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Vereinbarkeit von Pflege und Beruf

Stand:

Sie sind berufstätig und ein naher Angehöriger ist auf einmal pflegebedürftig. Was nun? Der Gesetzgeber sieht verschiedene Möglichkeiten vor, um Sie in dieser Situation zu unterstützen.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Kurzzeitige Arbeitsverhinderung, Pflegezeit, Familienpflegezeit: Für Angehörige gibt es mehrere Möglichkeiten, auf Pflegefälle zu reagieren.
  • Teilweise müssen Sie Fristen einhalten und Ihre Wünsche schriftlich mitteilen.
  • Wir erklären, unter welchen Bedingungen Sie welche Auszeiten beim Job nehmen können.
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    Was bietet die kurzzeitige Arbeitsverhinderung?

    Kurzzeitige Arbeitsverhinderung von bis zu zehn Arbeitstagen

    Sie können sich bis zu zehn Tage von der Arbeit befreien lassen, wenn Sie Zeit für die Organisation einer akut aufgetretenen Pflegesituation benötigen (sog. kurzzeitige Arbeitsverhinderung). Beispielsweise, weil ein Angehöriger einen schweren Schlaganfall hatte und nicht mehr ohne Pflege zu Hause leben kann. Dann können Sie ohne Ankündigungsfrist bis zu zehn Arbeitstage von der Arbeit fernbleiben, um eine bedarfsgerechte Pflege zu organisieren oder die Pflege in dieser Zeit sicherzustellen.

    Die zehn Tage müssen nicht am Stück genommen werden. Sie können sich auch mehrmals wenige Tage frei nehmen. Dies ist dann praktisch, wenn bei einem Pflegebedürftigen öfter eine akute Pflegesituation auftritt. Beispielsweise kann es sein, dass bei der ersten akuten Situation die häusliche Pflege und bei einer weiteren akuten Situation der Heimplatz organisiert werden muss.

    Daher können Sie die kurzzeitige Arbeitsverhinderung pro Pflegebedürftigen auch mehrfach in Anspruch nehmen. Der Anspruch ist dabei aber auf insgesamt zehn Arbeitstage je zu pflegende Person beschränkt.

    Wird ein weiterer Angehöriger pflegebedürftig – nach dem Vater beispielsweise auch die Mutter - haben Sie erneut die Möglichkeit, sich für zehn Tage freistellen zu lassen. Recht auf zehn Tage kurzzeitige Arbeitsverhinderung haben alle Arbeitnehmer unabhängig von der Unternehmensgröße. Eine bestimmte Ankündigungsfrist gibt es nicht. Jedoch ist der Arbeitnehmer verpflichtet, den Verhinderungsgrund und die voraussichtliche Dauer mitzuteilen.

    Seit dem 1. Januar 2015 ist für die Zeit der Freistellung von der Arbeit das Pflegeunterstützungsgeld vorgesehen. Diese Leistung, die als Ersatz für den ausfallenden Lohn dienen soll, muss bei der Pflegekasse des pflegebedürftigen Angehörigen beantragt werden.

    Die kurzzeitige Arbeitsverhinderung, die Pflegezeit und die Familienpflegezeit können nahe Angehörige nutzen. Dazu zählen Ehe- und Lebenspartner, Partner in einer eheähnlichen Gemeinschaft, Eltern, Geschwister, Kinder, aber auch Stief-, Schwieger- und Großeltern, Adoptiv-, Pflege-, Schwieger- und Enkelkinder sowie Schwägerinnen und Schwäger.

    Mehr Informationen zu der kurzzeitigen Arbeitsverhinderung gibt es beim Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

    Das Ministerium informiert auch mit einem Flyer.

    Was bedeutet "Pflegezeit"?

    Bis zu sechs Monate Freistellung von der Arbeit für die häusliche Pflege

    Arbeitnehmer können bis zu sechs Monate vollständig oder teilweise aus dem Job aussteigen, um einen pflegebedürftigen Angehörigen zuhause zu pflegen (sog. Pflegezeit).

    Bei ihrem Angehörigen muss ein Pflegegrad anerkannt worden sein. Wurde noch kein Pflegegrad anerkannt und hat der Arbeitnehmer seinem Arbeitgeber gegenüber angekündigt, Pflegezeit in Anspruch nehmen zu wollen, sollten so schnell wie möglich Leistungen der Pflegeversicherung bei der Pflegekasse des Angehörigen beantragt werden. Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung muss dann spätestens zwei Wochen nach Antragstellung bei der Pflegekasse seine Begutachtung durchführen. Das Ergebnis ist dem Antragsteller unverzüglich mitzuteilen.

    Betreuung minderjähriger, pflegebedürftiger Angehöriger

    Für die Betreuung minderjähriger, pflegebedürftiger Angehöriger besteht ebenfalls die Möglichkeit einer vollständigen oder teilweisen Freistellung von der Arbeit. Hier besteht auch Anspruch, wenn das Kind nicht zuhause sondern in einer Einrichtung gepflegt wird. Die Freistellung setzt eine Pflegebedürftigkeit mit anerkanntem Pflegegrad voraus.

    Bis zu drei Monate für die Begleitung in der letzten Lebensphase

    Um einen pflegebedürftigen Angehörigen in der letzten Lebensphase zu begleiten, können Sie bis zu drei Monate vollständig und teilweise aus dem Job aussteigen. Die Begleitung bis zu drei Monate ist auch möglich, wenn der Angehörige in einem Hospiz oder einer andere Einrichtung versorgt wird. Eine Pflegestufe ist nicht erforderlich.

    Diese Ansprüche haben Sie allerdings nur, wenn Sie in einem Unternehmen mit regelmäßig mindestens 16 Beschäftigten arbeiten. In kleineren Betrieben bestehen diese Ansprüche grundsätzlich nicht. Jedoch können Arbeitnehmer und Arbeitgeber dann auf freiwilliger Basis die Pflegezeit vereinbaren.

    Ankündigungsfristen

    Wenn Sie Pflegezeit in Anspruch nehmen möchten, müssen Sie dies gegenüber Ihrem Arbeitgeber mindestens zehn Arbeitstage vorher schriftlich ankündigen. Dabei müssen Sie erklären,

    • für welchen Zeitraum die Pflegezeit in Anspruch genommen und
    • um wie viele Stunden die Arbeitszeit reduziert werden soll. Dabei ist auch die gewünschte Verteilung der Arbeitszeit anzugeben.

    Sollten Sie bereits eine Familienpflegezeit in Anspruch nehmen und möchten nun eine bis zu sechsmonatige Pflegezeit anschließen, müssen Sie dies mindestens acht Wochen vor Beginn der Pflegezeit mitteilen.

    Zinsloses Darlehen

    Während der Pflegezeit erhalten Sie keinen bzw. einen geringeren Lohn. Beschäftige können deshalb während der Pflegezeit-Freistellung beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) ein zinsloses Darlehen beantragen.

    Die Höhe des Darlehens richtet sich nach der Höhe des ausfallenden Lohnes. Das Darlehen wird in monatlichen Raten ausgezahlt und deckt bis zur Hälfte des entgangenen Nettogehalts.

    Mehr Informationen zum zinslosen Darlehen finden Sie beim Bundesministerium für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben.

    Was bedeutet "Familienpflegezeit"?

    Bis zu zwei Jahre teilweise Freistellung von der Arbeit für die häusliche Pflege

    Arbeitnehmer können bis zu zwei Jahre teilweise aus dem Job aussteigen, um einen pflegebedürftigen Angehörigen zuhause zu pflegen (sog. Familienpflegezeit). Während der Familienpflegezeit muss der Arbeitnehmer weiterhin mindestens 15 Stunden in der Woche arbeiten.

    Damit Sie die Familienpflegezeit in Anspruch nehmen können, muss bei dem Angehörigen ein Pflegegrad anerkannt worden sein. Wurde noch kein Pflegegrad anerkannt aber hat der Arbeitnehmer seinem Arbeitgeber gegenüber angekündigt, Familienpflegezeit in Anspruch nehmen zu wollen, sollte ein Antrag auf Leistungen der Pflegeversicherung bei der Pflegekasse des Angehörigen gestellt werden. Dann muss der Medizinische Dienst der Krankenversicherung innerhalb von zwei Wochen nach dem Antrag den Angehörigen begutachten. Das Ergebnis der Begutachtung ist dem Betroffenen unverzüglich mitzuteilen.

    Wird vor einer Familienpflegezeit noch eine Pflegezeit in Anspruch genommen, darf die Kombination eine Gesamtdauer von 24 Monaten nicht überschreiten.

    Betreuung minderjähriger, pflegebedürftiger Angehöriger

    Wenn Sie einen minderjährigen, pflegebedürftigen Angehörigen betreuen möchten, besteht ebenfalls die Möglichkeit einer teilweisen Freistellung von der Arbeit. Dieser Anspruch besteht nicht nur, wenn das Kind zuhause betreut wird, sondern auch, wenn sich das Kind in einer Einrichtung befindet. Die Freistellung setzt ebenso wie bei erwachsenen Pflegebedürftigen voraus, dass bei dem Kind ein Pflegegrad anerkannt ist.

    Allerdings haben nur Arbeitnehmer in Unternehmen mit mindestens 26 Beschäftigten einen Rechtsanspruch auf Familienpflegezeit. Arbeitnehmer in kleineren Betrieben haben keinen Rechtsanspruch und müssen sich in einem solchen Falle mit ihrem Arbeitgeber einigen. Personen ohne rechtlichen Anspruch auf Familienpflegezeit sollten sich rechtzeitig mit ihrem Arbeitgeber zusammensetzen und nach einer möglichen Lösung für die Pflege ihrer Angehörigen suchen.

    Ankündigungsfrist

    Wenn Sie die Familienpflegezeit in Anspruch nehmen möchten, müssen Sie dies Ihrem Arbeitgeber mindestens acht Wochen vor Beginn schriftlich ankündigen.

    Wenn Sie die Pflegezeit in Anspruch genommen haben und nun in die Familienpflegezeit übergehen möchten, gilt eine Ankündigungsfrist von drei Monaten. Sie müssen schriftlich erklären,

    • für welchen Zeitraum Sie die Familienpflegezeit in Anspruch nehmen und
    • um wie viele Stunden Sie die Arbeitszeit reduziert wollen. Dabei ist auch die gewünschte Verteilung der Arbeitszeit anzugeben.

    Zinsloses Darlehen

    Während der Familienpflegezeit erhalten Sie als Arbeitnehmer weniger Lohn. Zur finanziellen Absicherung können sie während der Freistellung in der Familienpflegezeit beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) ein zinsloses Darlehen beantragen. Die Höhe des Darlehens richtet sich nach der Höhe des ausfallenden Lohnes. Das Darlehen wird in monatlichen Raten ausgezahlt und deckt bis zur Hälfte des entgangenen Nettogehalts.