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Gentechnik: Risiken für die Umwelt

Stand:

Das Wichtigste in Kürze:

  • Werden gentechnisch veränderte Pflanzen und Organismen in die Umwelt gebracht, ist dieser Prozess nicht mehr umkehrbar.
  • Genpflanzen sind in der Lage ihre Erbanlagen auf andere Pflanzen zu übertragen - mit unklaren Folgen für das Ökosystem.
  • Resistente Schädlinge und Superunkräuter richten enormen Schaden in der Umwelt an und sind ein riesiges Problem für die Landwirtschaft.
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Sind gentechnisch veränderte Pflanzen einmal in die Welt gesetzt, lassen sie sich nicht mehr zurückholen: sie können sich aktiv ausbreiten, vermehren, ihre gentechnisch veränderten Eigenschaften an andere Organismen weitergeben und sich gegenseitig beeinflussen, mit allen, noch größtenteils unerforschten Folgen für Umwelt, Tiere und Menschen.

Zwar müssen neuartige gentechnisch veränderte Produkte vor der Zulassung auf ihre Unbedenklichkeit für Mensch, Tier und Umwelt überprüft werden, doch zahlreiche Wissenschaftler bezeichnen die heutigen Vorschriften zur Risikobewertung als nicht ausreichend. Die Verbraucherzentrale unterstützt daher deren Forderung nach umfangreicheren Sicherheitsprüfungen.

Gentransfer auf Wildpflanzen

Gentechnisch veränderte Nutzpflanzen können ihre neuen Eigenschaften auf wildlebende Verwandte übertragen. Dies ist zum Beispiel von herbizidresistentem Raps auf Rübsen belegt. Das bedeutet, dass nun die in der Landwirtschaft unerwünschten Wildpflanzen ("Unkraut") den entsprechenden Unkrautvernichtungsmitteln standhalten können. Mit der Folge, dass weitere Spritzmittel zu deren Bekämpfung ausgebracht werden müssten. Negative Auswirkungen auf nützliche Insekten, Krabbler und die Artenzusammensetzung des Bodenlebens sowie die Artenvielfalt insgesamt sind insbesondere bei wiederholten Anwendungen von Totalherbiziden zu befürchten.

In den USA haben Wissenschaftler bereits 2010 wild wachsenden transgenen Raps entdeckt. In einigen Fällen trugen die Pflanzen mehrfache gentechnische Veränderungen, ein Hinweis darauf, dass sich gentechnisch veränderte Pflanzen miteinander fortpflanzen. Welche ökologischen Folgen sich durch diese Genpflanzen ergeben, ist noch unklar.

Unkontrollierte Ausbreitung von Genpflanzen

Anders als von den Unternehmen erwartet, hat sich gezeigt, dass gentechnisch veränderte Samen über Jahre im Boden keimfähig bleiben: In Schweden wurden noch nach 10 Jahren Pflanzen von Gen-Raps auf einem Versuchsfeld gefunden.

In Japan, den USA und der Schweiz wurde Gen-Raps entlang von Verkehrswegen nachgewiesen. Da in der Schweiz niemals Gen-Raps angebaut wurde, muss der Samen durch Transportverluste in die Umwelt gelangt sein. Inzwischen sind weltweit Beispiele für die unkontrollierte Ausbreitung gentechnisch veränderter Pflanzen dokumentiert.

Superunkräuter

Die massenhafte Anwendung von Glyphosat, einem Spritzmittel gegen Unkräuter zum Beispiel beim Anbau von Gen-Soja, hat dazu geführt, dass weltweit vermehrt glyphosatresistente Superunkräuter auftreten. Als Folge kommt in den Anbauländern mehr Chemie zum Einsatz.

Die Biotech-Industrie entwickelt als Antwort weitere gentechnisch veränderte Pflanzen, die Mehrfachresistenzen gegen verschiedene Herbizide (Unkrautvernichtungsmittel) besitzen. Teilweise werden Resistenzen gegen "alte" Herbizide,  zum Beispiel Auxine eingebaut, dagegen sind bereits viele Unkrautarten weltweit resistent. Es stellt sich die Frage, wie lange dieses Prinzip funktionieren kann und wie sich die hier in Gang gesetzte Spirale weiter entwickelt.

Resistente Schädlinge

Die Zahl resistenter Schädlinge steigt in einem bedrohlichem Ausmaß. In den USA warnte eine Forschergruppe bereits 2012 davor, dass Maiswurzelbohrer mehr und mehr resistent gegen Bt-Mais werden. Bt-Mais ist Mais, der auf Grund seiner gentechnischen Veränderungen Bt-Toxine gegen Schädlinge bildet. In der Folge der Resistenzbildung werden auf den Bt-Mais-Feldern zusätzliche Spritzmittel eingesetzt. Anfang 2013 wurde berichtet, dass in mindestens neun Bundesstaaten in Brasilien Bt-Mais-Pflanzen betroffen sind, Hier befällt der Baumwollkapselbohrer mit einer Resistenz gegen Bt-Toxine die Maiskolben. Bt-Toxine sind einige der wenigen Mittel, die im ökologischen Landbau angewendet werden dürfen. Eine vermehrte Resistenzentwicklung hat fatale Folgen für die biologische Schädlingsbekämpfung im ökologischen Landbau.

Negative Auswirkungen auf Nicht-Zielorganismen

An MON810, einem gentechnisch verändertem Mais, der das für Insekten giftige Bt-Toxin produziert, wurden mittlerweile die meisten Untersuchungen durchgeführt. Beschrieben sind negative Auswirkungen auf Schmetterlingsraupen und andere Nicht-Zielorganismen wie Bodenlebewesen, Wasserorganismen, Raubinsekten und Honigbienen. Viele offene Fragen gibt es hinsichtlich der Giftwirkung der so gebildeten Bt-Toxine. Die Folgen für das Ökosystem sind noch nicht abschätzbar, ebenso für die Gesundheit von Mensch und Tier.