein bestimmtes Gebiet zu meiden, liegt nach Auffassung der Verbraucherzentrale bereits höhere Gewalt vor.

Zu den Sicherheitshinweisen des Auswärtigen Amtes

Zum Musterbrief: Kündigung wegen höherer Gewalt vor Reiseantritt