Elektronische Rezepte: Seit Juli 2021 laufen erste Tests für E-Rezepte

Stand:

In einigen europäischen Ländern (z.B. Niederlande, Schweden, Schweiz) können Rezepte von Ärzt:innen schon auf elektronischem Weg eingelöst werden. In Deutschland startete im 1. Juli 2021 das E-Rezept mit einer Testphase. Ab 2022 sollen dann im ganzen Land die Rezepte auf rosa Papier abgelöst werden.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Elektronische Rezepte sollen die Abläufe bei Ärzt:innen und Apotheken für Sie schneller machen, unnötige Wege vermeiden helfen und fälschungssicherer sein.
  • Die Testphase gibt es zunächst für gesetzlich Versicherte in Berlin-Brandenburg. Anfang 2022 sollen weitere Regionen und auch privat Versicherte folgen.
  • Möchten Sie teilnehmen, achten Sie auf die korrekte App, die E-Rezept-App, im Appstore, die Sie mit Ihrer Versichertenkarte einrichten müssen.
  • Wer kein Smartphone nutzt, kann einen Papierausdruck mit Rezeptcode erhalten und diesen dann vor Ort in einer Apotheke einlösen.
Eine Apothekerin steht vor dem Regal mit Medikamenten und hat ein Tablet in der Hand.
On

Mit der Einführung des elektronischen Rezepts soll die Digitalisierung im Gesundheitswesen vorangetrieben werden. Beim E-Rezept bekommen Sie Verordnungen für verschreibungspflichtige Medikamente in elektronischer Form statt auf rosa Papier.

Ein Szenario, bei dem Sie viel Zeit sparen können: Rezepte können Sie künftig auch online bei Ihrer Apotheke einlösen und sich Medikamente nach Hause liefern lassen, wenn die Apotheke einen Botendienst oder einen Versand anbietet. Es wird auch möglich sein, Folgerezepte von Ihrer Ärztin / Ihrem Arzt ohne Besuch an die E-Rezept-App zugeschickt zubekommen. Auch praktisch: Sie können in der App Ihre Apotheke über Ihren Medikamenten-Wunsch informieren und nachsehen, ob die Apotheke das Mittel vorrätig hat und wann Sie es dort mit dem digitalen Rezept abholen können.

Wann startet das E-Rezept?

Das E-Rezept ist zum 1. Juli 2021 für apothekenpflichtige Arzneimittel mit einer Testphase in der Region Berlin-Brandenburg gestartet. Nach Angaben der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) sind in dem Projekt etwa 50 Arztpraxen und 120 Apotheken beteiligt. Die Testphase soll die digitalen Abläufe bewerten.
 
Ab dem 1. Januar 2022 soll das E-Rezept dann bundesweit verfügbar sein und das bisherige rosa Papierrezept überall im Praxisalltag ablösen. Grüne Rezepte bleiben zunächst erhalten.

Entlassrezepte in Krankenhäusern müssen ab 2022 als E-Rezept ausgestellt werden. Für die ambulante Behandlung im Krankenhaus werden patientenindividuelle Rezepte, wie so genannte Zytostatika, als E-Rezept verordnet.

Was ist das E-Rezept?

E-Rezept steht für "elektronisches Rezept" und ist ein digitaler Rezeptcode, den Sie in der Apotheke gegen das verschriebene Mittel einlösen können.

Der Rezeptcode ähnelt einem QR-Code und enthält die Zugangsdaten in digitaler Form.

Im ersten Schritt werden nur die Rezepte für verschreibungspflichtige Arzneimittel elektronisch ausgestellt.

Das E-Rezept wird dann stufenweise ausgebaut. Künftig sollen auch u.a. Verordnungen für Betäubungsmittel, digitale Gesundheitsanwendungen sowie Facharztverordungen, Heilmittel, Hilfsmittel oder häusliche Krankenpflegeverordnungen digitalisiert werden.

Wie kann man das E-Rezept nutzen?

Um das E-Rezept nutzen zu können, muss man die so genannte E-Rezept-App herunterladen. Sie ist ab dem 1. Juli 2021 in den gängigen Appstores von Google, Apple und auch Huawei verfügbar. Achten Sie vor dem Installieren im Appstore auf den Herausgeber der App: Die offizielle App stammt von der "gematik GmbH", die der Gesetzgeber mit der Umsetzung beauftragt hat).

Die E-Rezept-App läuft auf Smartphones, die den NFC-Übertragungsstandard unterstützen und mindestens iOS 14 oder Android 7 als Betriebssystem haben. Um sich in der App anzumelden, benötigt man zusätzlich eine elektronische Gesundheitskarte mit NFC-Funktion und eine PIN-Nummer. PIN und NFC-fähige Gesundheitskarte können Sie bei Ihrer Krankenkasse beantragen. Von vielen Krankenkassen werden neue Karten schon länger ausgegeben. Es ist also gut möglich, dass Sie bereits eine passende Gesundheitskarte haben.

Um sich in die App einloggen zu können, müssen Sie sich mit der sog. 6-stelligen CAN-Nummer und einer PIN legitimieren. Die CAN befindet sich in der oberen rechten Ecke der Gesundheitskarte. Die PIN erhalten Sie separat von der Krankenkasse.

Was ist, wenn man kein Smartphone oder Tablet hat?

Das E-Rezept kann auch ohne Smartphone oder Tablet genutzt werden. Das E-Rezept kann von Ihrer Ärztin / Ihrem Arzt ausgedruckt und Ihnen auf Papier mitgegeben werden. Diesen Ausdruck können Sie dann wie gewohnt bei einer Apotheke Ihrer Wahl einlösen.

Kann man das E-Rezept auch über den PC abrufen und nutzen?

Am PC wird es eine "Anwendung der Versicherten" geben. Diese ermöglicht es, E-Rezepte und Protokolle zum E-Rezept einzusehen und E-Rezepte zu löschen. Man kann hier aber keine E-Rezepte bei Apotheken einlösen. Das geht nur mit dem Papierausdruck aus der Arztpraxis bzw. mit Ihrer Smartphone-App.

Wie soll das E-Rezept funktionieren?

Schritt 1: Die Arztpraxis erstellt nach Bedarf eine entsprechende Verordnung in ihrem Verwaltungssystem. Neu ist: Die Verordnung wird nicht mehr auf rosafarbenem Papier ausgedruckt und händisch unterschrieben. Arzt oder Ärztin signieren elektronisch.

Mit der elektronischen Unterschrift werden die Informationen aus der Verordnung direkt in der Telematikinfrastruktur verschlüsselt gespeichert.

Schritt 2: Sie als Patient:in entscheiden dann, ob Sie das E-Rezept auf Ihr Smartphone übermittelt oder ausgedruckt erhalten möchten. Auf dem Papierrezept ist ein 2D-Code zu sehen, der in der Apotheke einlesbar ist.

Schritt 3: Die App ermöglicht, auf ein Apothekenverzeichnis des Deutschen Apothekerverbands (DAV) zuzugreifen und eine Apotheke Ihrer Wahl auszuwählen. Mittels App gestatten Sie der Apotheke den Zugriff auf die Verordnungsdaten. Nun kann das Medikament dort vorab bereitgestellt werden: Sobald die Verfügbarkeit eines Arzneimittels angefragt wird, werden der ausgewählten Apotheke zur Überprüfung der Lagerbestände die Rezeptinformationen angezeigt. Die Apotheke informiert Sie über den aktuellen Lieferstatus. Bietet die Apotheke einen Botendienst an, kann auch diese Belieferung angeknüpft werden. Hier wählen Sie die gewünschte Option "Medikament nach Hause liefern" oder "persönlich abholen" aus.

Sie können das E-Rezept auch über die App an eine Versandapotheke weiterleiten und sich von dort beliefern lassen.

Sie können das E-Rezept außerdem direkt persönlich in der Apotheke einlösen. Der Rezeptcode wird dort gescannt. Hierbei legen Sie entweder den Ausdruck in Papierform vor oder lassen das E-Rezept von Ihrem Smartphone auslesen.

Videosprechstunden: Im Rahmen einer Videosprechstunde kann ebenfalls ein E-Rezept ausgestellt und in die App übermittelt werden. Somit müssen Sie nicht persönlich zur Arztpraxis.

Kommt das E-Rezept auch für Privatversicherte?

Das blaue Rezept für Privatversicherte gibt es zunächst weiter in Papierform. Auch Privatversicherte sollen zukünftig Zugang zum E-Rezept bekommen. Laut der ABDA werden hier noch Konzepte für eine benutzerfreundliche Abrechnung erarbeitet. Ziel ist es, zum 1. Januar 2022 auch den Privatversicherten das E-Rezept anzubieten. Die Voraussetzung hierfür ist eine elektronische Gesundheitskarte inklusive einer PIN.

Für frei verkäufliche Medikamente gilt das E-Rezept noch nicht.

Ärzt:innen stellen in dem Fall weiterhin ein grünes Papierrezept aus.

Sind Mehrfachverordnungen auf das E-Rezept möglich?

Das Ausstellen von Mehrfachverordnungen wird voraussichtlich erst Anfang 2022 möglich sein, da derzeit der E-Rezept-Server nicht in der Lage ist, diese zu verarbeiten.

Datenschutz und Datensicherheit beim E-Rezept

Die Ärztin/der Arzt versieht das E-Rezept mit einer qualifizierten elektronischen Signatur. Anhand der qualifizierten elektronischen Signatur kann die Apotheke technisch zuverlässig feststellen, wer das E-Rezept ausgestellt hat und ob der Inhalt des E-Rezepts gegebenenfalls unbefugt verändert wurde.

Nur die verordnende Arztpraxis selbst und die Apotheke Ihrer Wahl können das E-Rezept einsehen. Wenn Sie das Rezept elektronisch mit einer dritten Person geteilt haben, kann auch diese das Rezept einsehen, sofern sie in der E-Rezept-App angemeldet ist.

Die Daten des E-Rezepts werden verschlüsselt auf Servern der so genannten Telematikinfrastruktur gespeichert, die in einem gesicherten Rechenzentrum stehen. Für die Verarbeitung des E-Rezepts sind bestimmte "Schlüssel" erforderlich. Der Betreiber des E-Rezept-Fachdienstes hat keinen Zugriff auf die erzeugten Schlüssel. Das heißt mit anderen Worten: Nur der Versicherte, die verordnende Arztpraxis und die Apotheke, der Sie den Zugriff erlaubt haben, können die Patientendaten einsehen.

Automatische Löschung des E-Rezepts

E-Rezepte werden 100 Tagen nach der Einlösung automatisch gelöscht. Versicherte können aber auch ihr E-Rezept selbst löschen – auch ohne dass das E-Rezept eingelöst wurde. E-Rezepte, die nicht eingelöst wurden, werden automatisch zehn Tage nach Ablauf der Rezeptgültigkeit (Datum der Rezeptausstellung + 92 Kalendertage) gelöscht.

In begründeten Fällen kann die behandelnde Ärztin/der behandelnde Arzt ein E-Rezept wieder löschen.

E-Rezept kann nur einmal eingelöst werden

Da der Status eines E-Rezepts im Gesundheitsnetz zentral gespeichert wird, kann es auch nur einmal eingelöst werden.

Sobald eine Apotheke ein E-Rezept eingelöst hat, wird der Status geändert und lässt eine zweite Einlösung nicht zu.

Vorteile des E-Rezepts

  • Das E-Rezept spart Zeit. Die Einlösung des Rezepts kann online erfolgen, ohne dass man die Apotheke persönlich aufsuchen muss. War man in einem Quartal bereits bei der Arztpraxis, kann das Folgerezept direkt von der Praxis in der E-Rezept-App übermittelt werden. Wege in die Apotheke sind nicht mehr erforderlich, sofern von Präsenzapotheken auch ein Botendienst angeboten wird.
  • Eine direkte Weiterleitung an Onlineapotheken ist ebenso möglich.
  • Auch Rezepte Dritter, z.B. pflegebedürftiger Verwandter oder auch Heimbewohner:innen, können eingelöst werden, wenn man sie in die App lädt.
  • Kürzere Wartezeiten in der Apotheke: Kein langes Eingeben und kein Scannen von Papierrezepten mehr nötig.
  • Durch die Verknüpfung mit weiteren digitalen Anwendungen, wie dem eMedikationsplan, wird mehr Sicherheit erreicht. Fachärzt:innen und Apotheker:innen können gefährliche Wechselwirkungen schneller -erkennen.

Dieser Inhalt wurde von der Gemeinschaftsredaktion in Zusammenarbeit mit den Verbraucherzentralen Nordrhein-Westfalen und Hessen für das Netzwerk der Verbraucherzentralen in Deutschland erstellt.