Menü

Tötung von Eintagsküken: Diese Alternativen gibt es

Stand:

Das Wichtigste in Kürze:

  • Das Oberverwaltungsgericht in Münster erlaubt es Brütereien, weiterhin männliche Küken nach dem Schlüpfen zu vergasen oder zu schreddern.
  • Die Kreise Gütersloh und Paderborn wollen das Bundesverwaltungsgericht entscheiden lassen.
  • Konsumenten können Eier von Initiativen kaufen, die auch männliche Küken aufziehen.
On

Männliche Küken von Legehennen legen keine Eier, und da sie im Vergleich zu Masthühnern nur sehr langsam Fleisch ansetzen, lohnt sich die Mast nicht. Daher werden sie schon nach dem Schlüpfen getötet. Das betrifft alle Haltungsformen – auch die "Brüder" der Bio-Legehennen.

In Deutschland werden jedes Jahr rund 50 Millionen männliche Küken entsorgt. In Nordrhein-Westfalen sollte das Töten der so genannten Eintagsküken schon seit Anfang 2015 zu Ende sein – doch Gerichte hatten einen entsprechenden Erlass des Verbraucherschutzministeriums wieder gekippt.

Wer Eier konsumiert, hat aber einige Alternativen, um das zu verhindern. Das Prinzip ist bei allen gleich: Der Eier-Preis beinhaltet einen Aufschlag, mit dem die teure Mast der Legehennen-Brüder quersubventioniert wird. Durch Zuschuss aus dem Eier-Verkauf bleibt das Fleisch der Hähne bezahlbar. Einige Initiativen, die bundesweit oder in weiten Teilen Deutschlands aktiv sind, stellen wir nachfolgend vor. Darüber hinaus gibt es weitere regionale Initiativen. Wir bitten um Verständnis, dass wir keinen abschließenden Überblick geben können.

  • Die Geflügelhalter der "Bruderhahn Initiative Deutschland" (BID) sind Demeter- und Biolandbetriebe. Die Bruderhähne werden nach Richtlinien aufgezogen, die in Teilen über die Anforderungen von Demeter und Bioland hinausgehen. Die Eier kommen aus sieben Bundesländern zwischen Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg und zwischen NRW und Sachsen. Auf der BID-Internetseite gibt es eine Liste mit den Verkaufsstellen.
  • Die "basic Bruderherz-Initiative" zieht die Bruderhähne nach Bioland-Richtlinien mit auf. Die Eier sind bundesweit in allen Basic-Biomärkten erhältlich, sie stammen aus Bayern und Baden-Württemberg.
  • In den denn's Biomärkten bundesweit und in Alnatura-Märkten in NRW kann man die Eier der Initiative "Haehnlein" kaufen. Edeka Rhein-Ruhr (NRW) bietet nach eigener Aussage an, in allen 700 Filialen auf individuelle Nachfrage der Kunden Haehnlein-Eier zu beschaffen. Auch hier werden die Bruderhähne unter ökologischen Bedingungen – mindestens nach den Anforderungen der EG-Öko-Verordnung – mit aufgezogen. Die Eier kommen aus Mecklenburg-Vorpommern.
  • Des Weiteren findet man in Alnatura-Märkten Eier der "Bruderküken-Initiative". Ziel dieser Initiative ist es, dass für alle Eier der Marke Alnatura die männlichen Geschwisterküken mit aufgezogen werden.
  • Die SuperBioMärkte bieten in ihren Läden Eier der "Initiative Bruder-Ei" an. Die Eier stammen von einem Bioland- oder Naturlandhof aus der Region des SuperBioMarktes. Der Mehrerlös der Bruder-Eier von 4 Cent pro Ei fließt direkt in Aufzuchtsprojekte der Initiative Bruder-Ei.
  • Das erste Pilotprojekt im konventionellen Bereich ist "Spitz & Bube" der REWE-Group. Dort werden sowohl den Legehennen die Schnäbel nicht gekürzt (daher der Name: Spitz), als auch die männlichen Küken mit aufgezogen. Die Legehennen werden in Freilandhaltung gehalten und sie erhalten wie ihre Brüder gentechnikfreie Futtermittel. Ihre Brüder werden nicht unter ökologischen Bedingungen aufgezogen, sondern konventionell, jedoch mit mehr Platz im Stall. Sie werden rund 80 Tage lang gemästet. Die cremefarbenen Eier von "Spitz & Bube" sind bisher nur in Rewe-Märkten in NRW und im Norden von Rheinland-Pfalz zu beziehen.
  • Als erster Discounter bietet nun auch Penny mit seiner Eiermarke "Herzbube" eine Alternative zur Kükentötung an. Die männlichen Küken werden mit aufgezogen und es wird auch auf das Kürzen der Schnäbel der Legehennen verzichtet. Alle Herzbube-Eier stammen aus Bodenhaltung und sind deutschlandweit erhältlich.
  • Ein anderer Ansatz ist die Haltung von so genannten Zweinutzungsrassen. Die männlichen Hühner werden gemästet und die Hennen legen Eier. Weder im Fleischansatz noch in der Legeleistung erzielen sie Höchstleistungen, doch dafür dürfen beide Geschlechter leben. Leider gibt es bisher in NRW nur einzelne kleine Angebote.
    Einzelne kleinere Initiativen sind uns aus Süddeutschland und der Region Berlin bekannt. So arbeitet das Projekt "ei care" seit 2011 mit Hühnern der Rasse "Les Bleues". Auf "Naturland"-Biohöfen in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern legen die Hennen Eier und die Hähne werden aufgezogen. Eier und Fleisch werden in Bioläden in Berlin und den benachbarten Bundesländern verkauft.

Gerichte erlauben das Töten weiterhin

Den Erlass, das Töten der Eintagsküken zu verbieten, hatte das Verbraucherschutzministerium NRW im September 2013 mit Bezug auf das Tierschutzgesetz (TierSchG) ausgegeben und dabei eine Übergangsfrist bis zum 1. Januar 2015 gesetzt. Am 20. Mai 2016 hat das Oberverwaltungsgericht (OVG) Münster in einem Grundsatzurteil diesen Erlass gekippt.

Das OVG entschied, dass das Töten der männlichen Eintagsküken direkt nach dem Schlupf nicht gegen das Tierschutzgesetz verstoße. Das Tierschutzgesetz erlaube das Töten von Tieren, wenn dafür ein vernünftiger Grund vorliege. Das Gericht befand, ein vernünftiger Grund liege vor, da die Aufzucht der männlichen Küken mit einem unverhältnismäßigen Aufwand verbunden sei. In der Urteilsbegründung heißt es: Die Tötung der Küken sei "daher Teil der Verfahren zur Versorgung der Bevölkerung mit Eiern und Fleisch".

Da eine Revision gegen dieses Urteil nicht zugelassen wurde, haben die Kreise Gütersloh und Paderborn auf Veranlassung des NRW-Umweltministeriums im August 2016 Beschwerde eingelegt. Im Januar 2017 wurde bekannt, dass das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig die Revision zugelassen hat.

Bundestag lehnte NRW-Initiative ab

Das Land NRW hatte zusätzlich im Bundesrat einen Gesetzesantrag zur Änderung des Tierschutzgesetzes eingereicht, um das Töten von Küken aus wirtschaftlichen Gründen zu verbieten. Der Bundesrat hat am 25. September 2015 den Antrag mit großer Mehrheit angenommen und an den Bundestag weiter geleitet. Dort wurde er am 17. März 2016 jedoch abgelehnt.

Bundeslandwirtschaftsministerium favorisiert einen anderen Weg

Minister Schmidt finanziert die Entwicklung eines Verfahrens der Geschlechtsbestimmung im Ei. Damit soll zukünftig das Ausbrüten und Schlüpfen männlicher Küken verhindert werden. Bereits am 4. Bebrütungstag kann das Geschlecht des Embryos im Ei bestimmt werden: Weibliche Küken werden dann weiter bebrütet, bis nach insgesamt 21 Tagen die Legehennenküken schlüpfen, männliche Küken werden nicht ausgebrütet, sondern die Eier weiterverwertet, beispielsweise für Futtermittel oder in der chemischen Industrie. Damit wäre eine Änderung des Tierschutzgesetzes aus Sicht des Ministeriums nicht mehr notwendig.

Ein Video des Bundeslandwirtschaftsministeriums stellt die Methoden der Geschlechtsbestimmung im Ei anschaulich dar.