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Gentechnik: Pro und Contra

Stand:

Seit Jahren belegen Umfragen immer wieder, dass die große Mehrheit der Verbraucher keine Gen-Lebensmittel will.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Bislang gibt es keine Studie über die Auswirkung von Gen-Pflanzen auf Menschen
  • Gentechnik ist für eine gesunde Ernährung nicht notwendig.
  • Bei Genpflanzen wird oft das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat verwendet, zu dem es besorgniserregende Studienergebnisse gibt
Eine Weizenähre
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Unabhängig von Bildungsgrad oder Nationalität gehen Befragte in der Europäischen Union auf kritische Distanz zur Gentechnik in der Lebensmittelproduktion. Um die Bevölkerung dennoch von den "Vorteilen" der Gentechnik zu überzeugen, stellen die Befürworter häufig Argumente in den Vordergrund, die Gentechnik als die entscheidende Problemlösung und harmlose Methode erscheinen lassen. Wir zeigen Ihnen, was an den Argumenten dran ist:

Gentechnikängste - irrational und unbegründet?

Befürworter der Gentechnik behaupten, Gentechnikängste seien rational nicht zu erklären; es gebe keine Studie, die den Verzehr von gentechnisch veränderten Lebensmitteln als gesundheitsgefährdend einstufe. Vielmehr seien Wissenschaftler sich längst einig, dass die Gentechnik ein sicheres Verfahren sei. Argumente, mit denen die Ablehnung begründet werde, seien mittlerweile wissenschaftlich widerlegt ‒ sowohl hinsichtlich der Gesundheit als auch der Umwelt.

Von den Medien werden diese Darstellungen häufig unkritisch übernommen. Sprachlich wird dabei oft verharmlost; so werden neue, gentechnische Verfahren als "natürlich" bezeichnet und deren gezieltere Eingriffe in das Erbgut mit mehr Sicherheit gleichgesetzt.

Es stimmt: Bislang ist kein Fall dokumentiert, in dem ein Mensch durch den Verzehr von gentechnisch veränderten Pflanzen nachweislich zu Schaden gekommen ist. Aber es hat auch niemand konkret danach gesucht. Selbst über 20 Jahre nach Einführung von Gen-Pflanzen gibt es keine entsprechenden Studien über Auswirkungen auf Menschen. Die Behauptung hat somit kein wissenschaftliches Fundament. Im Gegenteil, die Ergebnisse aus Tierversuchen zeigen mögliche Risiken.

Den viel zitierten "Konsens" bezüglich der Sicherheit von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) gibt es nicht; vielmehr ist die Debatte um deren Sicherheit aus Sicht zahlreicher Wissenschaftler nicht beendet, denn viele Fragen sind noch offen.

Und was die Umwelt betrifft: Die Behauptung, Gentechnik habe nachweislich keine negativen Folgen, ist durch eine Vielzahl dokumentierter Fälle längst widerlegt.

Erklärtes Ziel der Gentechnikindustrie ist es, auch in Europa Fuß zu fassen, die Bevölkerung in der EU von der Harmlosigkeit der Gentechnik und hier besonders von den neuen molekularbiologischen Techniken, wie CrisprCas zu überzeugen und Gegenargumente als rein emotional und unbegründet zu diffamieren. Gentechnik ist kompliziert, und nicht jeder verfügt dazu über Fachwissen. Daher ist es besonders leicht, mit wenig Einsatz und der Unterstützung unkritischer Medien, Verbrauchermeinungen zu beeinflussen.

Rezept gegen Hunger und Unterernährung?

Die Befürworter prophezeien, durch Gentechnik würden sich die Erträge auf den Feldern erhöhen. Aber dadurch wird die gewünschte Sicherung der Ernährung nicht erreicht. Hunger und Mangelernährung sind oft Phänomene, für deren Lösung vorrangig soziale und politische Strategien notwendig sind. Zahlreiche nachhaltige Landwirtschaftsprojekte in Entwicklungsländern führen zu guten Erfolgen; sie zeigen, dass solche Initiativen vom Ansatz her sinnvoller sind als eindimensional-technische Lösungen wie etwa die Produktion der gentechnisch mit Provitamin A angereicherten Reis-Sorte "Golden Rice". Vitamin-A-Mangel tritt zudem nicht isoliert auf.

Notwendig sind Bemühungen, an den Standort angepasste Sorten und Anbaumethoden gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung zu erhalten und weiter zu entwickeln. So ist es bereits mit herkömmlichen Mitteln immer wieder gelungen, lokal den Anteil der Unterernährten zu senken - zum Beispiel durch die Kultivierung dort heimischer Grundnahrungspflanzen, wie Maniokwurzel oder Mango, aber auch durch gezielte Unterstützungsprojekte, Bildungsprogramme, Ernährungsberatung und politische Aktivitäten.

Weder die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), noch der Weltagrarrat sehen eine Rolle der Gentechnik bei der Hungerbekämpfung. Vielmehr ist ein mehrdimensionaler Ansatz notwendig, indem für die jeweilige Situation geeignete, spezifische Aktivitäten zu einer Strategie zusammengefügt werden.

Problemlösung für den Klimawandel?

Landwirte nutzen derzeit schon die Vielfalt konventioneller Pflanzen, die an die jeweiligen Umweltbedingungen wie Trockenheit, Überschwemmungen oder hohen Salzgehalt im Boden angepasst sind. So existiert bereits ein trockenheitstoleranter Reis, der konventionell gezüchtet wurde.
Die Gentechnik-Industrie hat zwar viel versprochen, doch bislang noch keine Lösung für einen gesicherten Ertrag bei Klimaveränderungen präsentiert. Die erste kommerzielle Gentech-Nutzpflanze, die Trockenheit besonders gut vertragen soll, ist eine von Monsanto und BASF entwickelte Maissorte. Seit 2013 ist dieser Mais (MON87460) unter der Bezeichnung "Drought Gard" in den USA erhältlich. Schon 2011 teilte das US-Landwirtschaftsministerium mit, dass MON87460 unter Dürrebedingungen nicht das hält, was die Agro-Konzerne versprechen. Die Erträge des angeblich speziell für den Anbau in Trockengebieten geeigneten Gentech-Maises liegen im Bereich konventioneller Sorten, wie sie für wasserarme Regionen gezüchtet werden.
Unabhängige Forscher meinen: "Dieses Produkt – und diese Technologie – sind kein Heilmittel gegen Dürre." Sie sehen andere Lösungsansätze, beispielsweise bestimmte Züchtungsmethoden, sie seien ertragreicher und gleichzeitig wirtschaftlich günstiger.

Neue gentechnische Methoden, sog. Genome Editing, sollen schneller zu Pflanzen führen, die abiotischen Stress, wie Trockenheit und hohen Salzgehalt, standhalten. Sie werden als die Problemlösung für den Klimawandel in den Vordergrund gestellt. In der Praxis konzentrieren sich die Unternehmen weiterhin auf kommerzielle Anwendungen wie Herbizidtoleranz oder Futtermittelqualität. Trocken- und Salzresistenz betrifft komplexe molekulare Mechanismen. Es muss daher kritisch diskutiert werden, ob Genome Editing in der Landwirtschaft überhaupt naturverträgliche und realistische Potentiale hat. Die Förderung einer alternativen Forschung im Sinne einer nachhaltigen Landwirtschaft mit umfassenderen, mehrdimensionalen Lösungsansätzen erscheint hier effektiver.

Machen gentechnisch veränderte Lebensmittel unsere Ernährung gesünder?

Gentechnisch veränderte Nahrungspflanzen mit speziellen Eigenschaften finden sich vereinzelt auf dem Weltmarkt, z.B. Soja mit veränderter Fettsäurenzusammensetzung in den USA. Fest steht, dass Gentechnik für eine gesunde Ernährung nicht notwendig ist. In unseren Industrienationen waren die Vielfalt und das Angebot an qualitativ guten Lebensmitteln noch nie so groß und ganzjährig verfügbar wie heute

Bessere und sicherere Lebensmittel dank Gentechnik?

Durch verbesserte Lebensmittelhygiene, Qualitätssicherungssysteme, optimierte Nachweismethoden haben unsere Lebensmittel bereits vor Einführung der Gentechnik einen hohen Sicherheitsstandard erreicht. Befürworter des Bt-Mais argumentieren zwar, durch geringere Fraßschäden bei diesem Mais sinke auch der Befall mit Schimmelpilzen und damit auch die Belastung mit den entsprechenden Schimmelpilzgiften (Fumonisinen). Doch konsequente Maßnahmen vom Anbau über Ernte und Lagerung bis zum Transport sichern die Qualität auch bei herkömmlichem Mais.

Macht Gentechnik unsere Lebensmittel frei von "Problemstoffen" für Allergiker und andere Zielgruppen?

Alle Bemühungen, Nahrungspflanzen herzustellen, die frei von Allergie auslösenden Substanzen sind, scheiterten bisher. Es ist zum Beispiel bis heute nicht möglich, allein das Hauptallergen erfolgreich aus dem Reis zu entfernen. Selbst wenn das gelänge, wäre Reis damit nicht allergenfrei, da im Reis mehrere Proteinfraktionen Allergie auslösend sein können. Der Entwicklungszeitraum für solche Produkte zum vermarktungsfähigen Lebensmittel ist derzeit nicht absehbar.

Aus Herstellersicht sind diese Investitionen derzeit ökonomisch nicht lukrativ. Es bleibt abzuwarten, ob die künftige Bedienung solcher "Nischenmärkte" ernst gemeintes Ziel oder letztlich nur Akzeptanzbeschaffer für den Einsatz der Gentechnik in der Lebensmittelproduktion bleibt.

Weniger chemische Pflanzenbehandlungsmittel und umweltfreundlicher produzieren – dank Gen-Pflanzen?

Die von Saatgutunternehmen hervorgehobene Einsparung von Unkrautvernichtungsmitteln (Herbiziden) beim Anbau herbizidresistenter Nutzpflanzen (HR-Pflanzen) ist umstritten. Verschiedene Untersuchungen in den USA zeigen, dass die Ergebnisse von Frucht zu Frucht variieren und von verschiedenen Faktoren abhängig sind, so zum Beispiel den Anbaubedingungen und klimatischen Gegebenheiten am Standort.
Neben Einsparungen im Gesamtverbrauch, die häufig von Anbieterstudien dokumentiert werden, sind durchaus gleich bleibende sowie auch erhöhte Spritzmittelaufwendungen beobachtet worden. Zahlen, auf Grundlage der US-Landwirtschaftsbehörde, zeigen eine deutliche Steigerung des Spritzmittelverbrauchs seit Einführung der Gentechnik auf dem Feld.

Wegen des feuchteren Klimas verunkrauten in Deutschland die Felder im Vergleich zu den USA in stärkeren Maße. Ebenso werden die Herbizide schneller ausgewaschen, womit ein höherer Spritzmitteleinsatz verbunden ist. Selbst wenn die Gesamtmenge der eingesetzten Herbizide reduziert werden könnte, sagt dies wenig über die Entlastung der Umwelt insgesamt aus, denn jedes Herbizid muss in seiner Wirkung individuell bewertet werden. Es liegen aber derzeit keine ausreichenden Daten über die Giftigkeit/Schädlichkeit der Abbauprodukte von Herbiziden vor.

Durch die zunehmende Ausbildung von Resistenzen bei Unkräutern gegen die eingesetzten Herbizide müssen Landwirte nicht nur die Dosis erhöhen, sie müssen auch zusätzliche Wirkstoffe anwenden . Eine weitere Folge ist, dass die Gentechnikindustrie Nutzpflanzen entwickelt, die höheren Dosen von Herbiziden standhalten, bzw. multiresistent gegen verschiedene Herbizide sind. Dadurch wird aber auch die Entstehung multiresistenter "Super-Unkräuter" gefördert.

Gentechnik schreibt eine überkommene Strategie fest: auf Feldern "Gift" einzusetzen, um Lebensmittel zu erzeugen. Hinzu kommt: Bei Genpflanzen wird oft das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat verwendet, zu dem es besorgniserregende Studienergebnisse gibt. Danach kann das weltweit am stärksten verbreitete Herbizid das Erbgut schädigen und steht außerdem im Verdacht, krebserregend zu sein. Zudem trägt Glyphosat zum Bienensterben bei. Umweltschonend und -verträglich ist hingegen der Öko-Landbau, der auf chemisch-synthetische Spritzmittel verzichtet.

Höhere Erträge und umweltfreundlicher produzieren – dank insektenresistenter Gen-Pflanzen?

Vielen Nutzpflanzen wie Mais werden mittels Gentechnik Bakteriengene eingebaut, damit sie für Insekten tödliche Stoffe, so genannte Bt-Toxine, nun selbst bilden können. Daher nennt man diese Gen-Pflanzen auch Bt-Pflanzen. Doch der Anbau von Bt-Mais ist keine Garantie für höhere Erträge und bringt bei geringerem bis mittlerem Befall mit Maiszünslern keine wirtschaftlichen Vorteile. Dazu kommt: Die ständige Konfrontation der Insekten mit dem Bt-Gift hat bereits dazu geführt, dass resistente Schädlinge auftreten. Statt mit weniger Spritzmitteln müssen diese Schädlinge mit anderen bzw. zusätzlichen Pestiziden bekämpft werden.

Im Öko-Landbau werden Bt-Präparate seit Jahren erfolgreich als biologische Schädlingsbekämpfungsmittel eingesetzt. Im Unterschied zu den Bt-Pflanzen, die das Gift permanent bilden, werden die Bt-Präparate im Öko-Landbau nur gezielt und zeitweilig versprüht. Durch Witterungseinflüsse werden sie schnell inaktiviert und zerfallen nach kurzer Zeit in unwirksame Bruchstücke. Wenn nun durch die Einführung der Gentechnik zunehmend Resistenzen gegenüber diesem Wirkstoff ausgebildet werden, kann dieses effektive biologische Schädlingsbekämpfungsmittel für den Öko-Landbau verloren gehen. Die Anbaubedingungen für den Öko-Landbau werden durch die gentechnisch veränderten Bt-Pflanzen daher absehbar erschwert.