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Verschwendung von Lebensmitteln: Diskussion um MHD

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Wir beantworten Fragen zum Mindesthaltbarkeits- und Verbrauchsdatum.

Eine Frau steht im Supermarkt und blickt kritisch auf eine Süßigkeitenverpackung.
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Ehemaliger Bundesernährungsminister Christian Schmidt hatte vorgeschlagen, das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) für bestimmte Lebensmittel abzuschaffen. Er sieht darin einen Schritt, die Verschwendung von Lebensmitteln einzudämmen. Auch von intelligenten Verpackungen war die Rede, bei denen sich durch Farbveränderungen die Qualität der Lebensmittel ablesen lässt. Auch soll dadurch erkennbar sein, ob die Kühlkette eingehalten wurde.

Die Verbraucherzentrale gibt Antworten auf Fragen rund ums MHD.

Kann ich Lebensmittel nach Ablauf des MHDs noch essen?

In vielen Fällen ja. Das Mindesthaltbarkeitsdatum gibt lediglich an, bis wann der Hersteller die höchste Qualität des Lebensmittels garantiert. Wurde die original verschlossene Verpackung richtig gelagert, ist das Produkt auch nach dem "abgelaufenen MHD" zu genießen. Vor allem weil der Hersteller auf Nummer Sicher geht und das MHD frühzeitig festlegt. Nach dem Öffnen der Verpackung jedoch können Sauerstoff, Feuchtigkeit und Mikroorganismen dafür sorgen, dass das Lebensmittel beschleunigt verdirbt.

Wie kann ich sicher gehen, dass Lebensmittel mit abgelaufenem MHD noch gut sind?

Benutzen Sie all Ihre Sinne, indem sie das Lebensmittel ansehen, daran riechen und probieren. Ist Schimmel zu erkennen, riecht es unangenehm, schmeckt es säuerllich, oder prickelt auf der Zunge? Dann Finger weg!

Dann gibt es ja noch das Verbrauchsdatum: Was heißt das?

Ein Verbrauchsdatum (verbrauchen bis) ist für besonders schnell verderbliche, empfindliche Lebensmittel vorgeschrieben ‒ zum Beispiel bei Hackfleisch oder frischem Fisch. Hier kann nach Ablauf des Verbrauchdatums eine Gesundheitsgefahr durch Keime entstehen; deshalb darf das Lebensmittel dann nicht mehr gegessen werden. Daher sind diese Lebensmittel rechtzeitig zu verzehren, bevor das Verbrauchsdatum überschritten ist.

Dürfen Lebensmittel, wenn das MHD oder das Verbrauchsdatum überschritten ist, noch verkauft werden?

Im Handel löst ein überschrittenes MHD kein Verkaufsverbot aus. Es ist jedoch sicherzustellen, dass die Ware einwandfrei ist. Sobald das Mindesthaltbarkeitsdatum erreicht ist, haftet nicht mehr der Hersteller, sondern die Verantwortung trägt dann der Lebensmittelunternehmer, der die Ware in Verkehr bringt.

Nach dem Ablauf des Verbrauchsdatums darf das Lebensmittel nicht mehr verkauft werden.

Wer legt MHD und Verbrauchsdatum eigentlich fest?

Der Lebensmittelhersteller macht beide Angaben in eigener Veranwortung, wobei er die Vergabekriterien der Lebensmittel-Kennzeichnungsverordnung zu berücksichtigen hat. Es ist verboten, gesundheitsschädliche, nicht sichere sowie Lebensmittel mit irreführender Bezeichnung gewerbsmäßig in den Verkehr zu bringen.

Ist die Abschaffung des Mindesthaltbarkeitsdatums die Lösung im Kampf gegen die Verschwendung von Lebensmitteln?

Die Abschaffung des MHD bei lange haltbaren Lebensmitteln wie z.B. Nudeln, Salz oder Reis ist unproblematisch und könnte ein frühzeitiges Entsorgender Ware verhindern. Anders ist es beispielsweise bei Kaffee und Tee, die zwar sehr lange haltbar sind, aber mit der Zeit an Aroma und Qualität verlieren. Deshalb ist das MHD für Verbraucher hier eine gute Orientierung. Grundsätzlich werden jedoch die meisten Lebensmittel weggeworfen, die kein MHD haben. Dazu gehören frisches Obst und Gemüse, frisches Brot und Backwaren und gekochte Speisen.

Verfallsdatum statt Mindesthaltbarkeitsdatum - geht das?

Das Verfallsdatum wird ebenso wie das MHD durch die Hersteller festgelegt. Würden diese dann das Verfallsdatum ebenfalls entsprechend zeitnah ansetzen, um Haftungsfragen auszuweichen, wäre nichts gewonnen. Vor allem nicht, wenn auch der Handel weiterhin Produkte mit nahenden Verfallsdaten vorab aussortieren würde.

Stattdessen eine Reform des Mindesthaltbarkeitsdatums?

Das MHD-System kann, zum Beispiel durch die Vorgabe einheitlicher Richtlinien, verbessert werden. So kann die Verlängerung des Mindesthaltbarkeitsdatums um nur einen Tag bei manchen Produkten, etwa Joghurt, schon eine ganze Menge Lebensmittelmüll vermeiden, ohne dass dadurch die Sicherheit der Konsumenten beeinträchtigt wird; dies zeigt ein Bericht des Waste & Resources Action Programme (WRAP) in Großbritannien (Reducing food waste by extending product life, 2015).

Wichtig ist es, über das Mindesthaltbarkeitsdatum aufzuklären und auch abgelaufene Ware im Supermarkt anzubieten, um das schlechte Image von diesen Lebensmitteln bei Verbrauchern zu verbessern.

Gehört intelligenten Verpackungen die Zukunft?

Verpackungen, die den Verbrauchern den Verfallsgrad mittels Ampelfarben – rot, gelb, grün – anzeigen sind noch Zukunftsmusik. Die Beurteilung von Kosten, Zuverlässigkeit und zusätzlichem Kunststoffabfall kann derzeit nicht beantwortet werden. Ebenso wenig, wie Verbraucher zum Beispiel auf die Farbe Gelb reagieren und ob die Farbkennzeichnung, bezogen auf die Lebensmittelabfälle, überhaupt Vorteile bringt.

Weitere Strategien: Steigerung der Wertschätzung bei Verbrauchern

Alle Akteure sollten nach Ideen und Möglichkeiten suchen, Abfälle zu verringern ‒ denn die Verschwendung findet auf allen Ebenen statt: vom Acker bis zum Teller. Umfassend über die Herstellung von Lebensmitteln aufzuklären und zu informieren, erachten wir als besonders wichtig. Bessere Kenntnisse über Anbau- und Produktionsbedingungen könnten die Wertschätzung und den Konsum hochwertiger Nahrung fördern. Eine Ernährungs- und Verbraucherbildung, die Haltbarkeit und Lagerung von Lebensmitteln, Zubereitungstipps für übriggebliebene Speisen sowie den richtigen Umgang mit dem MHD einschließt, gehören ebenso dazu.

Hier finden Sie ein Faktenblatt zum Thema "Lebensmittelverluste vermeiden" zum Download.