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Sehstärkenbestimmung beim Augenarzt

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Gesetzlich Krankenversicherte mit Sehschwierigkeiten können ihre Werte beim Augenarzt mit einem Sehtest überprüfen lassen. Außerdem müssen ihnen die Ärzte die Messergebnisse mitteilen. Es handelt sich dabei um Kassenleistungen. Doch bei einer Befragung unter Augenarztpraxen in Berlin, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz kam heraus, dass fast jede zweite Praxis hierfür Geld verlangt.

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Die Krankenkassen beteiligen sich nur bei Minderjährigen und in Ausnahmefällen bei Erwachsenen an den Kosten für Brillengläser. Unabhängig davon haben Erwachsene jedoch Anspruch auf Untersuchung der Sehstärke beim Augenarzt und die Aushändigung des Sehstärken­protokolls.

Im Rahmen einer telefonischen Befragung unter 209 Arztpraxen in Berlin, Düsseldorf und Mainz zeigte sich jedoch, dass 44 Prozent Praxen durchschnittlich knapp 12 Euro an Zusatzkosten verlangten. In fünf Praxen mussten die Patienten den Sehtest bezahlen, in 70 Praxen die Zusatzgebühren für die Mitgabe der Sehwerte und in 18 der 93 Praxen beide Leistungen.

Private Kosten für Sehtest

Die Begründung für die Zusatzkosten fiel mehrheitlich identisch aus. Die Augenärzte meinen, dass es sich dabei um Leistungen handelt, die nicht mehr von der Krankenkasse bezahlt werden. Das ist falsch. Wenn Patienten über Sehbeschwerden klagen und die Werte überprüft haben möchten, dann ist sowohl der Sehtest als auch die Aushändigung der gemessenen Werte für Patienten eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung. Anders liegt der Fall nur dann, wenn Patienten explizit nach einer offiziellen Bescheinigung fragen, etwa einer Sehtestbescheinigung zur Vorlage bei der Führerscheinstelle oder gegenüber dem Arbeitgeber.

Die Bestimmung der Sehstärke (Refraktionsbestimmung) können die Augenärzte über die so genannte augenärztliche Grundpauschale gegenüber der Kasse abrechnen. Lediglich für die schriftliche Mitgabe der Werte können die Ärzte Kopierkosten für die Vervielfältigung des Auszugs aus der Patientenakte in Höhe von 0,50 Euro pro Seite erheben.
 

Tipps der Verbraucherzentrale

  • Wenn Sie Schwierigkeiten beim Sehen haben, ist die Bestimmung der Sehstärke (Refraktionsbestimmung) eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung. Der Arzt darf hierfür keine Extrakosten erheben.
  • Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen und die Kassenärztliche Bundesvereinigung haben dies in einer Pressemitteilung klargestellt. Sie können diese Mitteilung hier herunterladen und bei Ihrem nächsten Augenarztbesuch mitnehmen.
  • Wenn Sie sich eine neue Brille anfertigen lassen möchten, reichen dazu die ermittelten Refraktionswerte für eine Korrektur der Fehlsichtigkeit auf 100% nicht automatisch aus. Hierfür muss eine Brillenglasbestimmung durchgeführt werden, die Sie beim Augenarzt kostenpflichtig durchführen lassen können. Finanziell günstiger ist es, wenn Sie nach dem Besuch beim Augenarzt die Brillenglasbestimmung beim Augenoptiker durchführen lassen. Der Optiker erhebt für die Brillenglasbestimmung in der Regel keine Extrakosten, wenn Sie im selben Durchgang dort die Brille kaufen. Wenn Sie die Brille im Internet bestellen möchten, bieten viele Online-Anbieter beim Kauf einer Brille kostenlose Sehtests bei Partneroptikern vor Ort an.