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Wahltarife der Krankenkassen für besondere Beitragsregelungen

Stand:

Gesetzliche Krankenkassen dürfen ihren Versicherten mit besonderen Wahltarifen einen Teil der Beiträge erlassen, wenn sie dafür ein gewisses finanzielles Risiko selbst tragen.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die gesetzlichen Krankenkassen dürfen ihren Versicherten flexible Tarifmodelle anbieten.
  • Wahltarife mit finanziellen Vorteilen richten sich eher an sehr gesunde Versicherte, die keine Leistungen in Anspruch nehmen.
  • Versicherte binden sich mit der Wahl eines solchen Tarifs für ein oder drei Jahre an ihre Kasse.
  • Das Sonderkündigungsrecht bleibt trotzdem bestehen, wenn die Krankenkasse einen Zusatzbeitrag erhebt oder diesen erhöht.
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Versicherte, deren Krankenkassenbeiträge vollständig von Dritten getragen werden - also etwa Bezieher von Arbeitslosengeld I und II - können sich grundsätzlich für keinen dieser freiwilligen Wahltarife entscheiden.

Tarife für nicht in Anspruch genommene Leistungen (Beitragsrückerstattung)

Bei der so genannten Beitragsrückerstattung handelt es sich um Tarife, bei denen Versicherte einen Teil ihrer Beiträge (maximal einen Monatsbeitrag pro Jahr) von der Kasse erstattet bekommen, wenn sie und auch volljährige mitversicherte Familienangehörige - zum Beispiel die Ehefrau - keine Leistungen in Anspruch nehmen. Davon unberührt bleiben zum Beispiel Vorsorgeuntersuchungen, bestimmte Schutzimpfungen und meistens Arztbesuche, bei denen nichts verordnet wird. Der Vorteil dieses Tarifs ist, dass Versicherte kein finanzielles Risiko eingehen müssen, da die Kasse bei einer Erkrankung weiterhin die Kosten trägt. Der Nachteil bei diesem Tarif ist - neben der einjährigen Bindung an die Kasse -, dass Versicherte unter Umständen verleitet werden, mit Beschwerden nicht rechtzeitig zum Arzt zu gehen, um die Prämie am Jahresende zu erhalten. Dies kann im schlimmsten Fall zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen oder einer Verschleppung von Krankheiten führen.

Es gibt von Kasse zu Kasse Unterschiede bei den Leistungen, die in Anspruch genommen werden können, ohne die Prämie zu verlieren. Hier lohnt ein Blick in die Tarifbedingungen, die sich in der Regel in der Satzung der Kassen befinden. Die jeweilige Satzung kann schriftlich direkt von der Kasse angefordert werden oder sollte über deren Internetauftritt aufgerufen werden können.

Selbstbehalttarif

Diese Variante ähnelt auf den ersten Blick den Tarifen mit einer Beitragsrückerstattung. Auch hier kann der Versicherte einen Bonus erlangen, wenn er für die Krankenkasse weniger Kosten verursacht. Aber: Diesen Bonus von maximal 600 Euro im Jahr erkaufen sich Versicherte, indem sie das Risiko eingehen, Behandlungskosten im Krankheitsfall bis zu einer bestimmten Höhe -– dem festgelegten Selbstbehalt -– selbst zu übernehmen. Häufig ist die Höhe der möglichen Prämie je nach Kasse auch an das Einkommen des Versicherten gebunden. Je höher das Einkommen, desto höher auch die Prämie und der Selbstbehalt.

An die Wahl des Tarifs und die Kasse binden sich Versicherte für drei Jahre. Selbstbehalttarife dürfen sich nur auf die Mitglieder der Kassen selbst beziehen; Familienversicherte einzubeziehen, ist nicht möglich.

Der Selbstbehalt kann bei bestimmten Angeboten auf spezielle Leistungen -– etwa für Kuren oder Zahnersatz -– beschränkt werden.

Grundsätzlich gilt also: Bei einer Krankheit oder einer Verletzung besteht für Versicherte immer das Risiko, einen Teil der Kosten selbst tragen zu müssen, weil die Prämie geringer ist als der zu zahlende Selbstbehalt.

Wie Versicherte an den Kosten der medizinischen Versorgung beteiligt werden, ist höchst unterschiedlich. Teils werden die tatsächlich angefallenen Kosten direkt auf den Selbstbehalt angerechnet, teilweise bestimmte Pauschalen. Es kann aber auch sein, dass die Prämie mit der ersten Inanspruchnahmen sogar komplett verfällt.

Vorsicht ist geboten, wenn die Krankenkasse einen Tarif anbietet, bei dem die Versicherten einen prozentualen Anteil an den Behandlungskosten selbst tragen müssen. Dies birgt ein großes finanzielles Risiko und sollte auf keinen Fall gewählt werden.

Kombination von Beitragsrückerstattung und Selbstbehalt

Einzelne Krankenkassen bieten auch unterschiedliche Kombinationen der beiden Tarife an. Dadurch ist ein Bonus von bis zu 900 Euro im Jahr möglich. Allerdings bündeln diese Tarife auch alle dargestellten Risiken für die Versicherten. Der maximale Betrag kann in der Regel nur von sehr gut verdienenden und gesunden Versicherten erzielt werden.

Es gibt auch kombinierte Tarife, bei denen keine finanzielle Prämie gewährt, sondern bestimmte zusätzliche Angebote zur Vorsorge- und Prävention genutzt werden können - wie etwa Ernährungs- und Entspannungskurse; möglich kann dabei auch die Kombination mit einer Auslandsreisekrankenversicherung sein.

Variable Kostenerstattungstarife

Diese Tarife sind in der Regel sehr unterschiedlich ausgestaltet und können verschiedene Bereiche der medizinischen Versorgung wie zum Beispiel ambulante, stationäre oder zahnärztliche Leistungen einschließen. Die Mehrzahl umfasst das gesamte Spektrum der Versorgung, einzelne beziehen sich auf den Bereich der ambulanten Versorgung. Bei Kostenerstattungstarifen rechnet der Arzt mit dem Versicherten wie bei Privatpatienten direkt ab. Das bedeutet ganz praktisch: Die Versicherten müssen auf jeden Fall die Rechnung des Arztes oder Therapeuten zunächst selbst zahlen. Außerdem dürfen die Ärzte mehr Geld für ihre Leistung verlangen, weil hier die Vergütungsregelung für Privatpatienten greift und nicht die für Kassenpatienten. Nachdem Patienten die Rechnung beglichen haben, müssen sie sie bei der Krankenkasse einreichen, um die Kosten erstattet zu bekommen. Wie viel Geld sie dann tatsächlich wiederbekommen, hängt von den Vertragsbedingungen ab:

In aller Regel  bekommen Versicherte durch die Zahlung einer zusätzlichen Prämie von ihrer Krankenkasse höhere Behandlungskosten erstattet als gesetzlich Versicherte. Möglicherweise sind auch Leistungen abgedeckt, die über den vorgeschriebenen Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen hinausgehen.

Die Kostenübernahme ist aber auf jeden Fall auf bestimmte Behandlungen und Kosten bis zu einer festgelegten Höhe begrenzt. Dadurch besteht die große Gefahr, dass Versicherte trotzdem einen erheblichen Teil der Kosten aus der eigenen Tasche übernehmen müssen.