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Welche Lebensmittel sind belastet?

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Mit dem Einsatz von Pestiziden und anderen Maßnahmen sollen Ertragseinbußen, Verluste nach der Ernte und bei der Lagerung vermieden werden. Pflanzen und Ernteprodukte sind unterschiedlich empfindlich gegenüber Schadorganismen. Die klimatischen Verhältnisse, unter denen Pflanzen angebaut werden, beeinflussen ebenfalls die Entwicklung von Schadorganismen.

Das führt dazu, dass verschiedene Kulturen unterschiedlich intensiv mit Pestiziden behandelt werden. Nach den Anwendungen sind jeweils vorgegebene Wartezeiten einzuhalten. Trotzdem kann als Faustregel gelten, dass empfindliche Produkte wie Beeren, Aprikosen, Birnen, Tomaten oder Paprika häufiger Pestizidrückstände enthalten als die verschiedenen Kohlarten, Möhren oder Kartoffeln.

Für Obst, Gemüse, Getreide, Kartoffeln und andere pflanzliche Erzeugnisse aus konventioneller Landwirtschaft sind innerhalb der gesetzlichen Vorgaben Rückstände erlaubt. Das gleiche gilt für Verarbeitungsprodukte und Produkte tierischer Herkunft. Die Daten der Lebensmittelüberwachung zeigen jährlich einen gewissen Prozentsatz an Überschreitungen der gesetzlichen Höchstgehalte.

Auch tierische Lebensmittel können mit Pestiziden belastet sein. Dabei handelt es sich vor allem um weltweit vorkommende Verbindungen, die in der Vergangenheit intensiv eingesetzt wurden und sehr langlebig sind.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit und die jeweiligen Behörden der EU-Mitgliedstaaten arbeiten an Konzepten, die zukünftig Mehrfachrückstände bei der Bewertung mit berücksichtigen. Derzeit gibt beispielsweise das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz keine fachliche Beurteilung zu Mehrfachrückständen ab. Das wäre im Sinne eines vorbeugenden gesundheitlichen Verbraucherschutzes jedoch wichtig. 20 oder gar 30 verschiedene Pestizide in einem Lebensmittel sollten nicht "erlaubt" sein, auch wenn jedes einzelne unterhalb des gesetzlichen Höchstwertes bleibt.

Bei Produkten aus ökologischer Landwirtschaft sind jährlich mehr als 80 Prozent der untersuchten Proben ganz frei von nachweisbaren Rückständen. Bei den restlichen 20 Prozent sind die nachgewiesenen Rückstände so gering, dass der Verkauf erlaubt ist. Hinzu kommt, dass im ökologischen Landbau keine gefährlichen Pestizide eingesetzt werden dürfen. Der Anteil an Proben, die die Höchstgehalte überschreiten, liegt meist unter einem Prozent.

Erfahrungswerte

  • Türkische Lebensmittel finden sich häufig mit Überschreitungen von Höchstmengen oder nicht erlaubten Pestiziden im Europäischen Schnellwarnsystem.
  • Immer wieder sind gefüllte Weinblätter hoch belastet. Bisheriger "Spitzenreiter" war 2013 in Baden-Württemberg eine Probe aus der Türkei, die 37 (!) verschiedene Pestizide enthielt, davon überschritten 18 (!) die erlaubten Höchstmengen.
  • Sehr hohe Überschreitungen der zulässigen Höchstmengen werden regelmäßig bei den Einfuhrkontrollen von Produkten aus Drittstaaten am Frankfurter Flughafen festgestellt. So wurde bei einer Probe Minze aus den Palästinensischen Autonomiegebieten im ersten Halbjahr 2015 die erlaubte Höchstmenge eines Insektizides um mehr als das 5700-fache überschritten.
  • Spanische Lebensmittel dagegen sind längst nicht mehr so stark belastet, wie noch vor Jahren. Ein Grund dafür ist, dass große Handelsketten für ihr Obst und Gemüse strengere Maßstäbe anlegen, als bei den Rückständen erlaubt wäre.
  • Derzeit ist der Wirkstoff Glyphosat besonders umstritten. Toxikologie-Experten der Weltgesundheitsorganisation halten den Unkrautvernichter für "wahrscheinlich krebserregend", das Bundesinstitut für Risikobewertung sieht dagegen "bei bestimmungsgemäßer Anwendung" kein Risiko.