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Tschernobyl und die Folgen: Lebensmittel immer noch belastet

Stand:

Das Wichtigste in Kürze:

  • Waldböden, Pilze und Wildfleisch aus Süddeutschland sind auch heute noch radioaktiv belastet.
  • Pilze aus Osteuropa werden vor dem Verkauf geprüft.
  • Verbraucher sollten möglichst wenig der belasteten Produkte essen.
  • Geigerzähler, die Verbrauchern für den privaten Gebrauch angeboten werden, sind unnötig.
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Vor über 30 Jahren explodierte der Reaktor in Tschernobyl. Die Folgen sind aber nicht nur dort, sondern auch hierzulande noch zu spüren. Einige Lebensmittel sind bis heute radioaktiv belastet.

Chernobyl
VOA Markosian

Die radioaktive Wolke, die im April und Mai 1986 über Europa zog, hat größere Teile Deutschlands radioaktiv kontaminiert. Besonders betroffen waren damals die Regionen Bayern, Südthüringen und Gebiete in Baden-Württemberg. Noch heute sind die Böden in vielen Regionen vor allem Süddeutschlands und einige Lebensmittel mit Cäsium 137 und in geringerem Umfang mit Strontium 90 und belastet.

Manche Pilzarten wie Semmelstoppelpilze, Maronenröhrlinge, Mohrenkopfmilchlinge, Trompetenpfifferlinge und wohlriechende Schnecklinge weisen bis jetzt noch gelegentlich eine stark erhöhte Radioaktivität auf.

Wildfleisch aus den Regionen muss vor Verkauf und Verzehr auf Strahlenbelastung untersucht werden. Das gilt besonders für Wildschweine. Noch heute entschädigen die betroffenen Bundesländer deshalb Jäger für verstrahltes und damit unverkäufliches Wild.

Pilze, die bei uns vorwiegend aus Osteuropa importiert werden, werden gesondert auf Strahlung geprüft. Mancher Importeur hat sogar in teure Messtechnik investiert, um gut geprüfte Produkte anbieten zu können. Einige Landesteile in Osteuropa weisen weiterhin hohe Belastungen der Böden mit Radioaktivität auf, so dass manche dort wachsende Pilzsorten bis heute gar nicht zum Verzehr geeignet sind.

Das empfiehlt die Verbraucherzentrale

  • Essen Sie vergleichsweise hoch belastete Lebensmittel wie Waldpilze und Wildschwein nur gelegentlich oder gar nicht.
  • Meiden Sie diese Produkte aus Waldgebieten in Süddeutschland wie dem Münchener Umland, dem Bayerischen Wald, den Alpen und dem Pfälzer Wald.

 

In landwirtschaftlichen Erzeugnissen wie Getreide ist die Konzentration an künstlichen Radionukliden inzwischen wieder auf Werte wie vor dem Reaktorunfall gefallen. Grund dafür ist die andere Zusammensetzung von Ackerböden und deren regelmäßige Bearbeitung durch die Landwirte.

Geigerzähler für den Heimbedarf sind Unsinn

Seit dem Reaktorunfall von Fukushima 2011 überlegen viele Verbraucher, sich einen Geigerzähler für den Heimbedarf anzuschaffen. Die Investition von etwa 300 Euro pro Gerät ist jedoch unnötig. Zum Messen radioaktiver Belastungen von Lebensmitteln braucht es sehr sensible und aufwändige Messvorrichtungen, die diese Geigerzähler nicht besitzen. Außerdem wird zur Bewertung der Messergebnisse fundiertes Fachwissen benötigt, was Verbraucher in der Regel nicht haben (können).

Radioaktivität wird auch weiter Thema sein

Das Thema Radioaktivität wird Verbrauchern auch weiterhin präsent bleiben. Zum einen, weil die Verstrahlung von Böden und Pilzen sowie Wildtieren auch noch viele weitere Jahre nach dem Unfall von Tschernobyl bestehen bleiben wird. Zum anderen, weil auch heute noch die Gefahr von Reaktorunfällen besteht. Fukushima hat das 2011 bewiesen. Auch im unmittelbaren europäischen Ausland werden noch sehr alte Reaktoren betrieben. Beispiele sind aktuell Tihange und Doel in Belgien.

Obwohl Deutschland den Atomausstieg beschlossen hat, werden auch hierzulande weiter Atomanlagen und Reaktoren betrieben. Denn der Ausstieg gilt nur für Reaktoren zur Stromerzeugung - nicht aber für solche zu Forschungszwecken und in Aufbereitungsanlagen.