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Hydraulischer Abgleich

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Bei der Modernisierung der Heizungsanlage wird üblicherweise an einem Austausch von Heizkessel oder Pumpe nachgedacht, um die Energiekosten zu reduzieren. Ein entscheidender Punkt wird hier jedoch oft vergessen: der hydraulische Abgleich.

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Hydraulischer Abhleich
Foto: holgerluck/Fotolia.com

Kurz erläutert

Der hydraulische Abgleich der Heizungsanlage sorgt dafür, dass das Gebäude gleichmäßig beheizt wird. Dabei wird die in den Rohrleitungen und den Heizkörpern umgewälzte Wassermenge optimiert. Oft wird eine viel zu große Wassermenge durch die Heizkörper transportiert. Diese ineffiziente Betriebsweise erhöht die Verteilverluste der Heizung und treibt den Stromverbrauch der Umwälzpumpe in die Höhe.

Arbeitsschritte des Fachbetriebs

Der Fachbetrieb berechnet zunächst für jeden Raum, welche Leistung der Heizkörper abgeben muss, um die gewünschte Temperatur in diesem Raum zu erreichen. In die Berechnung gehen die Wärmedämmung des Gebäudes, die Bauart der Heizkörper, Rohrleitungen etc. ein. Daraufhin wird die passende Heizwassermenge für jeden Raum und der optimalen Druck der Heizungspumpe bestimmt. Mit den Berechnungsergebnissen werden vom Fachbetrieb die Thermostatventile jedes Heizkörpers eingestellt. Auch der Pumpendruck und die Heizkurve des Kessels werden anschließend angepasst. So wird gewährleistet, dass jedem Heizkörper im Haus die korrekte Wassermenge zur Verfügung steht und sich die Wärme so gleichmäßig im ganzen Haus verteilt.

Erläuterung Heizkurve

Damit Wohnräume trotz unterschiedlicher Außentemperatur kontinuierlich warm werden, müssen Heizkörper und Flächenheizungen mit jeweils einer bestimmten Vorlauftemperatur versorgt werden. Eine Heizkurve, auch Heizkennlinie genannt, beschreibt grafisch die Zuordnung zwischen einer bestimmten Außentemperatur (x-Achse) und der Heizwassertemperatur (y-Achse). Über die Steuerung der Heizung können diese Kennlinien eingestellt werden. Die Aufheizung des Heizungswassers erfolgt nun nach Vorgabe der Heizkurve in Abhängigkeit von der Außentemperatur. Nutzer können selbst die Heizkurve anpassen. Zuvor sollten diese vom Installateur dazu eingewiesen werden.

Unter Umständen Austausch nötig

Eventuell müssen vorhandene Thermostatventile ausgetauscht oder nachgerüstet werden. Auch kann der Austausch der Heizungsumwälzpumpe gegen eine sparsamere Pumpe Vorteile bringen.

Reihenfolge wichtig

Entscheidend für den Erfolg ist es, die Optimierungsschritte systematisch und in der richtigen Reihenfolge vorzunehmen: ausgehend vom Gebäude und den Einzelräumen über die Heizkörper und Heizleitungen zum Wärmeerzeuger. Ein Ausprobieren "nach Gefühl" führt nicht zum Ziel. Von Vorteil ist es, wenn Baupläne und technische Unterlagen zur Heizungsanlage vorliegen.

Kosten und Nutzen

Ein notwendiger hydraulischer Abgleich macht sich bei den Bewohnern direkt bemerkbar. Da sich Wasser den Weg des geringsten Widerstands sucht und eher durch kurze dicke als durch lange dünne Rohre fließt, werden oft Räume in verschiedenen Etagen unterschiedlich warm. Zimmer, die vom Heizkessel weiter entfernt sind (z.B. im Dachgeschoss) bekommen zu wenig Heizwasser ab und werden nicht richtig oder nur sehr langsam warm. Hingegen werden Räume, die nah am Heizzentrum liegen, überversorgt. Eine größere Pumpenleistung und höhere Vorlauftemperaturen könnte diese Unterversorgung zwar verbessern, verbraucht jedoch unnötig viel Strom und kann zu unangenehmen Strömungs- oder Pfeifgeräuschen an einzelnen Heizkörpern und Rohrleitungen führen.

Hydraulischer Abgleich

Kosten für ein Einfamilienhaus

Durchschnittlich kostet der hydraulische Abgleich für ein Einfamilienhaus zwischen 650 und 1.250 Euro. Der Preis hängt davon ab, wie viele Thermostatventile ersetzt werden müssen und ob die Heizungspumpe getauscht wird. Dafür bietet diese Modernisierung ein Sparpotential von etwa 110 Euro pro Jahr. Wenn außerdem noch eine Hocheffizienzpumpe eingebaut wird, können zusätzlich bis zu 130 Euro Stromkosten im Jahr gespart werden. Seit dem 01. August 2016 gibt es vom BAFA auch eine Förderung zur Heizungsoptimierung. Dabei wird der Ersatz von bestehenden Heizungspumpen durch Hocheffizienzpumpen gefördert, sowie auch der hydraulische Abgleich und hierfür notwendige weitere Investitionen (wie die Anschaffung von voreinstellbaren Ventilen, Strangventilen o.ä.). Die Höhe der Förderung beträgt 30% der Gesamtnettoinvestitionen und wird nach vorausgegangener Registrierung nach der Umsetzung der Maßnahme als Zuschuss ausgezahlt.

Im WärmeCheck können Sie nachrechnen lassen, ob sich ein hydraulischer Abgleich für Ihr Haus lohnt.


Grundsätzlich gibt es drei unterschiedliche Optimierungsfälle:

Fall 1: Passende Pumpe und voreinstellbare Thermostatventile sind vorhanden

Für ein Einfamilienhaus kostet der hydraulische Abgleich als reine Dienstleistung zwischen 300 und 500 Euro. Im Preis sind die Datenaufnahme, die Berechnung der Heizlast und der Voreinstellungswerte sowie das Einstellen der Heizkörperventile, der Pumpe und der Regelung durch einen Heizungsfachmann enthalten. Mit einer BAFA- Förderung reduzieren sich die Kosten um 90-150 Euro. Ein hydraulischer Abgleich rechnet sich in diesem Fall am schnellsten. Die Kosten amortisieren sich im Schnitt mit der Förderung schon nach zwei Jahren.

Fall 2: Einbau voreinstellbarer Thermostatventile notwendig

In diesem Falle fehlen noch die voreinstellbaren Thermostatventile an den Heizkörpern. Diese müssen für den hydraulischen Abgleich nachgerüstet werden und so können für ein Einfamilienhaus Kosten zwischen 600 und 900 Euro entstehen. Bei einer Inanspruchnahme des Förderprogramms der BAFA sind nur 420 bis 630 Euro selbst zu übernehmen. Nach ca. vier Jahren hat sich dann die Maßnahme gerechnet.

Fall 3: Einbau voreinstellbarer Thermostatventile und Pumpentausch notwendig

Oft sind noch veraltete oder überdimensionierte Heizungspumpen in Betrieb, die mit zu hoher Leistung arbeiten. Diese Pumpen verbrauchen sehr viel Strom und sollten deshalb bei einem hydraulischen Abgleich ausgetauscht werden. So reduziert sich bspw. die Pumpenleistung, die 80 Watt und mehr beträgt, auf weniger als 10 Watt. Dadurch sinkt der Stromverbrauch der Pumpe und störende Strömungsgeräusche in Ihren Heizungsrohren verschwinden, da der Druck der neuen Pumpe an die Bedürfnisse angepasst ist. Neben der jährlichen Heizkostenersparnis von 120 Euro, gibt es eine jährliche Stromkostenersparnis zwischen 75 und 100 Euro. Der hydraulische Abgleich und der Einbau der neuen Hocheffizienzpumpe kosten zwischen 950 und 1250 Euro. Ein BAFA Zuschuss ist demnach zwischen 285 und 375 Euro hoch. Die Investitionen rechnen sich somit nach dreieinhalb Jahren.

Eignung von Gebäuden

Sinnvoll ist der hydraulische Abgleich grundsätzlich bei allen Gebäuden - unabhängig vom Baualter. Jedoch in älteren Gebäuden, die bisher wenig oder gar nicht baulich modernisiert wurden, sind mit dem hydraulischen Abgleich kaum Einsparungen zu erreichen. Der Grund: Die erzielten Einsparungen durch die bessere Wärmeverteilung werden durch die Wärmeverluste der ungedämmten Außenhülle ganz oder teilweise wieder "aufgefressen". Werden die Räume allerdings nachträglich wärmegedämmt, so ist der hydraulische Abgleich im Zusammenhang mit der Erneuerung der Heizungsanlage zu empfehlen.

Besonders sinnvoll ist der hydraulische Abgleich beim Einsatz von Brennwertkesseln Besonders sinnvoll ist der hydraulische Abgleich beim Einsatz von Brennwertkesseln. Denn diese Geräte arbeiten nur dann mit höchst möglicher Effizienz, wenn die Rücklauftemperaturen unterhalb der Temperaturen liegen, bei der Wasser aus dem Abgas des Heizkessels kondensiert wird. Wenn beispielsweise Erdgas als Brennstoff verwendet wird, liegt diese Temperatur unterhalb von ca. 56°C.

Sonderfälle stellen die vor allem in Mehrfamilienhäusern vorkommenden Einrohrheizungen sowie Gebäude mit Fußbodenheizung oder gemischter Fußboden- und Radiatorheizung dar. Der hydraulische Abgleich kann zwar auch bei diesen Heizungsanlagen grundsätzlich erfolgen, ist jedoch mit meist deutlich höherem Aufwand verbunden.